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Alzheimer-Symptom: Abnehmender Geruchssinn als Warnsignal für Demenz

Frühes Demenz-Symptom  

Schwindender Geruchssinn kündigt oft Alzheimer an

25.03.2019, 12:06 Uhr | ag, t-online.de

Alzheimer-Symptom: Abnehmender Geruchssinn als Warnsignal für Demenz. Wenn im Alter der Geruchssinn nachlässt oder plötzlich Gerüche wahrgenommen werden, die gar nicht existieren, kann das ein Anzeichen für Alzheimer sein. (Quelle: Getty Images/Symbolbild/vvvita)

Wenn im Alter der Geruchssinn nachlässt oder plötzlich Gerüche wahrgenommen werden, die gar nicht existieren, kann das ein Anzeichen für Alzheimer sein. (Quelle: Symbolbild/vvvita/Getty Images)

Die Diagnose Alzheimer traf den Neurologen Daniel Gibbs vor 12 Jahren aus heiterem Himmel. Der Demenzforscher aus Portland (USA), damals erst 55 Jahre alt, war stutzig geworden, dass sich sein Geruchsinn veränderte. Zum einen konnte er schwache Düfte nicht mehr wahrnehmen, zum anderen wurde er von imaginären Duftattacken befallen.  

Gibbs befürchtete, dass er die Parkinson-Krankheit haben könnte und ließ daher eine DNA-Untersuchung durchführen. Das Ergebnis der Analyse war niederschmetternd: Gibbs war nicht an Parkinson erkrankt, sondern an einer genetisch bedingten Form von Alzheimer. Im Fachmagazin "Jama Neurology" beschreibt der ehemalige Medizin-Professor die ersten Symptome seiner Krankheit, die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht von kognitiven Einschränkungen begleitet war. 

Von Geruchsattacken bis zum Verlust des Riechsinns

"Ich entdeckte, dass ich plötzlich keinen Blumenduft mehr wahrnahm. Innerhalb eines Jahres bekam ich mehrmals im Monat immer wiederkehrende Geruchswahrnehmungen, die nicht durch äußere Gerüche hervorgerufen wurden", schreibt Gibbs. Er bildete sich ein, den Duft von frisch gebackenem Brot in Kombination mit Parfüm wahrzunehmen. Fünf bis sechs Jahre später habe er seinen natürlichen Geruchssinn vollkommen verloren, nahm aber immer noch zitrusartige Gerüche wahr. "Sie wurden immer seltener, traten schließlich zwei- bis dreimal im Jahr auf und hörten vor etwa einem Jahr ganz auf."

Leichte Verschlechterungen seiner Gedächtnisleistung hatte Gibbs erst ein Jahr nach seiner Alzheimer-Diagnose festgestellt. Allerdings konnte der heute 67-Jährige noch bis Anfang 60 seine Beruf ausüben. Seitdem nimmt er an verschiedenen Alzheimerstudien teil. 

Alzheimer: Geruchsverlust geht Gedächtnisverlust voraus

Dass Geruchsstörungen Warnsignale für ein frühes Stadium der Alzheimer-Krankheit sein können, ist seit längerem bekannt. Der Grund ist eine Rückbildung des Riechkolbens. Er stellt das Riechzentrum im Gehirn dar und ist für die Verarbeitung der Sinnesreize aus der Nase verantwortlich. In der frühen Phase der Alzheimer-Demenz degenerieren bestimmte Hirnbereiche in einer bestimmten Reihenfolge. Dabei werden Geruchsstörungen oft auch als Geschmackstörungen wahrgenommen, da Geschmacks- und Geruchssinn eng verbunden sind. Daher können zum Beispiel stark Verschnupfte in der Regel weder riechen noch etwas schmecken. 

Auch bei Parkinson nimmt der Geruchssinn ab 

Riechstörungen können nicht nur Vorboten für Alzheimer, sondern auch für eine andere neurodegenerative Krankheit sein. Bereits vor Jahren untersuchten Wissenschaftler des Interdisziplinären Zentrums „Riechen und Schmecken“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden das Riechvermögen von 400 Patienten mit Parkinson. Das Ergebnis: Drei Viertel aller Parkinson-Patienten waren von Riechstörungen betroffen, bei den Alzheimer-Patienten waren es mehr als die Hälfte. Daher fordern die Wissenschaftler dazu auf, das Riechvermögen  generell stärker bei der Diagnostik zu berücksichtigen und zu testen.

Beta-Amyloid wird aus einem größeren Vorläuferprotein (Amyloid Precursor Protein) abgespalten. An das Peptid lagern sich weitere Peptidfragmente an, so dass Ablagerungen entstehen, die die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und diese schließlich zerstören.  (Quelle: Bildmaterial: GettyImages, Bearbeitung: t-online)Beta-Amyloid wird aus einem größeren Vorläuferprotein (Amyloid Precursor Protein) abgespalten. An das Peptid lagern sich weitere Peptidfragmente an, so dass Ablagerungen entstehen, die die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und diese schließlich zerstören. (Quelle: Bildmaterial: GettyImages, Bearbeitung: t-online)

Früherkennung von Demenz: Riechtest bringt Gewissheit

Dass der Geruchssinn schwächer wird, bleibt häufig unerkannt, denn die Veränderungen sind meist schleichend. Daher dauert es oft recht lange, bis Parkinson oder Alzheimer diagnostiziert werden. Der Verlust des Geruchssinn ist demnach von besonderer Bedeutung für eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Demenz sein. Auch mit gezielten Therapien könnte so viel früher begonnen werden. 

Schon jetzt verwenden einige Mediziner Geruchstests, um eine beginnende Demenz unkompliziert und kostengünstig zu erkennen. Dabei riechen die Patienten an zwölf Stiften (Sniffin' Sticks), die statt mit Farbe mit Gerüchen gefüllt sind, die identifiziert werden müssen. Je nach Anzahl der erkannten Gerüche weiß der Arzt, ob und in welchem Ausmaß eine Riechstörung vorliegt und kann eine entsprechende Therapie frühzeitig empfehlen.

Frühe Alzheimer-Diagnose birgt Chancen

Daniel Gibbs ist froh, dass seine Demenz zu so einem frühen Zeitpunkt festgestellt wurde. Auch wenn Alzheimer nach wie vor unheilbar ist und unweigerlich zum Tod führt, sieht er für sich Vorteile in der frühen Diagnose. "Für mich war es letztlich sehr hilfreich, dass meine Alzheimerpathologie so früh erkannt wurde", schreibt er. Der Wissenschaftler nutzte die Zeit, in der er noch bei klarem Verstand war, um seine Dinge zu ordnen. Hierzu gehörte unter anderem eine Ergänzung seiner Patientenverfügung und das Ausstellen von Vollmachten an seine Angehörigen. Darüber hinaus treibt Gibb regelmäßig Sport, macht ein gezieltes Gedächtnistraining und versucht, sozial und intellektuell möglichst lange aktiv zu bleiben. Sein Wunsch: "Ich hoffe, dass mir noch etwa fünf  bis zehn Jahre bleiben, bevor das fortgeschrittene Stadium der Krankheit beginnt."

Verwendete Quellen:
  • Jama Neurology 2/2019, 76 (3) 249
  • Portal des Universitätsklinikums Dresden
  • Deutsches Ärzteblatt
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen


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