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Immer nur nah dran

Von Constantin Eckner

05.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Pep Guardiola: Der Trainer von Manchester City sitzt ratlos auf der Bank, sein Team ist aus der Königsklasse ausgeschieden.
Pep Guardiola: Der Trainer von Manchester City sitzt ratlos auf der Bank, sein Team ist aus der Königsklasse ausgeschieden. (Quelle: NurPhoto/imago-images-bilder)
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Zuletzt hat Pep Guardiola 2011 mit Barça die Champions League gewonnen. Mit Manchester City wartet er noch auf den großen Erfolg. Am Mittwoch gab es erneut ein ernüchterndes Ausscheiden.

Während Real Madrids Trainer Carlo Ancelotti mit ausgesprochener Ruhe das Geschehen auf dem Rasen des Estadio Santiago Bernabéu verfolgt und sieht, wie seine Mannschaft in letzter Minute die Halbfinalpartie der Champions League noch dreht, sitzt Pep Guardiola nach Schlusspfiff mit den Händen vorm Gesicht am Seitenrand. Die Bildsprache könnte besser nicht sein. Ancelotti bleibt selbst nach dem Gegentreffer in der zweiten Halbzeit, der den Gesamtstand auf 3:5 aus Sicht seines Teams stellt, noch ruhig. Guardiola hingegen ist wie immer sehr aktiv und wirkt trotz des Vorsprungs nervös.


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Eigentlich ist Manchester City über zwei Partien hinweg die bessere Mannschaft. Doch schon im Hinspiel reicht diese Überlegenheit nur zu einem 4:3-Erfolg. Im Rückspiel fallen zwei späte Gegentreffer, die City in die Verlängerung und damit ins Verderben schicken. Was viele Beobachter bemerken: Guardiolas Spieler haben deutliche spielerische Vorteile, bleiben aber defensiv anfällig. Die hohe Verteidigungslinie und das aggressive Rausrücken der Mittelfeldspieler hinterlassen automatisch Lücken, in die Real Madrid das eine oder andere Mal hineinstoßen kann. Es ist das Pep-Dilemma.

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Totale Kontrolle gegen Real unmöglich

Denn ohne dieses risikobehaftete Vorrücken würde sein Fußball nur bedingt funktionieren. Dieser beruht auf der Philosophie, dass sowohl bei Ballbesitz als auch nach Ballverlusten der Raum um den Ball so eng wie möglich gemacht werden soll. Geht dieser Plan auf, ist Guardiolas Team ultradominant und lässt dem Gegner keinen Raum zur Entfaltung. In der Liga gegen unterlegene Konkurrenten funktioniert das in der Regel. In der Champions League, gerade in den späteren Runden, warten allerdings Teams, die Ausnahmequalität mitbringen. Real Madrid hat mit Toni Kroos, Luka Modrić und Karim Benzema eine Weltklasse-Achse in der Offensive und darum einige junge Individualisten.

Pep Guardiola und sein Spieler Fernandinho (vorne): Der Trainer muss den Mittelfeldspieler nach dem Aus trösten.
Pep Guardiola und sein Spieler Fernandinho (vorne): Der Trainer muss den Mittelfeldspieler nach dem Aus trösten. (Quelle: Shutterstock/imago-images-bilder)

"Wir waren so nah am Ziel, aber Fußball ist unberechenbar. Es ist manchmal einfach so, das gilt es zu akzeptieren", sagt Guardiola, nachdem Madrid in der Verlängerung durch einen Elfmetertreffer von Benzema mit 3:1 gewinnt. Eigentlich möchte er eben gerade diese Unberechenbarkeit so gut es geht eliminieren. Aber in der Königsklasse gelingt ihm das seit knapp zehn Jahren in manchen Partien nicht. Er ist immer nah dran, aber zieht gegen Top-Gegner dann den Kürzeren.

Falsche Wechsel zum Ende

Doch die Nacht von Madrid, die als historische Aufholjagd des spanischen Meisters in die Fußballgeschichtsbücher eingeht, ist nicht einmal der beste Beweis dafür, dass Guardiola mit seiner grundsätzlichen Philosophie zum Scheitern verurteilt ist. Vielmehr wirft diese Fragen hinsichtlich der Spielgestaltung des Katalanen auf. Denn die Spielerwechsel während der Partie stellen sich teils als Fehlentscheidungen heraus. Guardiola schwächt seine rechte Defensivseite durch die Auswechslung von Kyle Walker, für den Oleksandr Zinchenko hereinkommt und dessen Position dann João Cancelo begleitet. Anschließend forciert Madrid die Angriffe über diesen Flügel unter anderem durch den Doppeltorschützen Rodrygo.

Zudem hat die Hereinnahme des defensivorientierten Mittelfeldspielers Fernandinho für Flügelstürmer Riyad Mahrez zur Folge, dass City im Mittelfeld weniger Ballkontrolle aufweist. Guardiola weicht also in den Schlussminuten sogar von seinem eigentlichen Konzept ab und reagiert nur noch auf die Dynamik der Partie, sprich die totale Offensive Madrids. Er korrigiert diesen Wechsel erst beim Stand von 1:3 in der Verlängerung, indem der zentrale Mittelfeldspieler Rodri für Angreifer Raheem Sterling den Platz verlässt.

Was sagt uns das? Auch Guardiola kann während einer engen und teils chaotischen Partie Fehleinschätzungen vornehmen. In England wird bereits von Zeitungen verkündet, dass diese Nacht den katalanischen Trainer für immer verfolgen werde. Zumindest wird sein Selbstvertrauen für künftige K.o.-Runden der Champions League nicht anwachsen. Dafür stehen mittlerweile zu viele Pleiten zu Buche.

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