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Medikamente: Diese Arzneimittel sollte man nicht kombinieren

Medikamente  

Geben Apotheker Medikamente zu sorglos raus?

04.08.2009, 15:25 Uhr | lgs/AP, t-online.de

Gefährliche Wechselwirkungen entstehen zum Beispiel zwischen dem Blutverdünner Marcumar und ASS-haltigen Schmerzmitteln. (Foto: imago)Gefährliche Wechselwirkungen entstehen zum Beispiel zwischen dem Blutverdünner Marcumar und ASS-haltigen Schmerzmitteln. (Foto: imago)Bei Kopfschmerzen oder Fieber greifen viele Deutsche schnell zu bekannten Arzneimitteln, die Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen enthalten. Für Menschen, die regelmäßig bestimmte Medikamente einnehmen, kann der Griff zur Kopfschmerztablette gefährlich werden. Erhebliche Wechselwirkungen gibt es zwischen ASS-haltigen Präparaten und dem Blutverdünner Marcumar, aber auch zwischen Johanniskraut und der Antibabypille. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse werden Patienten von Apothekern und Ärzten nicht immer über Wechselwirkungen aufgeklärt. Wir sagen Ihnen, welche Medikamente man nicht kombinieren sollte.


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ASS und Phenprocoumon

Die Wirkung von Acetylsalicylsäure (ASS) wird besonders bei Kopf- und Gliederschmerzen geschätzt. Neben den schmerzstillenden Eigenschaften blockiert ASS die Zusammenlagerung der Blutplättchen. Diese ist aber wichtig, damit sich Wunden kurz nach einer Verletzung wieder schnell schließen. Der Wirkstoff Phenprocoumon ist vor allem im Medikament Marcumar enthalten, das bei Menschen mit künstlichen Herzklappen, Bypässen oder auch zur Vorbeugung von Thrombosen nehmen müssen. Es macht das Blut "dünner". In Kombination mit dem Wirkstoff ASS kann es dazu führen, dass Wunden sich nicht verschließen und es auch bei leichten Verletzungen zu starken Blutungen kommt. "Die Blutgerinnung wird sozusagen auf doppeltem Wege ausgeschaltet," erklärt Professor Thomas Beck, Vorsitzender der Arzneimittelkommission deutscher Apotheken. "Die Betroffenen müssen nicht einmal eine äußerliche Wunde haben, vielmehr können auch innere Blutungen auftreten, die man nicht bemerkt und die sehr gefährlich sein können."

Ibuprofen und Cortison

Ibuprofen steckt unter anderem in Medikamenten gegen Kopfschmerzen, Fieber und Entzündungen - den Wirkstoff bekommt man in der Apotheke rezeptfrei, erst bei höherer Dosierung ist er verschreibungspflichtig. Die Nebenwirkungen von Ibuprofen sind allerdings nicht zu unterschätzen. Der Wirkstoff greift die Magenschleimhaut an und blockiert die Bildung neuer Schleimhaut. Das erhöht die Gefahr von Magenblutungen, Magenschleimhautentzündungen oder es kommt schlimmstenfalls zum Magendurchbruch. Cortison in seinen verschiedenen Formen wird bei Neurodermitis, multipler Sklerose oder auch bei Rheuma verschrieben. In hoher Dosierung ist es verschreibungspflichtig. In Kombination mit Ibuprofen verstärkt das oral eingenommene Cortison die negative Wirkung des Ibuprofens auf die Magenschleimhaut. Das kann schwerwiegende Folgen haben.

Johanniskraut und die Pille

Johanniskraut ist ein pflanzliches Mittel, das oft bei nervösen Verstimmungen, depressiven Verhalten oder auch zum Einschlafen eingenommen wird. Es ist in den Apotheken in geringer Dosierung rezeptfrei erhältlich. "Viele glauben, Pflanzenwirkstoffe wären ungefährlich. Das ist oft ein Irrtum. Besonders wenn man auf eigene Faust dosiert und im Hintergrund noch eine andere ärztliche Therapie läuft", erläutert Professor Beck. Der pflanzliche Wirkstoff kann erheblichen Einfluss durch Wechselwirkung mit anderen Medikamenten haben. So setzt es beispielsweise die Wirkung der Pille herunter, so dass der Empfängnisschutz nicht mehr gewährleistet ist.

Sildenafil und Nitrate

Sildenafil kommt als Wirkstoff vor allem im Potenzmittel Viagra vor. Seit 2006 wird der identische Wirkstoff auch bei Lungenhochdruck eingesetzt. Das Potenzmittel Viagra sollte nicht von Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingenommen werden. Sildenafil ist zwar in allen Darreichungsformen verschreibungspflichtig, oft wird jedoch vergessen, dass gleichzeitig Nitrate als blutdrucksenkende Herz-Medikamente eingenommen werden. In Kombination mit dem Viagra-Wirkstoff Sildenafil bewirkt dieses Duo, dass sich die Blutgefäße zu stark über längere Zeit erweitern. "Das Blut versackt sozusagen in den Venen", so Professor Beck "dadurch wird der Rückfluss des Blutes zum Herzen zu stark vermindert." Das kann zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen.

Mehr Information von Arzt und Apotheker nötig?

Jeder zweite Patient wird vom Apotheker nie oder nur selten nach seinem kompletten Medikamentengebrauch befragt. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Damit steige die Gefahr einer Wechselwirkung mit anderen Medikamenten, erklärte die Techniker Krankenkasse (TK). Ärzte erkundigten sich laut TK bei 61 Prozent der Befragten nach weiteren Arzneimitteln. Allerdings gab jeder Dritte an, er werde von Medizinern nur manchmal, selten oder nie danach gefragt. Den Beipackzettel lesen 17 Prozent der Befragten selten oder nie. Einige Patienten glauben fälschlicherweise, dass Wechselwirkungen keine oder nur eine geringe Gefahr darstellen.

Apotheker wehren sich

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) wehrt sich allerdings gegen diese Studie. Er warf der TK vor, Patienten und Versicherte gezielt zu verunsichern. Denn es sei die TK, die es alleine den Apotheken überlasse, Versicherte beispielsweise über die Rabattverträge und den dadurch bedingten Austausch von Medikamenten zu informieren, so der Apothekerverband weiter.

Worauf Patienten selbst achten sollten

Allerdings liegt ein Teil der Verantwortung auch beim Patienten. "Die Patienten sollten sich auf jeden Fall vorab richtig informieren, anstatt Medikamente unkontrolliert mehrfach einzunehmen", betont Beck. Bekommen Patienten Arzneimittel verschrieben oder kaufen nicht verschreibungspflichtige Medikamente, sollten bei Medizinern und Apothekern immer alle Mittel angeben, die sie schlucken - auch vermeintlich harmlose Naturarzneimittel. Um bereits vorab auszuschließen, dass Medikamente unangenehme Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln entwickeln, ist es zudem wichtig, vor der Einnahme die Packungsbeilage zu lesen.

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