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Darmreinigung zu Hause: Einlauf selber machen?

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Darmspülung  

Darmreinigung mit Einlauf: Zu Hause selbst machen

02.05.2018, 17:24 Uhr | fsch, t-online.de

Darmreinigung zu Hause: Einlauf selber machen?. Darmreinigung: Ein Einlauf kann mit einem Irrigator durchgeführt werden, der aus Behälter, Darmrohr und Schlauch besteht. (Quelle: Getty Images/Ulianna)

Darmreinigung: Ein Einlauf kann mit einem Irrigator durchgeführt werden, der aus Behälter, Darmrohr und Schlauch besteht. (Quelle: Ulianna/Getty Images)

Zu Beginn einer Fastenkur oder Diät schwören viele darauf, eine Darmreinigung per Einlauf zu Hause durchzuführen. Wir sagen Ihnen, was Sie bei der Anwendung beachten müssen und ob eine Darmspülung überhaupt sinnvoll ist.

Was ist ein Einlauf?

Ein Einlauf – auch Klistier oder Klysma genannt – ist eine sanfte, unkomplizierte und gründliche Methode der Darmreinigung. Bei solch einer Darmspülung wird Flüssigkeit in den After eingeleitet und dadurch die Stuhlentleerung angeregt. Die gängigsten Einlaufgeräte, um eine Darmreinigung zu Hause durchzuführen, sind Irrigatoren, Einmalklistiere, Klistierspritzen und Klyso-Pumpen. Sie sind in der Apotheke oder online erhältlich und unterscheiden sich in Aufbau, Anwendung und Wirkung. 

  • Irrigator: Ein Irrigator besteht aus einem Behälter für die Einlaufflüssigkeit, einem Schlauch, einem Darmrohr und einem Ansatzstück mit Ventil. Das Darmrohr wird bis zu 30 cm in den After eingeführt. Mit einem Irrigator können bis zu zwei Liter Wasser in den Darm eingeleitet werden, wodurch eine Reinigung des gesamten Dickdarms erfolgt. Man spricht deshalb auch von einem "hohen Einlauf".
  • Einmalklistier: Ein Einmalklistier (auch Mikroklistier oder Miniklistier) fasst nur zwischen 5 und 200 ml Flüssigkeit – meist eine hypertonische Lösung, durch die es zur osmotischen Wasserbindung im Darm und dadurch zur Stuhlerweichung kommt. Der "kleine" Einlauf erfolgt ohne Darmrohr, sodass lediglich ein Reiz auf den Enddarm ausgeübt wird, was zu dessen Entleerung führt. Miniklistiere kommen vor allem bei akuter Verstopfung zum Einsatz. Sie sind zur einmaligen Anwendung gedacht und können auch bei Babys und Kinder eingesetzt werden.  
  • Klistierspritze: Eine Klistierspritze besteht aus einem birnenförmigen Gummiball, in den ein Klistierrohr eingesetzt ist. Es gibt sie in verschiedenen Größen mit einem Fassungsvermögen bis zu 500 ml.
  • Klyso-Pumpen: Bei einem Einlauf mit einer Klyso-Pumpe wird bis zu zwei Liter Flüssigkeit aus einem separaten Behälter angesaugt und über einen Schlauch in den After gepumpt. 

Gut zu wissen: Der Darm unterteilt sich in Dünndarm und Dickdarm, die wiederum in verschiedene Abschnitte gegliedert sind. Bei einem Einlauf wird nur der circa 1,5 m lange Dickdarm gereinigt. Für die Reinigung des Dünndarms sind oral einzunehmende Abführmittel nötig. 

Darmreinigung: Zu den gängigen Einlaufgeräten gehören auch Klistierspritzen, mit denen Flüssigkeit in den After gepumpt werden. (Quelle: Getty Images/Garsya)Darmreinigung: Zu den gängigen Einlaufgeräten gehören auch Klistierspritzen, mit denen Flüssigkeit in den After gepumpt werden. (Quelle: Garsya/Getty Images)

Darmreinigung mit Einlauf: Wann ist eine Darmspülung sinnvoll?

Giftstoffe ausspülen, abnehmen und das Immunsystem stärken – das versprechen sich viele von der rektalen Darmspülung. Experten stehen diesem Trend allerdings skeptisch gegenüber und warnen vor der Darmreinigung in Eigenregie. "Spülungen und Einläufe zur Darmreinigung sind nicht notwendig", sagt Professor Thomas Frieling, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum in Krefeld. "Der Darm reinigt sich selbst und auch die Schleimhäute erneuern sich regelmäßig." 

Aus medizinischer Sicht ist eine Darmreinigung per Einlauf lediglich zur Vorbereitung einer Darmspiegelung, vor einer Entbindung oder bei chronischer Verstopfung sinnvoll, da sich der Darm bei gesunden Menschen auf natürliche Weise selbst reinigt und dort keine Schlacken und Giftstoffe zurückbleiben. 

"Der Darm muss nicht entschlackt werden und Sie können innerlich auch nicht vergiften. Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält", sagt Frieling. Selbst wenn man mehrere Tage keinen Stuhlgang habe, bestehe keine Gefahr. Auch gebe es keinen Grund, die Bakterien, die sich im Darm befinden, loswerden zu wollen, da diese wichtig für die Darmgesundheit seien. 

Einlauf beim Fasten

Trotzdem schwören viele Menschen auf die reinigende Wirkung eines Einlaufs. Vor allem zu Beginn einer Fastenkur oder Darmsanierung wird die Darmspülung durchgeführt – mit dem Ziel, den Darm von Kotresten und Giftstoffen zu befreien, sodass sich die Darmflora besser regenerieren und wieder aufbauen kann. Wissenschaftlich belegt ist dieser Effekt jedoch nicht.

Beim Fasten kann ein Einlauf trotzdem sinnvoll sein: Nach der Darmreinigung fühlt sich der Körper leichter und wird auf den bevorstehenden Nahrungsverzicht eingestimmt. Regelmäßige Darmspülungen während des Fastens helfen zudem dabei, die Darmaktivität aufrecht zu erhalten und so Stoffwechselprodukte auszuscheiden und das Hungergefühl zu minimieren. 

Heilfasten kann laut Frieling dem Körper zwar guttun, sollte allerdings, genau wie der Darmeinlauf, nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Wer Interesse an einer entsprechenden Anwendung hat, sucht am besten seinen Hausarzt auf und lässt sich beraten. 

Mögliche Gründe für einen Einlauf sind:
• Darmspiegelung
• Verstopfung
• Geburt
• Fastenkur (Heilfasten, Basenfasten)
• Darmsanierung


Anleitung: Einlauf selber machen

Ein Einlauf kann unkompliziert in den eigenen vier Wänden vorgenommen werden. Für Ungeübte kann eine Darmspülung jedoch unangenehm sein. Außerdem ist die Handhabung des Zubehörs nicht immer ganz leicht. Beginnen Sie beim ersten Mal mit einer kleineren Menge Flüssigkeit, um sich an das Gefühl des Einlaufs zu gewöhnen. Wichtig ist, dass Sie sich während dieser Darmreinigung in unmittelbarer Nähe zur Toilette aufhalten, falls Sie die Flüssigkeit nicht mehr halten können. Nehmen Sie sich außerdem ausreichend Zeit und gehen Sie entsprechend der folgenden Anleitung vor:

  1. Irrigator mit lauwarmem Wasser (ca. 36 Grad) füllen
  2. Behälter in eine erhöhte Position bringen (z. B. Türklinke, Handtuchhaken, Regal)
  3. Darmrohr einfetten (z. B. mit Vaseline, Pflanzenfett)
  4. Vor dem Einführen zunächst etwas Wasser ins Waschbecken ablassen, um Luft aus dem Schlauch zu lassen
  5. In eine kniende oder seitlich liegende Position kommen, ein Handtuch unterlegen
  6. Darmrohr in den After einführen und Hahn aufdrehen
  7. Wasser einlaufen lassen und Hahn wieder schließen
  8. Wasser 10-15 Minuten im Liegen einwirken lassen, währenddessen den Bauch sanft massieren
  9. Wasser und Darminhalt ausscheiden
  10. Prozedur gegebenenfalls zwei bis dreimal wiederholen

Fasten-Tipp: Nach dem Einlauf sollten Sie eine Entspannungsphase einlegen. Legen Sie sich ruhig hin und wärmen Sie sich mit einer Decke oder einer Wärmflasche.

Welche Einlaufflüssigkeit?

Ein Einlauf kann mit verschiedenen Flüssigkeiten durchgeführt werden. Die Flüssigkeit sollte weder zu kalt noch zu heiß sein, um dem empfindlichen Darm nicht zu schaden. Am besten eignet sich lauwarmes Wasser (Temperatur von 36 – 37 °C). Ist das Wasser zu kalt, zieht sich der Darm zusammen und es kann zu Krämpfen kommen. Durch warmes Wasser entspannt sich der Darm und der Stuhl weicht besser auf.

Bei Bedarf können verschiedene Zusätze, wie Kochsalz, Glycerin, Heilerde (Bentonit) oder Öl, in das Wasser gegeben werden, um die abführende Wirkung noch zu verstärken. Auch Kamillentee ist für einen Einlauf geeignet, denn er beruhigt den Darm und wirkt gleichzeitig entzündungshemmend.

Zur Entgiftung der Leber schwören einige Menschen auch auf Kaffee-Einläufe. Der medizinische Effekt ist aber ebenfalls umstritten. Generell empfiehlt es sich immer, keine Selbstexperimente durchzuführen und zur Sicherheit den Rat eines Arztes einzuholen. 

Risiken und Nebenwirkungen: Das sollten Sie beachten

Wer eine Darmreinigung per Einlauf zu Hause durchführen möchte, sollte sich vorher gründlich informieren oder sich mit einem Arzt absprechen, denn bei falscher Anwendung können Nebenwirkungen auftreten. "Wer ohne Anleitung und Empfehlung eines Arztes Einläufe anwendet, riskiert, dass er seine Darmflora und den Elektrolythaushalt aus der Balance bringt", warnt Frieling. Das bedeutet: Dem Körper werden Mineralstoffe entzogen. Verdauungsstörungen und Kreislaufprobleme können die Folge sein.

Und nicht nur das: Auch Entzündungen und Verletzungen im empfindlichen Darmtrakt sind mögliche Folgen der Anwendung – etwa, wenn man beim Einführen der Instrumente nicht vorsichtig genug ist oder zu heißes Wasser zum Einsatz kommt. Es kann außerdem zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen – oder durch eine starke Blutdrucksenkung zu ernsthafteren Nebenwirkungen wie Nierenversagen. Für schwangere und stillende Frauen sowie chronisch Kranke besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, weshalb von Darmspülungen ebenfalls abzuraten ist.

In folgenden Fällen sollte KEIN Einlauf durchgeführt werden:

  • Schwangerschaft
  • chronische Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) 
  • nach einer Darmoperation
  • Darmverschluss
  • Darmkrebs

Darmeinlauf: Wie oft?

Die Häufigkeit eines Einlaufs richtet sich nach dem Grund der Anwendung. Zur Steigerung des Wohlbefindens kann ein Einlauf bedenkenlos einmal im Monat durchgeführt werden. Eine Darmsanierungs- oder Fastenkur, die mit regelmäßigen Einläufen begleitet wird, kann ein- bis zweimal im Jahr erfolgen. In jedem Fall ist eine anschließende Ernährungsumstellung und der langfristige Aufbau einer gesunden Darmflora ratsam. 

Wer unter akuter Verstopfung leidet, kann sich mit einem Einmalklistier aus der Apotheke kurzfristig Linderung verschaffen. Aufgrund der osmotisch wirkenden Flüssigkeit sollten Miniklistiere aber nicht regelmäßig angewendet werden, denn sie können den Elektrolythaushalt im Körper stören und die Darmschleimhaut reizen. Außerdem kann sich ein Gewöhnungseffekt einstellen, wodurch sich der Darm an die abführenden Helfer gewöhnt und noch träger wird.

Generell sollten Einläufe nicht als Ausgleich für einen ungesunden Lebenstil angesehen werden. Wer seinem Darm etwas Gutes tun möchte, sollte in erster Linie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen setzen. "Eine gesunde Ernährung hat einen positiven Einfluss auf die Darmflora und die Verdauungsfunktion", weiß Darmexperte Frieling. Auch ist es wichtig, ausreichend zu trinken, am besten ein bis zwei Liter am Tag. Das macht den Stuhl weicher und beugt Verstopfung vor. Regelmäßige Bewegung hält den Darm ebenfalls auf Trab. Wer diese Dinge beachtet, hält seinen Darm dauerhaft gesund und hat keinen Grund für eine Darmspülung per Einlauf.

Verwendete Quellen:
  • eigene Recherchen

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