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Meckern unvermeidlich – Bestnote für die ARD

  • Noah Platschko
Von Noah Platschko

Aktualisiert am 19.02.2022Lesedauer: 6 Min.
Katarina Witt: Die ARD-Expertin erlebte den wohl emotionalsten Moment der Olympischen Spiele.
Katarina Witt: Die ARD-Expertin erlebte den wohl emotionalsten Moment der Olympischen Spiele. (Quelle: opokupix/imago-images-bilder)
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Jubel über Gold, Frust bei Platz vier. Das Abschneiden der Athletinnen und Athleten bei Olympia sorgt für unterschiedliche Emotionen – auch bei den übertragenden Sendern. Eine Kritik.

Es war mit der emotionalste TV-Moment der Olympischen Spiele. Nach der tragischen Final-Kür der erst 15-jährigen russischen Eiskunstläuferin Kamila Walijewa, die in den Tagen zuvor mit belastenden Dopingvorwürfen konfrontiert gewesen war, brach ARD-Expertin Katarina Witt live in der ARD in Tränen aus.


"Sie war ein Schatten ihrer selbst, als sie da rausgegangen ist. Sie konnte hier nicht gewinnen in diesem ganzen Spiel. Hätte sie gewonnen und wäre Olympiasiegerin geworden, hätte es Getuschel gegeben", sagte die völlig aufgelöste zweifache Olympiasiegerin. "Das, was jetzt passiert ist, ist das Allerschlimmste. Sie ist daran zerbrochen. Man hat sie der Welt zum Fraß vorgeworfen."

Katarina Witt: Die ARD-Expertin entschuldigte sich bei Moderatoin Wellmer und dem Publikum vor dem Fernseher für ihren emotionalen Ausbruch.
Katarina Witt: Die ARD-Expertin entschuldigte sich bei Moderatoin Wellmer und dem Publikum vor dem Fernseher für ihren emotionalen Ausbruch. (Quelle: Screenshot ARD/leer)

Momente wie dieser unterstrichen, wie sehr nicht nur die Athletinnen und Athleten bei den Spielen um Gold kämpfen, sondern auch die emotionale Verbundenheit der Expertinnen und Experten mit den Vertreterinnen und Vertretern ihrer Sportart.

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Wie schon im Sommer in Peking teilten sich mit Eurosport und den Öffentlich-Rechtlichen ARD und ZDF insgesamt drei Sender die Übertragungsrechte. Welcher der drei Sender konnte bei den Spielen überzeugen? Und welcher fiel eher ab? t-online mit dem TV-Urteil.

1) ARD

Neben der bereits erwähnten Witt sorgten im Ersten auch zwei weitere Fachleute für Aufsehen. Ob Silke Kraushaar-Pielach beim Rennrodeln oder Vierschanzentournee-Sieger Sven Hannawald beim Skispringen: Sie alle wurden zugeschaltet, wenn es wichtig wurde – und zeigten dabei ebenfalls Emotionen.

Kraushaar-Pielach griff bei Gold für Nathalie Geissenberger im Einsitzer gar zum Taschentuch. "Das sind einfach wahnsinnige Emotionen. Wenn man die Siegerehrung sieht, wird man zurückversetzt, wie das damals war. Ein fantastisches Gefühl", so die Goldmedaillengewinnerin von Nagano 1998.

Keine Taschentücher, dafür einen dramatischen Wettkampf hatten die Skispringer zu bieten – und die ARD mit Sven Hannawald den wohl besten Skisprung-Experten des Landes. Kritisch, fachkompetent, aber auch hochemotional, wie beispielsweise bei der umstrittenen Entscheidung der Wettkampfleitung vor dem Silbermedaillen-Sprung von Katharina Althaus.

Sven Hannawald im Olympia-Studio der ARD: Der TV-Experte sticht mit seinen Analysen zu den deutschen Skispringerinnen und Skispringern heraus.
Sven Hannawald im Olympia-Studio der ARD: Der TV-Experte sticht mit seinen Analysen zu den deutschen Skispringerinnen und Skispringern heraus. (Quelle: opokupix/imago-images-bilder)

"Ich möchte nicht der blöde Verlierer sein, aber wieso wartet man nicht einfach auf fairere Bedingungen?", kritisierte der 47-Jährige die Entscheidung. "Wenn man da keine halbe Minute wartet, bekomme ich saures Aufstoßen." Klartext vom Goldmedaillengewinner von Salt Lake City 2002.

Heruntergebrochen auf Schulnoten verdiente sich der Ex-DSV-Adler für seine Fachkompetenz und Einschätzungsfähigkeit, beispielsweise als er den zu parteiischen kommentierenden Tom Bartels einfing, eine glatte Eins.

ARD-Reporter Claus Lufen berichtete (zu Beginn) über seinen Überwachungsstatus nach überstandener Quarantäne und Experte Hajo Seppelt, aufgrund eines positiven Tests nicht nach Peking gereist, ordnete gewohnt nüchtern und klar das Dopingdrama um die erst 15-jährige russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa ein.

Die deutschen Biathletinnen durften sich erstmals seit 2010 wieder über eine olympische Staffel-Medaille freuen – und verfolgten im Interview danach live den Goldtriumph der Langläuferinnen Carl und Henning im Teamsprint.
Die deutschen Biathletinnen durften sich erstmals seit 2010 wieder über eine olympische Staffel-Medaille freuen – und verfolgten im Interview danach live den Goldtriumph der Langläuferinnen Carl und Henning im Teamsprint. (Quelle: Sreenshot ARD-Sportschau/leer)

Die wenigen Reporterinnen und Reporter vor Ort sprachen zeitnah nach den Wettkämpfen mit den Athletinnen und Athleten, was immer wieder zu kuriosen Momenten führte, wie am vergangenen Mittwoch, als die Biathlon-Staffel plötzlich live im Interview die dramatische Goldentscheidung im Teamsprint der Langläuferinnen verfolgte (hier zu sehen ab Minute 3.00).

Der Großteil des ARD-Olympiateams arbeitete im gemeinsam mit dem ZDF betriebenen crossmedialen Olympiazentrum auf dem Mainzer Lerchenberg. Dank der unterschiedlichen Studiodesigns bot sich den Zuschauenden vor dem Bildschirm Tag für Tag ein anderes Bild. Bei der ARD moderierten mit Julia Scharf und Jessy Wellmer erstmals zwei Frauen – und das gekonnt und sympathisch.

t-online-Note: 1

2) ZDF

"Man versinkt am liebsten im Erdboden. Lena ist ein super Rennen gefahren, hat in der Mitte vom Lauf aber den Rhythmus verloren", analysierte Hilde Gerg im ZDF treffend den dramatischen vierten Platz Lena Dürrs im Slalom. Auch das "Zweite" fuhr gewohnt viel Fachkompetenz auf, das Moderationsduo Rudi Cerne und Katrin Müller-Hohenstein teilte sich Früh- und Spätschicht auf.

Die Disqualifikation von Katharina Althaus im Teamwettbewerb sorgte für heftige Diskussionen im Skisprung-Lager, so beispielsweise bei ZDF-Experte Toni Innauer, der sogar eine Verschwörung witterte.

"Das sind sehr eigenartige und überraschende Dinge für mich (...). Es wurde heute ganz scharf vorgegangen von der FIS. Es könnte, eine Vermutung von mir, sein, dass viel Kritik an die FIS herangetragen wurde. Und jetzt machen sie scharf.

Jetzt verschaffen sie sich Respekt, vielleicht eben auch bei den Mannschaften, den Beschwerdeführern, die die Kritik gebracht haben", machte Innauer seinem Ärger Luft. Moderator Norbert König bremste: "Das ist im Moment natürlich eine persönliche Vermutung".

Toni Innauer: Der ZDF-Skisprungexperte zeigt Unverständnis über die Entscheidung der Wettkampfleitung, Katharina Althaus wegen ihres Anzugs zu disqualifizieren.
Toni Innauer: Der ZDF-Skisprungexperte zeigt Unverständnis über die Entscheidung der Wettkampfleitung, Katharina Althaus wegen ihres Anzugs zu disqualifizieren. (Quelle: Screenshot ZDF/leer)

An der ein oder anderen Stelle hätte man sich tatsächlich mehr Sachlichkeit in der Berichterstattung gewünscht – nicht nur von Innauer. Auch das wiederkehrende "Wir" beim Analysieren der Sportlerleistungen bei allen Sendern fiel negativ auf. Wer kämpft da um Medaillen? Die oder ihr?

Und auch die trotz aller vorgegebenen Neutralität ausgespielte Freude über eine Silbermedaille wich allzu oft dem Frust über verpasstes Gold. Falscher Ehrgeiz aus den falschen Motiven? Oder einfach vorprogrammiertes Meckern. Schließlich hatten auch die Sendeanstalten das größtmögliche Interesse an deutschen Erfolgen. Denn die bringen bekanntlich die besten Quoten ein.

Für einen kurzen Schreckmoment sorgte derweil der Schwächeanfall eines Kameramanns des ZDF, wenige Minuten nach der Siegerehrung beim Biathlon-Einzel der Frauen. Bei der Abmoderation von Moderator Alexander Ruda und Experte Sven Fischer wackelte plötzlich das Bild, der Kameramann musste sich aufgrund einer Unterkühlung ausruhen, gab aber später Entwarnung.

Apropos Ruda: Der ZDF-Mann offenbarte in seinem Video-Tagebuch immer wieder spannende Einblicke in das Leben vor Ort, seien es ausgefallene Waschmaschinen, Tütenessen oder Zimmerservice von Robotern.

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t-online-Note: 2

3) Eurosport

"Der Traum ist zerplatzt". "Ich bin ganz schön niedergeschlagen". "Das tat richtig weh". Die Betroffenheit nach dem Olympia-Aus der deutschen Eishockey-Herren war dem Expertenteam des Sportsenders Eurosport noch etliche Stunden nach der Schlusssirene anzumerken. Moderator Simon Südel, Co-Kommentator Patrick Ehelechner sowie Experte Christian Ehrhoff versuchten am Tag des enttäuschenden Scheiterns des DEB-Teams die Scherben aufzusammeln.

Gerade bei Eurosport hatte man sich ein weiteres deutsches Edelmetall im Eishockey erhofft, nachdem das DEB-Team in Pyeongchang sensationell die Silbermedaille gewann – damals noch exklusiv beim Spartensender im Programm.

Nostalgie mit den "Helden" von 1976

Aber die Begeisterung für den Kufensport war und ist den Protagonisten nicht abzusprechen. Als ein Highlight begrüßte das Moderationsteam am vergangenen Montag beispielsweise Alois Schloder und Erich Kühnhackl, Bronzemedaillengewinner im Eishockey bei den Winterspielen von Innsbruck 1976.

Bronzegewinner im Eishockey von 1976: Alois Schloder (li.) und Erich Kühnhackl zu Besuch im Eurosport Cube.
Bronzegewinner im Eishockey von 1976: Alois Schloder (li.) und Erich Kühnhackl zu Besuch im Eurosport Cube. (Quelle: Screenshot des Eurosport Players/imago-images-bilder)

Beide fachsimpelten über den dritten Platz von vor 46 Jahren und kramten im Antiquariat, die Präsentation ihrer Schläger von 1976 sowie Kufen von vor der Jahrhundertwende inklusive. Ein schöner Anblick für Nostalgiker – und solche, die es noch werden wollen.

Ganz nah dran – mit Fabian Hambüchen

Generell versuchte Eurosport bei diesen Spielen viel zu erklären – und das gelang auch. Grund dafür war die Vielzahl an Experten, die sich der Sender gegönnt hat. Bei der alltäglichen knapp einstündigen Sendung "Hambüchen & Friends", moderiert vom extra für die Spiele eingekauften Thomas Wagner (RTL, MagentaSport, Sky), ließen die Fachleute nochmal den Olympiatag analytisch Revue passieren. Kevin Kuske beim Rodeln, Viktoria Rebensburg im Ski Alpin oder Tino Edelmann in der Nordischen Kombination teilten ihre Expertise mit den Zuschauern.


Selbst Fabian Hambüchen, der als Mittelsmann zwischen Experte und Moderator manchmal etwas verloren wirkte, bot einen Mehrwert, etwa als er zum Selbsttest in den Bob stieg oder sich der Herausforderung "Sport mit FFP2-Maske" stellte (mehr über den Hintergrund erfahren Sie hier).

t-online-Note: 2

Und was sagen die Quoten? Die waren nach der ersten Woche der Spiele zumindest besser als bei den Sommerspielen von Tokio. Bei der ARD schalteten im Schnitt 1,72 Millionen Menschen ein, wie der Sender am vergangenen Montag in einer Zwischenbilanz mitteilte.

Der durchschnittliche Marktanteil lag demnach bei ordentlichen 24,3 Prozent. "Unsere Berichterstattung von den Olympischen Winterspielen funktioniert, das zeigt das große Zuschauerinteresse an unseren Übertragungen", kommentierte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.

"Anscheinend trifft unsere programmliche Mischung aus kritischen Beiträgen und kompetenter Sportberichterstattung genau den richtigen Ton beim Publikum."

Zeit für die Übergabe: "Frühschicht" Julia Scharf (li.) übergibt an "Spätschicht" Jessy Wellmer, die zu Beginn ihrer Moderation erst mal einen Glückskeks öffnet.
Zeit für die Übergabe: "Frühschicht" Julia Scharf (li.) übergibt an "Spätschicht" Jessy Wellmer, die zu Beginn ihrer Moderation erst mal einen Glückskeks öffnet. (Quelle: Screenshot der ARD-Sportschau/leer)
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Am Sonntag enden dann die Olympischen Spiele, die möglicherweise ein letztes Mal unter anstrengenden Corona-Bedingungen absolviert werden mussten – ganz zu schweigen von den unzähligen Ausfällen von Einsatzkräften bei den Sendern. Dass die Zuschauerin und der Zuschauer zu Hause davon äußerst wenig mitbekamen, ist lobenswert.

Im Jahr 2024 wird dann höchstwahrscheinlich wieder von vor Ort produziert werden können, wenn im Sommer in Paris um Medaillen gekämpft wird. Niedergeschlagene, weinende, wütende und euphorisierte Expertinnen und Experten inbegriffen.

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