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Novak Djokovic: Die ganze Einreise-Posse in der Chronik

Einreise-Posse um Tennisstar  

Djokovic gegen Australien: So eskalierte der Streit

16.01.2022, 12:01 Uhr
Djokovic muss Australien verlassen

Tennisstar Novak Djokovic verliert vor australischem Gericht im Visum-Streit. Er muss das Land verlassen. (Quelle: Reuters)

Entscheidung gefallen: Tennisstar Novak Djokovic verliert vor australischem Gericht im Visum-Streit. (Quelle: Reuters)


Nun steht endgültig fest: Der Weltranglistenerste darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss Australien verlassen. Die Posse war reich an skurrilen Momenten – und es bleiben Fragen offen. Die Chronik.

Novak Djokovic muss Australien endgültig verlassen. Der Einspruch des Tennis-Superstars gegen seine verweigerte Einreise ist am Sonntag vom Bundesgericht des Landes abgelehnt worden. Zuvor hatte der australische Einwanderungsminister Alex Hawke dem Weltranglistenersten erneut das Visum entzogen. Damit kann Djokovic bei den Australian Open nicht antreten und seinen Titel verteidigen. 

Es ist das Ende einer zeitweise skurrilen Posse um die Einreise des 34-Jährigen nach "Down Under", die sich an Djokovics Impfstatus entzündete – der Serbe verweigert sich einer Impfung gegen das Coronavirus. Seit Beginn des Jahres hielt der Streit nicht nur die Sportwelt in Atem – und hatte einige kuriose Momente.

t-online hat die Chronik zur Einreise-Posse um Novak Djokovic

►10. Dezember 2021: Die Bewerbungsfrist für eine medizinische Ausnahmegenehmigung bei den australischen Behörden läuft ab. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte Djokovic regulär eben diese Genehmigung beantragen können.

►14. Dezember 2021: Djokovic besucht ein Basketballspiel in Belgrad. Nach der Partie wird bekannt, dass sich mehrere Menschen mit Covid-19 infiziert haben.

►16. Dezember 2021: Djokovic macht einen Corona-Schnelltest. Dem Serben zufolge fällt dieser negativ aus. Dann macht er auch noch einen PCR-Test für ein genaueres Ergebnis. Die Öffentlichkeit erfährt aber nichts von Djokovics Covid-19-Erkrankung – erst später, am 8. Januar, wird seine Infektion bekannt (siehe weiter unten).

►17. Dezember 2021: Djokovic nimmt in Belgrad an einer Preisverleihung für Kinder teil, auf Bildern ist zu sehen, dass der Tennis-Star weder eine Maske trägt noch Abstände einhält. Nach eigener Aussage erhält Djokovic erst nach dieser Veranstaltung das positive Ergebnis des PCR-Tests. Die Frage bleibt: Wieso hat er wider besseres Wissen die Preisverleihung besucht, ohne eben dieses Ergebnis abzuwarten, wie er am 12. Januar bestätigen wird (siehe unten)?

►18. Dezember 2021: Djokovic gibt der französischen Sportzeitung "L’Équipe" ein Interview in seinem Trainingszentrum in Belgrad.

25. Dezember 2021: Ein Video von Djokovic beim Tennisspielen in den verregneten Straßen Belgrads kursiert in den sozialen Medien. Auch hier trägt der Weltstar wieder keine Maske. Wichtig hierbei: Eigentlich müsste sich der positiv getestete Djokovic bereits längst seit Tagen in Isolation befinden.

►31. Dezember 2021: Die Soto Tennis Academy im spanischen Marbella postet ein Video von Djokovic beim Training auf dem Platz. "Wir können bestätigen, dass der "Djoker" bereit ist für die Australian Open, wenn es denn möglich ist", schreibt die Akademie auf Twitter – obwohl dieser sich eigentlich noch immer in Quarantäne in Belgrad befinden müsste.

►4. Januar 2022: In einem Instagram-Post zeigt sich ein freudestrahlender Djokovic mit Gepäck auf einem Flughafen. "Ich habe eine fantastische Zeit mit meinen Liebsten über die Feiertage verbracht und fliege heute mit einer Ausnahmegenehmigung nach 'Down Under'", schreibt er. Kein Hinweis auf eine mögliche Corona-Infektion, keine genauere Anmerkung, weshalb er denn diese "Ausnahmegenehmigung" bekommen habe.

►5. Januar 2022: Djokovic tritt die Reise nach Melbourne an und fliegt, mit Zwischenstopp in Dubai, ein. Bei der Einreisekontrolle kommen Zweifel an den Angaben in seinem Visumsantrag auf. Daraufhin wird das Visum entzogen – er habe nicht die nötigen Voraussetzungen für die ominöse Ausnahmegenehmigung. Die "Australian Border Force" setzt ihn fest, ein Verfahren wird eingeleitet, Djokovic abzuweisen.

Plötzlich steht die ersehnte Teilnahme an den Australian Open infrage. Seine Anwälte legen direkt Berufung gegen die Verfügung ein, Djokovic wird ins "Park Hotel" in Melbourne gebracht, das seit Beginn der Pandemie als Isolations- und Abschiebeeinrichtung genutzt wird – ein umstrittenes "Hotel", in dem auch zahlreiche Flüchtlinge untergebracht sind.

Umstrittene Einrichtung: Das "Park Hotel" in Melbourne, in das Djokovic gebracht wurde. (Quelle: imago images/AAP)Umstrittene Einrichtung: Das "Park Hotel" in Melbourne, in das Djokovic gebracht wurde. (Quelle: AAP/imago images)

►6. Januar 2022: Bizarre Wortmeldung aus Belgrad: Auf einer Pressekonferenz in seinem Restaurant "Novak 1" äußert sich Srdjan Djokovic zur Situation rund um seinen weltbekannten Sohn. Djokovic senior ruft zu Protesten auf – und versteigt sich zu einem verrückten Vergleich: "Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns. Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun." Und weiter: In Australien sei Djokovic "im Gefängnis" Er streite nicht nur für sich und Serbien, sondern führe "den Kampf von sieben Milliarden Menschen auf der Welt für Rede- und Meinungsfreiheit".

Bruder Djordje wütet: "Er wurde wie ein Krimineller behandelt, obwohl er ein gesunder und anständiger Mann und Sportler ist, der niemanden in Gefahr gebracht und keine Straftat begangen hat."

►7. Januar 2022: Australiens Innenministerin Karen Andrews sieht sich genötigt, auf die kruden Töne aus Belgrad zu reagieren: "Herr Djokovic wird nicht in Australien gefangen gehalten“, betont sie in Richtung von Djokovics Famile, "er kann jederzeit gehen" und der Grenzschutz wäre dabei behilflich.

Klartext – Australiens Innenministerin Karen Andrews. (Quelle: imago images/AAP)Klartext – Australiens Innenministerin Karen Andrews. (Quelle: AAP/imago images)

In einem Telefonat mit Serbiens Präsident Aleksandar Vucic verlangt Djokovic seinen Umzug aus dem Melbourner Hotel. Stattdessen will er die Zeit bis zur Entscheidung in einem Stadthaus verbringen, das er eigens für die Dauer der Australian Open angemietet hatte. Vor dem "Park Hotel" versammeln sich indes immer mehr serbischstämmige Australier, die für ihr Idol demonstrieren. Nur ganz vereinzelt wird im wütenden Mob auf das Tragen von Masken oder das Einhalten von Abständen geachtet.

Am Abend meldet sich Djokovic erstmals selbst in der Öffentlichkeit zu Wort, teilt via Instagram mit: "Ich danke meiner Familie, Serbien und allen guten Menschen in der ganzen Welt, die mir ihre Unterstützung schicken. Danke lieber Gott für die Gesundheit."

►8. Januar 2022: Djokovics Anwälte erklären in einer gerichtlichen Anhörung, ihr Mandant sei im Dezember mit dem Coronavirus infiziert gewesen – am 16. Dezember habe er ein positives Ergebnis durch einen PCR-Test erhalten. Dies qualifiziere ihn für die erhoffte Ausnahmegenehmigung.

Kurz darauf aber meldet sich der renommierte Tennisreporter Ben Rothenberg zu Wort – und zerlegt auf Twitter die Argumentation der Anwälte. Denn Rothenberg verweist auf offizielle Dokumente des australischen Tennisverbands, die einen Antrag auf Genehmigung einer Ausnahmeregelung zur Teilnahme am Grand Slam in Melbourne nur bis 10. Dezember vorsehen – Djokovics Gesuch kam also allem Anschein nach zu spät!

Und: Rothenberg verweist auf Fotos von Djokovics Auftritten am 17. Dezember und danach – die bis dahin nicht im Fokus der Öffentlichkeit waren. Plötzlich steht Djokovics Verhalten infrage, die Argumentation seines Lagers bekommt nicht nur schwere Risse, sie bröckelt weg.

►9. Januar 2022: Australiens Regierung rüffelt Djokovic. In einem 13-seitigen Dokument reagieren die Behörden auf die Berufung – und wählen deutliche Worte in Richtung des "Djokers“: "So etwas wie eine Einreise-Garantie nach Australien gibt es für Nicht-Australier nicht." Und weiter: "Stattdessen gibt es Kriterien und Bedingungen für die Einreise und Gründe, ein Visum zu verweigern oder abzuerkennen."

Abschließend noch mal ein dickes Pfund: Selbst wenn Djokovic vor Gericht recht bekommen sollte, bedeute das noch lange nicht, dass er auch im Land bleiben dürfe! "Die Anordnung einer sofortigen Freilassung schließt nicht eine erneute Festsetzung aus, wenn dafür eine Grundlage gesehen wird."

►10. Januar 2022: Nach einer stundenlangen Anhörung – die ganze Welt kann per Livestream zuschauen – der Hammer: ein Teilerfolg für Djokovic! Ein Gericht in Melbourne entscheidet zu seinen Gunsten und ordnet Djokovics Freilassung aus der Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige an.

Allerdings: Es geht nur um einen Verfahrensfehler. Richter Anthony Kelly stimmte der Verteidigung zu, dass die australischen Behörden dem 34-Jährigen am Flughafen nicht genug Zeit zur Beantwortung der Fragen einräumt und ihm auch die Kontaktaufnahme mit seinen Anwälten verwehrt hatten. Um die Rechtmäßigkeit seines Visums und die angezweifelte Ausnahmegenehmigung aber geht es bei der Entscheidung nicht.

Wir gegen alle: Serbische Djokovic-Fans in Melbourne feiern das Urteil "für" Djokovic. (Quelle: imago images/AAP)Wir gegen alle: Serbische Djokovic-Fans in Melbourne feiern das Urteil "für" Djokovic. (Quelle: AAP/imago images)

In einer denkwürdigen wie skurrillen Pressekonferenz meldet sich erneut Djokovics Familie in Belgrad zu Wort. Mutter Dijana bezeichnet den Erfolg ihres Sohnes vor Gericht als "größten Erfolg seiner Karriere". Als eine Reporterin nachhakt, warum Djokovic sich nach seiner angeblichen Corona-Infektion am 16. Dezember scheinbar kerngesund bei mehreren PR-Terminen zeigte und dabei ohne Maske Selfies mit seinen Fans machte, bricht Dijana die Pressekonferenz kurzerhand ab. 

Und Djokovic selbst? Der meldet sich erneut auf Instagram – direkt vom Trainingsplatz in der Rod-Laver-Arena: "Ich bin froh und dankbar, dass der Richter die Annullierung meines Visums aufgehoben hat. Trotz allem, was in der vergangenen Woche passiert ist, möchte ich bleiben und versuchen, bei den Australian Open anzutreten. Darauf konzentriere ich mich weiterhin."

Realitätsverlust: die Familie von Novak Djokovic bei der Pressekonferenz in Belgrad. (Quelle: dpa/Darko Vojinovic)Realitätsverlust: die Familie von Novak Djokovic bei der Pressekonferenz in Belgrad. (Quelle: Darko Vojinovic/dpa)

Immigrationsminister Alex Hawke kündigt an zu prüfen, ob er Djokovic mit seiner persönlichen Entscheidungsgewalt erneut die Aufenthaltsberechtigung entziehen wird.

11. Januar 2022: Djokovic trainiert erneut auf der Anlage in Melbourne, will den Anschein erwecken, nun gehe alles den – seiner verqueren Auffassung nach – richtigen Gang. Doch die Zweifel rund um den Einreiseantrag Djokovics und seine angebliche Corona-Infektion erhärten sich: Australische Behörden prüfen nun, ob die Angaben des neunmaligen Turniersiegers auf den Einreiseformularen denn überhaupt korrekt waren.

Denn Djokovic hatte die Frage, ob er in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien bereits anderweitig gereist war, mit einem Nein beantwortet – ganz offensichtlich eine Falschinformation. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf seinen Aufenthalt in Spanien zu Jahresbeginn (siehe 31. Dezember).

Schwerer noch: Der "Spiegel" und die  IT-Experten von "Zerforschung" zeigen Ungereimtheiten beim positiven PCR-Test auf – nun ist auch die Glaubwürdigkeit von Djokovics angeblicher Corona-Infektion beschädigt.

Normalität? Djokovic (li.) auf dem Trainingsplatz in Melbourne. (Quelle: imago images/Paul Zimmer)Normalität? Djokovic (li.) auf dem Trainingsplatz in Melbourne. (Quelle: Paul Zimmer/imago images)

►12. Januar 2022: Erneut meldet sich Djokovic zu Wort – und gibt zum ersten Mal eigene Fehler zu: "Wir leben in schwierigen Zeiten einer globalen Pandemie und manchmal können solche Fehler passieren." Allerdings: Mit seinen Eingeständnissen sorgt er nur für weiteres Kopfschütteln: Den positiven Corona-Befund habe er erst am 17. Dezember erhalten, also einen Tag nach seinem Test, erklärt er. Mit keinem Wort aber äußert er sich dazu, warum er dann am selben Tag an einer Veranstaltung teilnahm, ohne das Ergebnis seines PCR-Tests zu kennen – das er nach eigenen Angaben erst danach erhielt. Warum riskierte er, möglicherweise Dutzende Menschen anzustecken?

Und: Der Klick auf "Nein" im Formular auf die Frage nach seinen Reiseaktivitäten sei ja gar nicht er gewesen – sein Management sei für diesen Fehler verantwortlich. Djokovic, der 20-malige Grand-Slam-Sieger, der seit Jahrzehnten qua Beruf um die Welt jettet, inszeniert sich als in der Reiseorganisation und im Umgang mit Behörden unbedarft und naiv.

►13. Januar 2022: Es ist ein ruhigerer Tag in der Causa Novak Djokovic, denn entgegen aller Vermutungen fällt an diesem Donnerstag keine Entscheidung. Djokovic absolviert sein Training auf der Margaret Court Arena, bricht dieses aber am Nachmittag (Ortszeit Melbourne) nach einer halben Stunde ab. 

Ebenfalls am Donnerstag findet die Auslosung der ersten Runde des am kommenden Montag startenden Turniers statt – mit Djokovic. Sollte der Serbe starten dürfen, trifft er auf seinen Landsmann Miomir Kecmanovic. 

►14. Januar 2022: Die australischen Behörden entziehen Djokovic erneut das Visum, dies gibt Einwanderungsminister Hawke bekannt. Sollte der serbische Tennisstar keinen erfolgreichen Einspruch einlegen, muss er das Land verlassen und kann seinen Titel bei den am Montag beginnenden Australian Open nicht verteidigen. Zudem droht Djokovic auch ein dreijähriges Einreiseverbot nach Australien. Premierminister Scott Morrison verteidigt die Entscheidung. "Die Australier haben während dieser Pandemie viele Opfer gebracht und sie erwarten zu Recht, dass das Ergebnis dieser Opfer geschützt wird", sagt er.

►16. Januar 2022: Die Einreise-Posse hat endgültig ein Ende. Das australische Bundesgericht entscheidet kurz vor 18 Uhr: Novak Djokovic muss Australien verlassen.

Der Einspruch des Serben gegen die verweigerte Einreise und die Annullierung seines Visums wird abgewiesen. Damit steht auch endgültig fest: Die Australian Open 2022 werden ohne den Serben stattfinden. Gegen das Urteil können beide Seiten vor dem Bundesgericht keine Rechtsmittel einlegen. Mehr zum Urteil lesen Sie hier.

Djokovic selbst äußerte sich "extrem enttäuscht" über die Entscheidung. Er werde aber "mit den zuständigen Behörden bezüglich meiner Ausreise kooperieren". Mehr zur Reaktion von Novak Djokovic lesen Sie hier

Verwendete Quellen:

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