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Virologe warnt vor neuer Welle in den KrankenhÀusern

Von dpa
Aktualisiert am 22.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Eine Krankenschwester in einer Klinik in Gauting (Symbolbild): Die Infektionszahlen in Deutschland können nicht mit denen aus anderen LÀndern verglichen werden, so der Virologe.
Eine Krankenschwester in einer Klinik in Gauting (Symbolbild): Die Infektionszahlen in Deutschland können nicht mit denen aus anderen LÀndern verglichen werden, so der Virologe. (Quelle: Matthias Balk/dpa-bilder)
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TĂ€glich werden in Deutschland neue Rekorde der Corona-Neuinfektionen gemeldet. Dennoch gibt es immer wieder Stimmen, die vom Ende der Pandemie sprechen. Ein Virologe aus MĂŒnchen warnt vor voreiliger Entwarnung.

Die deutschen KrankenhĂ€user steuern nach EinschĂ€tzung des MĂŒnchner Virologen Oliver Keppler auf neuerlich sehr hohe Zahlen von Corona-Patienten zu. Die Wucht der Infektionswelle wird sich nach EinschĂ€tzung des Wissenschaftlers in den Kliniken niederschlagen.

"Eine Verharmlosung von Omikron wĂ€re daher fatal, die hĂ€ufig zu lesende Einordnung als "mild" halte ich fĂŒr brandgefĂ€hrlich", sagte der Leiter der Virologie an der MĂŒnchner Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t der Deutschen Presse-Agentur.

MĂŒnchner Virologe: "Monströses Infektionsgeschehen in den USA"

Die Ausgangslage in Deutschland sieht Keppler wegen des vergleichsweise hohen Durchschnittsalters der Bevölkerung und vieler Ungeimpfter als schwierig an.

"In den USA sehen wir ein monströses Infektionsgeschehen mit bis zu einer Million neuer InfektionsfÀlle am Tag", sagte der Vorstand des Max von Pettenkofer-Instituts. "Dort sind mehr Covid-19-Patienten in den KrankenhÀusern als jemals zuvor in der Pandemie, und auch die Todesfallzahlen nehmen in den letzten Wochen wieder deutlich zu. Das ist nun alles andere als "mild"."

Langzeitfolgen von Omikron-Infektion noch unklar

VorlĂ€ufige Untersuchungen aus Großbritannien und den USA deuteten darauf hin, dass Omikron-Infektionen in der Breite etwa zwei bis dreimal seltener zur Einweisung ins Krankenhaus fĂŒhrten als Delta-Infektionen.

"Aber diese neue Variante erzeugt ja eine viel höhere Infektionsdynamik mit Neuinfektionszahlen, die zehn- bis zwanzigfach höher liegen als in der Delta-Welle zu einem vergleichbaren Zeitpunkt." DarĂŒber hinaus gab Keppler zu bedenken, dass die langfristigen Auswirkungen von Omikron-Infektionen noch nicht im Kontext von Long Covid untersucht werden konnten.

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Viele Ungeimpfte ĂŒber 60: Hohes Risiko fĂŒr schwere VerlĂ€ufe

Deutschland sei glĂŒcklicherweise etwa vier bis fĂŒnf Wochen hinter der Omikron-Welle in den USA und Großbritannien zurĂŒck und könne daraus lernen, sagte der Virologe. "Auch in Deutschland werden wir bald 200.000 bis 400.000 Neuinfektionen am Tag sehen. Das wird ohne Zweifel unsere Normalstationen in den Kliniken stark belasten und den Regelbetrieb einschrĂ€nken."

Leider habe Deutschland "noch eine besondere Konstellation von Demographie und ImmunitĂ€t, die Sorge bereitet", sagte Keppler. "Wir haben etwa 17 Millionen Ungeimpfte, die meisten davon sind wahrscheinlich auch ungenesen. Davon sind etwa 2,5 Millionen ĂŒber 60, haben also ein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Covid-19-VerlĂ€ufe, die eine Behandlung auf der Intensivstation zur Folge haben können. Das unterscheidet uns von anderen LĂ€ndern."

Hilfreich gegen Omikron nur Einhaltung der Corona-Regeln

Auch ein Vergleich mit dem Verlauf der Omikron-Welle in SĂŒdafrika mache wenig Sinn. Dort sei die Bevölkerung viel jĂŒnger. Die Impfquote liege zwar nur bei 30 Prozent, aber man gehe davon aus, dass der grĂ¶ĂŸte Teil der Bevölkerung sich schon zwei- oder dreimal infiziert habe. "Bei uns dagegen trifft Omikron auf Ungeimpfte und Ungenesene, von denen viele im Risiko sind."

Hilfreich gegen die Omikron-Welle könnte nach Kepplers EinschĂ€tzung die Kooperationsbereitschaft der BĂŒrger sein. "Da ist Deutschland zum GlĂŒck eher auf der vorsichtigen Seite – mit Regeln, die stĂ€ndig an die Infektionsdynamik und die Belastung des Gesundheitssystems angepasst werden. Auch die Disziplin in der Bevölkerung hinsichtlich des Tragens von Masken ist bei uns im VerhĂ€ltnis zu anderen LĂ€ndern sehr gut."

Virologe kritisiert vorschnelle Entwarnung

Keppler kritisierte die Vorhersagen eines baldigen Endes der Pandemie: "Die Leute, die teilweise jetzt schon zum dritten Mal lautstark das Ende der Pandemie ausrufen, sollten ein bisschen zurĂŒckhaltender sein, weil viele Menschen dann unvorsichtig werden und grĂ¶ĂŸere Risiken eingehen."

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Der Virologe warnte, dass die Pandemie auch im Herbst noch nicht ĂŒberwunden sein könnte: "Basierend auf den Erkenntnissen der letzten zwei Jahre mĂŒssen wir aber davon ausgehen, dass Menschen, die sich jetzt mit Omikron infizieren und eine Impfung ablehnen, im Herbst bereits fast keinen Immunschutz gegen eine neue SARS-CoV-2-Variante mehr haben werden."

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