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Als D├╝rre und Eiszeit Europa ersch├╝tterten

Von Angelika Franz

Aktualisiert am 07.02.2021Lesedauer: 4 Min.
Szene aus der G├Âttlichen Kom├Âdie: Das Klima spielte eine gewisse Rolle bei der Entstehung des Meisterwerks von Dante Alighieri.
Szene aus der G├Âttlichen Kom├Âdie: Das Klima spielte eine gewisse Rolle bei der Entstehung des Meisterwerks von Dante Alighieri. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Das Klima der vergangenen Jahre gleicht auff├Ąllig der Wetterlage zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Nach einer anf├Ąnglichen D├╝rre versank Europa damals in einer verheerenden K├Ąlteperiode.

Anfang des 14. Jahrhunderts wurde es kalt auf der Welt. Die Winter schienen unendlich lang, die Sommer viel zu kurz f├╝r den Kreislauf aus Aussaat, Wachstum und Ernte. Im weiteren Verlauf der sogenannten Kleinen Eiszeit r├╝ckten in den Alpen die Gletscher so weit vor, dass sie Geh├Âfte und D├Ârfer unter ihrer Last zerquetschten.

Der Hunger f├╝hrte zu bitteren Kriegen um die mageren Ernten. Mit den geschw├Ąchten K├Ârpern der Land- und Stadtbev├Âlkerung hatte die Pest ein leichtes Spiel, allein zwischen 1346 und 1353 raffte der Schwarze Tod rund ein Drittel der Bev├Âlkerung Europas hinweg.

Die Arktis ist ein entscheidender Faktor

Der Wandel kam pl├Âtzlich. Unmittelbar bevor der Spuk begann, hatte Europa einige Jahre lang w├Ąhrend einer ausgepr├Ągten Hitze- und D├╝rreperiode schwitzen m├╝ssen. Und diese Hitzewelle, warnen Forschende der Leibniz-Institute f├╝r Geschichte und Kultur des ├Âstlichen Europa (GWZO) und f├╝r Troposph├Ąrenforschung (TROPOS) in einem Aufsatz im Fachjournal "Climate of the Past", gleiche auf be├Ąngstigende Weise der Wetteranomalie, unter der Kontinentaleuropa seit 2018 leide.

Damals wie heute sei das Klima durch eine verst├Ąrkte Erw├Ąrmung der Arktis gepr├Ągt. Diese sogenannte Arktische Verst├Ąrkung sorgt daf├╝r, dass der Temperaturunterschied zwischen den mittleren Breiten und der Region um den Nordpol abnimmt. Und zwar dramatisch: In den letzten Jahrzehnten stiegen die Temperaturen in der Arktis mehr als doppelt so schnell wie in anderen Regionen der Erde. Die Angleichung f├╝hrt dazu, dass weniger atmosph├Ąrischer Austausch stattfindet: Die Wetterlagen werden stabiler.

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Ausgetrockneter See im Allg├Ąu: Auch in Deutschland werden D├╝rren immer mehr zum Problem.
Ausgetrockneter See im Allg├Ąu: Auch in Deutschland werden D├╝rren immer mehr zum Problem. (Quelle: Astrid08/Panthermedia/imago-images-bilder)

Das bedeutet jedoch, dass Hitze oder K├Ąlte sich aufstauen: "Die ├ťbergangszeit zwischen zwei Klimaphasen k├Ânnte durch geringere Temperaturunterschiede zwischen den Breitengraden gepr├Ągt sein und l├Ąnger anhaltende Gro├čwetterlagen verursachen, was eine Zunahme von Extremereignissen erkl├Ąren k├Ânnte", mahnt Patric Seifert vom Leibniz-Institut f├╝r Troposph├Ąrenforschung, der sich als Meteorologe um die Rekonstruktion der Gro├čwetterlagen in der Studie k├╝mmerte, in einer Pressemitteilung.

Warnungen ├╝bersehen?

Es sind eben diese ├ťbergangszeiten, die den Forschern Sorgen bereiten. Denn die Vorzeichen standen 1302 bis 1307 ganz ├Ąhnlich wie seit 2018. Bislang hatten sich Klimaforscher und Historiker zumeist auf den Beginn der Kleinen Eiszeit und die Folgen f├╝r die Menschen Europas konzentriert. Die Warnzeichen der vorausgegangenen D├╝rrejahre aber wurden dabei meist ├╝bersehen.

F├╝r die Rekonstruktion des Klimas studierten die Forscher nun vor allem historische Dokumente aus Oberitalien, S├╝dostfrankreich und Ostmitteleuropa: "Wir wollen damit zeigen, dass der historische Klimawandel viel besser rekonstruiert werden kann, wenn nicht nur Klimaarchive wie Baumringe oder Sedimentkerne genutzt werden, sondern auch historische Quellen", erkl├Ąrt Martin Bauch vom Leibniz-Institut f├╝r Geschichte und Kultur des ├Âstlichen Europa, der die Forschungsgruppe leitet. "Das Einbeziehen der geisteswissenschaftlichen Forschung tr├Ągt deutlich dazu bei, die gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels in der Vergangenheit besser zu verstehen und Schlussfolgerungen f├╝r die Zukunft zu ziehen."

In den Archiven fanden die Forscher erschreckende Hinweise auf die D├╝rrejahre unmittelbar vor der Kleinen Eiszeit. In Italien und Frankreich gingen beispielsweise die St├Ądte in Flammen auf. "Gro├če Stadtbr├Ąnde folgten meist ein Jahr nach den D├╝rren", f├╝hrt Bauch aus. "Die Holzstrukturen in den mittelalterlichen H├Ąusern reagierten mit Verz├Âgerung. Wenn sie aber einmal ausgetrocknet waren, entz├╝ndeten sie sich sehr leicht." Das wohl ber├╝hmteste Beispiel ist der gro├če Brand von Florenz, bei dem das Feuer am 10. Juni 1304 ├╝ber 1.700 H├Ąuser zerst├Ârte.

Gluthauch am Mittelmeer

Auch Wassermangel wurde in Oberitalien zum Problem. Die St├Ądte Siena und Parma mussten ihre Brunnen vertiefen, um die Bev├Âlkerung versorgen zu k├Ânnen. Und Siena begann sogar mit dem Bau eines eigenen Hafens im rund 100 Kilometer entfernten Talamone, um Getreide importieren zu k├Ânnen, nachdem auf den Feldern in der n├Ąheren Umgebung die Ernte verdorrt war. Die D├╝rre war bis nach Afrika zu sp├╝ren, auch der Nil f├╝hrte in jenen Jahren deutlich weniger Wasser als sonst.

Der Gluthauch der D├╝rrejahre war rund um das Mittelmeer von 1302 bis 1304 zu sp├╝ren, w├Ąhrend es n├Ârdlich der Alpen noch feucht blieb. Dann aber schlug das Pendel um. Die Hitze im S├╝den wich starken Regenf├Ąllen, daf├╝r litten nun West- und Mitteleuropa unter der Hitze. Wissenschaftlich ist dieses Ph├Ąnomen als Niederschlagswippe (Precipitation Seesaw) bekannt, ein starker Kontrast zwischen extrem hohen Niederschl├Ągen in einem Teil von Europa und extrem niedrigen Niederschl├Ągen in einem anderen.

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So wie wir es auch aus der j├╝ngsten Vergangenheit kennen: "2018 lagen beispielsweise sehr stabile Tiefs lange ├╝ber dem Nordatlantik und S├╝deuropa, was zu starken Niederschl├Ągen dort und einer extremen D├╝rre dazwischen in Mitteleuropa f├╝hrte", erl├Ąutert Seifert. Nach 1310 aber wurde es dann ├╝berall kalt in Europa. Als Dante-Anomalie kennen die Klimaforscher den Beginn der Kleinen Eiszeit, benannt nach dem italienischen Dichter und Philosophen Dante Alighieri, der die Klimaextreme in seiner G├Âttlichen Kom├Âdie verarbeitete.

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