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Kündigung wegen Krankheit: Ist das gerechtfertigt?

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall  

Kündigung wegen Krankheit: Ist das gerechtfertigt?

15.03.2018, 14:05 Uhr | Tobias Hanraths, dpa-tmn, t-online.de

Kündigung wegen Krankheit: Ist das gerechtfertigt?. Ein Mann putzt sich die Nase. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/MilanMarkovic)

Erkältungen sind kein Kündigungsgrund – es gibt aber auch Ausnahmen. (Symbolbild) (Quelle: MilanMarkovic/Thinkstock by Getty-Images)

Viele Arbeitnehmer haben Angst vor einer Kündigung wegen Krankheit. Setzt eine hartnäckige Grippe Sie mal mehrere Tage außer Gefecht, müssen Sie jedoch nichts befürchten. Nur wenn sich über das Jahr verteilt zu viele Krankheitstage anhäufen, kann es brenzlig werden.

Kündigung wegen Krankheit kann rechtens sein

Sollten Sie im Jahr einmal mehrere Tage krank sein, darf Ihr Arbeitgeber Sie nicht einfach kündigen. Wichtig ist dabei, dass sich die Krankheitstage im Rahmen halten. Laut dem Nachrichtenportal "Spiegel Online" liegt dieser Rahmen bei insgesamt sechs Wochen. Wenn ein Arbeitnehmer über das Jahr verteilt länger als sechs Wochen krankheitsbedingt ausfällt, kann es zur betrieblichen Beeinträchtigung kommen, die eine Kündigung rechtfertigen würde. Der Kündigungsschutz tritt häufig erst nach Ablauf der Probezeit ein. Im ersten halben Jahr muss der Arbeitgeber sich deshalb für eine Kündigung nicht rechtfertigen, auch nicht wenn eine Krankheit der Grund ist. Das gilt unabhängig davon, ob eine Probezeit vereinbart ist und wie lang diese dauert.

Kein Anspruch auf Lohn bei Krankheit

Unter Umständen muss der Arbeitgeber dem nicht arbeitsfähigen Arbeitnehmer bei einer Kündigung wegen Krankheit den Lohn aber weiter bezahlen – und zwar über den Termin der Kündigung hinaus bis zum Ende der Arbeitsunfähigkeit. Das soll den Angaben nach verhindern, dass sich Arbeitgeber per Kündigung um die Pflicht der Entgeltfortzahlung drücken. In den ersten vier Wochen des Arbeitsverhältnisses haben Angestellte allerdings generell keinen Anspruch auf Lohn bei Krankheit. Stattdessen bekommen sie Krankengeld von der Krankenkasse. Der Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall endet zudem sechs Wochen nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit - auch nach einer Kündigung.

Es besteht die Aussicht auf Genesung

Es muss auch abzusehen sein, dass es in Zukunft keine Besserung gibt. Das geht aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommern hervor (Az.: 2 Sa 158/16), auf das der Rechtsprechungs-Report Arbeitsrecht (Ausgabe 7/2017) der Neuen Zeitschrift für Arbeitsrecht hinweist. Bricht sich ein Arbeitnehmer beispielsweise ein Bein und ist aus diesem Grund länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, besteht jedoch kein Kündigungsgrund. Hier wird von Pech gesprochen und die Aussicht auf Genesung ohne weitere Arbeitsbeeinträchtigung sei im Normalfall auch gegeben, so Alexander Birkhan, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei "Dornbach Rechtsanwälte" in Koblenz. 

Erkrankt jemand ständig an grippalen Infekten oder anderen Ansteckungskrankheiten, kommen schnell mehr als sechs Wochen im Jahr zusammen. Auch dann kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer rechtmäßig kündigen. Denn jemand, der häufig krank wird, bringt eine negative Prognose für die Zukunft.

Schwere Erkrankung mit negativer Prognose kann Kündigungsgrund sein

Sollte ein Arbeitnehmer aufgrund einer schweren Krankheit länger ausfallen, kann auch die Prognose eine Kündigung wegen Krankheit rechtfertigen. Hierbei muss arbeitsrechtlich immer das Risiko für die Firma im Auge behalten werden.

Leidet ein Arbeitnehmer beispielsweise unter einem Bandscheibenvorfall mit negativer Prognose, ist das Risiko bezüglich Arbeitskraftausfall und Kostenaufwand für den Arbeitgeber sehr hoch. Eine Kündigung wegen Krankheit kann in diesem Fall die Folge sein.

Kündigung dank positiver Prognose seitens des Arztes verhindern

Die Beweislast hinsichtlich der Prognose liegt beim Arbeitnehmer. Wenn Sie wegen einer schweren Krankheit und dem damit zusammenhängenden Risiko gekündigt werden, können Sie die Kündigung mit einer positiven Prognose vonseiten Ihres Arztes unter Umständen verhindern. Grundsätzlich ist es immer eine Einzelfallentscheidung.

Eine Erkrankung stellt keinen Kündigungsschutz dar

Viele Arbeitnehmer unterliegen dem Irrglauben, dass eine Kündigung während einer Erkrankung unwirksam sei. Eine Erkrankung stellt jedoch keinen Kündigungsschutz dar. Diese Annahme geht vermutlich auf das in § 8 verfasste Entgeltfortzahlungsgesetz zurück. Dieses legt fest, dass ein Arbeitgeber nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses weiter Entgeltfortzahlungen leisten muss, wenn der Arbeitnehmer aufgrund der Arbeitsunfähigkeit gekündigt wurde. Dann muss der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlungen leisten.

Krankheitsbedingte Kündigung – erst nach sechs Wochen Krankheit möglich

Der Arbeitnehmer muss also länger als sechs Wochen krank sein, damit der Arbeitgeber überhaupt eine Kündigung aussprechen kann. Wenn er länger als diese sechs Wochen krank ist, kann er eine Kündigung außerdem dann verhindern, wenn er eine positive Genesungsprognose vorlegen kann.

Der Arbeitgeber muss ansonsten bei einer krankheitsbedingten Kündigung beweisen, dass keine Aussicht auf Genesung besteht. All diese Regelungen gelten auch für Behinderte, sofern die Krankheit nicht auf die Behinderung selbst zurückzuführen ist.

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