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Scheidung: Wer trägt die Kosten und wie kann man sparen?

Geld bei Trennung sparen  

Was kostet eine Scheidung – und wer muss zahlen?

21.08.2020, 20:47 Uhr | sm, cho, t-online

Scheidung: Wer trägt die Kosten und wie kann man sparen?. Paar streitet um Geld: Versuchen Sie bei einer Scheidung, ohne Anwalt einige Streitpunkte zu klären. Das spart Kosten. (Quelle: Getty Images/BernardaSv)

Paar streitet um Geld: Versuchen Sie bei einer Scheidung, ohne Anwalt einige Streitpunkte zu klären. Das spart Kosten. (Quelle: BernardaSv/Getty Images)

An eine Scheidung denkt kaum ein Paar, wenn es vor dem Traualtar steht. Doch nicht jede Ehe hält für die Ewigkeit. Teuer muss eine Scheidung aber nicht sein. Dafür sollten Sie auf einige Punkte achten.

Viele wird es überraschen – angesichts horrend teurer Rosenkriege von Prominenten: Eine Scheidung muss nicht viel kosten. 

Auch wenn sich Paare nicht sofort einigen können, gibt es einige Aspekte, die frühzeitig die Kosten einer Scheidung minimieren. Wir zeigen Ihnen, welche das sind.

Was kostet eine Scheidung?

Generell setzen sich die Kosten für eine Scheidung aus den Gerichts- und den Anwaltskosten zusammen. Diese wiederum richten sich nach dem sogenannten Streitwert, der immer individuell beziffert werden muss. Anstelle des Streitwerts sind auch die Begriffe Verfahrenswert, Gegenstandswert oder Geschäftswert gebräuchlich.

Der Streitwert wird maßgeblich am Nettoeinkommen der Eheleute im Quartal bemessen, also am Einkommen von drei Monaten. Hinzu kommt noch eine Pauschale von 1.000 Euro für den Versorgungsausgleich. Dabei werden die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften zu gleichen Teilen zwischen den Partnern aufgeteilt. Der Versorgungsausgleich ist die einzige sogenannte Folgesache, die automatisch ins Scheidungsverfahren einfließt. Haben Sie Kinder, werden vom Streitwert für jedes Kind monatlich 250 Euro abgezogen.

Scheidungskosten steigen in folgendem Fall

Die Berechnung des Streitwerts könnte hier bereits zu Ende sein – denn weitere Folgesachen wie Unterhalt, Sorgerecht, Umgang, Wohnungszuweisung, Vermögensaufteilung müssen nicht vor Gericht verhandelt werden. Ist das aber nötig, weil Sie sich nicht selber einigen können, steigt der Streitwert – und damit die Scheidungskosten.

Diese Posten könnten in diesem Fall noch hinzukommen:

  • Unterhalt: plus zwölf Mal die geforderte Summe
  • Sorge- und Umgangsrecht: plus 20 Prozent vom Wert des Verfahrens (maximal 3.000 Euro)
  • Ehewohnung: plus zwölf Mal Monatsmiete
  • Hausratsteilung: plus festgelegter Gegenstandswert der zu teilenden Objekte
  • Zugewinnausgleich: plus die geforderte Ausgleichssumme

Läuft hingegen alles einvernehmlich, sind Sie sich also beide einig, dass Sie die Scheidung wollen und können auch sonst alles untereinander regeln, wird es deutlich günstiger.

Scheidungswillige mit einem durchschnittlichen Einkommen und Vermögen und ohne aufwändige Trennungsvereinbarung zahlen dann ungefähr 1.500 Euro pro Anwalt. Es reicht zudem, wenn nur derjenige einen Anwalt nimmt, der den Scheidungsantrag stellt, und Sie sich die Kosten teilen.

Wer trägt bei einer Scheidung die Kosten?

Generell gilt: beide zu gleichen Teilen. Wenn allerdings einer der Partner überdurchschnittlich verdient und der oder die andere wenig, muss der Bessergestellte die Prozesskosten der anderen Seite tragen (Prozesskostenvorschuss). In diesem Fall sollten Sie sich als Besserverdiener gut überlegen, ob Sie den Streit beispielsweise um Unterhaltszahlungen unnötig in die Länge ziehen.

Wann bekomme ich Prozesskostenhilfe?

Wenn Sie wenig verdienen und nur ein geringes Vermögen haben, können Sie den Staat zahlen lassen. Verfahrenskostenhilfe heißt das Stichwort. Wird sie bewilligt, übernimmt die Staatskasse Ihre Anwalts- und Gerichtskosten. Und zwar egal, wie lange es dauert.

Verdient Ihr Partner überdurchschnittlich, Sie selbst aber wenig, gibt es auch das Mittel des Prozesskostenvorschusses (siehe oben). Dann muss der Bessergestellte die Kosten der anderen Seite tragen. In beiden Fällen ist es übrigens egal, wer die Scheidung beantragt hat.

Mit welchen Tipps kann ich Geld sparen?

Günstiger wird es, wenn sich nur der Ehepartner einen Anwalt nimmt, der den Scheidungsantrag stellt – und die Eheleute untereinander vereinbaren, sich diese Kosten zu teilen. Ganz ohne Rechtsbeistand geht es in Deutschland dagegen nicht.

Auch die Dauer einer Verhandlung kann ins Geld gehen. Versuchen Sie daher, sich bereits im Vorfeld über das Wichtigste zu einigen – ohne Anwalt. Auch während der Verhandlung sollten Sie versuchen, kleinere Details ohne Anwalt zu besprechen.

Anwaltskosten vorher bezahlen

Die Zustellung des Scheidungsantrags ist ein wichtiger Stichtag. Denn: Das Vermögen, das die Eheleute zu diesem Zeitpunkt besitzen, muss geteilt werden.

Wer den Antrag stellt, kennt diesen Termin – und kann die voraussichtlichen Anwaltskosten vorher bezahlen. Dann verringert sich Ihr Vermögen zu diesem Zeitpunkt bereits um die Höhe der gezahlten Anwaltskosten. Und: Ist der Antragsteller ausgleichspflichtig, hat er die Gegenseite damit zugleich zur Hälfte an seinen Anwaltskosten beteiligt.

Nicht nur der Antragsteller, auch die Gegenseite kann die Scheidungskosten im Vorfeld bezahlen. Sie sollten dafür aber gut über die nächsten Schritte des Partners Bescheid wissen.

Kindesunterhalt kostenlos regeln

Sind Sie sich einig, wer wie viel Unterhalt zahlt (grundsätzlich regelt das die Düsseldorfer Tabelle), müssen Sie das nicht vor Gericht verankern lassen. Eine kostenlose Jugendamtsurkunde erfüllt denselben Zweck. So können Sie gleich mehrere Hundert Euro sparen.

Ehevertrag klug durchdenken

Wer vorsorglich einen Ehevertrag abschließt, sollte überlegen, ob dort gewisse Dinge vom Vermögensausgleich ausgeschlossen werden. Denn besitzt ein Partner eine Praxis oder Kanzlei, lässt sich über deren Wert lange streiten. Das lässt die Kosten für den Anwalt oder die Anwälte in die Höhe treiben.

Geht es jedoch um Fragen des Unterhalts, sollten Sie so wenig wie möglich in der schriftlichen Vereinbarung ausschließen. Die Klauseln könnten schnell sittenwidrig und damit hinfällig werden.

Übrigens: Ein Ehevertrag kann nicht nur vor, sondern auch jederzeit während der Ehe geschlossen werden. Läuft die Beziehung jedoch bereits ihrem Ende entgegen, sollten Sie vorsichtig beim Schließen von Verträgen sein.

Hochzeitsgeschenke aufteilen

Zur Hochzeit gibt es oft viele und manchmal auch wertvolle Geschenke. Doch wem gehört was, wenn es an beide adressiert war? Hier gilt generell: Was gemeinsam genutzt werden kann, gilt auch als gemeinsames Eigentum. Der Umkehrschluss gilt in der Regel auch, aber nicht immer.

Nehmen wir zum Beispiel teuren Goldschmuck, der einem Paar zur Hochzeit geschenkt und während der Ehe von der Ehefrau getragen wurde. Diese hat kein unausweichliches Recht auf den Schmuck. Denn dieser kann aufgrund des Goldgehaltes als gemeinsame Kapitalanlage eingestuft werden. Dann wird der Wert ermittelt und muss zwischen beiden aufgeteilt werden.

Unser Tipp: Wenn Sie sich im Scheidungsfall nachträglich bestätigen lassen können, dass ein Geschenk für Sie gedacht war, dürfen Sie den Gegenstand behalten.

Wie lange dauert eine einvernehmliche Scheidung?

Das kommt darauf an, ob es einen Versorgungsausgleich gibt. Wird auf ihn verzichtet – was allerdings nur in Ausnahmefällen möglich ist –, dauert eine Scheidung meist maximal vier Monate. Mit Versorgungsausgleich steigt die Dauer auf bis zu zwölf Monate

Kann ich Scheidungskosten steuerlich absetzen?

Nein. Seit 2013 können Sie Prozesskosten – und dazu zählen auch die Kosten eines Scheidungsverfahrens – nicht mehr als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Das bestätigte der Bundesfinanzhof (BFH) mit einer Entscheidung vom 18. Mai 2017 (BFH VI R 9/16).

Darf man im Trennungsjahr sein Vermögen bewusst abbauen?

Nein. Im Trennungsjahr – also dem Jahr, das Sie mindestens getrennt leben müssen, bevor Sie einen Scheidungsantrag stellen können – darf zwar jeder weiter über sein Vermögen verfügen, ein bewusster Vermögensabbau ist aber nicht erlaubt.

Schrumpft es bis zum Scheidungsantrag also ohne nachvollziehbaren Grund, tut man für die Vermögensaufteilung so, als wäre es weiter vorhanden. Im Zweifel wird es dann in die Ausgleichsberechnung aufgenommen.

Unser Tipp: Machen Sie eine Aufstellung der Vermögensbestände bereits zu Beginn des Trennungsjahres.

Welche Regeln gelten für Hausbesitzer?

Eine Immobilie gehört allen, die im Grundbuch stehen – in der Regel sind das beide Partner. Ob das Haus damals eigentlich nur von einer Seite finanziert wurde, spielt dann keine Rolle mehr. Wenn Sie ausziehen, können Sie auf eine sogenannte Nutzungsentschädigung klagen. Das geht aber in der Regel frühestens nach Ende des Trennungsjahres.

Wurde das Haus in die Ehe eingebracht und der Partner nicht ins Grundbuch eingetragen, darf er unter Umständen trotzdem weiter dort wohnen. Dafür muss er nachweisen, dass er existenziell auf die Nutzung angewiesen ist – im Extremfall fünf Jahre lang.

Generell gilt: Der Wert des Hauses wird zum Zeitpunkt der Trennung berechnet, beide haben Anspruch auf die Hälfte. Dazu zahlt entweder ein Partner den anderen aus oder es wird verkauft und der Erlös geteilt. 

Worauf sollten Selbstständige achten?

Bei Selbstständigen kann es knifflig werden. Sowohl der Streitwert der Scheidung als auch ein eventueller Unterhalt werden am Nettoeinkommen bemessen. Während bei Angestellten eine Gehaltsauskunft relativ einfach zu beschaffen ist, können diese Infos bei Selbstständigen kaum überprüft werden.

Als Anhaltspunkt gilt der letzte Steuerbescheid. Wenn Sie Ihren selbstständigen Ex-Partner verdächtigen, viel zu geringe Gewinne anzugeben, sollten Sie dies so detailliert wie möglich nachweisen – etwa durch Angaben zu seinem Lebensstil, der nur durch höhere Einkünfte möglich sein kann.

Unser Tipp: Partner von Selbstständigen sollten ab dem Trennungsjahr auf ungewöhnliche und hohe Abschreibungen achten, die das bei einer Scheidung anzurechnende Einkommen des Partners mindern.

Mit einer Trennung ist in manchen Fällen auch ein gemeinsames Geschäft Geschichte. Im Idealfall ist im Gesellschaftervertrag auch eine Trennung oder der Scheidungsfall geregelt. Ist dies nicht geschehen, bleiben nur drei Möglichkeiten:

  • der eine Geschäftspartner zahlt den anderen aus
  • das Unternehmen wird verkauft und der Gewinn geteilt
  • das Unternehmen wird aufgelöst 

Die letzte Variante wäre jedoch die schlechteste Lösung, denn in diesem Fall gehen beide leer aus.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Interview von Johannes Büchl mit Sevtap Oygün, Fachanwältin für Familienrecht für t-online.de

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