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  • Hertha BSC: J├╝rgen Klinsmanns R├╝ckzug ÔÇô "letztes Wort noch nicht gesprochen"


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Bei Klinsmann ist das letzte Wort noch nicht gesprochen

Von Benjamin Zurm├╝hl

Aktualisiert am 12.02.2020Lesedauer: 4 Min.
Michael Preetz (l., im Hintergrund) und J├╝rgen Klinsmann: Zwei M├Ąnner, die zuletzt selten einer Meinung waren.
Michael Preetz (l., im Hintergrund) und J├╝rgen Klinsmann: Zwei M├Ąnner, die zuletzt selten einer Meinung waren. (Quelle: Contrast/imago-images-bilder)
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Das "spannendste Projekt Europas" hat J├╝rgen Klinsmann hinter sich gelassen ÔÇô zumindest als Trainer. Denn im Aufsichtsrat will er bleiben. Das sorgt f├╝r Konfliktpotenzial und k├Ânnte einen Machtkampf zur Folge haben.

Wenn man liest, wie J├╝rgen Klinsmann ├╝ber sein letztes Gespr├Ąch mit Michael Preetz spricht, wird vieles ├╝ber das Verh├Ąltnis der beiden Hauptfiguren bei Hertha in den letzten Wochen klar. Nach Klinsmanns "schwerem" Abschied von den Spielern war der Besuch beim Gesch├Ąftsf├╝hrer Sport weitaus k├╝rzer und leichter: "Anschlie├čend bin ich zu Michael Preetz ins B├╝ro, um ihm meine Entscheidung mitzuteilen: 'So mache ich nicht weiter.' Dann habe ich ihm die Hand gedr├╝ckt", formulierte es Klinsmann im Gespr├Ąch mit der "Bild"-Zeitung.


Klinsmann-R├╝cktritt: Seine gr├Â├čten Visionen ÔÇô und was aus ihnen wurde

J├╝rgen Klinsmann ist am Dienstag ├╝berraschend als Trainer von Hertha BSC zur├╝ckgetreten. Der 55-J├Ąhrige hatte den Posten erst Ende November mit gro├čer Vision angetreten. Er wollte den Verein zu einem europ├Ąischen Topklub formen, einem "Big City Club". Doch aus diesem Vorhaben wurde nichts ÔÇô der Ex-Nationaltrainer gab nach nur 78 Tagen im Amt auf. Dies war nicht sein einziges ehrgeiziges Projekt, das gescheitert ist. t-online.de stellt die gr├Â├čten Klinsmann-Visionen vor ÔÇô und was aus ihnen wurde.
Als Nachfolger des gescheiterten Rudi V├Âller ├╝bernahm J├╝rgen Klinsmann im Juli 2004 das Traineramt der deutschen Nationalmannschaft ÔÇô sein erster Trainerjob. Klinsmann sollte das Team zu einer erfolgreichen Heim-WM 2006 f├╝hren. Sein Ziel: Der WM-Titel. "Die Fans haben den Wunsch und die gro├če Hoffnung, dass wir 2006 im eigenen Land Weltmeister werden. Dies ist auch meine Zielsetzung", sagte er bei seiner Vorstellung.
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Die Spannungen zwischen Trainer und Manager werden deutlich. Sie sind nicht nur wenige Tage alt, sie existieren bereits l├Ąnger. Der Ursprung der Uneinigkeit liegt in verschiedenen Punkten. Worin sie sich einig waren, war die Vision. Beide tr├Ąumten von Hertha BSC als Verein, der seinem Titel "Hauptstadtklub" gerecht wird. Als Verein, der sich endlich mit der Konkurrenz aus Rom oder London messen kann.

Die Geduldsfrage beim Geld

Wobei sie sich uneinig waren, waren das Wie und das Wer. Preetz wollte das Geld von Investor Lars Windhorst St├╝ck f├╝r St├╝ck ausgeben. 225 Millionen Euro hatte der Tennor-Chef seit dem Sommer 2019 in den Klub gesteckt. "Wir haben gesagt, dass wir das Geld ├╝ber die n├Ąchsten Jahre verteilt investieren werden", sagte er im September im Interview mit t-online.de. Klinsmann sah das offenbar anders. Er w├╝nschte sich teure Investitionen in diesem Winter ÔÇô und bekam sie auch.

Lars Windhorst (r.) neben J├╝rgen Klinsmann Anfang November.
Lars Windhorst (r.) neben J├╝rgen Klinsmann Anfang November. (Quelle: Nordphoto/imago-images-bilder)

Gleich drei neue Spieler nahm Hertha sofort unter Vertrag, ein weiterer wurde f├╝r die neue Saison geholt. 80 Millionen Euro gab der Klub dabei nur an Abl├Âsesummen aus. Damit ging auch ein gro├čer Teil der Windhorst-Investition drauf. PreetzÔÇÖ langfristiges Denken war darin nicht zu erkennen. Denn wenn man diesen Transfer-Winter unter Klinsmann mit denen aus den vorherigen Jahren vergleicht, dann ist ein klarer Ausschlag zu erkennen.

Nicht nur die investierte Summe f├╝r Neuzug├Ąnge ist hoch, auch die Anzahl ist untypisch. Preetz hatte in den neun Jahren zuvor insgesamt drei Spieler im Januar geholt (Sinan Kurt, Rune Jarstein, Felix Bastians), nun also vier auf einmal.

Wer hat das Sagen?

Der ganz gro├če Machtkampf spielte sich aber nicht auf dem Transfermarkt ab, sondern bei der Frage der Machtverteilung. Denn auch wenn Preetz in Sachen Kaderplanung zu Kompromissen in der Taktik bereit war, war er das bei der Entscheidungsgewalt nicht. Und dort stie├čen er und Klinsmann mit den H├Ârnern aneinander.

So viel Einheit wie bei Klinsmanns (l.) Vorstellung im November zeigten der Ex-Trainer und Michael Preetz zuletzt nur selten.
So viel Einheit wie bei Klinsmanns (l.) Vorstellung im November zeigten Ex-Trainer und Michael Preetz zuletzt nur selten. (Quelle: Bernd K├Ânig/imago-images-bilder)

Im "Bild"-Interview erkl├Ąrte Klinsmann, er habe sich f├╝r die Zukunft ein Modell nach englischem Vorbild vorgestellt, bei dem der Trainer auch gleichzeitig ├╝ber die Kaderplanung entscheidet. Doch genau dieses Zugest├Ąndnis wollte ihm Preetz nicht machen. Denn das h├Ątte einen massiven Machtverlust des Hertha-Managers bedeutet. Das zentralste Aufgabenfeld, die Lizenzspielerabteilung, w├Ąre ihm praktisch entrissen worden. Das kam f├╝r den 52-J├Ąhrigen nicht infrage.

Seit 2009 zieht Preetz bei den Berlinern die F├Ąden. Zuvor war er als Assistent von Dieter Hoene├č bereits mehrere Jahre im Amt gewesen. Auch nach seiner aktiven Karriere ist f├╝r den "Langen", wie Preetz bei Hertha genannt wird, der BSC seine Heimat geblieben. Und er ist ├╝berzeugt davon, dass das auch noch viele Jahre so bleibt.

Kompetenzen abgegeben hatte er in Bereichen wie Finanzen oder Digitalisierung. Sportlich holte er sich keine weitere Unterst├╝tzung, wie es zum Beispiel Dortmunds Michael Zorc mit Ex-Profi Sebastian Kehl tat. Unterst├╝tzung wollte Klinsmann aber gar nicht sein. Er wollte mehr derjenige sein, der das Ruder ├╝bernimmt. F├╝r Preetz war dieses Vorhaben ein rotes Tuch.

Die Bremse

Dabei h├Ątte Preetz diese Entwicklung erahnen k├Ânnen. Zur Fairness: Vielleicht hat er das auch. Klinsmann war nie der Typ Trainer, der sich rein auf die Arbeit auf dem Platz fokussierte. Er betrachtete sich schon immer mehr als Vision├Ąr, der das gro├če Ganze im Blick hat. So war es beim DFB, beim FC Bayern und auch bei der US-Nationalmannschaft. Er baute um, stie├č an und ver├Ąnderte nachhaltig. Dagegen hatte Preetz nichts einzuwenden, aber nur so weit, wie es ihn selbst nicht zu sehr betraf.

Beim FC Bayern war J├╝rgen Klinsmann nur rund zehn Monate im Amt.
Beim FC Bayern war J├╝rgen Klinsmann nur rund zehn Monate im Amt. (Quelle: MIS/imago-images-bilder)

Wenn Klinsmann aus Sicht des Hertha-Managers ein bisschen ├╝ber das Ziel hinausschoss, intervenierte Preetz. "Meine Aufgabe ist es vielleicht, hier und da ein bisschen auf der Bremse zu stehen", sagte er im Winter-Trainingslager in Orlando. "Das muss man sich aber nicht so vorstellen, dass wir nicht gemeinsam in die gleiche Richtung rudern", f├╝gte er damals an. Offenbar taten sie es aber in vielen Punkten doch.

Klinsmann z├Ąhlte die Vereinsf├╝hrung, und damit insbesondere Preetz, in seinem Facebook-Statement zu seinem R├╝cktritt an: "Als Cheftrainer ben├Âtige ich f├╝r diese Aufgabe (den Klassenerhalt, Anm. d. Red.), die noch nicht erledigt ist, auch das Vertrauen der handelnden Personen." Deshalb zog sich Klinsmann zur├╝ck ÔÇô vorerst.

Preetz steht unter Druck

Sein "Tsch├╝ss" ist n├Ąmlich mehr ein "Auf Wiedersehen". Klinsmann will im Aufsichtsrat der Hertha bleiben, in dem er seit Anfang November 2019 sitzt. Ein Veto kann der Verein nicht einlegen. Egal wie gro├č die Spannungen zwischen Preetz und Klinsmann sind. Dieser Platz steht Investor Lars Windhorst zu, der Klinsmann als seinen Vertreter in dieser Rolle auserw├Ąhlt hat. Und so wird der 55-J├Ąhrige weiter in diesem Posten t├Ątig sein.

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Nun kann Klinsmann als Mitglied des Aufsichtsrats weder Preetz entlassen noch anderweitig in die Geschicke eingreifen, doch er kann mithilfe Lars Windhorsts intern Druck aus├╝ben. Und auch wenn Preetz seit vielen Jahren im Verein ist, ist seine Weste nicht wei├č. Bei Transfers hatte er in den letzten Jahren oft ein gutes H├Ąndchen, bei all seinen Trainerentscheidungen war aber nur P├íl D├írdai ein wirklicher Volltreffer.

Hat arbeitsreiche Tage vor sich: Michael Preetz.
Hat arbeitsreiche Tage vor sich: Michael Preetz. (Quelle: Camera 4/imago-images-bilder)

Preetz steht deshalb unter Druck. Die gescheiterten Amtszeiten von Ante Covic und nun auch J├╝rgen Klinsmann lassen ihn nicht gerade gut aussehen. Sollte die n├Ąchste L├Âsung auf der Trainerbank nicht sitzen und PreetzÔÇÖ Konzept f├╝r die Zukunft von Hertha BSC nicht gut aussehen, w├╝rde das seine Position schw├Ąchen ÔÇô und Klinsmanns st├Ąrken.

Und Klinsmann hat mit dem Berliner Klub weiterhin viel vor. Seine Aufgaben beschrieb er bei Facebook als "langfristig angelegt". Und wer wei├č, ob er im Falle eines Scheiterns von Preetz nicht doch seinen Wunsch vom Modell des m├Ąchtigen Trainers der Hertha erf├╝llt bekommt.

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