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Rente in Deutschland: Diese Ideen sollen sie sichern

Großer Überblick  

Diese Ideen sollen die Rente in Deutschland sichern

27.06.2021, 16:52 Uhr
Rente in Deutschland: Diese Ideen sollen sie sichern. Ältere Frau schaut aus dem Fenster (Symbolbild): Die gesetzliche Rente steht vor einem Finanzproblem. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/fizkes)

Ältere Frau schaut aus dem Fenster (Symbolbild): Die gesetzliche Rente steht vor einem Finanzproblem. (Quelle: fizkes/Thinkstock by Getty-Images)

Ende September wählt Deutschland eine neue Kanzlerin oder einen neuen Kanzler. Was er oder sie mit als Erstes angehen muss, ist eine Reform der gesetzlichen Rente. Folgende Ideen sind auf dem Markt.

In drei Monaten sind Bundestagswahlen. Neben Corona und der Klimakrise spielt vor allem die gesetzliche Rente eine zentrale Rolle in der Debatte. Sie steht nämlich vor einem großen Finanzierungsproblem.

Auf immer mehr Rentner kommen immer weniger Beitragszahler. In wenigen Jahren gehen die sogenannten Babyboomer in Rente, also jene Menschen, die in den 1960er-Jahren geboren wurden, als die Geburtenraten stark anzogen.

Ideen zur Sicherung der Rente sowie Stellschrauben, an denen die Politik drehen kann, gibt es einige. t-online erklärt die wichtigsten Vorschläge – und wie wahrscheinlich ihre Umsetzung ist.

Wichtig: Wir betrachten nur Vorschläge, die darauf abzielen, die Rente zu sichern. Ein höherer Mindestlohn hat zum Beispiel womöglich Auswirkungen auf die Rentenfinanzen, primär jedoch andere Intentionen. Zudem betrachten wir die Vorschläge voneinander gelöst, um sie besser erklären zu können. In der Realität wird womöglich nicht nur eine Maßnahme ausreichen, vielmehr wird es ein Zusammenspiel aus mehreren Vorschlägen geben, um die gesetzliche Rente langfristig stabil zu halten.

Renteneintrittsalter anheben

Aktuell ist das Renteneintrittsalter für Menschen, die nach 1964 geboren sind, bei 67 Jahren festgeschrieben. Es gibt mehrere Vorschläge, dieses Alter darüber hinaus anzuheben. Auf diese Weise würden die geringe Zahl an Erwerbstätigen länger in die Rentenversicherung einzahlen und später als Rentner im Schnitt kürzer Leistungen kassieren.

Zuletzt sorgte der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums mit der Idee für Aufsehen, das Renteneintrittsalters weiter an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Gemäß den derzeitigen Prognosen der Lebenserwartung werde mit einer solchen Regel 2042 ein Renteneintrittsalter von 68 Jahren erreicht, berechnete der Beirat. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ökonomen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) legten sogar noch einmal nach: Sie fordern eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ab dem Jahr 2052. Die von den Regierungsberatern geforderte Erhöhung des Rentenalters auf 68 Jahre ab 2042 werde nicht ausreichen, heißt es in einer entsprechenden IW-Studie.

"Mit einer fortgesetzten Anhebung der Regelaltersgrenze bis auf 70 Jahre ab 2052 ließe sich der Beitragssatzanstieg aber bremsen und gleichzeitig das Sicherungsniveau stabilisieren", erklärte IW-Studienautor Jochen Pimpertz.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Sehr wahrscheinlich. Die Frage ist lediglich, wie stark das Rentenalter steigen wird. Dass es aber über das 67. Lebensjahr hinaus anzieht, gilt als relativ ausgemacht – auch wenn Union und SPD es aktuell noch verneinen, und auch die Grünen einen Anstieg verhindern möchten. Experten mahnen jedoch, dass es bei der Umsetzung in jedem Fall Ausnahmen für bestimmte Berufsgruppen braucht, etwa Handwerker.

Auch viele Ökonomen sprechen sich dafür aus. "Die eleganteste Lösung wäre eine langsame, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters", sagte etwa Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) bei der Vorstellung der sogenannten Gemeinschaftsdiagnose. Ein höheres Rentenalter könne die Staatsfinanzen stützen, ohne bei wichtigen Zukunftsinvestitionen auf die Bremse treten zu müssen.

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts und einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen, sagte t-online jüngst: "Der Anstieg der Rentenbeiträge lässt sich durch ein höheres Renteneintrittsalter spürbar begrenzen, wenn auch nicht ganz verhindern."

Doch es gibt auch kritische Stimmen. So sieht der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, keine Notwendigkeit für eine jetzige Diskussion um ein höheres Renteneintrittsalter.

"Mir ist nicht ersichtlich, warum man jetzt schon darüber reden sollte, was danach in den 2030er-Jahren mit dem Renteneintrittsalter passiert. Ob jemand in den 2030ern einen Monat früher oder später in Rente gehen darf, muss niemand zur Planungssicherheit bereits heute wissen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Rentenalter flexibilisieren

Bislang richtet sich das Renteneintrittsalter streng nach dem Geburtsjahrgang – wer vor dem Rentenalter in Rente gehen möchte, muss mit hohen Abschlägen rechnen. Ausnahmen gibt es nur für Menschen, die besonders lange in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Zurzeit liegen mehrere Vorschläge auf dem Tisch, das Renteneintrittsalter künftig zu flexibilisieren. So fordert die FDP etwa ein Rentenmodell wie in Schweden. Neben einer Aktienrente (siehe unten) soll jeder selbst entscheiden dürfen, wann sie oder er in Rente geht.

Auch CDU-Politiker hatten eine solche Idee ins Spiel gebracht. Sie glauben, dass so mehr Anreize geschaffen werden, länger zu arbeiten. Die Christdemokraten ziehen nun mit dem Vorschlag in den Wahlkampf, die Abschläge zu erhöhen, falls man früher Rente beziehen möchte – und umgekehrt Zuschläge zu erhalten, wenn man länger arbeitet.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Recht unwahrscheinlich. Dass das Rentenalter in Deutschland so flexibel wird wie in Schweden, ist fraglich; die Kritik an der Idee zu deutlich: So führen Sozialexperten an, dass durch ein flexibles Rentenalter möglicherweise ein höheres Rentenalter "durch die Hintertür" etabliert wird.

Möglich jedoch, dass die Anreize, länger zu arbeiten, angepasst werden, wie es die CDU vorhat. Auch die Grünen wollen etwas flexiblere Übergänge in die Rente, etwa durch "eine attraktive Teilrente ab 60 Jahren" oder bessere Hinzuverdienstregeln über das Rentenalter hinaus.

Selbstständige und Beamte einbeziehen

Beamte zahlen bislang noch nicht in die gesetzliche Rente ein, sie erhalten eine Beamtenpension. Mehr dazu lesen Sie hier. Doch auch die meisten Selbstständigen und Freiberufler sind ebenfalls nicht in der gesetzlichen Rente pflichtversichert. Das gilt etwa für Künstler, Publizisten oder Sporttrainer.

Sozialminister Hubertus Heil (SPD) hat nun ins Spiel gebracht, alle Selbstständigen in die Rente einzubeziehen. "Je mehr einzahlen, desto besser für die Stabilität der Rentenkasse", sagte Heil Anfang Juni.

Der Vorschlag ist dabei nicht neu, immer wieder kommen solche Ideen hoch. So forderten die Linken im Herbst 2020, dass künftig Beamte in die Rentenkasse einzahlen, genau wie in Österreich. Auch die Grünen wollen mit einer "Bürgerversicherung" auch Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rente einzahlen lassen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Dass künftig mehr Selbstständige in die gesetzliche Rente einzahlen müssen, gilt als recht wahrscheinlich. Dass jedoch Beamte pflichtversichert werden – und somit die Beamtenpension abgeschafft wird – ist aktuell nahezu ausgeschlossen.

Fakt ist: Eine solche komplette Systemänderung ist kompliziert und kann die Rentenkasse erst einmal belasten. Zudem ist mit erheblichem Widerstand der Beamten zu rechnen, die auch emotional stark an ihren Pensionen hängen.

Top-Ökonom Clemens Fuest hält solche Vorschläge ebenfalls nicht für zielführend. "Es gäbe dann zwar mehr Leute, die in die Rente einzahlen. Gleichzeitig gibt es jedoch mehr Menschen, die Anspruch auf die Rente haben", sagte er t-online. Das heißt: Das Problem wird nicht gelöst, nur wenn mehr Menschen einzahlen.

Fuest: "Man kann so mehr umverteilen, aber das grundlegende Problem, dass immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner versorgen müssen, wird dadurch nicht entschärft."

Zuwanderung fördern

Eine Idee, um dauerhaft mehr Beitragszahler zu gewinnen ist, die Zuwanderung deutlich zu steigern. So schlägt die FDP etwa vor, Deutschland nach kanadischem Vorbild attraktiv für Einwanderer zu machen – und so 500.000 Menschen pro Jahr nach Deutschland zu locken.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Relativ wahrscheinlich – allerdings nicht mit dem Ziel, die Rente zu sichern. Experten fordern das schon seit Längerem, um den Fachkräftemangel in Deutschland zu lösen.

Das Ziel von einer halben Millionen Menschen ist dabei zwar ambitioniert. Eine politische Mehrheit könnte sich aber durchaus finden, auch die Grünen sprechen sich für mehr Zuwanderung aus.

Rentenkasse stärker bezuschussen

Zurzeit fließen rund 100 Milliarden Euro Steuergelder aus dem Bundeshaushalt als Zuschuss an die Deutsche Rentenversicherung, den Träger der gesetzlichen Rente. Damit werden rund 30 Prozent der Ausgaben gedeckt.

Künftig könnte – zumindest theoretisch – deutlich mehr aus dem Bundeshaushalt fließen, und so womöglich 40 oder 50 Prozent der Rentenkosten bezahlt werden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Sehr unwahrscheinlich. Dass der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt etwas steigen wird, ist möglich. Doch Wirtschaftsexperten warnen davor, die Zuschüsse stark steigen zu lassen, da dafür andere Kosten und Investitionen eingespart werden müssen. "Wir können die Rentenkasse nicht unbegrenzt aus dem Bundeshaushalt subventionieren", sagte etwa Top-Ökonom Clemens Fuest im t-online-Interview.

Eine Alternative wäre, dass Deutschland dauerhaft mehr Schulden als bislang aufnehmen und sich von der Schuldenbremse verabschieden müsste. Das aber ist noch unwahrscheinlicher.

Aktienrente einführen

In Schweden beruht die gesetzliche Rente seit Jahren zum Teil auf einer breiten Aktienanlage. Die FDP schlägt ein solches Modell auch für Deutschland vor.

Alle Beitragszahler sollten zwei Prozent des Bruttoeinkommens in einem unabhängig verwalteten, vollständig aktienbasierten Fonds ansparen – wie üblich mit einem Arbeitnehmer- und einem Arbeitgeberbeitrag.

Von den 18,6 Prozent des jetzigen Rentenbeitrags sollen also zwei Prozentpunkte in den Aktienfonds, im Gegenzug würde der Beitrag zur umlagefinanzierten gesetzlichen Rente im selben Maße gesenkt. Mehr dazu lesen Sie hier. Daneben fordert die FDP eine Förderung der Zuwanderung sowie ein flexibles Rentenalter (siehe oben).

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Nicht sehr wahrscheinlich. Zwar haben sich auch Verbraucherschützer für eine solche Reform ausgesprochen. "Eine breit gestreute Aktienanlage sorgt für mehr Geld im Lebensalter", erklärte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, zur Idee einer Aktienrente.

Doch eine Mehrheit nach der Wahl wird es wohl kaum geben – vor allem Linke, SPD und Grüne sperren sich gegen die Idee einer Aktienanlage in der ersten Säule der Altersvorsorge. Wahrscheinlicher ist, dass die nächste Regierung einen Fonds auflegt, der beispielsweise Betriebsrenten oder die private Altersvorsorge unterstützt, wie die Grünen es planen.

Beiträge erhöhen

Bis 2025 sind die Beiträge zur Rente bei maximal 20 Prozent festgeschrieben, bislang liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Nach den aktuellen Vorausberechnungen bleibe er mindestens noch 2022 konstant, so die Rentenversicherung. "2023 könnte eine kleine Anhebung auf 18,7 Prozent erforderlich sein", heißt es.

Um die Rente jedoch zu finanzieren, könnten die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ansteigen – beispielsweise auf 22 Prozent, 11 Prozent für jeden also.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Recht wahrscheinlich. Zwar ist der Vorschlag, die Rentenbeiträge anzuheben, nicht sonderlich populär. Doch dass die Haltelinie über 2025 hinaus in der jetzigen Form gehalten werden kann, ist nur wenig realistisch.

Die Rentenkommission hatte bereits im Frühjahr 2020 vorgeschlagen, den Beitragssatz auf einen Korridor von 20 bis 24 Prozent zu steigern – über mehrere Jahre. Möglich ist also, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber bald mehr in die gesetzliche Rente einzahlen müssen.

Renten kürzen

Diese Idee ist mit Sicherheit der unpopulärste Vorschlag. Deshalb wird er auch kaum öffentlich geäußert oder diskutiert, obgleich er theoretisch möglich wäre.

Durch die staatliche Rentengarantie können Bestandsrenten zwar nicht sinken. Fallen aber kann das sogenannte Rentenniveau. Für Sie als Rentner bedeutet ein Absinken des Rentenniveaus zwar nicht automatisch, dass Ihre individuell gezahlte Rente sinkt. Sie steigt aber langsamer als die Einkünfte der Rentenbeitragszahler. Die Folge: Verglichen mit den Jüngeren können sich Ältere womöglich weniger leisten.

Bis 2025 gibt es beim Rentenniveau eine Haltelinie. Das heißt: Es darf nicht unter 48 Prozent fallen. Danach kann es also sinken.

Wie wahrscheinlich ist der Vorschlag?

Recht wahrscheinlich. Das Rentenniveau könnte dauerhaft sinken, fürchten zumindest Experten. Wegen der Finanzierbarkeit der Rente fordern Ökonomen bisweilen, die Haltelinie fürs Rentenniveau nach 2025 aufzugeben – oder zumindest weniger rigoros auszugestalten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Wissenschaftlicher Beirat beim BMWi: "Vorschläge für eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung"
  • Konzeptpapier von Johannes Vogel und Christian Dürr: "Für eine erfolgreiche Bewältigung des demographischen Übergangs – durch eine gesetzliche Aktienrente und Fachkräfteeinwanderung"
  • IW Köln: "HÖHERE REGELALTERSGRENZE: 68 reicht nicht"
  • Interview mit Clemens Fuest
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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