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Margot Honecker starb im Beisein ihrer Tochter in Chile


Margot Honecker ist gestorben

Von afp, t-online
Aktualisiert am 07.05.2016Lesedauer: 2 Min.
Margot Honecker ist in Santiago de Chile gestorben.Vergrößern des BildesMargot Honecker ist in Santiago de Chile gestorben. (Quelle: dpa-bilder)
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Margot Honecker ist gestorben. Das melden chilenische Medien unter Berufung auf die Familie.

Die Ehefrau des ehemaligen Staats-Chefs der DDR ist demnach in Santiago de Chile an Krebs gestorben. Margot Honecker wurde 89 Jahre alt.

Sie war von 1963 bis 1989 Ministerin für Volksbildung in der DDR. Laut Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse war sie - neben Stasi-Chef Mielke - die meistgehasste Person des DDR-Regimes.

Die Frau galt als heimliche, aber wahre Machthaberin im Arbeiter- und Bauern-Staat. Ihren Mann soll sie wie eine Marionette geführt haben, hatten Insider berichtet.

Flucht nach Chile

Nachdem Haftbefehl gegen Erich Honecker erlassen worden war, floh das Ehepaar Honecker im März 1991 nach Moskau. Erich Honecker wurde 1992 ausgeliefert und in Berlin vor Gericht gestellt. Margot Honecker floh weiter nach Santiago de Chile, wo ihre Tochter Sonja lebt, die in der DDR einen Exil-Chilenen geheiratet hatte.

Anfang 1993, nach Einstellung seines Prozesses, folgte ihr der damals bereits schwerkranke Erich Honecker, der im Mai 1994 in Chile starb.

Verantwortlich für Gleichschaltung an Schulen

Margot Honecker wurde 1963 Ministerin für Volksbildung der DDR. Die eiskalte Politikerin wirkte maßgeblich am "Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem" von 1965 mit. Sie war somit für die ideologische Gleichschaltung an den Schulen der DDR verantwortlich.

Gegen den Widerstand der Kirchen und vieler Eltern führte sie 1978 den Wehrunterricht für Schüler der 9. und 10. Klassen ein. Sie sorgte für militärischen Drill in Schulen und die Verherrlichung der Armee. Noch 1989 hielt Margot Honecker die "Erziehungsrichtlinie" hoch, dass der Sozialismus, wenn nötig, mit der Waffe verteidigt werden müsse.

Zynisch-arrogante Weltsicht

Ihr stalinistisches Weltbild legte sie nicht ab. So sagte sie in einem Interview mit dem NDR: Wir hatten doch Feinde, und deshalb hatten wir die Staatssicherheit!" In der Dokumentation tritt die zynische Weltsicht der Kommunistin offen zu Tage: Mauertote? Selbst schuld. Gorbatschow? Ein Verräter. Der Aufstand der DDR-Bürger? Konterrevolution.

Wolfgang Thierse bezeichnete Margot Honecker als meistgehasste Person des DDR-Regimes. In Anspielung auf ihren Ministerposten wurde sie zweideutig als "Miss Bildung" bezeichnet und wegen ihrer extravaganten Haartönung "Blaue Eminenz" oder "lila Drache" genannt.

Netzwerk zu alten Genossen

Margot Honecker hatte eine Wohnung im grünen Vorort La Reina, im Osten von Santiago de Chile, am Fuß der Anden. Die Nachbarn zählten die Witwe zum gehobenen Mittelstand.

Die DDR-Politikerin pflegte diskret Freundschaften zu ehemaligen Führungskräften der chilenischen Kommunistischen Partei. Mehrere der südamerikanischen Genossen kannte sie aus deren Exil-Jahren in der DDR. Der frühere KP-Generalsekretär Luis Corvalán veröffentlichte 2000 seine in Santiago de Chile geführten "Gespräche mit Margot Honecker über das andere Deutschland".

1500 Euro Rente sind "unverschämt"

Das wiedervereinigte Deutschland ging sehr nachsichtig mit dem Ehepaar Honecker um. Dennoch spricht die Frau, die das Leben von tausenden Bürgern zerstört hat, immer noch von "Siegerjustiz". Margot Honecker bezog von der Bundesrepublik eine Rente in Höhe von 1500 Euro - unverschämt wenig, sagte sie.

Kritische Einsichten lagen der dogmatischen First Lady fern. Der sozialistische Staat sei nicht an seinen Fehlern gescheitert. Stattdessen lautete ihre eigenwillige Analyse: "Wir haben es nicht vermocht, dem Gegner hinreichend Widerstand entgegenzusetzen."

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