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Frankreich: "Drei Musketiere" auf der Suche nach Harmonie

Von dpa
Aktualisiert am 27.06.2021Lesedauer: 3 Min.
Hat sich noch nicht gefunden bei der EM: Frankreichs Sturm-Trio Karim Benzema (l) Antoine Griezmann (M) und Kylian Mbappe (r).
Hat sich noch nicht gefunden bei der EM: Frankreichs Sturm-Trio Karim Benzema (l) Antoine Griezmann (M) und Kylian Mbappe (r). (Quelle: Federico Gambarini/dpa./dpa)
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Bukarest (dpa) - Als sich vor der EM im Weltmeister-Land Frankreich Euphorie wegen der "Drei Musketiere" breitmachte, erinnerte manch einer mahnend an die WM 2002. Damals reiste Frankreich als Welt- und Europameister mit einem Giganten-Sturm zur WM.

In Thierry Henry (England), David Trezeguet (Italien) und Djibril CissĂ© (Frankreich) bildeten TorschĂŒtzenkönige den Angriff. Am Ende schieden die Franzosen ohne ein Tor in der Vorrunde aus.

Dagegen ist das Wehklagen ĂŒber das heutige Traum-Trio Kylian MbappĂ© (Paris St. Germain), Karim Benzema (Real Madrid) und Antoine Griezmann (FC Barcelona) eines auf hohem Niveau. VordergrĂŒndig ist sogar alles okay: Die Franzosen haben die schwerste Vorrundengruppe ungeschlagen als Erster ĂŒberstanden und außer dem Eigentor von Mats Hummels wurden alle Treffer von diesem Trio erzielt. Doch das ist lĂ€ngst nicht die ganze Wahrheit. Und so ist vor dem Start in die K.o.-Runde am Montag in Bukarest gegen die Schweiz (21.00 Uhr/ZDF und Magenta TV) durchaus Unruhe ausgebrochen. Vor allem in Bezug auf den immer noch torlosen MbappĂ©.

Drei, die sich noch finden mĂŒssen

"Man muss fragen, wie der Angriff, um den uns der ganze Kontinent beneidet, zu dem wird, den Europa fĂŒrchtet", schrieb das Fachblatt "L'Equipe": "Zweifelsohne: Die drei suchen sich noch. Aber sie finden sich nicht. Jedenfalls nicht genug." Der 98er-Weltmeister und Ex-StĂŒrmer StĂ©phane Guivarc‘h erklĂ€rte als Experte des Blattes: "Mit den dreien da vorne sind wir etwas unzufrieden. Aber ich denke, sie werden noch Fahrt aufnehmen."

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Das werden sie mĂŒssen, wollen die Franzosen den Titel holen. Im Raum steht vor allem die Frage, ob Didier Deschamps, Ă€hnlich zu Joachim Löw im Fall von Thomas MĂŒller, Benzema nicht zu spĂ€t zurĂŒckgeholt hat. Nach mehr als fĂŒnfjĂ€hriger Verbannung stieß der 33-JĂ€hrige erst zur Vorbereitung zum Team. Deschamps hatte ihn, allen disziplinarischen GrĂŒnden aus der Vergangenheit zum Trotz, als fehlendes Puzzle-Teil fĂŒr ein titelreifes Sturm-Trio ausgemacht.

Benzema selbst habe sich durchaus bewĂ€hrt, schrieb "L'Equipe": "Aber zu einem hohen Preis. Weil er die Statik und das Gleichgewicht im Spiel verĂ€ndert hat." Die kurze Zeit zum Einspielen hatte Benzema im Vorfeld nicht als Problem erachtet. "Topspieler mĂŒssen keine 100 Spiele zusammen bestreiten", sagte er: "Die beiden sind technisch so gut, dass es einfach sein wird, mit ihnen zu harmonieren."

Genau letzteres ist bisher das Problem. Griezmann spielte in der gesamten Vorrunde ganze sechs BĂ€lle auf Benzema. MbappĂ© sogar nur fĂŒnf auf Griezmann. In drei Spielen. Bisher sind es drei Solisten, die noch nicht zusammengefunden haben. Das Musketier-Motto "Einer fĂŒr alle, alle fĂŒr einen" gilt noch nicht.

Respekt vor dem besten Sturm der EM

Der Respekt der Schweizer vor dem Trio, und vor allem Mbappé, ist trotzdem riesig. "Das ist der beste Sturm dieser EM", sagte der Ex-Wolfsburger Ricardo Rodriguez. Und Defensivspieler Silvan Widmer bezeichnete Mbappé als "einen Schnellzug mit unglaublich Speed".

Man könnte auch positive Statistiken ĂŒber den 22-JĂ€hrigen raussuchen. Mit 17 Dribblings hat MbappĂ© die meisten der Vorrunde hingelegt. Er war an drei von vier Toren beteiligt. Aber im Gegensatz zu Griezmann (ein Tor) und Benzema (zwei) hat der wertvollste Spieler der Welt eben noch nicht getroffen.

"FĂŒr sein Ego ist das sehr frustrierend", sagte der frĂŒhere NationalstĂŒrmer und Bayern-Profi Jean-Pierre Papin: "Aber ich mache mir ĂŒberhaupt keine Sorgen um ihn." Auch fĂŒr den 2002 beteiligten CissĂ© ist der erste MbappĂ©-Treffer nur eine Frage der Zeit. "Dass er als Einziger noch nicht getroffen hat, wird ein Adrenalin-Kick fĂŒr ihn sein. Er hat sicher nur auf einen besonderen Moment gewartet."

So Ă€hnlich sieht es Griezmann. Als Benzema vor dem letzten Gruppenspiel wegen seiner Torlosigkeit in der Kritik stand, sagte der TorschĂŒtzenkönig der EM 2016: "Wenn der Wasserhahn erst einmal offen ist, wird es fließen." Beim 2:2 gegen Portugal traf Benzema doppelt.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FRANKREICH: 1 Lloris - 2 Pavard, 4 Varane, 3 Kimpembe, 21 Hernandez - 6 Pogba, 13 Kanté, 14 Rabiot - 7 Griezmann - 19 Benzema, 10 Mbappé

SCHWEIZ: 1 Sommer - 4 Elvedi, 5 Akanji, 13 Ricardo Rodriguez - 3 Widmer, 8 Freuler, 10 G. Xhaka, 14 Zuber - 23 Shaqiri - 9 Seferovic, 7 Embolo

Schiedsrichter: Fernando Andres Rapallini (Argentinien)

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