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Psychosomatisches Herzstolpern: Was steckt dahinter?


Psychosomatisches Herzstolpern – was dahinter steckt


Aktualisiert am 29.03.2023Lesedauer: 4 Min.
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Psychische Belastung kann sich negativ auf den Herzrhythmus und damit auf das körperliche Wohlbefinden auswirken.Vergrößern des Bildes
Psychische Belastungen und Stress können den Herztakt beeinflussen. (Quelle: fizkes/Getty Images)

Bei Freude, Aufregung oder bei Stress hat wohl jeder schon mal einen "Herzstolperer" verspürt. Das ist in der Regel harmlos.

Tritt das Herzstolpern immer wieder auf, kann das ein Zeichen für eine Herzkrankheit sein. Können Ärzte jedoch keine organische Ursache feststellen, ist das Herzstolpern möglicherweise psychisch bedingt. Das ist häufig der Fall bei Depressionen und Panikattacken.

Psychosomatisches Herzstolpern – was ist das?

Um psychosomatisches Herzstolpern handelt es sich, wenn ärztliche Untersuchungen keine organische Ursache für das stolpernde Herz aufzeigen. Die Untersuchungsbefunde sind unauffällig. Trotzdem haben Betroffene immer wieder das Gefühl, dass ihr Herz aus dem Takt gerät oder aussetzt. Besonders in Zusammenhang mit Stress kennen viele Menschen Veränderungen des Herzrhythmus.

Das Herz schlägt schneller, kräftiger, scheint manchmal kurz zu stoppen, um dann umso kräftiger wieder einzusetzen. Verspüren gesunde Menschen hin und wieder Herzstolpern, ist das in der Regel nicht gefährlich. Stolpert das Herz immer wieder, sollte man zum Arzt gehen. Herzkranke sollten Veränderungen des Herzschlags grundsätzlich ärztlich abklären lassen.

"Was passiert, wenn das Herz stolpert? Es erfolgt meistens in den sogenannten Vorhöfen ein Extraschlag, der aber nicht wahrgenommen wird, da er sehr schwach ausfällt. Dieser Extraschlag führt dazu, dass das Herz eine 'kompensatorische Pause' einlegt, um wieder in seinen Rhythmus zu finden. Der darauffolgende Herzschlag erfolgt also etwas später und ist stärker, was als Herzstolpern wahrgenommen wird.

Ist keine organische Ursache erkennbar, kann Herzstolpern auf psychische Belastungen zurückzuführen sein", erklärt Dr. Andreas Hagemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und leitender Ärztlicher Direktor der unter anderem auf psychosomatische Schmerztherapien sowie Burnout und Stresserkrankungen spezialisierten Privatkliniken Duisburg, Eschweiler und Merbeck in Nordrhein-Westfalen.

Was passiert im Herzen?

Aufregung, Freude, aber auch negative psychische Belastungen wie Liebeskummer und Trauer sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände können Ursachen für psychosomatisches Herzstolpern sein. Intensive Emotionen beeinflussen den Herzrhythmus. Schüttet der Körper Stresshormone aus, darunter Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol, gerät der Körper in einen Alarmzustand. Unter anderem schlägt das Herz schneller, die Herzaktionen werden stärker, der Blutdruck steigt und der Atem beschleunigt sich.

"Diese stressbedingten Veränderungen der Körperfunktionen können schonmal dazu führen, dass Herzstolpern auftritt. Dabei unterscheidet der Körper, beziehungsweise das Herz nicht, ob es positiver Stress ist oder negativer. Es reagiert auf die Ausschüttung der Stresshormone gleich", weiß Hagemann. "Während sich nach akutem Stress der Hormonspiegel rasch wieder normalisiert, hält chronischer Stress das Erregungsniveau aufrecht. Dann besteht das Risiko, dass das Herz rhythmisiert wird. Das heißt, die Variation der Abfolge der einzelnen Schläge wird immer geringer. Das begünstigt die Entstehung von Rhythmusstörungen."

Chronischer Stress ist ein Gesundheitsrisiko

Kurzfristiger Stress und damit einhergehendes Herzstolpern ist in der Regel ungefährlich. Das Herz findet wieder in den Takt, wenn die Stresssituation vorbei ist, der Hormonspiegel absinkt und das Nervensystem zur Ruhe kommt. Kritisch kann es für das Herz werden, wenn es über eine lange Zeit starkem emotionalem Stress ausgesetzt ist.

"Bei chronischem Stress verändert sich die Qualität der Stresshormone. Dem Hormon Kortisol kommt dann eine verstärkte Bedeutung zu", sagt Hagemann. "Die Wirkung des Kortisol hält länger an, im Vergleich zu Adrenalin und Noradrenalin. Dafür führt es nicht zu der maximalen Aktivierung, wie sie bei Adrenalin und Noradrenalin hervorgerufen wird. Psychosomatische Beschwerden, darunter auch psychosomatisches Herzstolpern, sind daher vor allem die Folge von chronischem Stress."

Entzündungsprozesse in den Herzgefäßen

Dauerhaft zu hohe Mengen an Stresshormonen treiben den Blutdruck anhaltend in die Höhe, beschleunigen den Herzschlag und beeinflussen auch den Herzrhythmus. Zudem begünstigen Stresshormone Entzündungsprozesse im Körper – auch in den Gefäßen des Herzens. Auch die Blutgerinnung verändert sich, was das Risiko für Gefäßverengungen und Gefäßverstopfung birgt.

"Intensiver Dauerstress begünstigt Herzkrankheiten wie Herzinfarkt, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen", warnt Hagemann. "Geht Stress auf das Herz, gilt es, die Belastung zu reduzieren. Ist eine psychische Erkrankung die Ursache von psychosomatischem Herzstolpern, etwa eine Depression oder Angsterkrankung, sollte diese behandelt werden."

(Quelle: Privat)

Dr. Andreas Hagemann ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er leitet als Ärztlicher Direktor die unter anderem auf psychosomatische Schmerztherapien sowie Burnout und Stresserkrankungen spezialisierten Privatkliniken Duisburg, Eschweiler und Merbeck in Nordrhein-Westfalen.

Herzstolpern bei Panikattacken

Ein Beispiel für ein gehäuftes Auftreten von psychosomatischem Herzstolpern sind Panikattacken. Panikattacken treten alleine oder im Zusammenhang mit einer Angsterkrankung auf. Betroffene empfinden plötzlich intensivste Angst – ohne dass es einen erkennbaren Auslöser gibt. Dabei kommt es zu einer plötzlichen Ausschüttung von Adrenalin mit den entsprechenden Symptomen wie Anspannung, Steigerung von Herzfrequenz und Atemfrequenz sowie einer Erhöhung des Blutdrucks.

"Auf der körperlichen Ebene ist die Symptomatik bei gesunden Menschen in der Regel harmlos. Entscheidend bei Panikattacken ist vor allem die gedankliche Komponente. Viele Betroffene erleben die plötzliche intensive Körperreaktion als Bedrohung und haben Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden oder sterben zu müssen", erklärt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

"Hier ist es wichtig, zu vermitteln, dass das kurzfristige Herzstolpern keine Gefahr darstellt – auch um einer Verstärkung der Panikattacke sowie erneuten Panikattacken entgegenzuwirken. Oft ist es die Angst vor der Angst, die chronischen Stress verursacht und das Krankheitsbild verschlechtert."

Depressionen können zu Rhythmusstörungen führen

Depressive Erkrankungen wirken sich negativ auf das Herz aus. Sie bedeuten für die betroffene Person anhaltenden Stress auf der psychischen Ebene, welcher entsprechende körperliche Reaktionen zur Folge hat. Ebenso zeigen sich bei depressiven Erkrankungen häufig ungesunde Verhaltensweisen, welche sich indirekt auf das Herz auswirken können.

"Hierzu gehören unter anderem Bewegungsmangel und Gewichtszunahme", so Hagemann. "Ebenso führt eine Depression nicht selten zu einer permanenten Anspannung, welche den Stresspegel erhöht und Herzstolpern begünstigt."

Wann mit Herzstolpern zum Arzt?

Wer in einem freudigen Moment oder beim Schauen eines Horrorfilms Herzstolpern verspürt, braucht sich in der Regel keine Gedanken zu machen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Herz auf starke, emotionale Gefühle mit einem stärkeren Herzschlag reagiert, der oft als unregelmäßig und stockend wahrgenommen wird.

Aufmerksam werden sollte man, wenn die Extraschläge öfter auftreten. "Erstmaliges, aber auch immer wiederkehrendes Herzstolpern kann auch mal Ausdruck einer Herzerkrankung sein und sollte ärztlich abgeklärt werden" rät Hagemann. "Sind keine organischen Ursachen feststellbar, sollte geschaut werden, wie die Lebenssituation aussieht und was mögliche Ursachen für psychosomatisches Herzstolpern sein können."

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • gesundheitsinformation.de: "Wie funktioniert das Herz?". Online-Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (Stand: 16. Januar 2019)
  • gesundheitsinformation.de: "Was hilft bei Depressionen und koronarer Herzkrankheit?". Online-Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (Stand: 20. Mai 2020)
  • herzstiftung.de: "Herzstolpern: Ursachen sind häufig Extrasystolen". Online-Information der Deutschen Herzstiftung e. V. (Stand: Aufgerufen am 20. März 2023)
  • herzstiftung.de: "Psyche und Stress: So schützen Sie Ihr Herz!". Online-Information der Deutschen Herzstiftung e. V. (Stand: 8. Februar 2022)
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.de: "Depressionen schlagen auch auf die Herzgesundheit". Online-Information der Berufsverbände für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland. (Stand: 28. März 2016)
  • stiftung-gesundheitswissen.de: "Was ist eine Panikstörung?". Online-Information der Stiftung Gesundheitswissen. (Stand: Aufgerufen am 20. März 2023)
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