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"Was wÀre, wenn ihr keine chinesischen Sponsoren hÀttet?"

Von Jannik Schneider, Melbourne

29.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Peng Shuai im Februar 2020 bei den Thailand Open: Verbleib unklar.
Peng Shuai im Februar 2020 bei den Thailand Open: Verbleib unklar. (Quelle: Schreyer/imago-images-bilder)
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Zuerst brachte Novak Djokovic die Veranstalter der Australian Open in die Bredouille. Nun sorgt der Umgang mit dem Fall Peng Shuai fĂŒr Kritik an dem Turnier. Proteste zugunsten der verschwundenen Tennisspielerin wurden zunĂ€chst untersagt.

Die Aktivisten hatten vor mehreren TV-Kameras soeben zwei Tische aufgebaut und einige Kartons darauf positioniert, als zwei Sicherheitsmitarbeiter von Tennis Australia an die Gruppe herantraten. Ein Mitarbeiter fragte fast schĂŒchtern und mit vorsichtiger Stimme: "Könnt ihr den Tisch bitte ein paar Meter weiter weg vom Eingang platzieren?" Er hielt dabei coronabedingt Abstand. Einer der Aktivisten blickte sich zu seinen Mitstreitern um, diese nickten. Dann antwortete der junge Mann aus Hong Kong: "Klar, kein Thema – machen wir."

Ab 16.30 Uhr Ortszeit, drei Stunden vor dem historischen Damenfinale mit der australischen Heldin Asleigh Barty bei den Australian Open in Melbourne, hatten Aktivisten der neu gegrĂŒndeten australischen Partei "democratic alliance" an jedem der EingĂ€nge beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres medienwirksam StĂ€nde aufgebaut.

Dort traten die Aktivisten wie freundliche Marktschreier auf. Sie verkauften aber nichts. Sie verteilten an die Besucher des Finals umsonst weiße T-Shirts mit schwarzer Aufschrift: "Where is Peng Shuai?" stand auf diesen geschrieben. 1.000 StĂŒck hatten sie unter der Woche gedruckt, nachdem die Gruppe ĂŒber eine Sammelseite fast 20.000 australische Dollar zusammenbekommen hatte.

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Es war der letzte Akt in einer orchestrierten Aktion, um diese Woche am Rande der Australian Open auf die weiterhin als untergetaucht geltende chinesische Tennisspielerin Peng Shuai aufmerksam zu machen. Bereits am Dienstag hatte die Gruppe medienwirksam vor dem Eingang einen Punktsieg gegenĂŒber den Verantwortlichen von Tennis Australia gefeiert. Der Ausrichter hatte die T-Shirts zunĂ€chst verboten, nach negativer Publicity dann doch zugelassen.

Nun sind sie mit Nachschub da. "Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass Australier bei den Australian Open mundtot gemacht werden", erklĂ€rte das Gesicht der Aktivisten, Drew Pavlou, gegenĂŒber t-online. "Peng Shuai kann nicht frei sprechen, nicht mit westlichen Medien reden. Sie wird zensiert von der chinesischen Regierung. Wir wollen sicherstellen, dass diese Geschichte prĂ€sent bleibt."

Kurz vor Olympia in Peking: Peng Shuai weiter untergetaucht

Peng Shuai, die ehemalige Nummer eins der Doppel-Weltrangliste aus China, hatte am 2. November in einem Statement ĂŒber ihren offiziellen Account – mutmaßlich selbst – auf der sozialen Plattform Weibo in China dem ehemaligen Vizepremierminister Zhang Gaoli sexuellen Machtmissbrauch vorgeworfen. Zhang war von 2012 bis 2017 zudem Mitglied im PolitbĂŒro der kommunistischen Partei. Es war das erste Mal, dass ein Politiker der regierenden Partei mit #metoo-VorwĂŒrfen konfrontiert wurde. Der Beitrag wurde keine halbe Stunde nach Veröffentlichung gelöscht und in China zensiert.

Peng Shuai im Februar 2020 bei den Thailand Open: Verbleib unklar.
Peng Shuai im Februar 2020 bei den Thailand Open: Verbleib unklar. (Quelle: Schreyer/imago-images-bilder)

Seitdem gab es kein unabhĂ€ngiges Zeichen, dass sie wohlauf, in Sicherheit und von den chinesischen Machthabern nicht unter Druck gesetzt wird. Immer wieder kursierten zweifelhafte Videos, die staatsnahe Medien publizierten. Die Frauentour WTA im Tennis setzte sich anders als grĂ¶ĂŸere SportverbĂ€nde wie die Premier League und die NBA rigoros gegen den Einfluss aus dem Reich der Mitte zur Wehr und cancelte fĂŒr 2022 alle Tennisturniere in China. Kurz vor den Olympischen Winterspielen in Peking war diese Story zu einem weltweiten Politikum aufgestiegen.

Turnier hat zwei chinesische Hauptsponsoren

In Melbourne beherrschte zunĂ€chst die Einreise-Saga von Novak Djokovic die Schlagzeilen. Exakt vor einer Woche war dann ein TikTok-Video der Aktivisten viral gegangen. Es zeigte, wie Sicherheitsbeamte zusammen mit hinzugerufenen Beamten der Polizei einer kleinen Gruppe mit denselben T-Shirts und Bannern den Zutritt zur Anlage verweigerten. Die Turnierverantwortlichen rund um den wegen seines Umgangs mit dem "Fall Djokovic" ohnehin schon unter Druck stehenden Turnierdirektor Craig Tiley verwiesen daraufhin auf die Ticketbestimmungen, nach denen keine Werbung oder politische Statements gesetzt werden dĂŒrfen.

Erinnerung an Peng Shuai: Aktivisten vor dem Finale der Australian Open in Melbourne.
Erinnerung an Peng Shuai: Aktivisten vor dem Finale der Australian Open in Melbourne. (Quelle: Frank Molter/dpa-bilder)

Mit der Likörfirma Luzhou Laojiao und dem Matratzenhersteller DeRucci sind zwei chinesische Firmen unter den Hauptsponsoren auf der Turnierwebseite gelistet. Der französische Profi Nicolas Mahut retweetete nach dem Vorfall vor einer Woche das Video und kommentierte: "Was soll das? Da fehlt es an Courage. Was wÀre, wenn ihr keine chinesischen Sponsoren hÀttet?"

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Nachdem zudem GrĂ¶ĂŸen wie Martina Navratilova öffentlich Kritik an der Entscheidung ĂŒbten, weichte der australische Tennisverband die Regelung am Dienstagmorgen auf. Der Druck von Medienseite war offenbar zu groß geworden. T-Shirts seien nun erlaubt – Banner aber weiter verboten. "Wenn jemand auf die Anlage kommen will mit der Absicht, die Australian Open zu unterbrechen oder das Event als Plattform zu nutzen und den Komfort und die Sicherheit unserer Fans gefĂ€hrden, dann sind sie nicht willkommen. Wenn jemand ein T-Shirt tragen und ein Statement fĂŒr Peng Shuai setzen möchte, ist das in Ordnung", erklĂ€rte Tiley.

Turnierdirektor Tiley: dem öffentlichen Druck nachgegeben.
Turnierdirektor Tiley: dem öffentlichen Druck nachgegeben. (Quelle: Poolfoto/imago-images-bilder)

Am Samstag, kurz vor dem Finale zwischen Barty und der amerikanischen Außenseiterin Danielle Collins, vermied Tennis Australia weitere negative Publicity. Zwei Sicherheitsbeamte beobachteten das Treiben der Aktivisten, griffen aber nicht ein. Zuschauer, die sich fĂŒr ein T-Shirt entschieden, wurden ohne Probleme auf die Anlage gelassen.

"Ich denke, sie mĂŒssen freundlich sein bei all der Medienaufmerksamkeit", sagte Pavlou, der zeitgleich zum Interview mit heraneilenden Fans sprach und erklĂ€rte: "Wenn euch T-Shirts zu viel sind: Wir haben auch gelbe Aufkleber in chinesischer Schrift fĂŒr das Wort 'vermisst'." Außerdem gab es gelbe Schleifen als Symbol.

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Aktivist wurde von eigener UniversitÀt verbannt

Pavlou und seine Mitstreiter sehen sich als Aktivisten, haben im vergangenen halben Jahr die Partei democracy alliance gegrĂŒndet. "Sie soll alle zusammenbringen, die von der UnterdrĂŒckung der chinesischen Regierung in Australien betroffen sind", erklĂ€rte der 22-JĂ€hrige schon am Dienstag. Er und seine Mitstreiter kandidieren bei den nĂ€chsten Senatswahlen in gleich vier Staaten, die Partei zĂ€hle bereits rund 3.000 Mitglieder. John Mainland, der die Strukturen mit aufbaut, sagt: "Alle Kandidaten haben eine Form der UnterdrĂŒckung erlebt und haben ihre Wurzeln in Hongkong, Tibet, bei den Uiguren und in Europa."

Pavlou etwa wurde von seiner eigenen UniversitĂ€t in Queensland verbannt, nachdem er 2019 auf die MissstĂ€nde in Hongkong aufmerksam gemacht hatte. Bei einem Zusammenstoß mit wohl extra eingereisten Pro-Peking-Studenten wurde er verletzt. Die Uni, sagt er, ließ ihn fallen und beschuldigte ihn. Die chinesische Regierung habe großen Druck aufgebaut. Deshalb habe er sein politisches Engagement ausbauen wollen.

Aktvist Pavlou: "Wollen sicherstellen, dass Peng Shuais Geschichte prÀsent bleibt."
Aktvist Pavlou: "Wollen sicherstellen, dass Peng Shuais Geschichte prÀsent bleibt." (Quelle: AAP/imago-images-bilder)

Ein offizielles Statement vonseiten Tennis Australia gab es am Samstag beim Finale nicht. GegenĂŒber der Nachrichtenagentur AP schrieb ein Sprecher des Verbands, dass T-Shirts auch am Samstag erlaubt bleiben wĂŒrden, solange man nicht in großen Gruppen auftrete.

Eine Mutter ging nach Ankunft am Eingang zwei Stunden vor dem Finale zielstrebig zum Stand und fragte: "Kann ich sechs Shirts haben?" Hinter ihr standen ihre fĂŒnf Kinder. Alle wurden versorgt. Auf der Anlage angekommen, machten sie als Erstes ein Foto vor einem Banner, das Asleigh Barty zeigte. In diesem Bild steckte sehr viel: Barty hat indigene Wurzeln. Die Familie auf dem Foto hat afroamerikanische Wurzeln. Sie trugen T-Shirts, die auf eine untergetauchte chinesische Tennisspielerin aufmerksam machten. Bei einem Turnier, das auch in China UnterstĂŒtzung findet.

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WĂ€hrend einer der grĂ¶ĂŸten Sender des Landes, channel 7, die T-Shirt-Aktion in den Hauptnachrichten brachte, blieb der ĂŒbertragende Sender des Turniers, channel 9, den Protesten bis kurz vor dem Finale fern. Die Verantwortlichen, so wirkt es, versuchen verzweifelt eine Balance zu finden, zwischen Respekt vor der freien MeinungsĂ€ußerung und dem Einfluss, den die chinesischen Sponsoren bei diesem Turnier haben.

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