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Arbeitszeugnis: Geheimcode entschlüsseln – Diese Noten stecken hinter den Formulierungen

"Stets bemüht"  

So entschlüsseln Sie Codes im Arbeitszeugnis

29.12.2020, 13:40 Uhr
Arbeitszeugnis: Geheimcode entschlüsseln – Diese Noten stecken hinter den Formulierungen. Beim Arbeitszeugnis kommt es auf die Feinheiten an. (Quelle: dpa/Monique Wuestenhagen)

Beim Arbeitszeugnis kommt es auf die Feinheiten an. (Quelle: Monique Wuestenhagen/dpa)

Wer schon einmal ein Arbeitszeugnis erhalten hat, der weiß: Die Formulierungen klingen oft etwas seltsam – und immer positiv. Doch welche Bewertung steckt wirklich hinter den Wörtern?

"Stets bemüht" und "immer gut mit den Kollegen verstanden": So ein Arbeitszeugnis zeigen Sie besser niemandem. Denn nicht alles, was im Zeugnis positiv klingt, ist auch gut gemeint.

Der Grund: Im Laufe der Zeit hat sich eine spezielle Zeugnissprache entwickelt, an der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer orientieren. Und deshalb kommt es auf die Feinheiten an. t-online zeigt Ihnen, wie Sie die Zeugnis-Codes entschlüsseln.

Habe ich Recht auf ein Arbeitszeugnis?

Ja. Verlassen Berufstätige ihr Unternehmen, zum Beispiel bei einem Jobwechsel, haben sie Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Sie sollten auf jeden Fall darum bitten, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht von sich aus eines ausstellt.

Man unterscheidet zwischen einem einfachen oder einem qualifizierten Arbeitszeugnis. In einem einfachen Arbeitszeugnis stehen lediglich die persönlichen Daten und die Dauer der Beschäftigung. Das erhalten Sie meist, wenn Sie nur kurz in dem Betrieb beschäftigt waren – oder nur ein Praktikum absolviert haben.

Ein qualifiziertes Zeugnis hingegen enthält eine Leistungs- und Verhaltensbeurteilung – mit meist verklausulierten Noten. Fragen Sie am besten nach einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Denn ein solches macht sich bei einer künftigen Bewerbung besser.

Warum gibt es spezielle Codes in Arbeitszeugnissen?

Der Grund für die sprachlichen Verrenkungen in Arbeitszeugnissen ist die Tatsache, dass Arbeitszeugnisse wohlwollend formuliert sein müssen. Das regelt die Gewerbeordnung.

Dem Arbeitnehmer soll nicht der berufliche Weg verbaut werden, wenn er sich mit einem übel formulierten Zeugnis anderswo bewerben muss. Der Arbeitgeber hat deshalb nicht viel Spielraum, seine – falls nötig – negative Einschätzung des Mitarbeiters zum Ausdruck zu bringen.

Fällt ihm als Lob beispielsweise nur ein, dass der Mitarbeiter immer pünktlich war, kann das nur bedeuten, dass etwas nicht stimmt. Denn laut Experten sollten im Zeugnis die Leistungen bewertet werden, die maßgeblich für den ausgeübten Job sind.

Je mehr Nebensächliches, Selbstverständliches und Banales erwähnt wird, desto mehr ist das ein Hinweis auf ein schlechtes Zeugnis. Doch es gibt auch ganze Codes, um die Noten im Arbeitszeugnis zu verpacken (siehe unten).

Wie entschlüssele ich die Codes im Arbeitszeugnis?

Ihr Arbeitgeber ist zwar in den grundsätzlichen Formulierungen eingeschränkt. Allerdings sollten Sie auf die genauen Nuancen achten, die die eigentlichen Noten verschleiern.

Hier finden Sie eine Übersicht zu den gängigsten Codes im Arbeitszeugnis und ihrer Bedeutung:

Formulierung Arbeitszeugnis Bedeutung
"stets/immer/jederzeit zur vollsten Zufriedenheit"Schulnote "Sehr gut"
"stets/immer/jederzeit zur vollen Zufriedenheit"Schulnote "gut"
"zur vollen Zufriedenheit"Schulnote "befriedigend"
"war stets bemüht"Schulnote "ungenügend", gleichbedeutend mit "hat nichts erreicht"
“gesellig”/"hat zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen"verdeckter Hinweis auf Alkoholproblem
"Er/Sie war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen."Unangenehmer und rechthaberischer Wichtigtuer
"alle Arbeiten pflichtbewusst erledigt"Bürokrat ohne Eigeninitiative
"hat sich gut mit den Kollegen verstanden"geschwätzig oder verdeckter Hinweis auf Betriebsratsarbeit
"aufgeschlossenes Wesen"geschwätzig
"erfrischende Offenheit im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten"vorlaut und unangemessenes Selbstbewusstsein
"hat alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse erledigt"eifrig, aber nicht besonders tüchtig
"sehr genau"langsames Arbeiten
"Aufgaben mit Begeisterung gewidmet"womöglich begeistert, aber trotzdem erfolglos
"nie Anlass für Klagen"gleichzeitig keinen Anlass für Lob
"erledigt Arbeiten stets mit großem Elan"verursacht Chaos

Beachten Sie: Bestimmte Aussagen können sich in der Realität von den genannten Beispielen unterscheiden – und dann eine weniger starke Bedeutung tragen. Auch kann es sein, dass bestimmte Aussagen mit einem Nachsatz relativiert werden.

Wichtig: Beim Entschlüsseln des Arbeitszeugnis sollten Sie nicht nur darauf achten, was drin steht – sondern eben auch, was nicht.

Beispiel: "Er/Sie hat Aufgaben mit Begeisterung gemeistert." Übersetzung: Sie waren zwar begeistert bei der Arbeit, aber gleichzeitig auch nicht sonderlich mit Erfolg bei der Sache dabei. Im besten Fall müsste dieser Satz in etwa so formuliert sein: "Er/Sie hat Aufgaben mit Begeisterung und großem Erfolg gemeistert."

Welche Codes gibt es für den Schluss des Arbeitszeugnis?

Auch der Schluss des Arbeitszeugnis ist wichtig. Eine fehlende Dankesformel am Ende etwa kann das Zeugnis abwerten.

Steht am Schluss "Wir wünschen XXX viel Erfolg für die Zukunft", hört sich das zwar ganz gut an. Besser wäre allerdings, wenn der Vorgesetzte XXX "weiterhin viel Erfolg" gewünscht hätte.

Auch ein fehlendes Bedauern über das Ausscheiden des Mitarbeiters ist eine Abwertung. Beispiele für solche Formulierungen wären "Für das stete Interesse an der Zusammenarbeit bedanken wir uns" oder "Wir können unseren Dank für die stete Arbeitsbereitschaft nicht versagen." Der Satz "beste Wünsche für die private und berufliche Zukunft" rundet hingegen ein gutes Zeugnis ab.

Gut zu wissen: Der Satz "Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt" deutet darauf hin, dass dem Mitarbeiter gekündigt wurde – oder zumindest eine Eigen-Kündigung nahegelegt wurde.

Kann ich mich gegen ein schlechtes Arbeitszeugnis wehren?

Ja. Die Formulierungen im Arbeitszeugnis sind nicht in Stein gemeißelt. Sollten Sie mit einzelnen Textpassagen unzufrieden sein, können Sie die Personalabteilung darum bitten, sie abzuändern. Sollten Sie allerdings die Note 2 bekommen haben, haben Sie keinen Anspruch auf Note 1.

Gut zu wissen: In manchen Betrieben kann es sein, dass Ihr Arbeitgeber Sie selbst darum bittet, ein Arbeitszeugnis anzufertigen, das er anschließend absegnet. Nehmen Sie das an. Dann haben Sie die Möglichkeit, das Arbeitszeugnis in Ihrem Sinne zu gestalten und sich eine entsprechende Bewertung zu geben. Doch zu stark übertreiben sollten Sie es nicht – das wäre unprofessionell.

Wenn Sie sich nicht mit Ihrem Arbeitgeber einigen können, sollten Sie zunächst zum Betriebsrat gehen, falls es diesen im Unternehmen gibt. Ansonsten können Sie sich einen Anwalt suchen, und ein anderes Arbeitszeugnis einfordern.

Beachten Sie: Das ergibt allerdings nur Sinn, sofern Sie sich wirklich einwandfrei verhalten haben und das begründen können. Haben Sie tatsächlich schlechte Arbeit geleistet, bringt der Gang vors Gericht nichts.

Verwendete Quellen:

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