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  • Berti Vogts: Der RibĂ©ry-Skandal kann FC Bayern in Bundesliga nutzen


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Die Aufreger der Winterpause können sogar nĂŒtzlich sein

Eine Kolumne von Berti Vogts

Aktualisiert am 15.01.2019Lesedauer: 4 Min.
In den Schlagzeilen: DĂŒsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel (l.) und Bayern-Star Franck RibĂ©ry.
In den Schlagzeilen: DĂŒsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel (l.) und Bayern-Star Franck RibĂ©ry. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Beim FC Bayern hat Franck RibĂ©ry fĂŒr einen Skandal gesorgt. Fortuna DĂŒsseldorf hat sich selbst ins Chaos um Trainer Funkel gestĂŒrzt. Doch beide Klubs könnten in der RĂŒckrunde gestĂ€rkt daraus hervorgehen.

An diesem Freitag startet die Bundesliga in die RĂŒckrunde. Ich freue mich auf eine harte Auseinandersetzung im Titelkampf zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern – und hoffe, dass die Bundesliga den Trend fortsetzt und ihre QualitĂ€t weiter steigern kann. Eine Prognose möchte ich nicht wagen, aber der BVB hĂ€tte es verdient, mal wieder den Titel zu holen.

Was fĂŒr den BVB spricht: Lucien Favre ist ein Denker, der akribisch plant, und den Weitblick fĂŒr den Titel hat. Er denkt nicht nur bis zur Nasenspitze und wird schon verschiedene Szenarien fĂŒr die RĂŒckrunde vorbereiten. Aber: Psychologisch ist die Situation anstrengend. Sie haben eine tolle Hinserie gespielt, aber noch nichts erreicht. Daran mĂŒssen sie sich immer wieder erinnern.

Bayern hat sich in einem Bereich verbessert

Klappt das nicht, wird der FC Bayern zur Stelle sein. Dort hat Franck RibĂ©ry mit seinen in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Beleidigungen eine Dummheit begangen und fĂŒr einen der Aufreger der Winterpause gesorgt. Dass die Unruhe die Bayern beeintrĂ€chtigt, denke ich aber nicht. Wenn ein Klub das gewohnt ist, dann die Bayern. Vielleicht brauchen sie den Druck von außen in dieser Saison sogar, um ihre Höchstleistungen zu erreichen. Dann könnte die Unruhe sogar nĂŒtzlich sein.

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Fußball-Legende: Berti Vogts war von 1990 bis 1998 Bundestrainer.
Fußball-Legende: Berti Vogts war von 1990 bis 1998 Bundestrainer. (Quelle: ActionPictures/imago-images-bilder)

Etwas aus dem Fokus geraten ist die positive sportliche Entwicklung unter Niko Kovac. Mir gefĂ€llt die defensive Organisation besser als noch zu Saisonbeginn, das haben sie in der Vorbereitung bestĂ€tigt. Es ist eine alte Fußball-Weisheit, aber die Defensive ist die Basis, um erfolgreich Fußball zu spielen und Titel zu gewinnen.

Davies kann eine Waffe fĂŒr Bayern sein

Vorne haben sie nach wie vor eine außergewöhnliche individuelle QualitĂ€t – und eine VerstĂ€rkung kommt ja noch hinzu. Wenn ich Ihnen einen besonders spannenden Spieler fĂŒr die RĂŒckrunde empfehlen darf, ist das Neuzugang Alphonso Davies. Selten habe ich einen 18-JĂ€hrigen mit so einer QualitĂ€t im Dribbling und so viel Zug zum Tor gesehen. Er könnte als Joker fĂŒr Robben oder RibĂ©ry eine wichtige Rolle einnehmen.

Ich glaube, dass sich RB Leipzig hinter den beiden Top-Klubs als dritte Kraft etablieren wird. Die TSG Hoffenheim kann mit einer besseren Chancenverwertung noch einmal angreifen, aber auf Platz vier sehe ich Borussia Mönchengladbach.

Funkel macht einen ĂŒberragenden Job

Bei Gladbach hoffe ich, dass StĂŒrmer Thorgan Hazard (neun Tore, sechs Vorlagen) seine tollen Leistungen trotz der WechselgerĂŒchte bestĂ€tigen kann. Er sollte meiner Meinung nach gut ĂŒberlegen, ob er sich dem BVB oder Bayern anschließen will. Hazard spielt bei Gladbach eine herausragende Rolle, dort wĂ€chst auch ein kĂŒnftiges Spitzenteam der Bundesliga mit tollen Talenten zusammen. Da könnte ich einen Wechsel in die lukrative und reizvolle Premier League eher nachvollziehen.

Liebling der Spieler: DĂŒsseldorfs Dodi Lukebakio herzt Trainer Friedhelm Funkel.
Liebling der Spieler: DĂŒsseldorfs Dodi Lukebakio herzt Trainer Friedhelm Funkel. (Quelle: Laci Perenyi/imago-images-bilder)

Bevor wir auf den Abstiegskampf schauen, möchte ich kurz auf den zweiten Aufreger der Winterpause eingehen: Das Chaos rund um Friedhelm Funkel bei Fortuna DĂŒsseldorf. Ich war sehr ĂŒberrascht, als der Klub verkĂŒndet hat, dass man sich zunĂ€chst nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnte. Er macht dort einen ĂŒberragenden Job. Wie er fachlich seine Mannschaft auf die Gegner einstellt und gleichzeitig menschlich diesen Kader zu seinem Team gemacht hat, verdient grĂ¶ĂŸten Respekt. Die Leistungen der Hinrunde waren deutlich ĂŒber dem erwartbaren Niveau des Kaders – und das ist der Verdienst von Friedhelm Funkel.

Chaos kann sich auf Kabine auswirken

Ich weiß nicht, ob man bei Fortuna DĂŒsseldorf glaubt, man hĂ€tte schon nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Warum sich der Klub diese Baustelle aufgemacht hat, kann ich ĂŒberhaupt nicht nachvollziehen. Das nach außen vermittelte Bild ist sehr unglĂŒcklich. Zum GlĂŒck hat das auch die Fortuna eingesehen und will jetzt doch verlĂ€ngern.

Das Chaos kann sich auch auf die Kabine auswirken. Wenn die Spieler merken, dass ihr Trainer nicht unumstritten ist, kann es heutzutage schnell Theater geben. Allerdings ist eine der StĂ€rken von Funkel, die Spieler fĂŒr sich zu gewinnen. Er tritt mal als Teil der Mannschaft auf, strahlt im entscheidenden Moment aber wieder AutoritĂ€t aus. Das können nicht viele Trainer. Die guten Leistungen beim Vorbereitungsturnier Telekom Cup zeigen, dass es intern stimmt und die Mannschaft lebt. Vielleicht brennen die Spieler ja jetzt erst recht fĂŒr ihren Trainer.

Schwere Zeiten fĂŒr den VfB Stuttgart

Was bedeutet das fĂŒr den Abstiegskampf? Fortuna DĂŒsseldorf wird bis zuletzt kĂ€mpfen mĂŒssen. Die beiden Letzten Hannover 96 und 1. FC NĂŒrnberg wĂŒrde ich nicht abschreiben. Ich bin ein Fan beider Trainer, sowohl von AndrĂ© Breitenreiter als auch von Michael Köllner. Wenn beide gut in die RĂŒckrunde starten, können sie sich noch befreien – und ein anderes Team rutscht unten rein.

Auf Rettungsmission: Stuttgarts Manager Michael Reschke (l.) mit Trainer Markus Weinzierl.
Auf Rettungsmission: Stuttgarts Manager Michael Reschke (l.) mit Trainer Markus Weinzierl. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago-images-bilder)

Vielleicht ja der VfB Stuttgart? Auf sie sehe ich weiterhin schwere Zeiten zukommen. Das Umfeld des Klubs ist unruhig geworden und auch das Handeln auf dem Transfermarkt wirkt nicht geschickt. Ich hĂ€tte mir beispielsweise den Mut gewĂŒnscht, Innenverteidiger Benjamin Pavard jetzt an den FC Bayern abzugeben und nicht erst nach der Saison. Er steht ab sofort immer im Verdacht, mit seinen Gedanken woanders zu sein. Ich hĂ€tte eine sofortige Trennung besser gefunden – dann herrscht Klarheit.

Schiedsrichter sollten eigenstÀndiger handeln

Der andere große Klub in Abstiegsgefahr, Schalke 04, wird sich meiner Meinung nach auf einen einstelligen Tabellenplatz steigern. Bei aller Kritik haben Sie die QualitĂ€t dafĂŒr im Kader. Ich weiß nicht, warum sie sich von mehreren Spielern getrennt haben, aber vielleicht hebt das die Stimmung im Team.


Neben den sportlichen Leistungen werde ich in der RĂŒckrunde besonders auf den Videoassistenten achten. Zuletzt war die Tendenz, strittige Situationen erst einmal laufen zu lassen und dann notfalls mit der Hilfe aus dem Videokeller zu lösen. Das macht den Fußball kaputt, weil die spontane Emotion schleichend verschwindet. Man gewöhnt sich daran, erst einmal auf das berĂŒhmte Handzeichen zu warten, bevor man sich freut oder Ă€rgert. So bekommen wir langfristig VerhĂ€ltnisse wie im American Football. Deshalb wĂŒnsche ich mir wieder mehr EigenstĂ€ndigkeit der Schiedsrichter auf dem Platz.

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