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Giovane Elber: "FC Bayern fühlt sich ohne Robert Lewandowski befreit"


"Für Bayern war es besser, dass er weggegangen ist"

Von Julian Buhl

Aktualisiert am 19.08.2022Lesedauer: 8 Min.
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Robert Lewandowski: Der Torjäger wechselte zum FC Barcelona. (Quelle: IMAGO/Christian Schroedter)
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Mit Robert Lewandowski ist die Torgarantie des FC Bayern weg. Die neue Münchner Offensive überzeugt aber trotzdem. Ex-Profi Giovane Elber erklärt, warum.

Nach Robert Lewandowskis Abschied zum FC Barcelona galt die Offensive des FC Bayern als Baustelle beim Rekordmeister. Die große Frage war und ist es noch, wie die Münchner es schaffen werden, die Lewandowski-Lücke zu füllen.

In den ersten drei Pflichtspielen hat die Mannschaft erste eindrucksvolle Antworten darauf gegeben: Dem 5:3-Spektakel im Supercup in Leipzig folgten das 6:1 zum Ligastart in Frankfurt und am Sonntag ein 2:0 gegen Wolfsburg.

Ex-Bayern-Stürmer Giovane Elber hat da natürlich besonders hingeschaut. Im t-online-Interview spricht der Brasilianer, der mittlerweile als Markenbotschafter für den Klub arbeitet, über seine Erkenntnisse, die er dabei gewonnen hat.

t-online: Herr Elber, Der FC Bayern ist mit drei Siegen in die Saison gestartet und hat dabei 13 Tore erzielt. Wie gefällt Ihnen die neue Offensive Ihres Ex-Klubs?

Giovane Elber: Es macht einfach richtig Spaß, da zuzuschauen. Das haben nicht viele erwartet, dass wir so in die Saison starten würden. Nach dem Abgang von Robert Lewandowski haben sich viele gefragt, was der FC Bayern jetzt da vorne macht. Aber Julian Nagelsmann hat das sehr gut hinbekommen, auch mit den neuen Spielern wie Sadio Mané zum Beispiel. Er spielt jetzt zusammen mit Serge Gnabry ganz vorne, Thomas Müller und Jamal Musiala rücken aus dem offensiven Mittelfeld immer wieder mit in die Spitze. Der FC Bayern ist sehr variabel geworden.

Was hat sich konkret im Spiel des FC Bayern verändert?

Jetzt ist die Klarheit da, dass sie ab jetzt ohne Lewandowski spielen. Das war dem Trainer und der Mannschaft wichtig zu wissen, ob weiter mit ihm geplant werden kann – oder eben nicht. Lewandowski ist jetzt weggegangen. Und ich glaube, die Mannschaft fühlt sich ohne Lewandowski befreit. Sie spielt ihren Fußball. Jeder weiß, was er machen muss, um erfolgreich zu sein. Und genau das haben wir bisher in allen Spielen gesehen. Für die gegnerischen Mannschaften ist es nicht einfach, gegen Bayern zu spielen. Wir haben Mané, Gnabry, Musiala, Müller, Joshua Kimmich, der immer nach vorne geht, Kingsley Coman kommt jetzt auch noch zurück. Das Bayern-Spiel ist unberechenbarer geworden und nicht mehr auf eine Nummer Neun, die ganz vorne steht, zugeschnitten.

Wie gefällt Ihnen bislang das Sturmduo, das Mané und Gnabry nun bilden?

Die beiden harmonieren gut. Das kann aber noch besser werden, sobald sie richtig eingespielt sind. Sie verstehen sich aber schon richtig gut, obwohl sie gerade mal drei Spiele zusammen gemacht haben.

"So wird Musiala am Ende Torschützenkönig"

Haben Sie bei Musiala mit einer solchen Leistungsexplosion gerechnet?

Was der Junge leistet, ist unglaublich. Das Schönste für mich ist, dass er so kompromisslos ist: Der will einfach nur Fußball spielen, macht sich gar keinen Kopf. Und genauso macht er seine Tore. Er ist ja schon Toptorschütze und wenn er so weitermacht, wird er am Ende auch noch Torschützenkönig (lacht).

Profitiert Musiala vielleicht am meisten von Lewandowskis Abschied, weil er auch dadurch jetzt einen festen Platz in der Mannschaft und Freiräume auf dem Platz hat?

Das kann schon sein. Wenn du einen Lewandowski da vorne hast, ist das, wie mit Messi zusammenzuspielen. Fast alle Bälle müssen zu ihm kommen. Auch Musiala ist davon befreit. Er kombiniert und harmoniert gut mit den anderen. Es ist ihm aber auch keiner böse, wenn er mal was allein probiert – und vielleicht den Ball verliert.

Giovane Elber: Die Bayern-Legende lebt und arbeitet aktuell in Brasilien.
Giovane Elber: Der Brasilianer arbeitet mittlerweile als Markenbotschafter für die Bayern. (Quelle: Fotostand/imago-images-bilder)

Wie hat sich Mané aus Ihrer Sicht bei Bayern eingefügt?

Der Junge ist Wahnsinn. Ich habe schon nach den Vorbereitungsspielen gesagt: Wow, das ist klasse. Bei ihm gibt es keine verlorenen Bälle. Das hat er in Liverpool bei Jürgen Klopp gelernt. Er läuft sofort hinterher, versucht, den Ball zurückzuerobern. Das kommt auch hier bei seinen Mitspielern sehr gut an. Da siehst du, das ist einer von uns, der will hier etwas gewinnen und etwas ganz Großes erreichen.

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Bei den Fans kam ebenfalls gut an, dass er nach dem 6:1 in Frankfurt mit Megafon auf den Zaun geklettert ist. Hat er das Zeug zum absoluten Publikumsliebling?

Ich kenne keinen anderen Spieler, der direkt nach seinem ersten Spiel vor der Kurve auf den Zaun gegangen ist. Das kommt super an. Genau diesen Kontakt brauchen die Fans und müssen das spüren. Dann hat Bayern mit den Fans als zwölften Mann noch einen Spieler mehr auf dem Platz.

"Mit Thomas Müller hätte ich viel Spaß gehabt"

Und Thomas Müller macht einfach genau da weiter, wo er zuvor mit Lewandowski aufgehört hat, richtig?

Thomas ist ein Phänomen. Bei ihm braucht man sich keinen Kopf zu machen. Er ist einfach einer von uns, ein Bayer durch und durch. Der läuft und läuft und läuft, ist immer für die Mannschaft da, einer, der immer alles für den Verein gibt.

Mit ihm als Sturmpartner hätten Sie sicher auch viel Freude gehabt, oder?

Oh ja, wir hätten mit Sicherheit viel Spaß zusammen gehabt. Er ist ja nicht nur auf dem Platz ein guter Typ, sondern auch beim Training und in der Kabine ein Spaßvogel.

Macht Ihnen das nicht Lust, die Fußballschuhe noch mal zu schnüren? Dann hätte Bayern auch wieder einen echten Mittelstürmer.

(lacht) Jetzt spielt Bayern ja ein anderes Spielsystem. Für eine echte Nummer Neun, wie ich es war, ist es nicht mehr so einfach, da vorne drinzustehen.

Wenn doch mal ein richtiger Mittelstürmer gebraucht werden sollte, hat Bayern noch Eric Maxim Choupo-Moting im Kader. Trauen Sie ihm diese Rolle zu?

Er hat schon gezeigt, dass er das kann. Als Lewandowski verletzt war, hat er ein paar Spiele gemacht und Tore geschossen, zum Beispiel auch vorletzte Saison im Champions-League-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain. Er ist einer, den Nagelsmann jederzeit bringen kann und der es gut macht in seiner Rolle.

Wie schätzen Sie Mathys Tel ein? Der 17-Jährige gilt als Super-Sturmtalent und wird teilweise schon mit Kylian Mbappé verglichen.

Ein guter Spieler. Das, was ich von ihm bisher auch in Videos gesehen habe, zeigt mir, dass das einer ist, der bei Bayern ganz groß werden kann. Er wird seine Zeit brauchen, aber der Junge kann schon was.

Die Konkurrenz im Angriff ist weiter sehr groß. Kommen da nicht ziemlich harte Entscheidungen auf Nagelsmann zu?

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Für den Trainer ist es gut, wenn er so eine große Auswahl hat. Den Spielern muss klar sein, dass rotiert wird und der ein oder andere ab und zu auf der Bank sitzen wird. Das Wichtigste ist die Mannschaft. Bei den großen Titeln, die Bayern gewonnen hat, war das Kollektiv immer perfekt. Wer denkt, dass er größer als die Mannschaft ist, der ist fehl am Platz.

"Sané ist Weltklasse. Er braucht nur mal ein Erfolgserlebnis"

Unter anderem Coman wird mit seiner Qualität aber schon in die Startelf drängen, oder?

Klar. Ein Coman, ein Sané, ein Goretzka, der noch verletzt ist – das sind alles Stammspieler. Der Trainer muss eine Entscheidung treffen. Und diejenigen, die auf der Bank sitzen werden, müssen das akzeptieren. Im Vordergrund steht der Erfolg und man will Großes gewinnen. Das geht nur mit einer intakten Mannschaft, in der einer für den anderen da ist.

Ist Sané nicht ebenfalls eigentlich zu gut für die Bank?

Der Junge ist Weltklasse, ein richtig guter Spieler. Er braucht nur mal ein Erfolgserlebnis. Das muss gar kein Tor sein, sondern einfach nur ein gutes Spiel. Dann wird das schon was. Die Mannschaft, die das erste Spiel gemacht hat, ist nicht die gleiche, die auch das letzte machen wird. Deshalb muss man da immer dranbleiben.

Cristiano Ronaldo war im Sommer kurzzeitig bei Bayern im Gespräch. Wäre es nicht spannend gewesen, ihn in München zu sehen?

Das ist nach wie vor ein ganz großer Fußballer. Egal, wo er in Zukunft spielt, wird er weiter seine Tore schießen. Er ist wie Lewandowski Profi durch und durch, lebt für den Fußball. Klar ist es schön, so einen Spieler im Kader zu haben. Aber beim FC Bayern ticken wir vielleicht etwas anders. Ich weiß nicht, ob so ein Super-Mega-Star zum FC Bayern passen würde.

Würde Harry Kane da zukünftig als echter Neuner vielleicht besser passen?

Er ist ein hervorragender Spieler. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er aus England weggehen und in die Bundesliga kommen würde, auch wenn es schön wäre, so einen Spieler bei Bayern zu haben.

Die Mittelstürmerfrage wird den FC Bayern nach Lewandowskis Abschied jedenfalls weiter begleiten. So ganz vergessen machen kann die neue Offensive Lewandowski nach nur drei Spielen auch noch gar nicht, oder wie sehen Sie das?

Was Lewandowski für uns geleistet hat, wird man niemals vergessen. Er war ein absoluter Vollprofi, der immer alles für uns gegeben hat – bis zum allerletzten Spieltag. In seinem Alter ist es normal, dass man sich noch mal wünscht, etwas anderes zu erleben. Er hat beim FC Bayern alles gewonnen, was man gewinnen kann. Ich wünsche ihm viel Glück mit Barcelona. Und wie man sieht, hat Bayern auch ohne ihn noch gute Spieler, die weiter viele Tore schießen können.

"Lewandowski hat seinen Legendenstatus nicht beschädigt"

Wird Lewandowski das auch in Barcelona weiterhin gelingen?

Er wird Zeit brauchen. Barça spielt ein anderes Spielsystem, die Mitspieler sind neu für ihn. Er hat so lange bei Bayern gespielt, da kannten er und seine Teamkollegen die Abläufe ganz genau. Bei Barcelona muss man das jetzt erst noch hinbekommen. Dann gab es diesen ganzen Hickhack um seine Spielberechtigung. Ich glaube, davon nimmt man schon etwas mit aufs Spielfeld. Auch deshalb ist sein erstes Spiel noch nicht ganz so gelaufen, wie sich das alle erhofft haben. Aber er wird seinen Weg finden, mit Barça viel Freude haben und mit Sicherheit auch weiter ein paar Tore schießen.

Unmittelbar vor seinem Abschied fielen am Ende auch ein paar nicht ganz so schöne Worte Richtung Bayern. Hat er damit seinem Vermächtnis im Klub geschadet?

Seinen Legendenstatus, den er bei Bayern definitiv hat, hat er aus meiner Sicht überhaupt nicht beschädigt. Leider waren viele Worte zu hören, die nicht so schön waren. Er wollte eben unbedingt weg und hatte vielleicht Angst, dass der Wechsel nicht zustande kommen könnte. Für Bayern war es besser, dass er weggegangen ist – und für ihn auch. Das Leben geht weiter. Wie viele Spieler sind schon zum FC Bayern gekommen und wieder gegangen? Der FC Bayern ist nach wie vor ein absoluter Topverein.

Sie sprechen von Lewandowski als Vereinslegende. Sehen Sie ihn auch auf einer Stufe mit Gerd Müller?

Das sind zwei verschiedene Generationen und Zeiten, die eine hat Gerd Müller geprägt, die andere Robert Lewandowski. Gerd Müller war unglaublich. Lewandowski hat zwar einige seiner Rekorde gebrochen, ihn aber doch nicht ganz übertroffen. Lewandowski ist aber der Spieler, der ihm am nächsten gekommen ist.

Wünschen Sie sich jetzt ein Wiedersehen mit Lewandowski in der Champions League?

Wir haben schon unser Spiel gegen Barcelona gehabt. Das war das 8:2 in Lissabon (lacht). Das ist viel zu schön gewesen. So ein Spiel wird man nicht noch mal erleben. Von daher lieber nicht. Zumindest noch nicht in der Gruppenphase, vielleicht dann im Finale.

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Verwendete Quellen
  • Interview mit Giovane Elber
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