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Trockene Augen: Jeder Fünfte leidet unter Sicca-Syndrom

Trockene Augen  

Jeder Fünfte leidet unter dem Sicca-Syndrom

27.09.2019, 10:38 Uhr | dpa-tmn, t-online.de

Trockene Augen: Jeder Fünfte leidet unter Sicca-Syndrom. Beim Sicca-Syndrom trocknen die Augen aus, da sie nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt werden. Augentropfen können Linderung verschaffen.  (Quelle: Getty Images/choja)

Beim Sicca-Syndrom trocknen die Augen aus, da sie nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt werden. Augentropfen können Linderung verschaffen. (Quelle: choja/Getty Images)

Brennende, gereizte Augen, ein Fremdkörpergefühl oder Lichtempfindlichkeit sind typische Symptome für trockene Augen. Dahinter steckt meist das Sicca-Syndrom. Da sehr viele Menschen davon betroffen sind, sprechen Augenärzte von einer Volkskrankheit. 

"Etwa jeder fünfte Patient, der in die Praxis kommt, leidet darunter", sagt Professor Gerd Geerling, Leiter der Augenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf. 

Beim Sicca-Syndrom werden die Hornhaut und Bindehaut unzureichend mit Tränenflüssigkeit benetzt. Mediziner sprechen daher auch von einer Benetzungsstörung der Augenoberfläche. Das Krankheitsbild wurde erstmals in den Fünfziger Jahren vom schwedischen Augenarzt Henrik Sjögren beschrieben. 

Typische Symptome für trockene Augen 

Ist die Flüssigkeitsbenetzung des Auges gestört, treten häufig folgende Beschwerden auf:

  • Juckreiz und Brennen der Hornhaut
  • schmerzende, manchmal tränende Augen
  • Rötungen aufgrund erweiterter Blutgefäße in der Bindehaut
  • Fremdkörpergefühl
  • geschwollene Augenlider
  • verklebte Lider, vor allem am Morgen
  • Unangenehmes Druckgefühl auf den Augen
  • Lichtempfindlichkeit
  • verschwommenes Sehen

Tropfen: Erste Hilfe bei trockenen Augen

Nicht jeder geht mit trockenen Augen direkt zum Arzt. "Augentropfen muss man selbst zahlen. Beim Facharzt gibt es meist lange Wartezeiten. Da liegt der Gang direkt in die Apotheke nahe", sagt Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands.

Ein Apotheker könne zwar keine medizinische Diagnose stellen. Aber: "Mit den frei verkäuflichen Mitteln kann man bei trockenen Augen nichts dramatisch falsch machen", so Geerling. Das einzige, was passieren könne, sei, dass das Mittel nicht helfe.

Ursachen für trockene Augen abklären

Dauern die Beschwerden an, führt kein Weg am Augenarzt vorbei. Denn nur wenn die Ursache der trockenen  Augen bekannt ist, kann die Erkrankung gezielt behandelt werden. Die Probleme können beispielsweise auf der Einnahme eines Medikaments beruhen. Möglicherweise gibt es alternative Präparate, die der Arzt verordnen kann.

"Die häufigsten Ursachen sind Umweltfaktoren wie Zugluft, Heizungsluft, Klimaanlagen oder Bildschirmarbeit", sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. Frische Luft oder eine andere Raumsituation des Arbeitsplatzes könnten die schädlichen Einflüsse für die Augen zumindest abmindern. 

Trockene Augen durch Kontaktlinsen

Auch das Tragen von Kontaktlinsen kann zu trockenen Augen führen. Daher sollten Kontaktlinsenträger darauf achten, die Linsen regelmäßig zu wechseln und die empfohlene Maximaltragezeit (Tages-, Wochen- oder Monatslinsen) nicht zu überschreiten. Sonst verstopfen die Poren nach einiger Zeit und versorgen das Augen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff. Die Folge sind schmerzhafte Entzündungen. Achten Sie darauf, dass Sie im Auto oder im Flugzeug das Gebläse nicht auf Ihr Gesicht richten. Auch beim Fahrrad- oder Skifahren sollten Kontaktlinsenträger die Augen vor Zugluft schützen.

Gut zu wissen: Trockene Augen können tränen: Auch wenn es zunächst paradox klingen mag: Sind die Augen sehr trocken, können sie ebenfalls tränen. Viele Menschen leiden unter einer verminderten Tränenmenge oder einer verstärkten Verdunstung des Tränenfilms. Die Folge ist das so genannte Sicca-Syndrom, das von einem Arzt behandelt werden sollte. Dabei kommen vor allem Tränenersatzmittel in Form von Tropfen oder Salben zum Einsatz. Sie halten das Auge feucht bewahren es vor dem Austrocknen.

Der Tränenfilm reinigt das Auge

"Bei der Bildschirmarbeit oder auch beim Fernsehen ist das Problem der monotone, konzentrierte Blick. Man vergisst leicht zu blinzeln", erläutert Augenarzt Eckert. Dann schlägt das Augenlid statt sonst zehn- bis 15 Mal in der Minute nur noch ein- bis zweimal.

Für das Auge heißt das: Die Tränenflüssigkeit wird nicht gleichmäßig verteilt. Hornhaut, Bindehaut und Innenseite der Lider werden nicht mehr ausreichend ernährt und geschützt. "Der Tränenfilm befeuchtet die Augenoberfläche und versorgt die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen", erklärt Geerling. Er reinigt das Auge aber auch von Schmutz, Fremdkörpern und Bakterien. Und er glättet die Hornoberfläche und macht damit scharfes Sehen überhaupt erst möglich. 

Untersuchung mit einem Mikroskop

Ist das Blinzeln nur durch die eigenen Sehgewohnheiten beeinträchtigt, so lässt sich leicht Abhilfe schaffen. "Man kann einfach ab und zu mal aus dem Fenster schauen oder bewusst die Augen zumachen", empfiehlt Eckert. Mithilfe eines Biomikroskops, der Spaltlampe, kann der Mediziner untersuchen, ob die Lidfunktion beeinträchtigt ist und die trockenen Augen verursacht.

Aber auch der Tränenfilm kann bei trockenen Augen gestört sein. "Die Tränenflüssigkeit ist ein komplexes und damit auch störanfälliges Gebilde aus drei Schichten", sagt Geerling. Die unterste schleimartige Muzinschicht sorge dafür, dass die Tränenflüssigkeit am Auge hafte. Darüber befinde sich eine größere wässrige Schicht. Sie werde von einer Fett- (Lipid-)schicht vor dem Verdunsten bewahrt. Alle drei Komponenten können gestört sein. "Es kann sein, dass das Auge zu wenige oder zu viele Tränen produziert oder dass deren Zusammensetzung gestört ist", ergänzt Eckert. 

Trockene Augen können die Sehkraft mindern

Mit trockenen Augen ist nicht zu spaßen. Wer nicht handelt, riskiert im schlimmsten Fall Probleme mit der Sehkraft. Wenn nämlich die Hornhaut austrocknet, wird die Augenoberfläche geschädigt. Die Betroffnen sehen dann alles nur noch verschwommen und das Auge kann nicht mehr so gut scharfstellen. Findet keine Behandlung statt, kann es zu dauerhaften Beeinträchtigungen der Sehkraft kommen. Deswegen sollten die Betroffenen nicht zu lange warten und frühzeitig einen Arzt aufsuchen.

Schirmer-Test prüft die Tränenproduktion

Die Menge der wässrigen Tränenflüssigkeit prüft der Augenarzt mit dem sogenannten Schirmer-Test: Er legt einen kleinen Filterpapierstreifen ins Auge und liest nach kurzer Zeit ab, wie weit dieser befeuchtet ist. Stabilität und Qualität des Tränenfilms lassen sich über die Tränenaufrisszeit beurteilen: Mit der Spaltlampe bestimmt der Augenarzt die Zeit zwischen dem Lidschlag und dem Aufreißen des Tränenfilms. Dazu wird die Hornhaut mit einem Farbstoff gefärbt. Durch eine sogenannte Interferometrie wird der Ölanteil des Tränenfilms analysiert. 

Um Störungen der Tränenflüssigkeit zu behandeln und die Tränenproduktion anzuregen, werden Tränenersatzmittel eingesetzt. Das gilt auch, wenn die trockenen Augen Begleiterscheinung von Rheuma, einer Schilddrüsen- oder anderen Erkrankung sind. "Es gibt allerdings hunderte Präparate, so dass auch ich als Augenarzt kaum sagen kann, "Patient A wird von Medikament B am meisten profitieren", berichtet Geerling. Die Art der Störung gibt die Richtung für die Zusammensetzung des Medikamentes vor. Dann probieren nach Geerlings Beobachtung die meisten Patienten mehrere Mittel aus und bleiben bei einem hängen, mit dem sie gut zurecht kommen.

Behandlung: Tränenersatzmittel nicht zu lange anwenden

Tränenersatzmittel mit Konservierungsstoffen sind zwar länger haltbar, sie können jedoch bei langer Anwendung das Auge schädigen, so Apothekerin Sellerberg. "Die Alternative sind Präparate ohne Konservierungsmittel, entweder in Form von Einmaldosen oder als Comod-System."

Bei letzteren sind die Behälter so konstruiert, dass beim Gebrauch keine Keime hineingeraten können. "Sie sind etwas schwieriger anzuwenden und beispielsweise für ältere Menschen damit weniger gut geeignet, weil man die Flasche mit Kraft zusammendrücken muss", sagt Sellerberg. 

Fläschchen dürfen Auge nicht berühren

Für alle Mittel gilt: Die Fläschchen dürfen das Auge nicht berühren, die Tropfen müssen ins Auge fallen. "Ein guter Trick ist: Man legt sich auf den Rücken, schließt die Augen und gibt einen Tropfen in den Augeninnenwinkel. Wenn man das Auge dann öffnet, verteilt sich die Flüssigkeit automatisch", rät Sellerberg. 

Augentropfen sollten nicht im Kühlschrank gelagert werden, da sie dort zäh werden. Mittel mit Konservierungsstoffen gehören nach der Aufbrauchfrist in den Müll. 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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