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Lambrechts Video-Unfall: Sie ist längst nicht die einzige


Ein katastrophaler Unfall

Eine Kolumne von Nicole Diekmann

Aktualisiert am 04.01.2023Lesedauer: 4 Min.
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Christine Lambrecht: Dieses Video der Verteidigungsministerin erntet heftige Kritik. (Quelle: t-online)
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Christine Lambrecht zeigt, dass sie die Wucht von Social Media nicht verstanden hat. Doch sie ist längst nicht die Einzige im Reigen der Peinlichkeiten.

Rund um die Ministerin herrscht ohrenbetäubender Lärm: Christine Lambrecht steht auf der Straße, hinter ihr knallen Böller und Raketen. Silvesterraketen, keine militärischen. Die Ministerin steht in Berlin, nicht in Kiew oder einer anderen kriegumtosten Stadt.

Und doch stellt Christine Lambrecht den Zusammenhang bewusst und auch sehr schnell her in den knapp 60 Sekunden, mit denen sie sich nun einmal mehr blamiert hat: "Was war das für ein Jahr, dieses 2022?", fragt sie. "Mitten in Europa tobt ein Krieg."

Bis hierhin ist das Video bereits keine Glanzleistung, der schlechte Ton ist sogar richtig peinlich. Doch zum katastrophalen Unfall gerät es erst, als Lambrecht allen Ernstes mit diesen Sätzen fortfährt: "Damit verbunden waren für mich ganz viele besondere Eindrücke, die ich gewinnen konnte. Viele, viele Begegnungen mit interessanten und tollen Menschen. Dafür sag ich ein herzliches Dankeschön."

Die Fernsehjournalistin Nicole Diekmann kennt man als seriöse Politikberichterstatterin. Ganz anders, nämlich schlagfertig und lustig, erlebt man sie auf Twitter – wo sie über 120.000 Fans hat. Dort filetiert sie politische und gesellschaftliche Aufreger rund ums Internet. Ihr Buch "Die Shitstorm-Republik" ist überall erhältlich, ihr Blog findet man hier.

Auf menschlicher Ebene ist das sagenhaft ichbezogen und bestürzend geschmacklos. Zudem ist es für eine Politikerin – zumal einer ohnehin so massiv kritisierten wie Lambrecht – kolossal instinktlos. Zugespitzt gesagt, stellt sich Lambrecht als Kriegsgewinnlerin dar. Sie hat dank des todbringenden Krieges Russlands gegen die Ukraine tolle Begegnungen gehabt. Das ist der Kern ihrer Erzählung.

Lambrecht sagt all das in eine Handykamera – und merkt nicht mal NACH der Aufzeichnung, welche Peinlichkeit sie da produziert hat. Der Verdacht drängt sich auf, dass sie sich von niemandem hat beraten lassen. Sonst hätte eine gnädige Seele sie sicher dringend davon abgehalten, das Machwerk auf ihrem privaten Instagram-Account zu veröffentlichen.

Ist ja nur Social Media?

Das zeigt, dass Lambrecht die sozialen Kanäle krass unterschätzt – und/oder ihre eigene Medienkompetenz überschätzt. Es wäre undenkbar, dass eine Politikerin ohne Beratung ein Fernsehinterview gibt. Bei Instagram, so anscheinend ihr Fehlschluss, braucht sie keine professionelle Beratung.

Sie hätte es eigentlich besser wissen können. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass die SPD-Frau sich in den sozialen Medien blamiert. Dass ihr Sohn ein Bild von sich in einem Bundeswehrhubschrauber sitzend auf dem Weg mit seiner Mutter nach Sylt postete – ebenfalls auf Instagram –, begründete anscheinend nur eine Tradition. Es ist aber, das muss man zur Verteidigung der Verteidigungsministerin sagen, auch bei Weitem nicht das erste Mal, dass sich die Politik auf den Plattformen blamiert.

Tobias Hans blamierte sich ebenfalls im Netz

Tobias Hans zum Beispiel, damals noch Ministerpräsident des Saarlandes, stellte sich mitten im Wahlkampf im März 2022 mit seinem Handy an eine Tankstelle. Und wütete über die hohen Spritpreise – "irre" nannte er sie. Super Thema, eigentlich: gut zu erklären, geht fast alle an, am Stammtisch wird darüber gesprochen. Und zudem entsprach Hans' locker aus der Hand gedrehtes Video dem Zeitgeist, den Sehgewohnheiten auch der jungen, digital sozialisierten Leute.

Das Problem: Auch sein Inhalt war reichlich unglücklich. Denn Hans sagte, das treffe jetzt nicht nur Geringverdiener, "sondern die vielen fleißigen Leute, die tanken müssen". Geringverdiener sind also nicht fleißig. Das war die Aussage, die hängenblieb. Hans blieb auch, nämlich auf der Strecke: Der CDU-Mann wurde nicht wiedergewählt. Inzwischen regiert im Saarland die SPD.

Vielleicht ist diese Episode noch vielen in der CDU im Gedächtnis – zum Beispiel Serap Güler, die nun, nach dem Lambrecht-Video, indirekt deren Rücktritt fordert. Diese Forderung ist nicht neu, und es gab bereits mehrere Gelegenheiten, zu denen man über Kanzler Scholz’ unendliche Loyalität gegenüber seiner Verteidigungsministerin nur noch den Kopf schütteln konnte. Ein Rücktrittsgrund ist dieses Video nicht – höchstens der letzte Tropfen, der ein ohnehin schon volles Fass zum Überlaufen bringt.

Auch die anderen Parteien mischten schon blamabel mit

Soweit ich mich nämlich erinnere, entbrannte keine Rücktrittsdiskussion, als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Zuge der Winnetou-Debatte behauptete, die gleichnamigen Filme würden gecancelt – und damit in den sozialen Medien Fake News verbreitete. Oder als der damalige Grünen-Chef Robert Habeck zweimal hintereinander in Social-Media-Videos zwei Bundesländern indirekt absprach, sie würden demokratisch regiert.

Besonders breit diskutiert wurde der Fall Julia Köckner (CDU): 2019 präsentierte sich die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin mit dem Deutschland-Chef des umstrittenen Nestlé-Konzerns vor der Kamera und sekundierte breit lächelnd, als der Wirtschaftsboss seine Produkte anpries. Und im Gegensatz zu Lambrecht verbreitete Klöckner dieses Video sogar über die offiziellen Kanäle ihres Ministeriums.

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Klöckner musste nicht zurücktreten. Ob Lambrecht diese Affäre übersteht, ist noch nicht ausgemacht. Eines aber steht fest: Es wird nicht das letzte Social-Media-Versagen dieser Art bleiben.

Noch immer unterschätzen viele Politiker die sozialen Netzwerke. Und die Wucht, die hinter ihnen stecken kann. Und das ist das Gute an Episoden wie nun der von Christine Lambrecht: Hier sehen wir Politiker, wie sie wirklich sind. Ihr wahres Gesicht. Manchmal ist das gar nicht so schön. Aber es ist echt.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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