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Raubkunst-Restitution: "Reine Gesten, oft eine Ausrede"

Von dpa
20.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Die s├╝dafrikanische K├╝nstlerin Thania Petersen w├╝nscht sich eine Art "Kunststeuer f├╝r Afrika".
Die s├╝dafrikanische K├╝nstlerin Thania Petersen w├╝nscht sich eine Art "Kunststeuer f├╝r Afrika". (Quelle: Kristin Palitza/dpa./dpa)
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Kapstadt (dpa) ÔÇô Zwei nackte Frauenk├Ârper sitzen mit verh├╝llten Gesichtern wie Deko-Objekte im Raum. Ein ausgeschnittenes Foto einer afrikanischen Maske, vermenschlicht mit einem nackten Frauenk├Ârper und Augen, schielt mit kritischem Seitenblick auf eine schwarze Prinzessin.

Die Collagen der s├╝dafrikanischen K├╝nstlerin Teresa Kutala Firmino werfen den Blick zur├╝ck auf das Publikum und hinterfragen kritisch ihren Platz in der Welt - und auch in Museen.

Die Auswirkungen des Kolonialismus sind zentrales Thema zahlreicher afrikanischer Werke, die gerade auf der Kunstmesse Kapstadt in S├╝dafrika zu sehen waren. Reich an Symbolik, erforschen K├╝nstler komplexe Themen wie kulturelles Erbe, Unterdr├╝ckung, historisches Unrecht und Identit├Ąt ÔÇô und klinken sich so in eine Debatte ein, die in Deutschland derzeit hei├č diskutiert wird.

Afrikanische Perspektiven

"Museumskultur ist etwas sehr europ├Ąisches, und im Zusammenhang mit Afrika mit einer gewaltt├Ątigen Geschichte verbunden", sagt Firmino. Mit ihrer Kunst wolle sie heilen, indem sie afrikanische Geschichten aus anderer Perspektive nacherz├Ąhle, nicht der europ├Ąischen, erkl├Ąrt die 29-J├Ąhrige.

In europ├Ąischen Museen sind bis heute Zehntausende afrikanische Kunstwerke ausgestellt, die einst w├Ąhrend der Kolonialzeit geraubt wurden, in der auch Deutschland bis 1919 aktiv war. Somit befindet sich ein Gro├čteil des afrikanischen Kulturerbes heute au├čerhalb Afrikas. Kritische Stimmen beanstanden, die Objekte w├╝rden haupts├Ąchlich aus europ├Ąischer Perspektive inszeniert. Ihr Stellenwert in der afrikanischen Kunst- und Kulturgeschichte bleibe oft unbelichtet.

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Deutschland und Frankreich arbeiten derzeit aktiv an der Restitution vieler dieser Werke. Vor f├╝nf Jahren beschloss Pr├Ąsident Emmanuel Macron, die R├╝ckgabe wichtiger Kunstobjekte in die Wege zu leiten. In Deutschland gibt es ├Ąhnliche Pl├Ąne: Derzeit sind etwa 1100 kunstvolle Bronzen aus dem Palast des damaligen K├Ânigreichs Benin, das heute zum westafrikanischen Nigeria geh├Ârt, in rund 20 Museen zu finden. Die Bundesregierung will noch dieses Jahr substanzielle R├╝ckgaben der gr├Â├čtenteils aus den britischen Pl├╝nderungen des Jahres 1897 stammenden Werke machen.

Emotionale Sch├Ąden

Doch kann Restitution historische Ungerechtigkeiten korrigieren? Die Debatte treibt nicht nur Europa um, sondern auch Afrika. R├╝ckgaben allein seien nicht ausreichend, um den kulturellen und vor allem emotionalen Schaden zu begleichen, den der Raub angerichtet habe, meint die unabh├Ąngige Kunstberaterin Phillippa Duncan. Entlang der restituierten Werke m├╝sse Raum f├╝r offene Debatten auf Augenh├Âhe geschaffen werden. "Wir brauchen mehr Dialog. Wir m├╝ssen unterschiedlichen Interpretationen und Ansichten Geh├Âr verleihen; in Europa sowie hier in Afrika", so Duncan.

Firmino will mit ihrer Kunst genau solche Diskussionen ansto├čen. Hierf├╝r sammelt sie Bilder aus Zeitschriften, Zeitungen, historischen Dokumenten und sozialen Medien und platziert sie theatralisch in farbenfrohen, eingerahmten Bildern, die teils einer B├╝hne gleichen. In diesen eng begrenzten Innenr├Ąumen will sie Geschichte neu konstruieren, alternative Diskurse schaffen und so ihr eigenes Archiv afrikanischer Vergangenheit erstellen. "Wir heilen, indem wir unsere Geschichten nacherz├Ąhlen", erkl├Ąrt Firmino. Restitution sei dabei unabdinglich, damit Afrikaner afrikanische Kultur in Afrika erleben k├Ânnen.

Restitution allein gen├╝gt nicht

F├╝r die s├╝dafrikanische K├╝nstlerin Thania Petersen, 42, kann die R├╝ckf├╝hrung von Raubkunst allein keine Wunden heilen. "Nicht nur unsere Kunst wurde gestohlen, auch unsere kulturelle Identit├Ąt", sagt Petersen, deren Werke sich mit tiefsitzender, historischer Ungerechtigkeit sowie deren heutigem Ausdruck als soziale Benachteiligung besch├Ąftigen. "Wir werden immer ├╝berboten, sind immer unterlegen, weil wir aufgrund der kolonialen Vergangenheit noch immer nicht mit Europa gleichgestellt sind", sagt Petersen und beklagt das langsame Tempo der Wiedergutmachung.

Petersens Worte sind harsch und misstrauisch, aber leidenschaftlich und gepr├Ągt vom Wunsch nach einer gerechteren Welt. Sie betrachtet Restitutionen als "reine Gesten, oft eine Ausrede, um sich vor der echten Arbeit zu dr├╝cken. Weil De-Kolonialismus der letzte Schrei ist, macht jeder jetzt das N├Âtigste, um sich besser zu f├╝hlen", glaubt sie. Es gehe Europ├Ąern vor allem darum, ihr Gesicht zu wahren, doch das Trauma s├Ą├če zu tief, um es mit R├╝ckgaben zu heilen. Es brauche viel mehr, sagt Petersen und w├╝nscht sich eine Art "Kunststeuer f├╝r Afrika", die in Programme flie├če, die Afrikanern auf psychologischer Ebene helfen, das emotionale Trauma der Kolonialzeit aufzuarbeiten.

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