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Bausparvertrag kündigen: Teure Fallstricke vermeiden


Ansparphase – Darlehensphase  

Bausparvertrag kündigen: Teure Fallstricke vermeiden

26.03.2019, 06:19 Uhr | sm, t-online.de

Bausparvertrag kündigen: Teure Fallstricke vermeiden. Rohbau und Baupläne: Viele Häuslebauer verwirklichen den Traum vom eigenen Haus mit einem Bausparvertrag. (Quelle: Getty Images/gopixa)

Rohbau und Baupläne: Viele Häuslebauer verwirklichen den Traum vom eigenen Haus mit einem Bausparvertrag. (Quelle: gopixa/Getty Images)

Geänderte Lebensumstände oder ein plötzlicher Kapitalbedarf – schon keimt die Idee, den Bausparvertrag zu kündigen. Grundsätzlich kann der Bausparer den Vertrag vorzeitig beenden. Dabei gilt es jedoch, teure Fallstricke zu vermeiden.

Ein Bausparvertrag kann in jeder Phase gekündigt werden. Doch die vorzeitige Kündigung eines Bausparers sollte sehr genau überlegt sein. Ob die Auflösung eines Bausparvertrags mit finanziellen Nachteilen verbunden ist, hängt vom Zeitpunkt der Kündigung ab. Insbesondere kommt es darauf an, ob sich der Bausparvertrag in der Anspar- oder Darlehensphase befindet.

Bausparvertrag: Ein Bausparvertrag beläuft sich auf eine vertraglich festgelegte Bausparsumme. Er wird in zwei Phasen unterteilt: die Ansparphase und die Darlehensphase. Letztere tritt ein, wenn der Bausparvertrag zuteilungsreif wird. Das heißt, die angesparte Summe und das Darlehen werden ausgezahlt und die Tilgung beginnt.

Bausparvertrag kündigen während Ansparphase

In der Ansparphase gilt für die Auflösung eines Bausparvertrags eine mindestens dreimonatige Kündigungsfrist. Wird diese Frist eingehalten, bekommt der Bausparer nach Wirksamkeit der Kündigung die eingezahlte Ansparsumme ausgezahlt. Zusätzliche, mit der fristgemäßen Kündigung verbundene Gebühren, sollten nicht anfallen.

Teuer wird es hingegen, wenn der Bausparvertrag vor Ablauf der Kündigungsfrist aufgelöst wird. Zwar bekommt der Bausparer die bis zum Kündigungszeitpunkt eingezahlte Sparsumme inklusive Zinsen ausgezahlt. Allerdings verlangen in diesem Fall viele Bausparkassen eine Vorfälligkeitsentschädigung. Sie beläuft sich in der Regel auf monatlich ein Prozent der Bausparsumme und das für die Anzahl der Monate, die der Bausparvertrag vor Ablauf der regulären Kündigungsfrist aufgelöst wurde.

Vorfälligkeitsentschädigung: Wird ein Kredit während der regulär vereinbarten Laufzeit gekündigt, fordert das Kreditinstitut in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung. Wie der Name sagt: eine Entschädigung, die zum Beispiel Banken oder Sparkassen bei Vertragsauflösung vor der Fälligkeit zusteht. Während bei Ratenkrediten seit dem 10. Juni 2010 maximal ein Prozent auf die Restschuld fällig werden, ist die Höhe bei Bausparverträgen sowie auch Ratenkrediten vor diesem Stichtag nicht gesetzlich geregelt.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Wird der Bausparvertrag vor der gesetzlichen Bindungsfrist von sieben Jahren gekündigt, verlieren die Sparer die staatliche Wohnungsbauprämie. Zudem wird die Gebühr, die beim Abschluss des Vertrages fällig wurde, oftmals nicht zurück erstattet. Dies fällt umso stärker ins Gewicht, je kürzer die Laufzeit des Vertrages ist. Auch kann über die gekündigte Ansparsumme nicht sofort verfügt werden.

Staatliche Wohnungsbauprämie: Die staatliche Wohnungsbauprämie fließt erst nach einer Vertragslaufzeit von sieben Jahren. Die Gelder müssen in der Regel für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Darunter fallen der Bau, der Kauf, die Sanierung oder das Renovieren von Immobilien – sei es ein Haus oder eine Wohnung.

Die Auszahlung des Guthabens kann zwischen drei und sechs Monate dauern. Der Anspruch auf das mit dem Bausparvertrag verbundene zinsgünstige Darlehen entfällt mit der Kündigung.

Bausparvertrag auflösen während Darlehensphase

Die Kündigung des Bausparvertrages während der Darlehensphase erfolgt häufig, wenn der Bausparer die Bausparkasse wechseln oder anderweitig umschulden will. Sie ist unkomplizierter und lohnt, wenn die neue Finanzierung günstiger als die alte ist. Dabei handelt es sich eher um eine Ablösung des Darlehens als um eine Kündigung.

Sind laut Bausparvertrag Sondertilgungen möglich, sind mit einer Kündigung keine finanziellen Nachteile verbunden. Die Bausparer müssen nur noch die Restschuld – in Form der Sondertilgung – bezahlen. Gegebenenfalls fallen dafür geringe Bearbeitungsgebühren an.

Sondertilgung: Mit einer Sondertilgung – also eine Extrazahlung des Sparers – kann die vertraglich vereinbarte Zuteilungsreife des Vertrages früher erreicht werden. Das ist der Zeitpunkt, an dem der Bausparer über das Immobiliendarlehen verfügen kann.

Wie den Bausparvertrag kündigen?

Für die Kündigung eines Bausparvertrags reicht ein formloses Kündigungsschreiben. Auf diesem sollten neben dem Namen und der Anschrift des Kündigenden auch die Nummer des Bausparvertrags und das Kündigungsdatum erfasst sein. Eine Bankverbindung, auf die die Bausparkasse das Geld überweisen soll, erleichtert die Abwicklung.

Alternativ bieten die Bausparkassen auf ihrem Internetauftritt oftmals entsprechende Formulare, die online ausgefüllt oder heruntergeladen werden können.

In der Regel wird die Bausparkasse die Kündigung mit einer entsprechenden Frist bestätigen.

Alternativen zur Kündigung

Schnellere Zuteilungsreife dank Sondertilgung

Es gibt die Möglichkeit der schnelleren Zuteilungsreife. Zuteilungsreif wird ein Bausparvertrag, wenn mindestens 40 Prozent der vertraglich vereinbarten Ansparsumme erreicht ist. Ist dies der Fall, können Bausparer das Immobiliendarlehen beanspruchen. Dies lohnt vor allem für Bausparer, die kurz vor der Zuteilungsreife sind und mit einer Extrazahlung diese schneller erreichen können. Das bedeutet: Mit einem kleinen Sonderbetrag können Bausparer dann über die größere Darlehenssumme verfügen.

Senken der Bausparsumme

Die vertraglich vereinbarte Bausparsumme kann auch gemindert werden. Damit wird der Vertrag schneller zuteilungsreif und auf das – damit aber auch verringerte Darlehen – kann schneller zugegriffen werden.

Teilen des Bausparvertrages

Bausparer können ihren Bausparvertrag auch aufteilen. Der eine Teil läuft zu den vertraglich vereinbarten Konditionen weiter und der andere Teil wird schneller ausgezahlt. Aufgrund der Aufteilung des Vertrages wird die Zuteilungsreife des einen Teils schneller erreicht. Somit kann der Sparer schneller über das – ebenfalls in der Höhe angepassten – Darlehen verfügen. Bausparkassen legen üblicherweise Mindestauszahlungssummen fest.

Bausparvertrag verkaufen

Es gibt zudem die Möglichkeit, einen bestehenden Bausparvertrag zu verkaufen. Die Kündigungsfrist entfällt und der Sparer kommt früher an sein Geld. Das geht zum Beispiel durch Abtretung an einen Familienangehörigen oder durch den Verkauf an einen Finanzdienstleister. Die Zustimmung der Bausparkasse ist in beiden Fällen nicht erforderlich.

Bei der Abtretung des Bausparvertrags geht dieser in gleicher Form an den neuen Besitzer über. Die entsprechenden Informationen müssen an die Bausparkasse übermittelt werden, die dann die Vertragsdaten anpasst. Beim Verkauf an einen Finanzdienstleister übernimmt dieser die Abwicklung.

Welcher Preis bei einer Abtretung oder dem Verkauf erzielt werden kann, richtet sich nach:

  • angespartes Bausparguthaben
  • verbleibende Vertragslaufzeit
  • vertragliche Verzinsung

Finanzdienstleister verlangen oftmals ein angespartes Mindestguthaben. Bausparer, die einen Verkauf ihres Bausparvertrags in Erwägung ziehen, sollten mehrere Angebote verschiedener Aufkäufer einholen.


Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Nachrichtenagentur dpa

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