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Ukraine-Krieg | US-Militär zu Raketeneinschlag in Polen: Riefen die Russen nicht an


US-Militär: Ja, wir riefen die Russen nicht an

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 30.11.2022Lesedauer: 2 Min.
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Amtskollegen, schlecht verbunden: US-Generalstabschef Milley (l.) erreichte den russischen Kollegen Gerassimow (r.) nicht.
Amtskollegen, schlecht verbunden: US-Generalstabschef Milley (l.) erreichte den russischen Kollegen Gerassimow (r.) nicht. (Quelle: Rod Lamkey, Mikhail Metzel, Datawrapper/OSM; Montage Heike Aßmann/imago images)
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Die Sorge vor einer Ausweitung des Ukraine-Krieges war nach dem Einschlag einer Rakete in Polen größer als je zuvor. Eigentlich ein Anlass, die Hotline zwischen den Militärs zu nutzen.

Am 15. November schlug eine Rakete im polnischen Przewodów ein – die Lage war unklar. Und doch gab es über den eigens eingerichteten direkten Draht zwischen dem Europa-Hauptquartier der US-Streitkräfte und dem russischen Militär keinen Kontakt. Diese Leitung soll in Krisensituationen helfen, Missverständnisse auszuräumen und so Eskalationen zu vermeiden. Am Abend des Raketeneinschlags wurde sie nicht genutzt, erklärte ein US-Militärsprecher t-online.

Bei der Detonation unweit der Grenze zur Ukraine waren in Polen zwei Menschen ums Leben gekommen. Schnell gab es Berichte, dass eine russische Rakete auf das polnische Gebiet abgeschossen worden sei. Eine Attacke auf ein Nato-Land hätte eine dramatische Zuspitzung bedeuten können. Die "Bild"-Zeitung titelte am nächsten Morgen noch "Putin feuert Raketen nach Polen". Da war die Aufregung aber bereits merklich abgekühlt, weil in der Nacht immer klarer geworden war: Der Einschlag kam von einer Rakete, die die Ukraine eingesetzt hatte, um Angriffe russischer Flugkörper abzuwehren.

Luftaufklärung war gefragt

In der ersten Unklarheit arbeiteten Analysten unter Hochdruck. Das Allied Air Command, das vom pfälzischen Ramstein aus die Nato-Luftstreitkräfte führt, lieferte Daten aus der Luftaufklärung. Die Geheimdienste trugen eilig Informationen zusammen. Doch die USA und Russland machten keinen Gebrauch davon, über derartige Fragen direkt zu sprechen. "Die Leitung wurde nicht verwendet, um Informationen zu diesem speziellen Fall zu übermitteln", teilte ein US-Sprecher t-online mit.

Raketeneinschlag: Bei den Ermittlungen am nächsten Tag war klar, dass kein von Russland abgefeuertes Geschoss eingeschlagen war.
Raketeneinschlag: Bei den Ermittlungen am nächsten Tag war klar, dass kein von Russland abgefeuertes Geschoss eingeschlagen war. (Quelle: POLSKA POLICJA)

Die Hotline, "die auf der taktischen Ebene eingesetzt wird, um ein unbeabsichtigtes Handeln oder eine Eskalation zu verhindern", besteht seit dem 1. März. Zur Einrichtung hatte ein US-Beamter dem Magazin "The Hill" gesagt: "Es ist wirklich wichtig, dass wir keinen Unfall oder eine Fehleinschätzung riskieren." Zuvor hatten die USA bedauert, dass es in dem Konflikt keine direkten Drähte gab; Russland reagierte darauf, die Verbindung kam zustande: Auf der einen Seite sitzen Militärs einer nicht bekannten russischen Stelle, auf der anderen Seite Soldaten bei Eucom, dem Europäischen Kommando der Vereinigten Staaten in Stuttgart.

US-General versuchte es vergebens

Gründe, warum der heißte Draht nicht genutzt wurde, gab der Sprecher nicht an. Die Verbindung sei aber ein verlässlicher Kommunikationsweg: "Es werden täglich Kontrollen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Leitung funktioniert."

Es war bereits bekannt, dass an dem Abend der US-Generalstabschef Mark Milley vergebens versucht hatte, seinen russischen Amtskollegen Waleri Gerassimow zu erreichen. Doch Gerassimow, der zugleich stellvertretender russischer Verteidigungsminister ist, sei nicht erreichbar gewesen, erklärte Milley.

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Verwendete Quellen
  • Anfrage an EUCOM
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