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Vor PSG-Kracher: Warum für den FC Bayern die Saison auf dem Spiel steht

Champions League in Paris  

Warum für den FC Bayern die Saison auf dem Spiel steht

Von Patrick Mayer

13.04.2021, 11:14 Uhr
Vor PSG-Kracher: Warum für den FC Bayern die Saison auf dem Spiel steht. Bayern Joshua Kimmich: Der Nationalspieler beschwerte sich gegen Paris über die zu späte Auswechslung seines verletzten Mitspielers Leon Goretzka.  (Quelle: imago images/Poolfoto)

Bayern Joshua Kimmich: Der Nationalspieler beschwerte sich gegen Paris über die zu späte Auswechslung seines verletzten Mitspielers Leon Goretzka. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Der FC Bayern steht in Paris vor dem frühen Aus in der Champions League. Währenddessen ist der Zwist zwischen Trainer Flick und Sportvorstand Salihamidzic omnipräsent. Bei einem Ausscheiden droht den Münchnern ein herber Rückfall in alte Muster. 

Ein frühes Aus. Es ist eine dieser Phrasen im Fußballgeschäft, die das Innenleben einer Mannschaft in einfach verpackte Worte fassen sollen. Aber: Kann man bei einem Viertelfinale noch von einem frühen Ausscheiden sprechen? Gerade in der Champions League?

Ja, man kann. Wenn man FC Bayern München heißt. Und das Finale der Königsklasse zum Selbstverständnis gehört. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gab einst die Richtung vor, als der heute 65-Jährige 2012 die Bundesliga-Meisterschaft als "Brot-und-Butter-Geschäft" bezeichnete.

Dem Rekordmeister droht das Aus in der Champions League

Heißt: Die Champions League ist das Festessen, das Dinner, der Besuch im Sternerestaurant. Genug der bildlichen Vergleiche. Die Lage ist ernst, sie hat sich beim FC Bayern zuletzt schlagartig gewandelt. Und das just im Frühjahr, in jener Jahreszeit, in der der Münchner Branchenriese seit Jahren immer wieder einen Knick bekommt. Gerade dann, wenn es zählt. Die deutsche Meisterschaft (acht Mal in Folge gewonnen) ausgeklammert.

Die Bestandsaufnahme: Im April 2021 schwankt der deutsche Rekordmeister fußballerisch zwischen schier grenzenloser offensiver Genialität und bedenklich schlampigen Nachlässigkeiten in der Defensive.

Die Folge: Im Viertelfinal-Rückspiel der Königsklasse bei Paris Saint-Germain an diesem Dienstagabend (21 Uhr, im Liveticker bei t-online) droht das frühe Aus. Dabei wollten sich die Bayern anschicken, als erster Klub nach Real Madrid (2016 – 2018) überhaupt den Champions-League-Titel zu verteidigen.

Champions-League-Viertelfinale: Für den FC Bayern geht es um die eigenen Ansprüche

Doch weil der französische Ausnahmestürmer Kylian Mbappé beim 3:2 im Hinspiel per Doppelpack traf und die Bayern defensiv nur hinterherliefen, droht einmal mehr Ernüchterung im Frühjahr. Mehr noch: In Paris geht es für die "Roten" um die ganze Saison.

Noch Anfang des Monats sagte Boss Rummenigge in einem Interview auf der Klub-Webseite: "Wir haben das schon oft formuliert: Wo auch immer der FC Bayern antritt, wollen wir die Nummer eins sein." Doch: Im DFB-Pokal schieden die Münchner völlig überraschend bereits in der zweiten Runde bei Zweitligist Holstein Kiel (7:8 n. E.) aus. Ein Triple wird es nicht mehr. Einiges spricht auch gegen ein Double. Insbesondere der PSG-Torjäger auf der gegnerischen Seite. 

FC Bayern München: Hansi Flick steht gegen PSG unter Druck

"Druck auf den Ball, möglichst die Passwege zumachen, die Tiefe absichern und versuchen, Mbappé nach außen zu lenken, damit er nicht nach innen kommt. Denn da ist er gefährlich!", erklärte FCB-Trainer Hansi Flick auf der Pressekonferenz seine Maßnahmen gegen den erst 22-jährigen Angreifer. Der 56-jährige Badener wiederum wirkte zuletzt sehr viel dünnhäutiger im Vergleich zu seiner Anfangszeit als Chefcoach an der Säbener Straße.

Die augenscheinlichen Meinungsverschiedenheiten mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic, die bei den Bayern niemand dementiert, haben offensichtlich Spuren hinterlassen. Scheitert Flick in der französischen Hauptstadt, gehen ihm trotz Sextuple in der Vorsaison die Argumente für sein extrem selbstbewusstes Auftreten aus.

Schließlich ist er immer noch ein Angestellter, ein Mitarbeiter, der kürzlich seinen unmittelbaren Vorgesetzten bloßgestellt hat. "Wir wollen ins Halbfinale, daran ändert auch dieses Ergebnis nichts", sagte Flick nach dem 2:3 im Hinspiel und will nicht mehr über Salihamidzic sprechen. Der Mann, der im Sommer Bundestrainer werden könnte, steht in München gehörig unter Druck.

Zwist zwischen Hansi Flick und Hasan Salihamidzic überlagert alles

Im Hinspiel hatte er – trotz aller Bedenken – taktisch an dem hohen Pressing und den frühen Balleroberungen festgehalten, was gegen die Express-Fußballer Kylian Mbappé und Neymar gehörig schiefging. Zur Einordnung: 13 Mal gerieten die Bayern wegen ihrer Spielweise in dieser Saison in der Bundesliga in Rückstand. Flick änderte seine Marschroute aber wieder nicht, obwohl sich aktuell zeigt, dass Niklas Süle in der Innenverteidigung weit von seiner Bestform entfernt ist, David Alaba kein Sprinter mehr wird und Lucas Hernández in der Viererkette bei explosivem Umschaltspiel des Gegners Probleme hat.

Hansi Flick: Dem Bayern-Trainer droht das Aus in der Champions League. (Quelle: imago images/Poolfoto)Hansi Flick: Dem Bayern-Trainer droht das Aus in der Champions League. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Wie ernst es um die eigenen Ziele steht, dokumentierte auch, dass der FC Bayern bei der Pressekonferenz zum Spiel in Paris seinen Chefdiplomaten vorschickte: Thomas Müller. "Wenn sich jetzt Spieler zu Vertragsdingen oder Transfers äußern würden, dann würde es ja zugehen – wie es gerade zugeht", sagte Müller auf die Störfeuer von außen angesprochen und meinte laut lachend: "Scheiße, jetzt habe ich mich selber erwischt."

FC Bayern in der Champions League: Folgt große Ernüchterung?

Laut wurde im Hinspiel Stratege Joshua Kimmich auf dem Platz. Erstmals überhaupt motzte er auch gegen Flick, weil dieser nach Meinung des Schwaben zu lange brauchte ("Wir spielen seit fünf Minuten mit einem Mann weniger"), um den angeschlagenen Leon Goretzka auszuwechseln.

Flick rechtfertigte sich nach der Partie bei Sky: "Es ist nicht zu spät reagiert worden, es geht einfach darum, dass man sich warmmachen muss." Dass der Trainer sich überhaupt rechtfertigt, ist gänzlich neu. Es scheint auch im Binnenverhältnis zur Mannschaft erste Risse zu geben, nachdem der Erfolgscoach in den letzten Wochen jede Gelegenheit ausschlug, um sich mit Blick auf die Zukunft zum Rekordmeister zu bekennen.

Trotzdem wirbt der Klub um seinen Verbleib und einen Burgfrieden mit Salihamidzic. Auch, weil auf dem Trainermarkt kein einziger Hochkaräter zu finden ist?

Kommt der FC Bayern in Paris nicht weiter, dürfte es in den kommenden Wochen erst richtig hitzig werden. Denn auch die Meisterschaft in der Bundesliga ist wegen eines hartnäckigen Verfolgers aus Leipzig nicht endgültig entschieden. Und in München folgt nach einem frühen Aus in der Champions League stets eines: große Ernüchterung und Unzufriedenheit.

Verwendete Quellen:

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