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Champions League: Nagelsmann mit Internet-Taktik gegen Mourinho

Champions League  

Nagelsmann mit Internet-Taktik gegen Mourinho

09.03.2020, 16:30 Uhr | dpa

Champions League: Nagelsmann mit Internet-Taktik gegen Mourinho. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann checkt den Gegner vorher im Internet.

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann checkt den Gegner vorher im Internet. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa. (Quelle: dpa)

Leipzig (dpa) - Julian Nagelsmann setzte sich erst mal an seinen Rechner. Zur Vorbereitung auf das Achtelfinal-Rückspiel surfte der Trainer von RB Leipzig durch die Internetseiten englischer Medien und analysierte die Aussagen der Profis von Gegner Tottenham Hotspur.

"Ich höre jede Pressekonferenz, sehe jedes Interview. Meistens sind die Aussagen der Spieler nach einem Spiel ein Abbild von dem, was der Trainer wollte. Man kann da gut die Stimmung raushören", sagte Nagelsmann vor dem Duell um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League am Dienstag (21.00 Uhr/Sky).

Erst am Montagvormittag hatten die Leipziger Behörden entschieden, das Spiel trotz der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus wie geplant und mit Fans stattfinden zu lassen. "Ich bin sehr froh darüber. Es wäre ein Nachteil gewesen, ohne Fans zu spielen", sagte Nagelsmann. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen empfohlen hatte, äußerte aufgrund der Kurzfristigkeit Verständnis.

So konnte Nagelsman seine Theorie verfolgen und versuchen, mit ein paar Klicks im Internet die Stimmungslage des Gegners auszuloten. Die Tottenham-Analyse dürfte dabei nicht viel Zeit in Anspruch genommen haben. Denn seit dem 0:1 aus dem Hinspiel sind die Spurs aus der Spur, scheiterten im FA Cup und gewannen kein Spiel in der Liga mehr. Der mächtig angefressene Star-Trainer José Mourinho reagierte auf seine eigene Art und zerlegte am Samstag nach dem 1:1 beim FC Burnley 60-Millionen-Einkauf Tanguy Ndombélé öffentlich.

Der Frust und das damit verbundene mäßige Betriebsklima bei Tottenham kommt RB gerade recht. Denn die Mannschaft bekommt seit dem starken Auftritt im Londoner Norden ebenfalls ihre PS nicht mehr auf den Platz. "Wir haben die Tempowechsel nicht drin, sind sehr ungenau in den letzten beiden Spielen. Das ist zu statisch. Wir müssen mehr in Bewegung kommen", kritisierte Sportdirektor Markus Krösche. Die Nullnummer in Wolfsburg diente als Paradebeispiel für alles, was im Leipziger Spiel gerade nicht stimmt.

Den Kampf um die Meisterschaft hat man halbwegs aufgegeben. Und so bleibt die Königsklasse das absolute Highlight abseits des Bundesliga-Alltags. "Wenn wir so spielen wie im Hinspiel, bin ich davon überzeugt, dass wir weiterkommen", sagte Kapitän Marcel Sabitzer. Gut für RB, dass das Spiel mit einem 1:0-Vorsprung beginnt.

Das macht es den Leipzigern womöglich leichter, ihren gefürchteten Konterfußball zu spielen. "Tottenham wird offener spielen, denn ein 0:0 reicht denen nicht. Wenn sie etwas höher und aggressiver spielen, würde uns das viel Raum hinter der Abwehr geben, den wir bespielen können", sagte Torwart Peter Gulacsi. Für das nötige Tempo soll Stürmer Timo Werner sorgen, der nach seiner Auszeit in Wolfsburg am Dienstag wieder in der Startelf stehen dürfte.

Dadurch bleiben am Ende zwei Unwägbarkeiten. Die individuelle Klasse der Spurs-Edelkicker Dele Alli, Lucas Moura und Giovani Lo Celso. Und die mit nichts aufzuwiegende Erfahrung von Mourinho. Für den wieder zum zynischen Grantler mutierten Portugiesen ist die Partie in Leipzig bereits das 151. in der Champions League. Davon hat der 57-Jährige nur 34 Spiele verloren - und zumindest für die Verlängerung genügt in der ausverkauften Red Bull Arena bereits ein Tor.

Hinzu kommt, dass Mourinho gerade in den Achtelfinals ganz entscheidende Momente seiner Karriere erlebt hat. 2004 setzte er sich mit dem FC Porto gegen das als übermächtig eingestufte Manchester United durch und gewann später die Trophäe. Ein Jahr später schaltete Mourinho mit dem FC Chelsea den FC Barcelona in der Runde der letzten 16 aus und 2010 war für den Londoner Club gegen Mourinho und seinen neuen Arbeitgeber Inter Mailand ebenfalls im Achtelfinale Schluss.

Nagelsmann dürfte also gewarnt sein. Auf einen Trip zum Tottenham-Spiel in Burnley verzichtete RB übrigens am Samstag komplett. Auch hier setzt Nagelsmann auf einen Computer. "Wir haben Aufnahmen von allen Spielen aus derselben Perspektive. Das ist 1000-mal besser, als wenn man vor Ort ist", sagte der 32-Jährige. Seine Suchmaschinen-Taktik scheint ein erfolgversprechendes Modell, schließlich hat sie Leipzig erstmals in die K.o.-Phase gebracht.

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