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"Bayern brauchen frisches Blut – in allen Mannschaftsteilen"

Eine Kolumne von Berti Vogts

Aktualisiert am 09.10.2018Lesedauer: 4 Min.
Robert Lewandowski und Franck Ribéry bei der herben 0:3-Heimpleite des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach.
Robert Lewandowski und Franck Ribéry bei der herben 0:3-Heimpleite des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach. (Quelle: ActionPictures/imago-images-bilder)
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Ex-Bundestrainer Berti Vogts hält ein Borussen-Jahr mit Erfolgen von Dortmund und Gladbach für möglich. Trotzdem glaubt er an den FC Bayern als Meister – und hat einen wichtigen Rat.

Das war schon ein tolles Spiel am vergangenen Wochenende von der Borussia beim FC Bayern – wie sie aufgetreten sind, mit welchem Selbstbewusstsein. Eine tolle Leistung. Die Spieler haben die Taktik von Trainer Dieter Hecking offenbar endlich verstanden. Ich habe mit Mönchengladbach früher 14 Jahre lang nicht gegen Bayern gewinnen können. Das war damals sicher eine andere, noch stärkere Mannschaft als heute, aber hier am Niederrhein ist man aktuell trotzdem völlig zu Recht voll des Lobes für die Borussia.

Vielleicht wird es das Jahr der Borussen. Denn nicht nur in Mönchengladbach, sondern auch beim Namensvetter in Dortmund leisten sie Großartiges – insbesondere Trainer Lucien Favre. Für mich wäre es ein Borussen-Jahr, wenn beide Vereine am Ende in die Champions League kommen. Es wäre einfach zu schön, wenn sie sich in der Liga an Bayern festbeißen würden. Zumindest so gut es geht.

VfB-Manager Reschke hat sich stillos verhalten

Denn die Bayern werden zurückschlagen, darüber brauchen wir uns keine Gedanken machen. Wenn die Spieler nach der Länderspielreise zurück sind, werden sie wieder da sein. Auch Niko Kovac hat als Trainer eine zu große Qualität – mit dem Abwärtstrend wird dann erstmal Schluss sein.

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Sowieso: Die Kritik an Kovac und auch die an Tayfun Korkut in Stuttgart – mir ging das alles zu schnell und zu weit.

Korkut traf aus meiner Sicht überhaupt keine Schuld am schwachen Saisonstart des VfB. Michael Reschke hat die Spieler verpflichtet. Und genau dessen Verhalten empfand ich als stillos. Am Abend nach der Niederlage in Hannover erzählte er, dass sich die Trainerfrage nicht stelle – um den Trainer am nächsten Vormittag zu entlassen. Das hatte mit Sportlichkeit nichts mehr zu tun. Es müsste genau andersrum sein. Der Sportdirektor müsste entlassen werden.

Manager ohne Ausbildung? Das kann nicht sein

Zumal die Trainer eine Ausbildung genossen haben, die Manager nicht. Ich denke, es ist an der Zeit, das noch mal zu thematisieren. Schiedsrichter durchlaufen eine Ausbildung, Spieler ebenfalls und Trainer sowieso. Es kann nicht sein, dass die Manager als einzige keine Ausbildung genießen. Der Vorteil der Sportdirektoren ist dann oft, dass sie mal einen Kaffee mit den Vereinsbossen und Präsidenten trinken – die Trainer haben da seltener die Chance zu.

VfB-Manager Michael Reschke (l.) mit dem inzwischen entlassenen Tayfun Korkut: Zuerst bekannte er sich klar zum Trainer, dann feuerte er ihn.
VfB-Manager Michael Reschke (l.) mit dem inzwischen entlassenen Tayfun Korkut: Zuerst bekannte er sich klar zum Trainer, dann feuerte er ihn. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago-images-bilder)

Bei Kovac und Bayern ist es noch gravierender. Er hat keinen einzigen Spieler verpflichtet. Er hätte vielleicht Rebic gern aus Frankfurt mitgebracht. Der kam aber nicht. Kovac musste mit dem leben, was er hingestellt bekommen hat. Auch mit einem Ribéry oder Robben, die aufgrund ihres Alters gar keine 90 Minuten mehr auf dem allerhöchsten Niveau durchhalten.

FC Bayern braucht frisches Blut

Sie haben bei Bayern gedacht, dass das noch ein weiteres Jahr gut geht und sie einfach erstmal so weitermachen können. Ich glaube aber, dass sie aus den letzten Spielen gelernt haben. Im Winter müssen sie auf dem Transfermarkt zuschlagen. Allein schon um den Spielern auf dem Platz Druck machen zu können. Wenn man als Bayern-Spieler aktuell nach draußen Richtung Bank schaut, kommt man schnell zu dem Schluss: "Da muss ich mir keine Sorgen machen, dass ich ausgewechselt werde.“

Bayern braucht neue Kräfte, die hungrig auf einen Deutschen Meistertitel und einen Pokalsieg sind – für die es nicht um die vierte, fünfte, sechste oder siebte Meisterschaft geht. Sie brauchen frisches Blut – und zwar im besten Fall in jedem Mannschaftsteil.

Hoffentlich bricht der BVB nicht wieder ein

Mich erinnern die aktuellen Leistungen immer mehr an die der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland: Ohne Tempo, ohne in die Zweikämpfe zu gehen, ohne den Abschluss hinzubekommen. Schon bei der WM waren aus meiner Sicht die Spieler schuld. Die sind es, die man hinterfragen muss. Und das gilt jetzt bei Bayern.

Aktuell ist Borussia Dortmund die mit Abstand beste Mannschaft in Deutschland. Ich habe genau das schon vor ungefähr einem Jahr gesagt, als sie mit Peter Bosz in den ersten Spielen der vergangenen Saison einen grandiosen Fußball gespielt haben, dann aber eingebrochen sind. Ich hoffe, dass das der aktuellen Mannschaft nicht passiert, aber es sind natürlich alles extrem junge Spieler.

Die Nationalelf bleibt ein Rätsel

Ein erfahrener Abwehrspieler wĂĽrde ihnen sehr gut tun. Da machen sie vielleicht noch zu viele Fehler und mĂĽssen oft etwas aufholen. Es wird nicht immer gelingen, die Spiele zu drehen.

Ich hoffe, dass die deutsche Nationalmannschaft sich etwas von Borussia Dortmund abschaut.

Ich bin jetzt sehr gespannt auf die beiden Nations-League-Spiele in den Niederlanden und in Frankreich am Samstag und Dienstag. Ich weiĂź aktuell nicht, wo die deutsche Nationalmannschaft steht. Die letzten Spiele gegen Frankreich und Peru haben diese Frage fĂĽr mich nicht beantwortet.


Holland gegen Deutschland – das waren immer herausragende Spiele. Der holländische Fußball ist zurückgekehrt zum Johan-Cruyff-System, spielt schnell nach vorne wie Ajax Amsterdam gegen Bayern. Und sie sind extrem hungrig, nachdem sie die WM verpasst haben. Da wird es beim Weltmeister Frankreich wahrscheinlich noch einfacher.

Ich bin gespannt wie es mit unserer Nationalmannschaft weitergeht.

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