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Berti Vogts: Der Ribéry-Skandal kann FC Bayern in Bundesliga nutzen

MEINUNGBundesliga-Prognose  

Die Aufreger der Winterpause können sogar nützlich sein

Eine Kolumne von Berti Vogts

15.01.2019, 08:23 Uhr
Berti Vogts: Der Ribéry-Skandal kann FC Bayern in Bundesliga nutzen. In den Schlagzeilen: Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel (l.) und Bayern-Star Franck Ribéry. (Quelle: imago images)

In den Schlagzeilen: Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel (l.) und Bayern-Star Franck Ribéry. (Quelle: imago images)

Beim FC Bayern hat Franck Ribéry für einen Skandal gesorgt. Fortuna Düsseldorf hat sich selbst ins Chaos um Trainer Funkel gestürzt. Doch beide Klubs könnten in der Rückrunde gestärkt daraus hervorgehen.

An diesem Freitag startet die Bundesliga in die Rückrunde. Ich freue mich auf eine harte Auseinandersetzung im Titelkampf zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern – und hoffe, dass die Bundesliga den Trend fortsetzt und ihre Qualität weiter steigern kann. Eine Prognose möchte ich nicht wagen, aber der BVB hätte es verdient, mal wieder den Titel zu holen.

Was für den BVB spricht: Lucien Favre ist ein Denker, der akribisch plant, und den Weitblick für den Titel hat. Er denkt nicht nur bis zur Nasenspitze und wird schon verschiedene Szenarien für die Rückrunde vorbereiten. Aber: Psychologisch ist die Situation anstrengend. Sie haben eine tolle Hinserie gespielt, aber noch nichts erreicht. Daran müssen sie sich immer wieder erinnern.

Bayern hat sich in einem Bereich verbessert

Klappt das nicht, wird der FC Bayern zur Stelle sein. Dort hat Franck Ribéry mit seinen in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Beleidigungen eine Dummheit begangen und für einen der Aufreger der Winterpause gesorgt. Dass die Unruhe die Bayern beeinträchtigt, denke ich aber nicht. Wenn ein Klub das gewohnt ist, dann die Bayern. Vielleicht brauchen sie den Druck von außen in dieser Saison sogar, um ihre Höchstleistungen zu erreichen. Dann könnte die Unruhe sogar nützlich sein.

Fußball-Legende: Berti Vogts war von 1990 bis 1998 Bundestrainer. (Quelle: imago images/ActionPictures)Fußball-Legende: Berti Vogts war von 1990 bis 1998 Bundestrainer. (Quelle: ActionPictures/imago images)

Etwas aus dem Fokus geraten ist die positive sportliche Entwicklung unter Niko Kovac. Mir gefällt die defensive Organisation besser als noch zu Saisonbeginn, das haben sie in der Vorbereitung bestätigt. Es ist eine alte Fußball-Weisheit, aber die Defensive ist die Basis, um erfolgreich Fußball zu spielen und Titel zu gewinnen.

Davies kann eine Waffe für Bayern sein

Vorne haben sie nach wie vor eine außergewöhnliche individuelle Qualität – und eine Verstärkung kommt ja noch hinzu. Wenn ich Ihnen einen besonders spannenden Spieler für die Rückrunde empfehlen darf, ist das Neuzugang Alphonso Davies. Selten habe ich einen 18-Jährigen mit so einer Qualität im Dribbling und so viel Zug zum Tor gesehen. Er könnte als Joker für Robben oder Ribéry eine wichtige Rolle einnehmen.

Ich glaube, dass sich RB Leipzig hinter den beiden Top-Klubs als dritte Kraft etablieren wird. Die TSG Hoffenheim kann mit einer besseren Chancenverwertung noch einmal angreifen, aber auf Platz vier sehe ich Borussia Mönchengladbach.

Funkel macht einen überragenden Job

Bei Gladbach hoffe ich, dass Stürmer Thorgan Hazard (neun Tore, sechs Vorlagen) seine tollen Leistungen trotz der Wechselgerüchte bestätigen kann. Er sollte meiner Meinung nach gut überlegen, ob er sich dem BVB oder Bayern anschließen will. Hazard spielt bei Gladbach eine herausragende Rolle, dort wächst auch ein künftiges Spitzenteam der Bundesliga mit tollen Talenten zusammen. Da könnte ich einen Wechsel in die lukrative und reizvolle Premier League eher nachvollziehen.

Liebling der Spieler: Düsseldorfs Dodi Lukebakio herzt Trainer Friedhelm Funkel. (Quelle: imago images/Laci Perenyi)Liebling der Spieler: Düsseldorfs Dodi Lukebakio herzt Trainer Friedhelm Funkel. (Quelle: Laci Perenyi/imago images)

Bevor wir auf den Abstiegskampf schauen, möchte ich kurz auf den zweiten Aufreger der Winterpause eingehen: Das Chaos rund um Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf. Ich war sehr überrascht, als der Klub verkündet hat, dass man sich zunächst nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnte. Er macht dort einen überragenden Job. Wie er fachlich seine Mannschaft auf die Gegner einstellt und gleichzeitig menschlich diesen Kader zu seinem Team gemacht hat, verdient größten Respekt. Die Leistungen der Hinrunde waren deutlich über dem erwartbaren Niveau des Kaders – und das ist der Verdienst von Friedhelm Funkel.

Chaos kann sich auf Kabine auswirken

Ich weiß nicht, ob man bei Fortuna Düsseldorf glaubt, man hätte schon nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Warum sich der Klub diese Baustelle aufgemacht hat, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Das nach außen vermittelte Bild ist sehr unglücklich. Zum Glück hat das auch die Fortuna eingesehen und will jetzt doch verlängern.

Das Chaos kann sich auch auf die Kabine auswirken. Wenn die Spieler merken, dass ihr Trainer nicht unumstritten ist, kann es heutzutage schnell Theater geben. Allerdings ist eine der Stärken von Funkel, die Spieler für sich zu gewinnen. Er tritt mal als Teil der Mannschaft auf, strahlt im entscheidenden Moment aber wieder Autorität aus. Das können nicht viele Trainer. Die guten Leistungen beim Vorbereitungsturnier Telekom Cup zeigen, dass es intern stimmt und die Mannschaft lebt. Vielleicht brennen die Spieler ja jetzt erst recht für ihren Trainer.

Schwere Zeiten für den VfB Stuttgart

Was bedeutet das für den Abstiegskampf? Fortuna Düsseldorf wird bis zuletzt kämpfen müssen. Die beiden Letzten Hannover 96 und 1. FC Nürnberg würde ich nicht abschreiben. Ich bin ein Fan beider Trainer, sowohl von André Breitenreiter als auch von Michael Köllner. Wenn beide gut in die Rückrunde starten, können sie sich noch befreien – und ein anderes Team rutscht unten rein.

Auf Rettungsmission: Stuttgarts Manager Michael Reschke (l.) mit Trainer Markus Weinzierl. (Quelle: imago images/Sportfoto Rudel)Auf Rettungsmission: Stuttgarts Manager Michael Reschke (l.) mit Trainer Markus Weinzierl. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago images)

Vielleicht ja der VfB Stuttgart? Auf sie sehe ich weiterhin schwere Zeiten zukommen. Das Umfeld des Klubs ist unruhig geworden und auch das Handeln auf dem Transfermarkt wirkt nicht geschickt. Ich hätte mir beispielsweise den Mut gewünscht, Innenverteidiger Benjamin Pavard jetzt an den FC Bayern abzugeben und nicht erst nach der Saison. Er steht ab sofort immer im Verdacht, mit seinen Gedanken woanders zu sein. Ich hätte eine sofortige Trennung besser gefunden – dann herrscht Klarheit.

Schiedsrichter sollten eigenständiger handeln

Der andere große Klub in Abstiegsgefahr, Schalke 04, wird sich meiner Meinung nach auf einen einstelligen Tabellenplatz steigern. Bei aller Kritik haben Sie die Qualität dafür im Kader. Ich weiß nicht, warum sie sich von mehreren Spielern getrennt haben, aber vielleicht hebt das die Stimmung im Team.


Neben den sportlichen Leistungen werde ich in der Rückrunde besonders auf den Videoassistenten achten. Zuletzt war die Tendenz, strittige Situationen erst einmal laufen zu lassen und dann notfalls mit der Hilfe aus dem Videokeller zu lösen. Das macht den Fußball kaputt, weil die spontane Emotion schleichend verschwindet. Man gewöhnt sich daran, erst einmal auf das berühmte Handzeichen zu warten, bevor man sich freut oder ärgert. So bekommen wir langfristig Verhältnisse wie im American Football. Deshalb wünsche ich mir wieder mehr Eigenständigkeit der Schiedsrichter auf dem Platz.

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