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Typologie der nervigsten Nachbarn

dpa, Antonia Lange; rw

Aktualisiert am 26.07.2016Lesedauer: 5 Min.
Ruhezeiten gelten auch fĂŒr Liebespaare. Wer beim Sex zu laut ist, riskiert Ärger mit dem Nachbarn.
Ruhezeiten gelten auch fĂŒr Liebespaare. Wer beim Sex zu laut ist, riskiert Ärger mit dem Nachbarn. (Quelle: Westend61/imago-images-bilder)
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Gerade dort, wo viele Menschen unter einem Dach zusammenleben, geht es nicht ohne gegenseitige RĂŒcksichtnahme, wenn der Hausfrieden gewahrt bleiben soll. Doch man kann sich seine Nachbarn ja nun einmal nicht aussuchen. Hin und wieder sind auch echte NervensĂ€gen darunter. Ob Kettenraucher, Partytiere oder auch Kontrollfreaks: Eine Typologie der nervigsten Nachbarn und wie Sie am besten damit umgehen. So bewerten die Gericht die hĂ€ufigsten GrĂŒnde fĂŒr Nachbarschaftsstreits.

So viel gleich vorweg: Den meisten Menschen ist an einem friedlichen Zusammenleben gelegen und sie verhalten sich entsprechend. Das haben zahlreiche Nachbarschafts-Studien immer wieder belegt.


Foto-Show: Die nervigsten Nachbar-Typen

Die Liebenden: Sex
Die Liebenden: Streit
+5

Die meisten Menschen wollen gut mit ihrem Nachbarn auskommen

Auch eine nicht reprĂ€sentative Umfrage auf zuhause.de, an der sich bislang rund 16.000 Leser beteiligt haben, deutet auf große HarmoniebedĂŒrftigkeit hin. Nicht einmal jeder FĂŒnfte unternimmt gleich drastische Schritte und beschwert sich bei der Polizei (13,6 %) oder dem Vermieter (5,1 %), um einen Nachbarn, der ihn stört, zur Raison zu bringen. Fast die HĂ€lfte (48,9) hingegen sucht das persönliche GesprĂ€ch und versucht, die Situation gĂŒtlich zu klĂ€ren. Immerhin ĂŒber 16 Prozent der Befragten haben sogar so gute Beziehungen zu ihrer Nachbarschaft, dass sie sich Störungen von der Seite gar nicht vorstellen können.

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Typologie der nervigsten Nachbarn

Und trotzdem gibt es sie – die rĂŒcksichtslosen oder manchmal schlichtweg gedankenlosen Zeitgenossen, die lĂ€rmen, mĂŒllen oder mĂŒffeln. Die sich entweder nicht an die gĂ€ngigen Regeln des Zusammenlebens halten oder als Kontrollfreak jeden kleinsten Verstoß zum Anlass fĂŒr Beschwerden nehmen. Manches muss, manches sollte man erdulden. Doch nicht alles muss man sich gefallen lassen. Wir haben einige der nervigsten Nachbar-Typen zusammengetragen:

Raucher mĂŒssen RĂŒcksicht nehmen

DER RAUCHER: Im Sommer hat er Hochsaison, aber auch Minusgrade können ihn nicht wirklich stoppen. Der Raucher hat in seiner Wohnung einen Lieblingsort: den Balkon. Dumm fĂŒr Nachbarn, die frische Luft schnappen oder ihre WĂ€sche lĂŒften wollen. Legt der Raucher keinen Wert auf Frischluft, kann der Dunst sogar noch dicker kommen.

Der aus zahlreichen Medienberichten bekannte Rentner Friedhelm Adolfs aus DĂŒsseldorf beispielsweise lĂŒftete trotz massiver Beschwerden immer wieder ins Treppenhaus, statt durch das Fenster. Gegen die folgende fristlose KĂŒndigung klagte er sich durch alle Instanzen. Zuletzt hat der Bundesgerichtshof (BGH) das verfahren an die Vor-Instanz wegen Rechtsfehlern bei der Urteilsfindung zurĂŒck verwiesen.

GrundsĂ€tzlich dĂŒrfen aber alle Mieter und EigentĂŒmer in ihren Wohnungen und auch auf dem Balkon so viel rauchen wie sie wollen. Nur in besonders gelagerten EinzelfĂ€llen haben Gerichte bislang EinschrĂ€nkungen fĂŒr rechtens erklĂ€rt. Raucher mĂŒssen aber RĂŒcksicht nehmen und die BelĂ€stigungen fĂŒr nichtrauchende Nachbarn so gering wie irgend möglich halten. Die haben auch die BGH-Richter betont. Das sind die wichtigsten Regeln zum Rauchen im Miet- und Nachbarschaftsrecht.

Nicht jeder LÀrm ist eine unzulÀssige Ruhestörung

DIE FAMILIE/DAS SCHREIKIND: Wenn der kleine Lars-Ole nachts nicht schlafen kann, trifft das nicht nur seine Eltern. Auch wer die Wohnungen, ĂŒber, unter und neben dem Kinderzimmer gemietet hat, bleibt von nĂ€chtlichen TrĂ€nen, den Auswirkungen erster ZĂ€hne und TobsuchtsanfĂ€llen nicht verschont.

Doch hier ist Toleranz gefragt. Kinder haben nun einmal keinen Aus-Schalter. Ulrich Ropertz, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Mieterbundes (DMB), bringt es auf den Punkt: "Wenn Kleinkinder oder SĂ€uglinge nachts schreien, hat man als Nachbar schlicht und ergreifend Pech." Gerichte bestĂ€tigen immer wieder, dass Kinder- und Babygeschrei auch außerhalb der Ruhezeiten von den Nachbarn hinzunehmen ist.

DIE PARTYTIERE: Anders sieht es mit nĂ€chtlicher Feierei aus. "Heute wird es etwas lauter", ist der Standardspruch der Partytiere – meistens eilig auf einen Zettel im Hausflur gekritzelt. In der Praxis bedeutet das: HĂ€mmernde BĂ€sse die ganze Nacht, knallende TĂŒren und lautes Getrampel. Auf die Bitte der Nachbarn, ob man etwas leiser sein könne, gibt es oft diese Antwort: "Feiert doch einfach mit!" Verlockend, wenn man am nĂ€chsten morgen frĂŒh zur Arbeit muss.

Als Nachbar kann man aber verlangen, dass die nĂ€chtlichen Ruhezeiten eingehalten werden. Es gibt kein Recht auf Party in der Wohnung. Dass man einmal im Monat, im Quartal, oder im Jahr so lange und so ausgelassen feiern darf, wie man möchte, ist ein Mythos des Miet- und Nachbarschaftsrechts, der sich zwar erstaunlich hartnĂ€ckig hĂ€lt, fĂŒr den es aber nicht die geringste Rechtsgrundlage gibt. Das sind die wichtigsten Regeln zur Ruhestörung im Miet- und Nachbarschaftsrecht.

DIE LIEBENDEN: Die schriftliche AnkĂŒndigung "Heute wird es etwas lauter" haben einzelne Nachbarn schon mit "So lange es nicht so laut ist wie deine Freundin heute Nacht..." kommentiert. Egal ob Juchzen, Schreien, Stöhnen oder minutenlanges Rumsen des Bettes an die Wand – wohnt ein Liebespaar nebenan, ist das nicht selten mit einigem LĂ€rm verbunden. LĂ€uft es zwischen den beiden nicht mehr so rosig, wird es auch nicht stiller: Dann fliegt schon mal Geschirr oder im Extremfall gar der Fernseher aus dem Fenster.

TatsĂ€chlich sind sich die Gerichte darin einig, dass sowohl lautes Sex-Gestöhne als auch stĂ€ndige lautstarke Streitereien eine unzulĂ€ssige Ruhestörung darstellen können. So entschieden unter anderem die Amtsgerichte in Warendorf (Az.: 5 C 414/97) und in Bergisch-Gladbach (Az.: 64 C 125/00). Liebende mĂŒssen sich also sowohl im Streit als auch bei der Versöhnung eine gewisse ZurĂŒckhaltung auferlegen. Weitere Gerichtsurteile zur Ruhestörung.

Hausordnung regelt das Zusammenleben unter einem Dach

DER KONTROLLFREAK: Kaugummi-Papier im Treppenhaus oder Plastikflaschen im BiomĂŒll? Nicht mit ihm. In fast jedem Mietshaus gibt es einen, der aufpasst – und notfalls bei jedem Nachbarn einzeln klingelt und fragt, wer den MĂŒll wieder in die falsche Tonne geworfen hat. Beliebte DrohgebĂ€rde auf Flur-AushĂ€ngen: "Die Mehrkosten zahlen wir alle!"

DIE BREITMACHER: Auf der anderen Seite stehen jene, denen die eigene Wohnung schlichtweg nicht genug ist und die zusĂ€tzlich weite Teile der GemeinschaftsrĂ€ume fĂŒr sich beanspruchen: Jeden Zentimeter Flur vor der eigenen TĂŒr nutzt der Breitmacher aus. Schuhe stapeln sich bergeweise auf der Fußmatte, daneben stehen Pflanzen, ein Fahrrad und im Winter noch der Holzschlitten. "GrundsĂ€tzlich endet die Wohnung an der TĂŒr", mahnt DMB-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Ropertz. "Da kann nicht jeder seinen Claim abstecken."

Grundlage fĂŒr das Zusammenleben mehrerer Wohnparteien unter einem Dach ist die Hausordnung. In ihr können beispielsweise Ruhezeiten, Reinigungspflichten fĂŒr GemeinschaftsrĂ€ume wie Treppenhaus und Waschkeller oder auch Vorgaben zu AbstellflĂ€chen fĂŒr FahrrĂ€der, KinderwĂ€gen und Co. geregelt sein. "Jeder Mieter kann von den anderen Hausbewohnern grundsĂ€tzlich die Einhaltung der Hausordnung verlangen", schreibt zwar der DMB.

Trotzdem kann man im Sinne des nachhaltigen hĂ€uslichen Friedens nur an alle Beteiligten appellieren, es mit dem eigenen Kontroll-BedĂŒrfnis nicht zu ĂŒbertreiben. Laut einer reprĂ€sentativen Umfrage zu Mobbing in der Nachbarschaft aus dem Jahr 2012 fĂŒhlten sich 39 Prozent der Deutschen schon einmal von einem Nachbarn schikaniert. Bei 40 Prozent davon waren ĂŒbertriebene, stĂ€ndige Kontrollen das Mittel der Schikane.

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