Sie sind hier: Home > Panorama > Menschen >

Suche nach Tengelmann-Chef Haub: "Es kann ein Wunder geschehen"

Suche nach Tengelmann-Chef  

Bergretter: "Es kann ein Wunder geschehen"

11.04.2018, 12:20 Uhr | dpa, AFP, rtr, dru

Suche nach Tengelmann-Chef Haub: "Es kann ein Wunder geschehen". Hubschrauber der Schweizer Bergrettung: Tengelmann-Chef Haub wird seit dem Samstag vermisst. (Quelle: dpa/Philippe Mooser/KEYSTONE)

Hubschrauber der Schweizer Bergrettung: Tengelmann-Chef Haub wird seit dem Samstag vermisst. (Quelle: Philippe Mooser/KEYSTONE/dpa)

Seit dem Wochenende suchen Bergretter fieberhaft nach dem vermissten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Doch bis Mittwochmittag fehlt jede Spur. Obwohl Neuschnee und schlechte Sicht die Suche in der Matterhorn-Region erschweren – aufgeben wollen die Helfer nicht.

Schweizer und italienische Helfer kämpfen bei der Suche nach dem vermissten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub gegen schlechtes Wetter an. Neuschnee und schlechte Sicht machten die Suche in der Region um das Matterhorn zu einem schwierigen Unterfangen, sagte der Sprecher der italienischen Bergrettung, Walter Milan. Die Suche werde jedoch nicht abgebrochen.

Laut Milan suchen seine Kollegen das gesamte italienische Gebiet am Matterhorn ab. Man hoffe auf ein Schönwetter-Fenster am Freitag. "Die Suche ist sehr schwierig, das Gebiet ist sehr groß und die Spuren sind verwischt", sagte Milan. Auch gebe es viele Gletscherspalten.

Auf Schweizer Seite ist die für die Bergrettung zuständige Air Zermatt mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz. Es habe zahlreiche Überflüge mit Hubschraubern gegeben, Bergungsspezialisten hätten sich auch in Gletscherspalten abgeseilt, sagte ein Mitarbeiter der Polizeistation der Kantonspolizei in Zermatt. "Das Gelände ist sehr schwierig, hochalpin und sehr zerklüftet", sagte er.

Die Suche nach dem 58-Jährigen wollen die Helfer aber noch nicht abbrechen. "Es kann ein Wunder geschehen", sagte Milan. "Aber das Wetter hilft nicht." Ein Problem sei auch, dass Lawinenpiepser – die viele Tourengeher mit sich tragen und die bei der Suche nach Verschütteten helfen – nur eine begrenzte Zeit Signale sendeten.

Spur verlor sich am Klein Matterhorn

Haub war am Samstag allein mit der Seilbahn zum Klein Matterhorn gefahren. Die Bergstation liegt auf 3820 Metern. Dort verlor sich seine Spur. Von der Station aus gibt es Abfahrten Richtung Zermatt und Italien. Es seien zu dem Zeitpunkt andere Skifahrer vor Ort gewesen, aber bislang sei niemand gefunden worden, der den 58-Jährigen gesehen habe, so die Kantonspolizei in Zermatt.

Eine Sprecherin der Tengelmann-Gruppe hatte am Dienstagabend bestätigt, dass der Milliardär vermisst wird. Nach Angaben der Zeitung "Blick" ist Haub passionierter Ski-Alpinist und wollte im April an einem schwierigen Skitourrennen teilnehmen. Seine Familie alarmierte demnach die Polizei, als der Manager nicht zu einer Verabredung in einem Hotel in Zermatt erschienen sei. Eine von der Familie angeblich ausgesetzte Belohnung konnte die Sprecherin zunächst nicht bestätigen.
Karl-Erivan Haub: Seit Ende der 90er Jahre an der Tengelmann-Spitze. (Quelle: AP/dpa/Martin Meissner)Karl-Erivan Haub: Seit Ende der 90er Jahre an der Tengelmann-Spitze. (Quelle: Martin Meissner/AP/dpa)

Haubs Bruders Christian erklärte laut "Handelsblatt" in einem Brief an die Mitarbeiter, dass Karl-Erivan Haub am Samstag nicht von einer Skitour in den Alpen zurückgekehrt sei und seitdem vermisst werde. "Mein Bruder ist ein sehr erfahrener Skitourengänger und Bergsteiger, sodass wir trotz der Zeit, die inzwischen verstrichen ist, die Hoffnung nicht aufgeben, ihn bald zu finden". Dennoch stelle sich die Familie auf eine längere Abwesenheit von Karl-Erivan ein. Der Geschäftsbetrieb werde jedoch ganz ruhig und geordnet weiterlaufen.

Haub baute Tengelmann drastisch um

Karl-Erivan Haub hatte dem Familienimperium Tengelmann in den vergangenen Jahrzehnten seinen Stempel aufgedrückt. Der am 2. März 1960 in Tacoma im US-Bundesstaat Washington geborene Sohn des kürzlich gestorbenen Unternehmers Erivan Haub hatte Ende der 90er-Jahre die Führung übernommen und Tengelmann drastisch umgebaut.

Karl-Erivan Haub nahm harte Einschnitte vor. Schritt für Schritt zog er sich aus dem Lebensmittelhandel – der Keimzelle des Unternehmens – zurück. Den Abschluss bildete Ende 2016 der Verkauf der Supermarktkette Kaiser's-Tengelmann. Stattdessen investierte er in den boomenden Onlinehandel.

Tengelmann ist eines der weltweit bedeutendsten Handelsunternehmen. Heute gehören zur Unternehmensgruppe 73 Beteiligungen, die einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro erwirtschaften und mehr als 215.000 Mitarbeiter beschäftigen. Zum Firmenverbund zählen unter anderen der Textildiscounter Kik und die Obi-Baumärkte.

Verwendete Quellen:
  • dpa, AFP, Reuters

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal