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Selbstständig und für das Alter vorsorgen – So geht das

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Altersvorsorgepflicht  

Selbstständig und für das Alter vorsorgen – So geht das

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23.02.2018, 07:38 Uhr
Selbstständig und für das Alter vorsorgen – So geht das. Möbeldesigner mit Stuhlrahmen (Quelle: Getty Images/mavoimages)

Möbeldesigner mit Stuhlrahmen: Damit Selbstständige am Ende ihres Erwerbslebens nicht von Altersarmut betroffen sind, sollen sie zur Altersvorsorge verpflichtet werden. (Quelle: mavoimages/Getty Images)

Das Einkommen vieler Selbstständigen schwankt stark. Oft bleibt am Monatsende nicht viel übrig, um für die Rente vorzusorgen. Damit Selbstständige im Alter nicht von Armut betroffen sind, haben sich Union und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen auf eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige geeinigt.

Dieser Artikel gehört zu unserem Altersvorsorge-Special. Mehr Informationen finden Sie hier.

60- bis 80-Stunden-Wochen, viel Investitionen und kaum Rücklagen – gerade Selbstständige in ihren Gründungs- und Anfangsjahren denken oft nicht an die Altersvorsorge oder haben nicht den finanziellen Spielraum für einen Vorsorgeplan. Nach Angaben der Gesetzlichen Rentenversicherung sind rund drei Millionen Selbstständige aktuell nicht in einem Rentensystem pflichtversichert.

Das soll sich laut der Pläne von Union und SPD ändern: Für Selbstständige wird künftig die Versicherung in der gesetzlichen Rentenkasse verpflichtend, insofern sie keine anderen insolvenz- und pfändungssicheren Vorsorgepläne haben, die eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveaus garantieren.

Der Vorstoß zur Versicherungspflicht von Selbstständigen ist nicht neu. So sahen bereits Pläne der damaligen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aus dem Jahr 2013 vor, Selbstständige zur Einzahlung in eine Rentenversicherung zu verpflichten. Damit sollte verhindert werden, dass sie im Alter zu Lasten der Gesellschaft auf Sozialleistungen angewiesen sind. Aufgrund von rechtlichen Hürden, wie es aus dem Hause von der Leyen hieß, wurden die Pläne damals auf Eis gelegt.

Glas mit letztem Spargroschen: Union und SPD einigten sich in ihren Koalitionsgesprächen auf eine Versicherungspflicht für Selbstständige. Diese sollten im Alter nicht mit leeren Händen dastehen. (Quelle: Getty Images/gopixa)Glas mit letztem Spargroschen: Union und SPD einigten sich in ihren Koalitionsgesprächen auf eine Versicherungspflicht für Selbstständige. Diese sollten im Alter nicht mit leeren Händen dastehen. (Quelle: gopixa/Getty Images)

Gesetzliche Pflichtversicherung: Ein rundes Paket

Das Risiko von Selbstständigen, im Alter auf Grundsicherung angewiesen zu sein, ist laut Deutscher Rentenversicherung doppelt so hoch wie bei abhängig Beschäftigten. Hier soll die verpflichtende Rentenabsicherung Abhilfe schaffen. Und das kann sich durchaus lohnen.

Die Rendite bei der gesetzlichen Rente liegt aktuell bei durchschnittlich über drei Prozent. Nach Einschätzung von Stiftung Warentest sollte es auch im Niedrigzinsumfeld bei dieser Größenordnung bleiben.

Folgende Risiken werden abgesichert

Wer bei der Rentenversicherung Beiträge zahlt, kann ein umfangreiches Leistungspaket in Anspruch nehmen. Dazu zählen: die Rentenzahlung im Alter, der Anspruch auf Rehabilitation, Übergangsgelder oder Weiterbildungen und die Absicherung im Fall der Erwerbsminderung. Im Todesfall können Angehörige Hinterbliebenen- oder Waisenrente erhalten. Zudem können pflichtversicherte Selbstständige staatliche Zulagen für eine ergänzende Riester-Rente erhalten. Nicht zuletzt werden die Kindererziehungszeiten bei der Rentenberechnung berücksichtigt, auch wenn die Versicherten während dieser Zeit keine Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt haben. 

Für wen gilt die Versicherungspflicht

  • Handwerker und Hausgewerbetreibende
  • Lehrkräfte, Nachhilfelehrer, Erzieher, Tagesmütter
  • Trainer im Sport- und Rehabereich
  • selbständige Coaches, Moderatoren, Supervisoren
  • Pflegekräfte, Therapeuten
  • (Beleg-)Hebammen und Entbindungspfleger
  • Seelotsen außer Binnenlotsen, Travelotsen und Lotsen der Flensburger Förde
  • Küstenschiffer und Küstenfischer
  • Selbstständige mit einem Arbeitgeber
  • Künstler und Publizisten

Diese und weitere Informationen zur Altersvorsorge finden Sie in unserer Broschüre "Altersvorsorge für jedermann" zum kostenlosen Download.

Versicherungspflicht und Beitragshöhe

Die Versicherungspflicht von Selbstständigen beginnt mit der Existenzgründung beziehungsweise bei der späteren Antragsstellung mit dem Eingang bei der Rentenversicherung. Berufseinsteiger haben die Möglichkeit, in den ersten drei Jahren nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit, den halben Regelbeitrag zu zahlen. 

Regelsätze:

Für die alten Bundesländer gelten folgende Beiträge: Regelsatz 566,37 Euro im Monat, halber Regelsatz: 283,19 Euro. Für die neuen Bundesländer werden als Regelsatz 501,27 Euro und als halber Regelsatz 250,64 Euro im Monat für das Jahr 2018 angesetzt.

Einkommensabhängige Beiträge:

Unabhängig vom Regelbeitrag haben selbstständig Pflichtversicherte die Möglichkeit, einen einkommensabhängigen Beitrag zu zahlen. Der Mindestsatz errechnet sich aus dem aktuell geltenden Rentenversicherungssatz von 18,6 Prozent auf 450,00 Euro. Er beträgt für alle Bundesländer 83,70 Euro. Der Höchstsatz beträgt in den alten Bundesländern monatlich 1.209,00 Euro und für die neuen Bundesländer 1.078,80 Euro (Stand 2018).

Zahlen Sie über einen Zeitraum von 35 Jahren den Höchstbetrag zur gesetzlichen Rentenversicherung, erhalten Sie nach den derzeit geltenden Berechnungsgrößen eine monatliche Rente von 2.237 Euro. (Quelle: Stiftung Warentest: Finanztest 3/2018)

Zu beachten: Wer sich einmal für die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung entschieden hat, kann diese nicht ohne Weiteres wieder verlassen. Sie endet erst mit der Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit. Der Antrag muss innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der Selbstständigkeit gestellt werden.

Frau überprüft ihre Finanzen: Vor allem selbstständige Frauen sind im Ruhestand von Altersarmut bedroht. Sie können ihre Kindererziehungszeiten bei der Rentenversicherung anrechnen lassen. (Quelle: Getty Images/Ridofranz)Frau überprüft ihre Finanzen: Vor allem selbstständige Frauen sind im Ruhestand von Altersarmut bedroht. Sie können ihre Kindererziehungszeiten bei der Rentenversicherung anrechnen lassen. (Quelle: Ridofranz/Getty Images)


Gesetzliche Versicherung: Das geht auch freiwillig

Selbstständige, die weder versicherungspflichtig sind, noch eine Versicherungspflicht beantragen möchten, können für ihre Altersvorsorge auch freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Das ist eine Überlegung wert, wenn zum Beispiel während der Ausbildung oder der Kindererziehung Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung gesammelt wurden. Diese Anwartschaften und Rentenansprüche würden – insofern die Mindestversicherungspflicht von fünf Jahren noch nicht erreicht ist – verfallen. Nach der Mindestzeit von fünf Jahren sichern Selbstständige nicht nur Ansprüche für sich, sondern im Todesfall auch für ihre Hinterbliebenen.

Freiwillig in die Gesetzliche Rentenversicherung einzahlen können alle in Deutschland Lebenden, die mindestens 16 Jahre alt sind, sowie deutsche Staatsangehörige, die im Ausland leben.

Monatliche Kosten selbst bestimmen

Freiwillig Versicherte können die Höhe ihrer Beiträge selbst bestimmen und diese im laufenden Versichertenverhältnis flexibel anpassen. Beim Einzahlungsmodus können Selbstständige zwischen monatlichen Zahlungen oder einem Jahresbeitrag pro Kalenderjahr wählen. Die Beiträge für das abgelaufene Jahr können noch bis zum 31. März des Folgejahres entrichtet werden. 

Wie bei der Pflichtversicherung errechnet sich der Mindestbeitrag für freiwillig Versicherte Selbstständige auf Grundlage des aktuellen Rentenversicherungssatzes von 18,6 Prozent auf 450,00 Euro – macht 83,70 Euro im Monat. Der Maximalbetrag beträgt für alle Bundesländer 1.209,00 Euro. Die Höhe und die Anzahl der geleisteten Beiträge bestimmt später die Höhe der individuellen Rentenzahlungen.

Mit einem Jahresbeitrag von 10.000 Euro sichern sich freiwillig Versicherte eine Rentenanwartschaft in der gesetzlichen Versicherung von 44,05 Euro monatlich. Die Anwartschaften erhöhen sich mit jedem Beitrag und Jahr. (Quelle: Stiftung Warentest: Finanztest 3/2018).

Übrigens: Freiwillig Versicherte können ihre Versicherung bei der gesetzlichen Rentenversicherung jederzeit unterbrechen oder beenden.

Älterer Mann entspannt auf einer Parkbank: Mit der privaten Rürup-Rente können Selbstständige von staatlichen Steuervorteilen profitieren. (Quelle: Getty Images/Ljubco)Älterer Mann entspannt auf einer Parkbank: Mit der privaten Rürup-Rente können Selbstständige von staatlichen Steuervorteilen profitieren. (Quelle: Ljubco/Getty Images)

Rürup-Rente: Privatrente mit staatlicher Förderung

Selbstständige, die weder Pflicht- noch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Versicherung leisten, können mit der Basisrente, der sogenannten Rürup-Rente, vorsorgen. Hierbei handelt es sich um eine private Altersvorsorge, die staatlich durch Steuervorteile gefördert wird. Es gibt klassische Rentensparpläne mit einer eher konservativen Ausrichtung sowie fondsgebundene Altersvorsorgemodelle, bei denen die Rendite eine größere Rolle spielen kann. Der Einzahlungsmodus ist in der Regel flexibel.

Neben monatlichen Zahlungen kann auch ein Einmalbeitrag geleistet werden. Die Rürup-Rente ist insolvenz- und pfändungssicher. Das angesparte Kapital wird nicht auf ALGII-Leistungen angerechnet.

Steuerlicher Vorteil: Die Beiträge zur Rürup-Rente sind während der Anspar- und Auszahlungsphase als Vorsorgeleistungen steuerlich absetzbar. Bei einem Höchstbeitrag von 23.712 Euro (bei der Zusammenveranlagung 47.424 Euro) können aktuell 86 Prozent steuerlich geltend gemacht werden (Stand: 2018). Der Steuervorteil steigt jedes Jahr um zwei Prozentpunkte.

Nach der Ansparphase bzw. während der Auszahlungsphase muss die Rürup-Rente mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden – ab dem Jahr 2040 zu 100 Prozent. In der Regel liegt dieser jedoch niedriger als in der Phase der Erwerbstätigkeit. Das heißt, die meisten Rürup-Sparer können Vorteile durch die nachgelagerte Besteuerung erzielen. 

Für wen lohnt ein Rürup-Vertrag: Die Basisrente eignet sich insbesondere für gut verdienende Selbstständige zur Altersvorsorge, die den steuerlichen Vorteil ausschöpfen wollen. Selbstständige am Anfang ihres Berufslebens sollten prüfen, wie viel Geld ihnen zur Vorsorge zur Verfügung steht und ob sie von der staatlichen Steuerförderung profitieren können.

Zu beachten: Die Ansprüche aus der Rürup-Rente sind ohne zusätzlichen Hinterbliebenenschutz nicht vererbbar. Die Rürup-Rente ist unkündbar, kann jedoch beitragsfrei gestellt werden. Die Rente kann nicht als Einmalbetrag ausgezahlt werden. Beim Abschluss eines Rürup-Vertrags sollte auf die Kosten, die flexible Möglichkeit der Beitragszahlung und auch die Möglichkeit eines Vertragswechsels geachtet werden.

Hand legt eine Münze in ein Glas: Selbstständige sollten frühzeitig ihre Altersvorsorge für den Lebensabend zu planen. (Quelle: Getty Images/pinkomelet)Selbstständige sollten frühzeitig ihre Altersvorsorge für den Lebensabend planen. (Quelle: pinkomelet/Getty Images)


Private Altersvorsorge für Selbstständige: Auf die Konditionen achten

Neben der gesetzlichen Versicherung und der Rürup-Basisrente können Selbstständige auch mit rein privaten Vorsorgeplänen für das Alter vorsorgen. Auch bei der privaten Vorsorge müssen Selbstständige darauf achten, dass die Vorsorgepläne insolvenz- und pfändungssicher sind und eine Rente über der Grundsicherung ermöglichen. Steuerliche Vorteile können während der Ansparphase nicht geltend gemacht werden. Die Rente wird jedoch während der Auszahlungsphase geringer versteuert. Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest kann die private Vorsorge, was das Leistungspaket als auch die Rendite betrifft, nicht mit der gesetzlichen Altersvorsorge oder der Rürup-Basisrente mithalten. 

Übrigens: Versicherte, die in eine Notlage geraten, können sich den Rückkaufswert ihrer privaten Altersvorsorge auch während der Laufzeit auszahlen lassen. Das soll aber gut überlegt sein. Die vorzeitige Rückzahlung lassen sich die Versicherungen teuer bezahlen. Vor allem in den ersten Jahren geht dies mit erheblichen Verlusten einher.

Verwendete Quellen:
  • Stiftung Warentest: Finanztest
  • Deutsche Rentenversicherung
  • eigene Recherchen
  • weitere Quellen
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