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So funktioniert die Wundheilung am besten

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Je frischer, desto weniger Fett  

So funktioniert die Wundheilung am besten

27.03.2018, 07:10 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

So funktioniert die Wundheilung am besten. Am Knie ist eine trockene Heilung aufgrund möglicher Einrisse nicht zu empfehlen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Liudmyla Supynska/Symbolbild)

Am Knie ist eine trockene Heilung aufgrund möglicher Einrisse nicht zu empfehlen. (Quelle: Liudmyla Supynska/Symbolbild/Thinkstock by Getty-Images)

Der Schnitt am Finger, die Schürfwunde am Knie oder eine Brandblase: Jede Wunde braucht eine andere Versorgung. Doch sind kaltes Wasser, Wundsalben und Pflaster immer das Richtige? Worauf man bei der Wundversorgung besonders achten sollte und was die größten No-Gos sind.

Vor allem ein Thema sorgt bei der Wundheilung immer wieder für Diskussionen am Verbandsschrank: Trocken oder feucht heilen lassen? "Tendenziell ist es für eine Wunde gut, wenn sie trocken heilen kann", erklärt Dr. Dirk Meyer-Rogge, Hautarzt aus Karlsruhe und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD). "Die trockene Kruste ist ein sicherer Abschluss der Wunde und hemmt die Bakterienvermehrung."

Wunden wenn möglich trocken heilen lassen

Wer zu dick Wundsalbe auftrage, schließe die Wunde luftdicht ab und riskiere, dass sich Bakterien vermehren. "Viele denken bei der Wundversorgung 'Viel hilft viel', doch das ist das größte No-Go", warnt Meyer-Rogge. "Mit einigen wenigen, aber zielgerichteten Maßnahmen erreichen Sie am meisten – auch was die Vorbeugung von Narben anbelangt."

Bei Schnittwunden ist Tapeverband die beste Wahl

So rät der Dermatologe, Schnitte mit einer Jodlösung zu desinfizieren und anschließend die Schnittkanten mit Tapeband zusammenzubringen. "Dann ist die Haut meist innerhalb von zwei Tagen wieder verheilt." Anders ist es, wenn die kleine Wunde klafft. Da sie von innen nach außen verheilt, braucht es bei der V-Form deutlich länger, bis sie sich verschließt. Auch das Risiko für eine Narbe steigt.

Schürfwunden bergen ein erhöhtes Infektionsrisiko

Bei Schürfwunden kommt es darauf an, wo sie sich befinden. Am Knie etwa ist eine trockene Heilung weniger empfehlenswert, da es durch die Spannung der Haut immer wieder zu Einrissen kommt. Dann sei es ratsam, die Wunde feucht und elastisch zu halten, so der Experte. Allerdings sei hier besondere Aufmerksamkeit und Hygiene vonnöten, denn gerade in Schürfwunden finden sich häufig Verschmutzungen. Das Risiko für Entzündungen ist erhöht. Schürfwunden daher am besten dünn mit einer Jodsalbe eincremen und mit einem luftdurchlässigem Pflaster schützen.

Bei Brandverletzungen zählt jede Sekunde

Bei Brandverletzungen zählt dem Dermatologen zufolge jede Sekunde. Es gilt zu verhindern, dass sich die Verbrennung in tiefere Hautschichten ausbreitet. Kaltes Wasser – so schnell wie möglich, lautet der Rat des Experten. Das sei das Einzige, worauf es ankomme. Ein Arzt solle bei größeren Verbrennungen erst gerufen werden, wenn die Brandverletzung ausreichend gekühlt sei. Erst danach sollte ein Arzt gerufen werden.

Je frischer die Wunde, desto weniger Fett

Kleinere Verletzungen können mit kühlen Umschlägen weiter versorgt werden. "Kalte Umschläge lindern den Schmerz und beruhigen die Haut. Ein kleiner Spritzer Essig im Wasser wirkt desinfizierend und zusammenziehend", weiß der Hautarzt. Eine Brandsalbe sollte erst etwas später Anwendung finden. "Je frischer die Brandverletzung ist, desto weniger Fett sollte die Brandsalbe enthalten." 

Vorsicht geboten ist bei Kühlpads. Der Dermatologe hatte bereits viele Patienten in seiner Praxis, die sich neben der Verbrennung auch Erfrierungen zugezogen haben. Mit größeren Brandverletzungen sollte man generell immer zu einem Arzt gehen. "Das Ausmaß der Verbrennung ist meist nur schwer einzuschätzen. Hier sollte ein Arzt die notwendige Wundversorgung vornehmen."

Blasen am Fuß kann man aufstechen

Wer sich nach einer langen Wanderung eine Blase gelaufen hat, kann diese vorsichtig aufstechen. Wichtig ist aber, dass die Nadel sauber und desinfiziert ist. Der Vorteil ist laut Meyer-Rogge, dass der Druck von der Wunde genommen wird. Auf keinen Fall aber dürfe der Blasendeckel entfernt werden. Dann liege die Wunde frei und sei Schmutz, Keimen und Reibung ausgesetzt.

Juckt die Wunde, ist das ein gutes Zeichen

Bluten Wunden, ist das laut dem Hautarzt zwar unangenehm, aber die reinigende Wirkung sei ein Vorteil. Auch kaltes Wasser zur Reinigung ist bei Schnitt- und Schürfwunden empfehlenswert. "Das Wasser säubert die Wunde, zieht die Gefäße zusammen, lindert die Blutung und wirkt schmerzstillend", erklärt Meyer-Rogge. Beginnt die Wunde zu jucken, ist das übrigens ein gutes Zeichen: "Eine Wunde, die heilt, juckt, da Histamin ausgeschüttet wird. Pocht die Wunde hingegen, weist das auf einen erhöhten Druck im Gewebe hin und ist meist mit einer Entzündung verbunden."

Zinksalbe zur Wundversorgung nur bedingt geeignet

Wundsalben mit den Wirkstoffen Panthenol, Urea, Jod, Heparin sowie Zwiebelextrakt sind laut dem Experten gut geeignet. Von Zinksalbe rät Meyer-Rogge eher ab. "Sie wirkt sehr stark austrocknend und ist eher bei chronischen Wunden, die viel Wundsekret bilden, in Verwendung." Auf die Narbenbildung lässt sich mit Salben nur begrenzt Einfluss nehmen. Es kommt vor allem darauf an, wie tief die Wunde ist. 

Tiefe Wunden und aktive Zellen führen zur Narbenbildung

Je mehr Gewebe in die Tiefe beschädigt ist, desto ausgeprägter wird die Narbe. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. "Bei der Wundheilung wachsen die Zellen aufeinander zu. Berühren sie sich, ist die Wunde also verschlossen, hört dieser Wachstumsprozess normalerweise auf. Es gibt allerdings Patienten, bei denen die Zellen weiter aktiv sind, obwohl die Wunde bereits verschlossen ist. Das Gewebe wächst dann wulstig nach oben. Wird dies als sehr störend empfunden, kann eine Laserbehandlung in Betracht gezogen werden", so der Hautarzt.

Wann mit einer Wunde zum Arzt?

Egal welche Verletzung man hat: Das Wichtigste ist, dass die Tetanusimpfung noch Schutz bietet. Den Impfpass sollte man daher im Blick behalten. "Mit einer Wunde sollten Sie zudem immer dann zum Arzt gehen, wenn sie Ihnen komisch vorkommt, beispielsweise stark schmerzt, blutet, Eiter bildet oder sehr tief ist. 

Auch wenn die Wunde stark pocht, gerötet ist oder sich ein roter Strich zeigt, sollte man in die Praxis kommen", rät Meyer-Rogge und ergänzt: "Auch mit größeren Wunden sollten Sie sich Hilfe holen. Das Argument 'Es tut aber gar nicht weh', zählt bei größeren Verletzungen also nicht. Je tiefer die Wunde ist, desto weniger schmerzt sie. Das liegt daran, dass die Nervenendigungen auf der Hautoberfläche sitzen."

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