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DFB-Team: Manuel Neuer lässt Julian Nagelsmann keine Wahl – der Grund


So lässt Neuer Nagelsmann keine andere Wahl


Aktualisiert am 01.12.2023Lesedauer: 5 Min.
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Manuel Neuer: Gegen Kopenhagen hat er sein Team vor einem Rückstand bewahrt.Vergrößern des Bildes
Manuel Neuer: Gegen Kopenhagen hat er sein Team vor einem Rückstand bewahrt. (Quelle: IMAGO/ULMER)

Manuel Neuer hat die Bayern nicht nur von einer Pleite bewahrt, sondern seine Weltklasse gezeigt – und sich damit auch für Julian Nagelsmann empfohlen.

Aus der Allianz Arena berichtet Julian Buhl

Nein, die Man-of-the-Match-Trophäe hatte Manuel Neuer nicht in der braunen Papiertüte versteckt, die er lässig in seiner rechten Hand hielt. Die hätte der Torhüter des FC Bayern nach dem 0:0 gegen Kopenhagen, das er seinem Team kurz vor Schluss mit einer gleich dreifachen Parade in Weltklassemanier gerettet hatte, zwar durchaus verdient. Die Auszeichnung hatte die Uefa allerdings bereits an den Dänen Rasmus Falk verteilt.

Anstatt der silbernen Sternenkugel hatte Neuer lediglich seinen Mitternachtssnack mit in die Mixed Zone gebracht: glutenfreie Pestonudeln. Eine wichtige Sache hatte er allerdings vergessen: das Besteck. Als ein Mitarbeiter des Vereins ihm das während des Interviews, das er in den Katakomben der Allianz Arena gab, von hinten noch in die Tüte zusteckte, musste Neuer grinsen. Er unterbrach seine Ausführungen vor den vielen laufenden Kameras, die auf ihn gerichtet waren kurz, blickte sich um und bedankte sich.

Aus der Ruhe brachte ihn aber auch diese einzige kleine Nachlässigkeit, die er sich an diesem Abend geleistet hatte, nicht. In den vorangegangenen 90 Minuten, in denen er lange ziemlich beschäftigungslos geblieben war, war das nicht anders gewesen. Nachdem die Schiedsrichterin und ihre Videoassistenten seinem Team gleich mehrere Kann-bis-muss-Elfmeter verweigert hatte, war er kurz vor Schluss dann aber plötzlich doch noch als Torhüter gefragt. Und zwar gleich dreimal innerhalb weniger Sekunden.

Nach einem Eckball wehrte erst einen Schuss von Mohamed Elyounoussi aus spitzem Winkel ab. Auch bei dessen direkt folgendem Nachschuss sofort wieder zur Stelle. Und klärte am Boden liegend ein weiteres Mal, nachdem der Ball aus dem Gewimmel vor seinem Tor heraus erneut auf ihn zugeflogen war. Damit war Neuers ganz persönliches (Paraden-)Triple perfekt. "Es war mehr oder weniger Billard vor dem Tor", resümierte er diese kuriose Szene.

Wie souverän er dabei blieb mit dem, "was er da wieder gemacht hat in der Schlussphase mit den Paraden", damit hatte Neuer auch seinen Teamkollegen Leon Goretzka beeindruckt: "Manu steht einfach für sich. Er spielt schon fast seine ganze Karriere über in seiner eigenen Liga."

Wie selbstverständlich knüpft er daran nun nahtlos an – obwohl er nach einem Schien- und Wadenbeinbruch und fast ein ganzes Jahr Verletzungspause hinter sich hat. Seit er Ende Oktober beim Heimspiel gegen Darmstadt ins Tor des FC Bayern zurückgekehrt ist, hat er insgesamt sieben Pflichtspiele absolviert. In vier davon blieb er ohne Gegentor, zuletzt zweimal in Folge. Neuer überzeugt sofort wieder mit seiner Stärke auf der Torlinie, seiner fußballerischen Klasse und seinem einzigartigen Liberospiel wie zu besten Zeiten. DAZN-Experte Michael Ballack lobte: "Absolute Weltklasse, in Reaktionsfähigkeit und Stellungsspiel einzigartig." Neuer ist fast schon wieder ganz der Alte.

"Keine lange Überlegung"

Wie selbstverständlich verlängerte der Rekordmeister unter der Woche nun auch den ursprünglich im Sommer auslaufenden Vertrag des 37-Jährigen um ein weiteres Jahr bis 2025. Und das, ohne jegliche Nebengeräusche, die die Personalie Neuer seit seinem Skiunfall vor knapp einem Jahr nahezu ununterbrochen begleitet hatten.

"Ich möchte so lange spielen, wie es mir auch Spaß macht und ich bin wieder richtig happy, dass ich dabei sein darf, dass ich von der langen Verletzung zurückkomme und die Mannschaft mich auch braucht", sagte Neuer zu seiner Vertragsunterschrift: "Ich merke, dass die sich freuen, dass ich da bin und dementsprechend was hat es keine lange Überlegung gebraucht für mich."

Das heiße, "dass es noch weitergeht bis 2025. Und wir haben ja auch ein schönes Spiel in München noch mal, wo wir in der Vergangenheit mal schlechte Erfahrungen gemacht haben", sagte er: "Und in dieses Finale wollen wir natürlich alle hin." Damit spielte er auf das 2012 auf dramatische Art und Weise im Elfmeterschießen verlorene Finale dahoam gegen Chelsea an. Und die Chance zur Wiedergutmachung, die sich dem Rekordmeister 13 Jahre später mit dem Champions-League-Endspiel an gleicher Stelle in der Allianz Arena bietet. Diese einzigartige Chance auf Wiedergutmachung und sein nach wie vor extrem großer Ehrgeiz treiben Neuer an.

Große Ziele

Das erneute Heimendspiel sei schon "ein kleiner Lockvogel, keine Frage", sagte auch Thomas Müller, der das Drama 2012 damals an Neuers Seite miterlebte, mit Blick auf eine mögliche Verlängerung seines nur noch bis Sommer gültigen Vertrags. Die Aussicht, gemeinsam mit Neuer, der sich der Mission 2025 bereits angeschlossen hat, Revanche zu nehmen, dürfte für Müller ebenfalls sehr reizvoll sein. Der warb zumindest schon mal mit einem klaren Plädoyer um den Verbleib seines langjährigen Wegbegleiters.

"Thomas Müller gehört einfach zu Bayern München und wir kennen auch und schätzen auch seine Klasse", sagte Neuer: "Und ich gehe davon aus, dass, wenn der Thomas mit Bayern spricht und Bayern mit Thomas, es auch funktioniert."

Auch in der Nationalmannschaft, deren Kapitän er bis zu seiner Verletzung noch war, hat Neuer gemeinsam mit Müller weiterhin große Ziele.

Ob seine Dreifachparade nun auch ein Bewerbungsschreiben für Bundestrainer Julian Nagelsmann, gewesen sei, wurde er gefragt? "Der Julian kennt mich", antwortete Neuer angesprochen auf seinen ehemaligen Trainer bei Bayern gelassen: "Der hat sowas schon mal gesehen im Training und auch in den Spielen. Von daher bin ich ganz gelassen."

Es gebe noch "keine Absprache", was die nächsten Länderspiele im März betreffe. Er stehe aber "im guten Austausch mit meinem Torwarttrainer der Nationalmannschaft, genauso wie mit Julian", sagte Neuer: "Und wir gehen alle davon aus, dass wenn alles normal läuft, dass ich dann dabei bin."

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t-online hatte bereits Ende September exklusiv von einer Annäherung zwischen Neuer und Nagelsmann berichtet, deren Verhältnis bei Bayern zuvor noch als belastet galt. Der Hauptgrund dafür war vor allem die damals von Nagelsmann mit vorangetriebener Freistellung von Neuers langjährigem Torwarttrainer, Vertrauten und Trauzeugen Toni Tapalovic. Zwischen beiden sei "alles im Reinen", sagt jemand, der beide gut kennt.

Daran hat die mittlerweile auch in der Öffentlichkeit mit İlkay Gündoğan beantwortete Kapitänsfrage nichts geändert – im Gegenteil. Die Entscheidung wurde in engem Austausch zwischen Nagelsmann und Neuer besprochen. Beim Verhältnis der beiden ist weiterhin "alles gut", wie zu vernehmen ist. Neuers Ziel ist und bleibt es, auch bei der Heim-EM im Sommer wieder als Nummer eins im Tor zu stehen.

Dass das genauso kommen wird, daran hat auch Goretzka keinerlei Zweifel. "Bei ihm liegt es nur daran, ob er jetzt weiterhin fit bleibt", sagte er: "Dann ist Manu für mich der beste Torwart der Welt." Bei Bayern zeigt Neuer das schon wieder Woche für Woche. Damit lässt er auch Nagelsmann gar keine andere Wahl.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen vor Ort in der Allianz Arena
  • Mixed-Zone-Gespräche mit Manuel Neuer, Leon Goretzka und Thomas Müller
  • Eigene Recherche und Hintergrundgespräche
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