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Die k├╝nstliche Niere wird 75 ÔÇô So wurde sie erfunden

dpa-afx, Ulrike vom Leszczynski

Aktualisiert am 28.03.2018Lesedauer: 4 Min.
Dialysatoren aus dem Jahr 1985 (oben) und der neuesten Generation: Sie dienen als "k├╝nstliche Niere" bei der Blutw├Ąsche.
Dialysatoren aus dem Jahr 1985 (oben) und der neuesten Generation: Sie dienen als "k├╝nstliche Niere" bei der Blutw├Ąsche. (Quelle: Arno Burgi/dpa-bilder)
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Nierenversagen galt lange als Todesurteil. Dann baute ein Mediziner eine Maschine, die das Blut von Giftstoffen im K├Ârper reinigen kann. Die Idee rettete Millionen Menschen das Leben ÔÇô aber bis heute gibt es Dialyse nicht ├╝berall.

Die erste k├╝nstliche Niere sah aus wie eine h├Âlzerne W├Ąschetrommel. Doch die Erfindung vor 75 Jahren war die Grundlage daf├╝r, dass Millionen Nierenkranke l├Ąnger leben k├Ânnen. Heute ist Dialyse Hightech. Allein in Deutschland profitierten bis zu 80.000 Menschen regelm├Ą├čig von dem Blutreinigungsverfahren, sagt Andreas Kribben, Pr├Ąsident der Deutschen Gesellschaft f├╝r Nephrologie. Ein Problem bleibt aber, dass es immer weniger Organspenden gibt. Ohne eine Transplantation leben Nierenkranke trotz Dialyse k├╝rzer.

K├╝nstliche Niere aus Mitleid erfunden

Die Technik der k├╝nstlichen Niere geht vor allem auf den niederl├Ąndischen Arzt Willem Johan Kolff (1911 bis 2009) zur├╝ck. Vor ihm hatte sich schon der deutsche Mediziner Georg Haas (1886 bis 1971) mit Blutw├Ąsche besch├Ąftigt.

Eines von Kolffs st├Ąrksten Motiven f├╝r seine Erfindung war wohl Mitleid. Er hatte als junger Mediziner den Tod von Nierenkranken erlebt, ohne ihnen helfen zu k├Ânnen. Am 4. April 1943 setzte er das erste Mal seine k├╝nstliche Niere ein. Trotz vieler R├╝ckschl├Ąge konnte er zwei Jahre sp├Ąter einer Patientin damit das Leben retten. Der Erfinder emigrierte nach dem Krieg in die USA und verbesserte dort sein Konzept.

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Professor Willem Johan Kolff (1911 bis 2009): Er gilt als Erfinder der k├╝nstlichen Niere (1943).
Professor Willem Johan Kolff (1911 bis 2009): Er gilt als Erfinder der k├╝nstlichen Niere (1943). (Quelle: Bernd W├╝stneck/dpa-bilder)

Ohne Dialyse w├╝rden die meisten Menschen beim Versagen ihrer Nieren noch heute keine vier Wochen ├╝berleben, betont Nierenexperte Andreas Kribben. Denn die beiden Organe entgiften den K├Ârper. F├╝r Kribben sind die Nieren das einzige Organ, das dauerhaft maschinell ersetzt werden kann.

Wie viele Dialysepatienten gibt es?

Insgesamt bekommen in Deutschland heute rund 60.000 bis 80.000 Menschen regelm├Ą├čig eine Dialyse. ├ťber die H├Ąlfte von ihnen ist ├╝ber 65 Jahre alt. Denn in der Bundesrepublik ist eine chronische Nierenkrankheit in mehr als der H├Ąlfte aller F├Ąlle eine Folge von Diabetes oder von jahrelang schlecht eingestelltem Bluthochdruck. Beide Krankheiten sch├Ądigen die Nieren langfristig.

Bei j├╝ngeren Patienten versagt die Nierenfunktion oft wegen Erbkrankheiten oder durch Autoimmunerkrankungen. Weltweit leben rund zwei Millionen Menschen mit Nierenersatzverfahren. Das sind aber nur zehn Prozent aller Menschen, die Hilfe ben├Âtigen w├╝rden. In vielen Entwicklungs- und Schwellenl├Ąndern bedeutet eine schwere Nierenerkrankung heute noch immer den baldigen Tod.

Aus zw├Âlf Stunden Dialyse wurden vier

"Der technische Fortschritt hat es erm├Âglicht, dass die Dialyse sicherer, effizienter und gleichzeitig schonender geworden ist", sagt Nierenexperte Kribben. Bis in die 1970er Jahre waren bis zu zw├Âlf Stunden am St├╝ck an der Dialyse ├╝blich. Patienten litten w├Ąhrend dieser Behandlung oft an ├ťbelkeit, Erbrechen, Kr├Ąmpfen und Kreislaufproblemen. Denn es war damals notwendig, dem K├Ârper viel Blut f├╝r die Reinigung zu entziehen.

Heute wird dazu viel weniger Blut ben├Âtigt. Der Entgiftungsprozess dauert in der Regel vier Stunden und muss bei den meisten Patienten dreimal pro Woche wiederholt werden.

Zwei Wege f├╝r die k├╝nstliche Blutreinigung

Wenn die Nieren ausfallen, gibt es grunds├Ątzlich zwei Wege f├╝r eine k├╝nstlichen Blutreinigung. Bei der H├Ąmodialyse wird das Blut in eine Maschine geleitet. Danach flie├čt es entgiftet in den K├Ârper zur├╝ck.

Dialysepatientin: Die Erfindung der k├╝nstlichen Niere vor 75 Jahren hat Millionen Menschen zu einem l├Ąngeren Leben verholfen.
Dialysepatientin: Die Erfindung der k├╝nstlichen Niere vor 75 Jahren hat Millionen Menschen zu einem l├Ąngeren Leben verholfen. (Quelle: Arno Burgi/dpa-bilder)

Bei der Peritonealdialyse wird das eigene Bauchfell zur Entgiftung genutzt. Der Patient f├╝llt mehrmals t├Ąglich eine Dialysierfl├╝ssigkeit ├╝ber einen Katheter in den Bauchraum ein und l├Ąsst sie dann auch wieder ab. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass ein Patient unabh├Ąngig von einem Dialysezentrum ist. Er kann die Peritonealdialyse auch im Berufsleben oder auf Reisen durchf├╝hren. Auch f├╝r junge Patienten und Kinder wird diese Variante h├Ąufig genutzt. Zu einer Behandlung geh├Ârt aber auch viel Disziplin: Patienten m├╝ssen Zeiten einhalten, Medikamente einnehmen und Di├Ątvorschriften genau befolgen.

Dialysebehandlung erm├Âglicht das ├ťberleben

Vielen Menschen erm├Âglicht eine Dialysebehandlung heute das ├ťberleben, manchen ├╝ber Jahre, anderen sogar ├╝ber Jahrzehnte. Es gebe Menschen, die schon mehr als 40 Jahre mit der Dialyse leben, sagt Experte Kribben.

Allerdings sterben Dialysepatienten im Vergleich zu gleichaltrigen Menschen mit normaler Nierenfunktion deutlich fr├╝her. Das habe unter anderem mit Ver├Ąnderungen der Gef├Ą├čw├Ąnde zu tun.

Mangel an Spendernieren

Im Jahr 2017 wurden nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 1.364 Nieren transplantiert. Das waren rund 200 weniger als 2015. Der Mangel an Spendernieren f├╝hrt dazu, dass f├╝r Dialysepatienten die Chance auf eine gleichwertige Lebenserwartung und Lebensqualit├Ąt sinkt.

Die Sterblichkeit von Nierenkranken mit Spenderorgan ist laut EU-Statistiken deutlich geringer als die von Dialysepatienten. Heute hat ein gesunder Mensch im Alter von 20 bis 24 Jahren noch eine Lebenserwartung von 60 Jahren. Einem gleichaltrigen Dialysepatienten bleiben im Schnitt weniger als 25 Jahre. Mit einer Nierentransplantation kann die verbleibende Lebenserwartung auf knapp 45 Jahren fast verdoppelt werden.

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Was ist eine Kurzzeitdialyse?

Bei komplexeren Operationen kann es zu einem vor├╝bergehenden Ausfall der Nierenfunktion kommen, ebenso bei Entz├╝ndungen, Infektionen oder als Folge des Ausfalls anderer Organe. Auch bei akutem Nierenversagen kann eine Dialysebehandlung notwendig sein ÔÇô aber nur f├╝r einen begrenzten Zeitraum. Allerdings haben Patienten nach einem akuten Nierenversagen ein sehr viel gr├Â├čeres Risiko, im Laufe ihres Lebens eine chronische Nierenkrankheit zu bekommen. Auch sie m├╝ssen dann dauerhaft an die Dialyse.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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