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Ural: 1200 Verletzte bei Meteoritenregen in Russland

Tscheljabinsk  

1200 Verletzte bei Meteoritenregen

15.02.2013, 22:33 Uhr | dpa, AFP, dapd

Ural: 1200 Verletzte bei Meteoritenregen in Russland. Eine Amateurkamera fängt den Schweif eines der Meteoritensplitter im Ural ein. (Quelle: Screenshot: Liveleak.com)

Eine Amateurkamera fängt den Schweif eines der Meteoritensplitter im Ural ein. (Quelle: Screenshot: Liveleak.com)

Bei einem Meteoritenregen im russischen Ural sind rund 1200 Menschen verletzt worden, darunter mindestens 200 Kinder. Das teilte der örtliche Gouverneur Michail Jurewitsch mit. Demnach handelte es sich bei zwei Dritteln der Fälle um leichte Verletzungen durch umherfliegende Glassplitter oder andere Materialien. Allein in Tscheljabinsk hätten sich mehr als 750 Menschen in ärztliche Behandlung begeben.

Der Einschlag erfolgte um 9.23 Uhr Ortszeit, 4.23 Uhr MEZ. In sechs Städten der Region rund 1500 Kilometer östlich von Moskau seien Schäden registriert worden. Atomanlagen der Gegend seien nicht betroffen, berichtete der Staatskonzern Rosatom.

In Tscheljabinsk - 1500 Kilometer östlich von Moskau - ging der Meteoritenregen nieder (Karte: Google maps)In Tscheljabinsk - 1500 Kilometer östlich von Moskau - ging der Meteoritenregen nieder (Karte: Google maps) Dächer und Scheiben zertrümmert

Der Meteorit raste nach Experteneinschätzung mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Erde. Nach Eintritt in die Atmosphäre dürfte das kosmische Geschoss mit einer gewaltigen Druckwelle explodiert sein. Dadurch wurden zahlreiche Dächer zerstört und Fensterscheiben zertrümmert

Foto-Serie mit 5 Bildern

"Es gibt Hinweise auf eine Explosion in etwa 10.000 Metern Höhe", sagte der Sprecher des regionalen Zentrums des Zivilschutzministeriums im Ural der Nachrichtenagentur RIA Novosti. Andere Agenturen zitierten mehrere Zeugen, die von heftigen Explosionen in der Region berichteten. Unter der Bevölkerung sei Panik ausgebrochen.

Mehrere Dutzend Tonnen schwer

Bei dem Meteoriten habe es sich um ein "ziemliches großes Objekt mit einem Gewicht von mehreren Dutzend Tonnen" gehandelt, sagte der russische Astronom Sergej Smirnow dem Fernsehsender Rossia 24. Einzelne Splitter hätten demnach jeweils bis zu einem Kilogramm wiegen können.

"Nach allem, was wir wissen, ging ein Meteorit mit einem Durchmesser von zwei bis vielleicht vier Metern nieder", sagte Smirnows Kollege Sergej Jasew. "Wegen seiner gigantischen Geschwindigkeit explodierte er in den oberen Schichten der Atmosphäre. Die Druckwelle reichte bis zur Erdoberfläche", erklärte er.

Sechs Meter breiter Krater

Ein Teil des Meteorits sei in der Nähe des zugefrorenen Sees Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk niedergegangen, teilte die Gebietsverwaltung mit. Hier entdeckten die Behörden einen sechs Meter breiten Krater sowie mehrere etwa einen Zentimeter große Splitter.

"Die meisten Splitter sind verdampft, einige schafften es aber bis zur Erdoberfläche", sagte Valeri Schuwalow von der Russischen Wissenschaftsakademie. Er vermutet, dass es sich um einen Nickel-Eisen-Meteoriten handelt. Nur ein solcher Körper sei fest genug, um die unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen.

"So ein Objekt, ist praktisch nicht zu entdecken"

Abstürzende Meteoriten von geringer Größe lassen sich laut ESA-Ingenieur Rainer Kresken nur schwer vorher erkennen. "So ein Objekt, wie da in Russland runtergekommen ist - das maximal vielleicht einen Meter groß war, würde ich schätzen, oder zwei - ist mit den heutigen Mitteln der Technik vorher praktisch nicht zu entdecken", sagte der Raumfahrtingenieur der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) dem Fernsehsender n-tv. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit von mindestens 11,2 Kilometern pro Sekunde könnten auch kleine Objekte großen Schaden anrichten.

Der Einschlag des Meteoriten am Uralgebirge hat nach Angaben deutscher Weltraumexperten nichts mit dem Asteroiden "2012 DA14" zu tun, der an diesem Freitagabend knapp an der Erde vorbeirasen wird. "Das ist etwas völlig anderes. Flugbahn und Ort des Einschlages sprechen dagegen", sagte ein ESA-Sprecher auf Anfrage.

Eltern sollen Kinder aus Schulen abholen

Die Stadtverwaltung von Tscheljabinsk rief auf ihrer Internetseite die Bürger auf, ihre Kinder aus den Schulen abzuholen und ihre Häuser danach nicht mehr zu verlassen. Wegen der Schäden sollten Betriebe und Einrichtungen ihre Mitarbeiter nach Möglichkeit zum Helfen nach Hause schicken. Die Temperaturen in Zentralrussland liegen derzeit bei minus 18 Grad.

Zur Überwachung der Lage in der Region stellte das Katastrophenschutzamt 20.000 Einsatzkräfte sowie Flugzeuge und Hubschrauber zur Verfügung. Das Verteidigungsministerium entsandte Soldaten zu den Einschlagstellen der Gesteinsfragmente.

Schutz nicht möglich

Der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin sprach sich unterdessen für eine internationale Initiative zur Errichtung eines Schutzsystems aus, mit dem nicht nur frühzeitig vor gefährlichen Objekten aus dem Weltall gewarnt, sondern diese auch zerstört werden können.

Weder Russland noch die USA hätten die Möglichkeit zur Abwehr solcher Objekte, meinte der für die Raumfahrt zuständige Politiker. Eine Kommission der russischen Rüstungsindustrie werde sich nun mit dieser Frage befassen, kündigte Rogosin an.

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