Interview
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Der Gespr├Ąchspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschlie├čend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

August Wittgenstein kritisiert Schwedens Corona-Politik

  • Maria Bode
Von Maria Bode

Aktualisiert am 19.03.2021Lesedauer: 5 Min.
Ausschnitte aus "Ku'damm 63": Das ist der neue Dreiteiler im ZDF. (Quelle: Pressematerial)
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Die Geschichte um die Sch├Âllack-Schwestern wird mit "Ku'damm 63" fortgesetzt. Wieder mit dabei ist auch August Wittgenstein. Im t-online-Interview spricht er ├╝ber Lockdown-Besch├Ąftigungen und Sehns├╝chte.

Nach "Ku'damm 56" und "Ku'damm 59" folgt im ZDF jetzt der n├Ąchste Dreiteiler rund um Tanzlehrerin Caterina Sch├Âllack (Claudia Michelsen) und ihre drei T├Âchter, die inzwischen mit ganz pers├Ânlichen famili├Ąren Problemen zu k├Ąmpfen haben. August Wittgenstein spielt auch in "Ku'damm 63" den heimlich schwulen Ehemann von Sch├Âllack-Tochter Helga (Maria Ehrich).


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Warum der 40-J├Ąhrige sich August Wittgenstein und nicht August-Frederik Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg nennt, was ihm aufgrund der Corona-Pandemie besonders fehlt und wie er die freie Zeit genutzt hat, erz├Ąhlt der Schauspieler im telefonischen Interview mit t-online. Au├čerdem macht er deutlich, dass er nichts gegen eine Ermittlerrolle im "Tatort" h├Ątte und ihm daf├╝r auch schon eine Lieblingsregion vorschwebt.

t-online: Die Dreharbeiten zu "Ku'damm 63" liegen schon etwas zur├╝ck. Sie wurden zu Beginn der Corona-Pandemie unterbrochen. Welche Probleme hat die Unterbrechung mit sich gebracht?

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August Wittgenstein: F├╝r mich war es nicht so schlimm, weil ich vor der Unterbrechung nur drei oder vier Drehtage hatte. Ich war noch nicht lange genug im Flow. Viele andere Schauspieler hingegen schon. Dann ist man voll drin und will nat├╝rlich weitermachen. Nach einer Unterbrechung wieder reinzufinden, ist schon anspruchsvoll. Zudem gab es Probleme rein praktischer Natur, bevor man genauer Bescheid wusste ├╝ber das Virus. Wie weit muss man Abstand haben, werden wir jetzt alle krank? Und was passiert da eigentlich? Das war mit viel Sorge verbunden. Corona hat das unbeschwerte Miteinander, das ich normalerweise vom Set kenne, ein bisschen getr├╝bt. Aber ich bin stolz darauf und beeindruckt davon, wie gut man dann mit der Situation umgegangen ist und schon im August wieder starten konnte mit einem sehr soliden Hygienekonzept und Corona-Ma├čnahmen.

Inzwischen besteht ja auch gewisse Routine bei Dreharbeiten, was die Corona-Ma├čnahmen angeht.

Ich finde schon. Das hat sich bew├Ąhrt und sehr schnell normalisiert. Ich hoffe trotzdem, dass wir, wenn diese Sache irgendwann mal abflaut, wieder schnell zur unbeschwerten Zusammenarbeit zur├╝ckfinden, die mir bei Dreharbeiten so gut gefallen hat.

Die Hoffnung ist gro├č. Was macht f├╝r Sie als Schauspieler den Reiz an der "Ku'damm"-Reihe aus?

F├╝r mich war "Ku'damm" das erste gro├če Projekt in Deutschland, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Die Figur von Wolfgang von Boost, diesem Staatsanwalt mit einer inneren Zerrissenheit, hat mich schon sehr angesprochen. Au├čerdem auch die Zeit, in der die Reihe spielt. Denn die Nachkriegszeit findet meiner Meinung nach im deutschen Fernsehen recht wenig Beachtung. Meist werden Zweiter Weltkrieg und Drittes Reich und Mauerfall behandelt. Die Zeit direkt nach dem Krieg, wo man versucht hat, Deutschland wiederaufzubauen, war noch nicht gut beleuchtet. Deshalb finde ich dieses geschichtliche Drama sogar doppelt interessant.

"Ku'damm 63": In dem TV-Dreiteiler spielt August Wittgenstein Wolfgang, den schwulen Ehemann von Helga (Maria Ehrich).
"Ku'damm 63": In dem TV-Dreiteiler spielt August Wittgenstein Wolfgang, den schwulen Ehemann von Helga (Maria Ehrich). (Quelle: ZDF / Boris Laewen)

Ihre Rolle Wolfgang von Boost legt sehr viel Wert auf das Von. Sie pers├Ânlich haben Ihre Adelstitel abgelegt. Ein lustiger Zufall?

Ich glaube, da haben sich die Drehbuchautoren einen Spa├č erlaubt, weil sie wissen, dass ich meinen Zusatz nicht benutze. Aber ich habe nichts abgelegt, weil man nichts ablegen muss. Es gibt keinen Adel mehr in Deutschland. Es ist Teil meines Namens und ich benutze immer Wittgenstein der Einfachheit halber, seitdem ich denken kann, schon zu Schulzeiten. Ich habe das Gef├╝hl, andere Menschen legen da mehr Wert drauf, aber f├╝r mich ist das ├╝berhaupt kein Thema.

Noch einmal zur├╝ck zur Corona-Unterbrechung. Was haben Sie w├Ąhrend der Drehunterbrechung gemacht?

Zuerst einmal war ich sehr nerv├Âs und bin dann auch gleich aufs Land in NRW gefl├╝chtet ÔÇô in die N├Ąhe meiner Eltern. Dort habe ich viel Ruhe gefunden.

Wohin gingen Ihre Gedanken dort?

Keine Veranstaltungen mehr, keine Arbeit. Dadurch, dass das Tempo aus allem rausgenommen wurde, konnte ich ├╝ber vieles nachdenken: Was will ich eigentlich? Wo will ich hin und was ist mir wichtig? F├╝r mich war es eine sehr besinnliche Zeit. Aber ich habe mich nat├╝rlich auch weiter besch├Ąftigt. Ich habe Italienisch gelernt und versucht, ein paar Gedichte auswendig zu lernen, zu lesen und mich ein bisschen weiterzubilden, mit Dingen, die sonst ÔÇô wenn man st├Ąndig arbeitet ÔÇô zu kurz kommen.

Haben Sie eine Antwort auf die Frage, wohin Sie wollen, gefunden?

Der Prozess l├Ąuft noch, aber daf├╝r ist mir noch mal bewusster geworden, wer und was mir wichtig ist: Familie und Freunde.

Was fehlt Ihnen besonders in der Corona-Zeit?

Sich mit mehreren Freunden gleichzeitig treffen zu d├╝rfen, Erfahrungen und Geschichten auszutauschen, das fehlt mir besonders. Auch das Reisen fehlt mir. Ich habe viele Freunde und Familie in Schweden, die ich jetzt fast gar nicht gesehen habe. Es fehlt aber auch, einfach abends ins Restaurant gehen zu k├Ânnen, ohne irgendwie panisch zu werden. Selbst in meiner Familie ist es so, dass wir alle sehr vorsichtig miteinander sind. Einfach mal die Eltern zu umarmen, das fehlt mir auch.

Sie haben schon Freunde und Familie in Schweden erw├Ąhnt. Stichwort Sonderweg in der Corona-Pandemie (mehr zur schwedischen Vorgehensweise und den Konsequenzen lesen Sie hier). Hatten Sie gr├Â├čere Angst um die Ihnen nahestehenden Menschen?

├ťber dieses Thema k├Ânnte ich stundenlang reden. Angesichts dessen, wie die schwedische Regierung diese Pandemie gehandhabt hat, bin ich sehr kritisch. Vor allem, wenn man den Vergleich anschaut mit Norwegen, Finnland und auch mit D├Ąnemark. Da haben sie einen Bruchteil der Todesf├Ąlle und keinen gr├Â├čeren wirtschaftlichen Schaden erlitten. Der Regierung in Schweden war es zu m├╝hsam, diese Pandemie richtig zu bek├Ąmpfen. Deswegen hat man sich gesagt, dass es schon nicht so schlimm wird. Man hat dadurch viele alte Menschen, vor allem in den Heimen, aufgegeben. Das finde ich in einer Demokratie sehr verwerflich.

Schweden wird sonst h├Ąufig als Vorbild f├╝r vieles, das funktioniert, genommen.

Auch da habe ich eine andere Ansicht durch meine pers├Ânlichen Erfahrungen. Das Gesundheitssystem ist hier viel besser. Und auf die Pandemie bezogen finde ich, dass die Deutschen das in der ersten Phase deutlich besser gemacht haben als die Schweden. Ich wei├č nicht genau, warum, aber es hat sich auch so ein kleiner Nationalstolz eingeb├╝rgert bei den Schweden. Man war so stolz auf den schwedischen Weg, dass fast niemand Kritik daran ge├╝bt hat. Der Weg wurde nicht wirklich hinterfragt. Das ist bedenklich. In einer freien Demokratie m├╝ssen diese Debattenkultur und der kritische Blick immer da sein.

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Wenn die Pandemie vorbei ist, man wieder machen kann, worauf man Lust hat, was w├╝rden Sie dann als Erstes unternehmen?

Ich werde mich ins Auto setzen, nach Italien fahren und in mein Lieblingsrestaurant in Florenz gehen. Dort werde ich ein bisschen Wein trinken und das Leben genie├čen.

Sie haben letztens in "Das Geheimnis des Totenwaldes" einen Kommissar gespielt. K├Ânnten Sie sich vorstellen, die Rolle eines "Tatort"-Kommissars zu ├╝bernehmen?

Absolut, klar. Das ist nat├╝rlich das Aush├Ąngeschild des deutschen Fernsehens, eine Institution mit einer irren Reichweite. Ich wei├č nicht, ob jetzt der richtige Zeitpunkt daf├╝r w├Ąre. Aber das ist keine Sache, die ich kategorisch ausschlie├če.

H├Ątten Sie da eine bevorzugte Stadt?

Eine Lieblingsstadt ÔÇô dann gerne eine, in der ich nicht selbst wohne. Ich bin ich ein gro├čer Bayern-Fan, deswegen f├Ąnde ich es irgendwo im S├╝den schon ganz sch├Ân.

Die erste Folge von "Ku'damm 63" zeigt das ZDF am Sonntag, 21. M├Ąrz um 20:15 Uhr. Die Teile zwei und drei laufen dann am Montag, den 22. M├Ąrz sowie am Mittwoch, den 24. M├Ąrz ebenfalls zur Primetime um 20:15 Uhr.

Weitere Artikel


In der ZDF-Mediathek sind alle drei Teile bereits ab dem 20. M├Ąrz verf├╝gbar. Dort k├Ânnen Sie auch noch auf "Ku'damm 56" und "Ku'damm 59" zugreifen.

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  • Steven Sowa
Von Steven Sowa
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