Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Ohne Impfstoffe wÀre die Welt ein grauenhafter Ort

Von Angelika Franz

09.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Mensch mit Pockenerkrankung (Archivbild): Impfstoffe haben geholfen, einige der schlimmsten Plagen der Menschheit zu einzudÀmmen.
Mensch mit Pockenerkrankung (Archivbild): Impfstoffe haben geholfen, einige der schlimmsten Plagen der Menschheit zu einzudÀmmen. (Quelle: Photoshot/dpa-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Heute fĂŒrchten die Menschen Corona, frĂŒher waren es Superkiller wie die Pocken. Dass uns manche Plage nicht mehr schreckt, verdanken wir Impfstoffen. Ohne sie wĂ€re unser Leben furchtbar.

Haben Sie Kinder? Ja? Dann freuen Sie sich, dass Sie nicht im frĂŒhen 19. Jahrhundert lebten, sondern im Jahr 2022. Denn damals erreichte nur jedes zweite Kind das Erwachsenenalter, die HĂ€lfte starb irgendwann zwischen Geburt und VolljĂ€hrigkeit. Erst in der zweiten HĂ€lfte des Jahrhunderts wurde die Lage etwas besser, 1870 waren es nur noch 250 von 1.000 Kindern, die das Elternhaus im Sarg verließen.


Die gefÀhrlichsten Viren im 21. Jahrhundert

Marburg-Virus: Der Erreger gehört zu den gefÀhrlichsten bekannten Krankheitsviren. Er trat 1967 zum ersten Mal in der UniversitÀtsstadt auf.
MERS-Coronavirus: MERS steht fĂŒr das 2012 erstmals identifizierte Middle East Respiratory Syndrome und bezeichnet eine schwere bis tödliche Infektion der Atemwege.
+5

Was war geschehen? NatĂŒrlich waren die Hygienemaßnahmen besser geworden, ebenso wie die medizinische Versorgung. Und die Forschung hatte etwas entdeckt, das Millionen von Familien großes Leid ersparen sollte: das Prinzip der Impfung. Die Möglichkeit, im Körper einen Schutzschild gegen tödliche Krankheiten aufzubauen.

Eine Plage der Bibel

Eine der tödlichsten Seuchen waren die Pocken. Erst bildeten sich kleine Pusteln, die zu Blasen – den sogenannten Pocken oder Blattern – heranwuchsen, bis Gesicht und ExtremitĂ€ten völlig entstellt waren. Selbst nach einer Heilung blieben schreckliche Narben zurĂŒck, etwa ein Drittel der Überlebenden erblindete.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Depeche Mode in Trauer: Andy Fletcher ist tot
Depeche Mode: Keyboarder Andy Fletcher, SĂ€nger Dave Gahan und Gitarrist Martin Gore.


Schon die Ägypter kannten den Schrecken der Pocken, in der Bibel sind sie die sechste Plage, unter der das Land am Nil leiden musste. TatsĂ€chlich ist das Gesicht einiger Mumien, darunter der von Ramses V., durch Pockennarben entstellt. Als im 16. Jahrhundert die europĂ€ischen Eroberer die Pocken in Nordamerika einschleppten, starben – je nach SchĂ€tzung – ein Viertel bis 90 Prozent der völlig ungeschĂŒtzten indigenen Bevölkerung. Und in Europa fielen ihnen gegen Ende des 18. Jahrhunderts etwa zehn Prozent aller Kleinkinder zum Opfer, deutlich mehr als der Pest.

Werbung fĂŒr die Impfung gegen Polio: Impfungen haben unzĂ€hlige Menschen vor Krankheit und Tod bewahrt.
Werbung fĂŒr die Impfung gegen Polio: Impfungen haben unzĂ€hlige Menschen vor Krankheit und Tod bewahrt. (Quelle: Rogge/ullstein-bild)

Ein Heilmittel gibt es bis heute nicht. GlĂŒcklicherweise aber eine Impfung. Wer vor 1976 in West- oder vor 1980 in Ostdeutschland geboren wurde, trĂ€gt vermutlich auf der Schulter immer noch eine kleine Narbe, die von der damals gesetzlich vorgeschriebenen Impfung stammt. Die Pockenimpfung war tatsĂ€chlich die erste erfolgreiche Immunisierung in der Geschichte der Medizin – auch wenn zu Anfang noch nicht so recht bekannt war, wie und warum sie wirkte.

Nach frĂŒhen Impfversuchen mit Eiter oder Schorf von Infizierten mit schwachen KrankheitsverlĂ€ufen entwickelte der englische Landarzt Edward Jenner gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Impfung mit Kuhpocken. Noch heute werden Impfstoffe als Vakzine bezeichnet, vom lateinischen vacca, zu Deutsch: Kuh. Allerdings dauerte es eine Zeitlang, bis die allgemeine Pocken-Impfpflicht eingefĂŒhrt wurde, im Deutschen Reich erst im Jahr 1874.

Legenden der Medizin

Das waren die Jahre, in denen sich die medizinischen Erfolge ĂŒberschlugen. 1864 stellte der Franzose Louis Pasteur seine Theorie der Keime als Krankheitserreger auf. Robert Koch, Namensgeber des heutigen Instituts fĂŒr KrankheitsĂŒberwachung und -prĂ€vention, konnte 1876 Bacillus anthracis als Verursacher des Milzbrandes identifizieren, fĂŒnf Jahre spĂ€ter gelang ihm das Gleiche mit Mycobacterium tuberculosis als Erreger der Tuberkulose.

Impfung gegen Polio 1958: Dank Schutzimpfungen mĂŒssen wir die KinderlĂ€hmung nicht mehr fĂŒrchten.
Impfung gegen Polio 1958: Dank Schutzimpfungen mĂŒssen wir die KinderlĂ€hmung nicht mehr fĂŒrchten. (Quelle: Shalan Stewart/imago-images-bilder)

Die MĂŒhen zahlten sich aus. Im Jahr 1910 lag die Kindersterblichkeit nur noch bei etwa 160 von 1.000. Doch es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis mit dem neuen Wissen um Krankheiten und ihre Erreger auch tatsĂ€chlich weitere Impfungen entwickelt werden konnten. Unterdessen verbreitete der Tod weiterhin Schrecken und Leid. Als "WĂŒrgeengel der Kinder" – medizinisch Diphtherie – holte er sich jedes fĂŒnfte erkrankte Kind unter fĂŒnf Jahren.

Die Kleinen fieberten und ihr Hals schwoll zu. Wurde der WĂŒrgegriff zu stark, bekam das Kind keine Luft mehr und musste jĂ€mmerlich ersticken. Bevor der spĂ€tere NobelpreistrĂ€ger Emil von Behring Ende des 19. Jahrhunderts sein Diphtherie-Heilserum entwickelte, beraubte die Krankheit mitunter ganze Landstriche ihrer Erbengeneration.

Wirkliche Besserung kam allerdings erst allmÀhlich, als 1923 der Impfstoff gegen Diphtherie bereitgestellt wurde. 1613 gilt in der spanischen Geschichte noch heute als El Año de los Garrotillos, das Jahr der Strangulationen.

(Quelle: ha)

Auch Tuberkulose war noch immer eine hĂ€ufige Todesursache unter Kindern und Jugendlichen. Schwindsucht wurde die Krankheit oft genannt, weil dieser Name so treffend den Zustand der Kranken beschreibt. ZunĂ€chst sind sie auffĂ€llig mĂŒde und fĂŒhlen sich schwach. Appetit haben sie kaum noch, zusehends verlieren sie an Gewicht – sie schwinden regelrecht dahin.

Eine Geißel der Menschheit

StĂ€ndig quĂ€lt sie ein trockener Husten. Gegen Abend stellt sich meist ein leichtes Fieber ein, in der Nacht schwitzen sie stark. Kommt es dann auch noch zu einer tuberkulösen Meningitis, einer HirnhautentzĂŒndung, werden die geschwĂ€chten Kranken zusĂ€tzlich von KrĂ€mpfen, Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen gequĂ€lt. Wenn sie am Ende der Tod ereilt, ist vom Körper nur noch eine ausgemergelte HĂŒlle ĂŒbrig.

1905 hatte Robert Koch fĂŒr die Beschreibung des Tuberkulose-Erregers Mycobacterium tuberculosis den Medizin-Nobelpreis verliehen bekommen. Es sollte aber noch ĂŒber 20 weitere Jahre dauern, bis eine Impfung der Schwindsucht den Schrecken nehmen konnte.

Franklin D. Roosevelt: Der frĂŒhere US-PrĂ€sident war an Polio erkrankt.
Franklin D. Roosevelt: Der frĂŒhere US-PrĂ€sident war an Polio erkrankt. (Quelle: /ullstein-bild)

Etwa zur gleichen Zeit wurde auch eine Immunisierung gegen Tetanus, den Wundstarrkrampf, verfĂŒgbar. Tetanus ist eine wahrlich teuflische Infektion: Das Bakterium Clostridium tetani fĂŒhrt dazu, dass die Muskeln nach und nach verkrampfen. Das Gesicht der Kranken verspannt sich zu einem satanischen Grinsen, dem sogenannten Teufelslachen. Die RĂŒckenmuskulatur zieht sich so stark zusammen, dass Wirbel unter dem Druck brechen können.

Loading...
Loading...
Loading...

Heftige KrĂ€mpfe schĂŒtteln den Körper, am Ende droht oft der Erstickungstod. Heute ist die Tetanusimpfung eine der ersten, die Neugeborene bekommen. Sie waren zuvor besonders gefĂ€hrdet, denn wenn die Mutter nicht geimpft ist, kann schon das Durchtrennen der Nabelschnur mit einem verunreinigten Instrument Clostridium tetani in die Wunde bringen und den SĂ€ugling töten.

Nicht nur Kinderkrankheiten!

Behandelbar ist der Wundstarrkrampf kaum, in Deutschland sterben auch heute noch ein Viertel der Infizierten. Dank der medizinischen Fortschritte und der neuen Impfungen sank die Kindersterblichkeit bis 1930 auf unter 100 von 1.000. Die schrecklichsten Krankheiten waren damit gebannt.

Doch es grassierte immer noch der Keuchhusten, der bei SĂ€uglingen zum Atemstillstand fĂŒhren kann. Oder die Grippe, der wĂ€hrend der Pandemie von 1918/1919 allein in Deutschland 400.000 Menschen zum Opfer fielen. Die KinderlĂ€hmung forderte nach wie vor viele Opfer, die oft fĂŒr den Rest ihres Lebens behindert oder in der Eisernen Lunge zurĂŒckblieben – in Deutschland waren es im Jahr 1932 noch 3.700.

Auch Mumps grassierte noch, der bei Kindern eine HirnhautentzĂŒndung verursachen und Jungs sogar unfruchtbar machen kann. Hirnhaut- oder LungenentzĂŒndung drohte auch bei den Masern. Und wenn sich eine Schwangere mit Röteln infizierte, kam ihr Kind oft mit schweren Missbildungen oder gar tot zur Welt.

In den Nachkriegsjahren wurden auch fĂŒr diese Krankheiten Impfstoffe entwickelt. Die Kindersterblichkeit sank bis 1970 auf etwa 25 von 1.000. Heute erreichen nur 3,8 von 1.000 Kindern in Deutschland nicht das Erwachsenenalter.

Die hĂ€ufigste Ursache hat allerdings nichts mehr mit Infektionskrankheiten zu tun. Es sind meist die extremen FrĂŒhchen, die versterben – und FrĂŒhgeburten sind hĂ€ufig eine Folge von Nikotin oder Alkohol in der Schwangerschaft sowie von Mehrlingsschwangerschaften.

Weitere Artikel


Wenn Sie also Kinder haben, dann sind diese jetzt, wo sie bereits geboren sind, relativ sicher vor dem Tod durch viele Infektionskrankheiten. Gehen Sie doch gleich einmal zu ihnen hin und nehmen Sie sie fest in den Arm.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
DeutschlandEuropaImpfstoff
Justiz & KriminalitÀt




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website