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FSV Mainz 05: Julian Koch will in der Bundesliga durchstarten


Bein-Amputation drohte  

Koch will endlich in der Bundesliga durchstarten

07.03.2014, 11:51 Uhr | t-online.de

FSV Mainz 05: Julian Koch will in der Bundesliga durchstarten. Julian Koch scharrt mit den Hufen. (Quelle: imago/Martin Hoffmann)

Julian Koch scharrt mit den Hufen. (Quelle: Martin Hoffmann/imago)

Von Johann Schicklinski

Julian Koch ist noch nicht wieder mittendrin. Aber dabei – und alleine schon diese Tatsache ist bemerkenswert genug. Denn die dunkelsten Stunden seiner noch jungen Karriere liegen gerade einmal drei Jahre zurück. Am 25. Februar 2011 zog sich das damals von Borussia Dortmund an den MSV Duisburg ausgeliehene Top-Talent im Spiel gegen Rot-Weiss Oberhausen einen Kreuz- und Außenbandriss zu. Der Aufstieg von Koch, der bis dahin bei den Zebras voll durchgestartet war und als bester Außenverteidiger seiner Altersklasse galt, war erst einmal jäh ausgebremst.

Heute kann Koch, mittlerweile in Diensten des FSV Mainz 05, gelassen über die damalige Zeit sprechen. "Anfangs habe ich ein wenig mit meinem Schicksal gehadert. Doch mittlerweile denke ich gar nicht mehr an die Verletzung, die ist abgehakt. Ich bin einfach froh, dass es vorbei ist. Albträume oder ähnliches habe ich nicht", erzählt Koch im Gespräch mit T-Online.de.

Bein-Amputation stand im Raum

Dabei hing seine Karriere am seidenen Faden, denn seine Genesung verlief alles andere als reibungslos. Immer wieder kam es an den Wunden zu Irritationen und Komplikationen. In Folge der Verletzung erlitt Koch ein Kompartmentsyndrom, nur eine Not-OP konnte den Verlust des Unterschenkels verhindern. "Die Blutzirkulation war durch die Verletzung soweit beeinträchtig, dass die Nerven nicht mehr ausreichend versorgt werden konnten. Wenn ich ein wenig später ins Krankenhaus gekommen wäre, hätten die Ärzte das Bein wohl amputieren müssen", gibt Koch offen zu.

Der damals 20-Jährige musste im Dortmunder Klinikum insgesamt neun Mal operiert werden und knapp 18 Monate mit dem Fußball aussetzen. Eine Zukunft beim BVB, wo man zur Saison 2012/2013 mit ihm geplant hatte, lag auf einmal wieder in weiter Ferne. Doch trotz aller Widrigkeiten verschwendete Koch keinen einzigen Gedanken daran, die Schuhe an den Nagel hängen zu müssen. "Ich war so darauf fokussiert zurückzukommen, dass ich die Möglichkeit, dass es vorbei sein könnte, gar nicht in Betracht gezogen habe", sagt er heute.

"Wollte mich da alleine durchbeißen"

Unterstützung erhielt Koch damals von seinen Duisburger Mannschaftskameraden, auf professionelle Hilfe verzichtete der Jung-Profi: "Einen Mentaltrainer oder Psychologen zu konsultieren war für mich keine Option, obwohl es mir angeboten wurde. Ich bin eine Frohnatur und dachte, ich kann mich da alleine durchbeißen – was letztlich auch geklappt hat."

Neu in Mainz und gleich ein halbes Jahr Pause

Nach seiner Genesung wurde Koch dann vom BVB erneut an den MSV Duisburg ausgeliehen, bevor er im Sommer nach Mainz wechselte. Sein Ziel war klar: endlich durchstarten. Doch wieder einmal machte ihm der Körper einen Strich durch die Rechnung. Im Testspiel Ende Juli beim FC Basel zog er sich eine schwere Mittelfuß-Prellung zu und verpasste dadurch den Saisonstart. Gerade erst wieder genesen, erlitt er eine schwere Schulterverletzung bei einem Freundschaftsspiel im September – damit war die Hinrunde für ihn gelaufen. Ohne Pflichtspieleinsatz.

"Ein echter Nackenschlag"

"Ich dachte am Anfang, es sei gar nicht so schlimm, doch dann waren es wieder acht Wochen Pause", blickt Koch zurück. "Danach habe ich eine Woche trainiert und mir dann die Schulterverletzung zugezogen. Auch da dachte ich, es sei nicht so wild. Dann habe ich trotzdem dreieinhalb Monate gefehlt. Das war ein echter Nackenschlag, vor allem, weil ich endlich unter Beweis stellen wollte, was ich kann."

So musste er in der Vorbereitung auf die Rückrunde bei Null starten – und ist auf einem guten Weg. Am 19. Spieltag gegen den SC Freiburg (2:0) wurde Koch eingewechselt und feierte sein Pflichtspieldebüt für die 05er. Das sei "ein wahnsinniges Gefühl" gewesen. Eine Woche später stand er in Wolfsburg erstmals in der Anfangsformation. Die 0:3-Pleite hatte für Koch immerhin einen positiven Aspekt:. "Von Beginn an zu spielen, war für mich persönlich ein weiterer wichtiger Schritt, auch wenn wir unglücklich verloren haben", erzählt der 23-Jährige.

Dass er danach auch noch einmal in der Regionalliga-Vertretung der Rheinhessen ran musste, wertet der Blondschopf nicht als Rückschritt. "Trainer Thomas Tuchel gibt mir die Zeit. Ich habe ja gerade deshalb auch  einen langfristigen Vertrag hier in Mainz unterschrieben. Sowohl der Coach als auch ich selbst wissen, was noch fehlt", gibt Koch zu und erläutert: "Bei der Geschwindigkeit, der Ruhe am Ball oder auch beim Verarbeiten von Pässen geht es noch besser. Da hilft mir jetzt jedes Training dabei, dass die Selbstverständlichkeit zurückkommt." Doch er scharrt bereits mit den Hufen, häufiger sein Können zeigen zu dürfen: "Den größten Druck mache ich mir selbst, weil ich weiß, was ich kann, und dies auch zeigen möchte."

"Tuchel macht junge Spieler besser"

Zu Tuchel , der ihn als eine "riesige menschliche Bereicherung" empfindet, pflegt Koch ein ganz enges Verhältnis. "Der ausschlaggebende Grund, nach Mainz zu wechseln, war Trainer Thomas Tuchel", schwärmt Koch. "Wir haben vorher lange am Telefon gesprochen, er ist ein Coach der Spieler besser macht, insbesondere junge Spieler. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl."

Das Gefühl hat er immer noch – deshalb blickt Koch auch voraus und nicht zurück. "Ich wurde schon so oft gefragt, wo ich heute stünde, wenn ich mich nicht verletzt hätte. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich bin zufrieden, wie alles gekommen ist." Auch der Gelegenheit, mit seinem Heimatklub Borussia Dortmund um Titel und in der Champions League mitzuspielen, trauert Koch nicht hinterher: "Ich habe die Möglichkeit, mit Mainz 05 in der Ersten Liga zu spielen – es ist alles gut gelaufen."

Wobei er mit seinem Ex-Klub noch nicht so ganz abgeschlossen hat. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mein Herz nicht mehr am BVB hängt. Ich bin in Dortmund aufgewachsen, habe zehn Jahre dort gespielt, ich verfolge die Borussia auch heute noch", sagt er. Der BVB hat ihn offenbar auch nicht gänzlich abgeschrieben, die Rede ist von einer Rückkaufoption, was Koch allerdings nicht kommentieren möchte. "Ich muss mich erst mal in der Bundesliga beweisen. Deshalb bin ich hier nach Mainz gekommen und habe einen langfristigen Vertrag unterzeichnet. Ich habe mir abgewöhnt, zu weit in die Zukunft zu schauen."

Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist der Rechtsfuß mehr als zufrieden. "Platz sechs nach 23 Spielen ist überragend. Mit dem Abstieg werden wir nichts mehr zu tun haben."

Hauptverantwortlich für die starke Saison ist seiner Meinung nach Trainer Tuchel. "Er gibt uns immer einen Schlachtplan mit, wir sind optimal auf die Gegner eingestellt. Dadurch sind wir auch mit den großen Klubs auf Augenhöhe." Hier sieht er Parallelen zu Jürgen Klopp, unter dem er in Dortmund trainieren durfte: "Beide sind taktisch extrem stark und arbeiten gerne mit jungen Spielern. Da sind sie sich ähnlich."

Daran, dass Koch sich in Mainz so wohl fühlt, hat auch Freundin Kathrin ihren Anteil. Sie hat er – Ironie des Schicksals – durch seine Verletzung kennengelernt, denn sie arbeitete im Dortmunder Klinikum als Krankenschwester. So hatte die schwierige Zeit während seiner Verletzung auch was Gutes. "Eigentlich arbeitete sie auf einer anderen Station. Dann half sie einen Tag auf meinem Flur aus. Da habe ich sie gesehen, kurz mit ihr gesprochen. Ein Freund besorgte mir dann die Nummer", schwärmt Koch und gibt zu: "Das könnte man schon als Schicksal bezeichnen." 

Nun sind beide in Mainz und Koch will endlich durchstarten. Dabei setzt er sich allerdings kleine Ziele. "Es gibt nicht so viele Sachen, die man sich vornimmt und auch wirklich einhält", weiß er aus Erfahrung. Und deshalb lautet sein größter Wunsch: "Ich will einfach nur verletzungsfrei durchkommen und es einfach laufen lassen."

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