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Effenberg-Kolumne: "Robert Lewandowski ist so gut wie Lionel Messi"

MEINUNGBei Bayern und beim DFB  

Mein Favorit für die Neuer-Nachfolge als Kapitän

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

04.10.2019, 13:23 Uhr
Effenberg-Kolumne: "Robert Lewandowski ist so gut wie Lionel Messi". Manuel Neuer ist Kapitän beim FC Bayern und bei der Nationalmannschaft, aber bereits 33 Jahre alt. Stefan Effenberg hat bereits einen Nachfolger im Auge. (Quelle: imago images/t-online.de)

Manuel Neuer ist Kapitän beim FC Bayern und bei der Nationalmannschaft, aber bereits 33 Jahre alt. Stefan Effenberg hat bereits einen Nachfolger im Auge. (Quelle: t-online.de/imago images)

Fünf Personalien, fünfmal Klartext: Gnabry ist auf dem Weg zur Weltklasse, Lewandowski auf einem Niveau mit Messi – und Kimmich wird Nachfolger von Neuer. 

Der neue Hype um Serge Gnabry, die Diskussionen um Bayerns neuen Kritiker Joshua Kimmich oder Dortmunds verschmähten WM-Siegtorschützen Mario Götze. Nach dem zweiten Spieltag in der Champions League und vor dem siebten in der Bundesliga stehen fünf Namen besonders im Fokus. Hier kommt meine Meinung dazu.

Serge Gnabry

Beim 7:2 bei Tottenham Hotspur hat er vier Tore für den FC Bayern erzielt und dabei gezeigt, was er kann. Er ist auf dem Weg zur Weltklasse, wenn er so weitermacht und Konstanz reinbekommt. Das würde ich gar nicht an den Toren festmachen, sondern vielmehr an seiner Entwicklung. Er nimmt vielleicht gerade die beste Entwicklung eines Spielers überhaupt in Deutschland. Vom Ersatzspieler oder gar Aussortierten beim FC Arsenal zum Leistungsträger bei Bayern und in der Nationalmannschaft innerhalb von dreieinhalb Jahren seit 2016. In dem Jahr ging sein Stern auf, als er bei den Olympischen Spielen reinkam und sechs Tore im Turnier erzielte. Damals hatte ihn außer Trainer Horst Hrubesch kaum jemand auf dem Zettel.

Eine fantastische Entwicklung, die man auch an seinem Marktwert erkennt, der sich in dieser Zeitspanne laut "transfermarkt.de" von 2,5 Millionen Euro auf 60 Millionen erhöht hat. Gnabry hat sich dabei immer vorbildlich verhalten, auch mal demütig auf seine Chance gewartet und diese dann genutzt.

Bundestrainer Joachim Löw hat vor dem letzten Spiel gegen die Niederlande (2:4) gesagt: "Serge Gnabry spielt immer." Ganz einfach, weil er so schwer zu greifen sei. Wir sehen aktuell, warum Löw das gesagt hat. Wir haben viele gute Stürmer, beispielsweise mit Timo Werner. Unantastbar ist durch Löws Aussage allerdings nur Gnabry – und das offensichtlich zu Recht. Gnabry ist aktuell der beste deutsche Stürmer.

Joshua Kimmich

Er hat nach dem 3:2-Sieg gegen Paderborn klare Kritik geäußert: "Wir laufen unserem Anspruch hinterher." Daraufhin forderte Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Wer die Klappe aufmacht, muss natürlich auch vorneweg marschieren." Und Kimmich ist vorneweg marschiert und hat geliefert – mit seinem beeindruckenden Treffer zum 1:1 bei Tottenham, mit dem er die Wende des Spiels eingeleitet hat. Dann hat er nachgelegt und gesagt: "Die Aussage nach dem Paderborn-Spiel würde ich wieder so tätigen, weil das meine Meinung ist. In dem Punkt lasse ich mich also nicht verbiegen und stehe zu meiner Meinung."

Das mag ich.

Ich habe seine Kritik zunächst nicht ganz nachvollziehen können, weil sie auch ein gefundenes Fressen für die Medien war. Meine Herangehensweise nach einem 3:2 gegen Paderborn wäre immer gewesen: "Mund abwischen, weitermachen und auf das nächste Spiel drei Tage später schauen. Ich habe doch gar keine Zeit, mich mit der Kritik an der Leistung gegen Paderborn zu beschäftigen." Unabhängig davon, dass man natürlich intern über den Auftritt sprechen muss.

Joshua Kimmich (l.) feiert mit Pavard (2.v.l.) und Coman sein Tor zum 1:1 bei Tottenham.  (Quelle: imago images)Joshua Kimmich (l.) feiert mit Pavard (2.v.l.) und Coman sein Tor zum 1:1 bei Tottenham. (Quelle: imago images)

Aber: Kimmich hat mit einer beeindruckenden Leistung nachgelegt. Und das war damit in seiner Entwicklung wieder ein ganz entscheidender Schritt nach vorne. Wir schreien immer nach Jungs, die auch den Mund aufmachen und ihre Meinung sagen – deshalb sollten wir nicht den Fehler machen, ihn jetzt dafür zu kritisieren.

Kimmich gilt längst als kommender Kapitän bei Bayern und in der Nationalmannschaft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht irgendwann der Fall sein wird, sondern dass er der nächste Kapitän und damit der Nachfolger von Manuel Neuer sein wird.

Kimmich wird sicherlich ein guter Kapitän – auch wenn er die Rolle ganz anders interpretieren wird als Manuel Neuer. Man darf sie auch gar nicht vergleichen, weil jeder das anders macht. Der Vorteil ist aber, dass Kimmich auf dem Feld natürlich viel mehr Einfluss auf das Spiel nehmen kann.

Robert Lewandowski

Es sieht so aus, als wäre er in der Form seines Lebens. Es ist außergewöhnlich, wie er seine ohnehin schon überragende Quote und Form noch mal verbessert hat. Ich kann mich nicht an viele Bundesliga-Stürmer erinnern, die auf diesem Niveau über so lange Zeit unterwegs waren. Gerd Müller natürlich, aber dann kommt schon Lewandowski. Jetzt hat hoffentlich auch der Letzte verstanden, dass er das Prädikat Weltklasse verdient.

Lewandowski ist auf dem Niveau von Messi und Ronaldo – ohne Zweifel. Denn diese drei verbindet vor allem eines: Jeder Gegner weiß, dass er sie stoppen muss, um zu gewinnen. Und jeder Gegner weiß, wie er diese Spieler stoppen kann. Und trotzdem gelingt es nicht.

Es ist absurd, dass Lewandowski bei Weltfußballer-Wahlen keine große Rolle gespielt hat. Und was noch viel krasser ist: Lewandowski war auch noch nie Deutschlands Fußballer des Jahres – mir ist das vollkommen unerklärlich.

Mario Götze

Über allem stehen bei Borussia Dortmund natürlich die drei Punkte bei Slavia Prag – und die damit verbundene gute Ausgangsposition in der Gruppe F der Champions League. Dieses 2:0 war aus meiner Sicht auch ein klares Zeichen, dass diese Mannschaft sehr wohl funktioniert und dass mit ihr zu rechnen ist. Für einen hat sich die Situation dadurch natürlich nicht vereinfacht: Mario Götze.

Der saß mal wieder auf der Bank, obwohl Paco Alcácer ausgefallen ist. Jetzt wird schon spekuliert, ob das an seinem auslaufenden Vertrag liegt oder daran, dass er sich vor Wochen mal über Trainer Lucien Favre lustig gemacht hat, als er dessen Klatschen nachäffte. Ich sehe es einfach so: Favre hatte taktische Gründe – und der Erfolg in Prag hat ihm recht gegeben.

Mario muss das akzeptieren. Wie ich ihn kenne, wird er hart dafür arbeiten, wieder in die Mannschaft zu kommen. Und es spricht nichts dagegen, dass er das wieder schafft. Er wird den Anreiz und die Motivation haben, es bei Dortmund noch mal zu packen. Er muss Geduld haben, dann wird sich das auszahlen. Er ist nicht so weit weg, wie das zu Beginn der vergangenen Saison der Fall war.

Auch grundsätzlich sehe ich die Situation beim BVB nicht so dramatisch. Man kann die Situation so darstellen, wie man möchte. Man kann sagen: Sie sind nur Siebter in der Bundesliga. Man kann aber auch sagen: Sie liegen nur drei Punkte hinter dem Tabellenführer und müssen aktuell einfach härter für den Erfolg arbeiten als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison, als ihnen alles zugeflogen ist.

Vielleicht ist diese Situation gar nicht so verkehrt. In der vergangenen Saison haben sie die Probleme in der Rückrunde bekommen. Wenn es in dieser Saison andersherum ist und sie in Bestform sind, wenn es darauf ankommt, werden sie diesmal womöglich Meister. Vielleicht ist das am Ende der große Vorteil.

Julian Nagelsmann

Vielleicht hat die Niederlage gegen Schalke am vergangenen Wochenende doch ihre Spuren hinterlassen. Fakt ist, dass Nagelsmann und Leipzig beim 0:2 gegen Lyon einen Big Point haben liegen lassen. Sie haben sich damit nun selbst unnötig unter Druck gesetzt und das macht die Situation in dieser Gruppe sehr spannend und brisant. Man kann aus meiner Sicht jetzt auch nicht sagen: "Wir waren die bessere Mannschaft und die haben nur zweimal aufs Tor geschossen." Wir waren mit Bayern früher auch mal die bessere Mannschaft gegen Lyon und haben 0:3 verloren – anschließend haben wir richtig Prügel bekommen.


Leipzigs Vorteil im Vergleich zu Bayer Leverkusen: Es ist noch alles offen und sie haben es selbst in der Hand. Leverkusen hätte das erste Spiel gegen Moskau gewinnen müssen – nach dem 0:3 in Turin geht es nun eigentlich nur noch um Platz drei in der Gruppe.

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