Sie sind hier: Home > Digital >

Corona-Warn-App: iPhone-Fehler mit falschem Zählerstand – "16 von 14 Tagen aktiv"

"16 von 14 Tagen aktiv"  

Corona-Warn-App verwirrt mit falschem Zählerstand

02.07.2020, 12:21 Uhr | dpa, str, t-online.de

Video erklärt: So einfach benutzen Sie die Corona-App

Die Corona-App soll helfen, Infektionsketten möglichst einzuschränken. Mittlerweile ist das Programm auf Handys in ganz Deutschland im Einsatz. Wie die App funktioniert, erklärt t-online.de in einer anschaulichen Animation.

Im Video erklärt: Wie die Corona-App funktioniert und wie Sie sie benutzen. (Quelle: t-online.de)


Vor gut zwei Wochen ist die Corona-Warn-App der Bundesregierung gestartet. Mehr als 14 Millionen Smartphone-Nutzer haben sie bereits heruntergeladen. Doch bei der Installation und im Betrieb tauchen etliche Fragen auf. Hier finden Sie Lösungen und Erklärungen für die häufigsten Probleme.

Die Corona-Warn-App appelliert an den Gemeinschaftssinn der Bevölkerung. Sie kann nur sehr indirekt dazu beitragen, dass Anwender eine Ansteckung verhindern. Sie kann aber Menschen sehr schnell darüber informieren, wenn sie einem Infizierten länger als 15 Minuten zu nahegekommen sind.

Bei der Installation und im Betrieb tauchen nun aber etliche Fragen auf. Hier finden Sie eine Sammlung der häufigsten Probleme – und mögliche Erklärungen und Lösungen. 

"16 von 14 Tagen aktiv" – Der Tageszähler in meiner App ist offensichtlich kaputt. Was stimmt da nicht?   

Die Farbtafel mit der Risikoermittlung zeigt unter anderem an, seit wie vielen Tagen die App aktiv ist. Doch viele Nutzer berichten, dass etwas mit dem Zähler nicht stimmen kann. Bei einigen bleibt er nach 14 Tagen einfach stehen. Bei anderen fängt er von vorne an, springt ein paar Tage zurück oder zählt weiter. Vor allem iPhone-Nutzer wundern sich über die Anzeige, dass ihre App seit "16 von 14 Tagen aktiv" sein soll. 

Das Robert Koch-Institut (RKI) teilt auf Nachfrage von t-online.de mit, dass deshalb kein Anlass zur Sorge bestehe. Es handle sich um einen Fehler, der "bei iPhones sporadisch auftreten kann". Die Risikoermittlung funktioniere jedoch unabhängig von der fehlerhaften Anzeige "einwandfrei". 

Ein Update auf die neueste Version 1.0.3 soll den Fehler beheben. In dieser Version kann es aber sein, dass der Tageszähler dann wieder von vorne anfängt. Dabei ist auch das irreführend, denn die vergangenen Kontakte werden nicht von heute auf morgen "vergessen" oder zurückgesetzt – es sei denn, der Nutzer möchte das und löscht den Verlauf manuell. 

SAP-Entwickler kündigen Re-Design an

Hintergrund ist, dass die App jeden Tag einen privaten Schlüssel erzeugt, der auf dem Gerät gespeichert wird und nach 14 Tagen verfällt. Das entspricht in etwa dem Zeitraum, in dem Menschen sich unbemerkt mit dem Coronavirus infizieren, an Covid-19 erkranken und andere Menschen anstecken können. Im Fall einer bestätigten Infektion werden diese Tagesschlüssel aus der ansteckenden Phase benötigt, um Kontaktpersonen warnen zu können. Die Details erklärt dieses Video.

Der Tageszähler soll dem Nutzer wohl signalisieren, dass genug Tagesschlüssel gesammelt wurden – dass also im Fall einer Infektion der gesamte "kritische" Zeitraum abgedeckt wäre und alle App-Kontakte der letzten 14 Tage gewarnt werden könnten. Ab der zweiten Woche nach der Installation sollte die Zahl der gespeicherten Tagesschlüssel jedoch konstant 14 betragen, da nur die Schlüssel verfallen, die länger zurückliegen. Insofern ist die Anzeige "14 von 14 Tagen aktiv" korrekt, wenn auch etwas verwirrend. 

SAP räumt auf Nachfrage ein, dass bei der Gestaltung der App Nachbesserungsbedarf besteht. "Grundsätzlich finden gerade Diskussionen statt, wie sich diese Anzeige möglichst schnell anwenderfreundlich darstellen lässt", teilt das Unternehmen mit, das für die Entwicklung der App zuständig ist. "Wir bitten um ein bisschen Geduld." 

Entscheidend sei jedoch, dass die App ihren Dienst erfülle – und dies sei unabhängig von der Anzeige der Fall. "Sie ermittelt weiter Kontakte. Nach einem Risikokontakt gibt sie ebenfalls weiter eine Warnung aus", sagte ein SAP-Sprecher zu t-online.de. 

Warum zeigt die App nach der Installation ein "unbekanntes Risiko" an?

Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde, kann diesen Status selbst in die App eintragen. Um einen Missbrauch zu verhindern, muss dieser Status aber offiziell bestätigt werden. Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man auch eine TAN eingeben, die man von einer Telefonhotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren.

Im Infektionsfall erhalten die betroffenen App-Kontakte einen Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen. Am ersten Tag nach der Installation zeigt die App noch auf grauem Hintergrund ein "unbekanntes Risiko": Danach springt die Anzeige auf "niedriges Risiko" auf grünem Hintergrund. Erkennt das System eine riskante Begegnung, springt die Anzeige auf "erhöhtes Risiko". 

Achtung: Nur weil die App ein "niedriges Risiko" verzeichnet, heißt das noch lange nicht, dass der Nutzer keinen Kontakt zu einem Infizierten hatte. Es ist durchaus möglich, dass ein Kontakt stattgefunden hat, dieser aber nicht korrekt erfasst wurde. Laut den App-Entwicklern von SAP liegt die Fehlerquote der Bluetooth-Technologie bei etwa 20 Prozent. 

Voraussetzung für die korrekte Risikoermittlung ist außerdem, dass der Kontakt die App zum Zeitpunkt der Begegnung ebenfalls installiert und aktiv genutzt hat und dass er sich freiwillig als infiziert meldet. 

Meine App aktualisiert sich nicht mehr. Was kann ich tun?

Sowohl auf Android- als auch iOS-Geräten taucht gelegentlich der Hinweis auf: "Risiko-Ermittlung nicht möglich: Ihre Risiko-Ermittlung konnte seit mehr als 24 Stunden nicht mehr aktualisiert werden." Die App gibt aber keine weiteren Details preis, wo genau das Problem liegt. Die Entwickler suchen noch nach einer Lösung.

Häufig können die Nutzer den Fehler selbst beheben, indem sie die Smartphone-Einstellungen anpassen. So kann es beispielsweise sein, dass die Energiespareinstellungen die Funktionsweise der App einschränken. Auf der Hilfe-Seite der Corona-Warn-App findet sich eine Anleitung für solche und ähnliche Fälle

Vorher lohnt sich auch ein Blick auf die WLAN- und Netzwerkeinstellungen. Die App braucht schließlich eine Internetverbindung, um wenigstens einmal am Tag die aktuellen Serverdaten abzurufen. 

Mein iPhone zeigt eine Fehlermeldung. Was hab ich falsch gemacht?

Wahrscheinlich gar nichts. Die folgende Anzeige können iPhone-Nutzer ignorieren: 

"COVID-19-Kontaktmitteilungen werden von "Corona-Warn" in dieser Region möglicherweise nicht unterstützt. Du solltest in "Einstellungen" bestätigen, welche App du verwendest."

Es handelt sich um einen Fehler, der bald beseitigt werden soll. Mehr dazu hier. Wenn die App ansonsten reibungslos läuft, gibt es keinen Grund zur Beunruhigung. Dazu genügt ein Blick auf die Statusanzeige: Wird ein Risiko angezeigt? Hat sich die App heute schon aktualisiert?

Zeigt die App-Startseite eine graue Tafel an, bedeutet das, dass noch keine Geräte-IDs mit anderen App-Nutzern ausgetauscht wurden. Sobald sich der Nutzer unter Menschen begibt und die App länger als ein Tag in Betrieb ist, sollte sich das ändern. 

Wenn ich im App-Store nach "Covid-19" suche, tauchen mehrere Apps auf. Welche ist die offizielle App des Bundes? 

Es gibt nur eine offizielle App, nämlich die "Corona-Warn-App": Sie hat eine eigene Homepage (www.coronawarn.app), über die auch die Links zum Download der Versionen für iOS (iPhone) und Android bereitgestellt werden. Wenn man danach sucht, sollte man den Begriff "Corona-Warn-App" verwenden.

Mehr Tipps zur Installation finden Sie hier. 

Ich bekomme im App-Store eine Fehlermeldung, dass die App nicht installiert werden kann. Woran liegt das?

Bei Android-Handys wurden die notwendigen Programmschnittstellen nicht über ein Android-Update zur Verfügung gestellt, sondern über die Google Play Services. Diese müssen vorhanden sein. Man findet sie über "Einstellungen/Google". Wenn die Aktualisierung der Play Services im Hintergrund geklappt hat, steht hier oben der Menüpunkt "Benachrichtigungen zu möglicher Begegnung mit COVID-19-Infizierten". Dieser Google-Dienst reicht aber alleine nicht aus. Man muss dazu auch noch die Corona-Warn-App installieren.

Beim iPhone ist bislang das Betriebssystem 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für die Modelle aus dem Jahr 2015 (iPhone 6S) und neuer. Die Geräte aus dem Jahr 2014 oder davor, also das iPhone 6, 5S, 5 und noch ältere Modelle, können iOS 13.5 nicht laufen lassen. Die Bundesregierung steht im Kontakt mit Apple, damit die APIs auch für iOS 12 aufbereitet werden. Eine Zusage aus der Apple-Zentrale steht aber noch aus.

Die App verlangt bei der Installation unter Android nach einer Freigabe der Ortungsdienste. Sollte die App nicht ohne auskommen?

Ja, die Corona-Warn-App des Bundes übermittelt keine Ortungsdaten und erfasst sie auch nicht. Da Ortungen in Gebäuden wie Einkaufszentren oder Bahnhöfen auch mit Bluetooth-Sendern möglich ist, fällt Bluetooth bei Google zusammen mit GPS in eine Kategorie. Eine Überprüfung des öffentlich einsehbaren Quell-Codes hat aber bestätigt, dass die App keine Ortungsinformationen einsammelt.

Allerdings können auch andere Apps auf den Standort zugreifen. Wie Sie das unterbinden, erklären wir hier.  

Ich habe das freie Android-System LineageOS auf meinem Telefon, weil ich die Google-Dienste grundsätzlich nicht haben möchte. Kann ich die Corona-Warn-App irgendwie zum Laufen bringen?

Nein, ohne die Google Play Services läuft die App nicht.

Ich habe Probleme bei der Installation der App. Kann mir das Gesundheitsamt dabei helfen?

Nein, bitte auf keinen Fall wegen technischer Probleme dort anrufen. Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter sind dafür nicht zuständig und haben ohnehin alle Hände voll damit zu tun, die Infektionsmeldungen außerhalb der App abzuarbeiten. Für eine technische Beratung hat die Telekom eine Hotline eingerichtet. Sie ist unter der Nummer 0800-7540001 zu erreichen. Fragen werden dort von Montag bis Samstag (7 bis 22 Uhr) auf Deutsch und Englisch beantwortet. Andere Sprachen wie Türkisch und Arabisch sollen folgen.

Brauche ich für die Installation der App einen QR-Code oder eine TAN?

Nein, QR-Codes oder Transaktionsnummern (TAN) kommen nur dann ins Spiel, wenn eine Infektion in die App eingetragen wird. Den QR-Code liefern die Labore, die schon den digitalen Arbeitsablauf beherrschen. Erhält der Nutzer den Hinweis auf seinen Infektionsstatus auf einem anderen Weg, muss er sich unter 0800 7540002 die TAN erfragen. Das Verfahren soll verhindern, dass Trolle mit Falschmeldungen das System angreifen und unnötige Fehlalarme auslösen.

Die App misst den Abstand zwischen zwei Geräten mit Bluetooth. Sind damit andere Bluetooth-Anwendungen wie Musikstreaming trotzdem noch möglich?

Ja, man kann weiterhin Bluetooth-Lautsprecher oder andere Geräte verwenden, die ebenfalls den Kurzstreckenfunk verwenden. Bluetooth LE beherrscht den Parallelbetrieb.

Können Anwender aus Deutschland mit der App ins Ausland fahren und sich auf die Warnfunktion verlassen?

Nein, die App funktioniert bislang nicht im Ausland. Das soll aber bald geändert werden, haben die Entwickler von SAP und Telekom in Aussicht gestellt.

Immerhin haben Nutzer aus elf EU-Ländern bereits Zugriff auf die deutsche Corona-Warn-App. Zu Beginn war die App nur in den deutschen App Stores verfügbar. Das wurde viel kritisiert. Mehr dazu hier

Kann man über die App risikoreiche Begegnungen in Echtzeit erkennen?

Nein, die Begegnungen werden nicht live ausgewertet, sondern mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Nur so kann der Stromverbrauch niedrig gehalten werden. Ein Live-Tracing würde auch das ausgeklügelte Datenschutzkonzept über den Haufen werfen.

Kann man bei der App sehen, wie vielen Leuten ich begegnet bin, die auch die App nutzen?

Nein, mit der App ist das nicht möglich. Man könnte aber mit gängigen Scannern sehen, welche Bluetooth-Signale gefunkt werden. Die Kurzzeitschlüssel der App werden aber verschlüsselt übertragen und ändern sich auch alle 15 Minuten, sodass man mit den "Sniffern" kein Bewegungsprofil erstellen kann. Es gibt sogar eine einfache Webseite dafür, mit der das jeder hinkriegt. Mehr dazu hier. 

Was muss ich unternehmen, wenn ein "erhöhtes Risiko" angezeigt wird?

Die Bundesregierung rät den Betroffenen, wenn möglich zu Hause zu bleiben und sich bei ihrem Hausarzt zu melden. Man könne aber auch unter der Telefonnummer 116117 Kontakt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder mit dem Gesundheitsamt aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Da inzwischen in Deutschland in der Regel genügend Testkapazitäten vorhanden sind, sollte ein Test in Abstimmung mit den Ärzten oder dem Amt möglich sein. Diesen bezahlen die Krankenkassen.

Muss ich die App jeden Tag neu starten?

Nein, sie läuft im Hintergrund weiter, sobald sie einmal gestartet wurde. Wenn man die App nicht mehr nutzen möchte, kann sie deinstalliert werden. Es werden dann keine Schlüssel mehr übertragen.

Funktioniert die App auch in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Räumen, in denen es gerade keine Internetverbindung gibt?

Der Austausch über Bluetooth benötigt keine aktive Internetverbindung. Nur zum täglichen Download der Liste der infizierten Tagesschlüssel muss man mit dem Netz verbunden sein. Die App funktioniert daher sogar auf Smartphones ohne SIM-Karte, wenn die einmal am Tag mit dem WLAN verbunden sind. Für das Herunterladen der Schlüsselliste berechnen alle Provider in Deutschland kein Datenvolumen ("Zero Rating").

Kann die App tatsächlich dazu beitragen, die Pandemie einzudämmen?

Diese Frage kann man zweifelsfrei noch nicht beantworten. Viele Forscher gehen davon aus, dass die Corona-Warn-App einen Beitrag leisten, aber herkömmliche Schutzmaßnahmen nicht ersetzen kann. Selbst die Bundesregierung sagt, dass die App kein Wundermittel ist.

Kann die App das Tragen von Atemmasken und das Einhalten von Abstandsregeln ersetzen?

Nein. Die App kann nur dazu beitragen, Infektionsketten schneller zu erkennen. Wer sich und andere vor Infektionen schützen will, sollte auch mit der App im Handy genug Abstand wahren und eine Maske tragen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal