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Donald Trump stellt die nächste Falle


Die nächste Gefahr aus Amerika

Von Florian Harms

Aktualisiert am 10.11.2022Lesedauer: 6 Min.
Meinung
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Für Donald Trump ist der Ausgang der US-Kongresswahlen unbefriedigend.
Für Donald Trump ist der Ausgang der US-Kongresswahlen unbefriedigend. (Quelle: Ricardo Arduengo/Reuters)
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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen: Ein Jahrhundert ist es her, dass der Philosoph Ludwig Wittgenstein uns diese einfache, aber profunde Weisung mit auf den Weg gegeben hat. Als Journalist arbeite ich in einem wortreichen Beruf, dem der Hang zum Schweigen eher fremd ist. Doch manchmal ist es auch für uns ein guter Rat, die Hände von der Tastatur zu nehmen oder das Mikrofon beiseitezulegen. Aber nicht, weil man über ein Thema gar nicht sprechen kann. Sondern weil es verlockend einfach wäre, da anzubeißen.

Die Zwischenwahlen in den USA haben einen Mann ins Rampenlicht zurückgebracht, der diesen Moment kaum erwarten konnte. Noch hat sich die Welt nicht so recht von Donald Trump erholt, prompt ist er wieder da. So ganz war er sowieso nie weg, jedenfalls nicht aus der Republikanischen Partei, in der seine Leute die Strippen gezogen, Kandidaten durchgedrückt und Kritiker kaltgestellt haben. Der Ex-Präsident hat akribisch an seiner Rückkehr in die Schlagzeilen gearbeitet. Seit seiner Verbannung von Twitter und Facebook hat er sogar ein eigenes soziales Netzwerk gegründet, aus dem seine Lügen über angeblichen Wahlbetrug, Verschwörungsgeplapper, Beleidigungen und Drohungen in die etablierten sozialen Medien hinüberschwappen.

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Während seiner Amtszeit hat der Twitter-Präsident die Amerikaner, die Welt und auch uns Journalisten von Eklat zu Eklat gehetzt. Bei seinen nahezu täglichen Skandalen kam man kaum noch hinterher. Der Wahnsinn hatte Methode. Trump wollte den Nachrichtenzyklus komplett dominieren. Korrespondenten und Reporter jagten ihm atemlos hinterher – vorbei an seinen innerparteilichen Konkurrenten und den Demokraten in der Opposition, die man als Schatten am Wegesrand kaum noch wahrnahm. Trump, der Meister der permanenten Aufregung, hat im Amt nicht viel auf die Reihe gebracht, aber seine Medienmasche lief wie am Schnürchen. Die Gefahr ist groß, dass sich das Spiel nun wiederholt.

Es ist auch hierzulande ein übler Volkssport, pauschal über die Presse und das Fernsehen herzuziehen. Man braucht dazu gar nicht irgendwelchen rechten Wirrköpfen zu lauschen, die über "Lügenpresse" oder "Staatsfunk" schwadronieren. Oft und gerne prasselt die Kritik auf alles Mediale nieder, von der "Tagesschau" bis zum Lokalblatt, auch wir bei t-online bekommen unser Fett ab. Mal ist es berechtigte Empörung über Fehler, wie sie auch im Nachrichtengeschäft leider passieren, manchmal die Aufregung darüber, dass sich die eigene Meinung an den veröffentlichten Fakten reibt. Doch selbst die kritischsten Geister dürften erleichtert die blühenden Wiesen der heimischen Medienlandschaft genießen, nachdem sie kurz mal ins amerikanische Fernsehen rübergezappt haben.

Denn es ist leider so: In den USA hat sich auf vielen Kanälen ein marktschreierischer Nachrichtenjargon etabliert, ein Stakkato der "Breaking News", in dem ein endloser Schwarm von Mücken als Elefantenherde durch das Studio galoppiert. Dauernachrichtensendungen buhlen mit viel Lärm um nichts um die Aufmerksamkeit der Zuschauer, weil nur so Einschaltquoten möglich sind, die das wirtschaftliche Überleben eines Medienhauses garantieren. Und ja, auch das verehrte Publikum ist nicht ganz unschuldig daran. Medien hyperventilieren, weil das bei Zuschauern, Hörern und Lesern super ankommt.

Den Donald Trumps dieser Welt spielt solche Aufgeregtheit in die Hände. Niemand ist versierter auf der überschäumenden Medienwelle gesurft als der Star aus dem Reality-TV. Die Wirklichkeit abseits der Mattscheibe zeichnet sich nach den Zwischenwahlen hingegen durch etwas aus, was Donald Trump gar nicht behagt: Komplexität. Die Kandidaten, die er ausgewählt und unterstützt hat, haben deutlich schlechter als erwartet abgeschnitten. Parteifreunde hingegen, die zu ihm auf Abstand gegangen sind, haben Siege eingefahren. Während der Ex-Bewohner des Weißen Hauses sich auf dem sicheren Weg zum Wiedereinzug wähnte, ist in der eigenen Partei ein ehemaliger Zögling zum Konkurrenten herangewachsen, der einen fulminanten Wahlsieg eingefahren hat: Floridas Gouverneur Ron DeSantis kann jetzt vor Kraft kaum laufen und dürfte Trump bald den Platz an der Spitze streitig machen. Der Ron ist ein Populist wie der Donald, gilt jedoch als smart, kühl und kalkulierend. Sein schwächelndes Charisma kann er durch ein Plus an Kompetenz ausgleichen, berichtet unser USA-Korrespondent Bastian Brauns.

Das Ende der Ära Trump ist damit aber noch lange nicht eingeläutet. Den Demokratiefeind und seine Entourage wird das enttäuschende Abschneiden bei den Kongresswahlen nicht abschrecken. Denn die Trumpisten zeichnen sich durch zwei Eigenschaften aus. Erstens pflegen sie ein distanziertes Verhältnis zur Realität: In Trumps Lager hat sich noch nicht einmal die Erkenntnis durchgesetzt, dass Joe Biden die Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren wirklich gewonnen hat. Ein mittelmäßiges Ergebnis bei den Zwischenwahlen ist in diesem Klub erst recht kein Fakt. Zweitens eint Trumps Truppe der unbedingte Wille zur Macht.

Und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Es mag wohl sein, dass die Kandidaten des Zampanos bei den Wählern nicht gut ankamen – zu extrem, manchmal auch einfach zu irre sind sie aufgetreten. Aber bei den engagierten Mitgliedern der Republikanischen Partei sind die Trump-Leute überaus beliebt. An der Basis geben vielerorts die Extremisten den Ton an. Für sie ist im Wahljahr 2024 nur ein einziges Ergebnis denkbar: die Wiederkehr ihres Messias. Alles andere kann nur Wahlfälschung sein.

Das endgültige Ergebnis der Zwischenwahlen wird noch immer ausgezählt (hier der aktuelle Stand). Eines aber ist jetzt schon klar: In der amerikanischen Politik wird es wieder lauter. Für uns Journalisten auf beiden Seiten des Atlantiks heißt das: aufpassen, dass wir nicht in die von Trump gestellte Falle tappen. Es gibt genug über ihn zu berichten und einzuordnen. Doch nicht jeder seiner Winkelzüge verdient begleitendes Tamtam. Trump hat die Hebel der Macht nicht in der Hand, also dürfen wir die Aufmerksamkeit auf das notwendige Maß zurückfahren. Und gelegentlich auch mal schweigen.

Ach so: Hatte ich eigentlich erwähnt, dass Trump für kommenden Dienstag ein wichtiges, aufregendes Statement angekündigt hat? Nein? Na so was! Ich schlage vor, wir warten erst mal ab.


Was steht an?

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Bundestrainer Flick kann 26 Kicker mit nach Katar nehmen. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)

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Was amüsiert mich?

Ich gestehe: Meine allerliebste Lieblingsfernsehsendung war "Herzblatt". Umso mehr freue ich mich, dass über ein Comeback der Vorabend-Show nachgedacht wird. Dann bekommen wir endlich wieder Höhepunkte wie diesen hier serviert.

Ich wünsche Ihnen, mit Verlaub, einen Tag voller Höhepunkte.

Herzliche Grüße

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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