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Multiple Sklerose: MS-Symptome erkennen & Diagnose

Diagnose in vier Schritten  

Multiple Sklerose: So stellt der Arzt die Erkrankung fest

14.09.2020, 15:47 Uhr | t-online, ag

Multiple Sklerose: MS-Symptome erkennen & Diagnose. Eine 3-D-Grafik zeigt Nervenzellen vor schwarzem Hintergrund: Bei Multipler Sklerose kommt es zu chronischen Entzündungen im zentralen Nervensystem. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine 3-D-Grafik zeigt Nervenzellen vor schwarzem Hintergrund: Bei Multipler Sklerose kommt es zu chronischen Entzündungen im zentralen Nervensystem. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach Schätzungen von Experten leiden in Deutschland bis zu 250.000 Menschen an Multipler Sklerose (MS). Die chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems entwickelt sich oft im Verborgenen und wird meist erst spät erkannt.

Multiple Sklerose: Warum die Diagnose schwierig ist

Weil das Beschwerdebild bei Multipler Sklerose (MS) sehr vielschichtig ist, ist die Diagnose schwierig und langwierig. Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen gibt es keine typischen Symptome, die nur bei MS vorkommen. Daher existieren derzeit keine speziellen Test oder Verfahren, um MS festzustellen.

Die Diagnose setzt sich vielmehr aus mehreren Untersuchungsschritten zusammen. Die Ergebnisse sind mit Puzzleteilen zu vergleichen, aus denen sich am Ende ein konkretes Krankheitsbild zusammensetzt.

Typische Symptome bei MS

Multiple Sklerose wird auch als "Krankheit mit den 1000 Gesichtern" beschrieben, da die Symptome sehr vielfältig sein können. Betroffene sehen anfangs Doppelbilder, haben Sehstörungen oder spüren ein undefinierbares Kribbeln in den Füßen. Später können Depressionen, Sehstörungen, Gleichgewichtsprobleme, Sexual- und Blasenfunktionsstörungen hinzukommen.

Die Diagnose Multiple Sklerose kann dann nur ein Neurologe durch umfassende Untersuchungen vornehmen. Wenn die Krankheit nach außen sichtbar wird, und Patienten nicht mehr gut laufen können oder einen Rollstuhl brauchen, ist die Krankheit meist schon weit fortgeschritten.

Treten erste neurologische Symptome auf, sollten sich Betroffene möglichst schnell an einen Arzt wenden. Häufig verschwinden die Beschwerden zwar nach einigen Tagen wieder. Jedoch kann nur eine frühzeitige Therapie das Fortschreiten von Multipler Sklerose aufhalten und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Heilbar ist die Autoimmunerkrankung bis heute nicht.

Vier Stufen der Diagnose bei MS

Eine gesicherte Diagnose für Multiple Sklerose erfolgt in Etappen. Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt. Dieser überweist Patienten bei Bedarf an einen Facharzt, meist an einen Neurologen. Die Diagnostik basiert auf vier Säulen:

  1. Anamnese (Erfassung der Krankengeschichte)
  2. Körperliche Untersuchung (klinisch-neurologische Untersuchung)
  3. Apparative Untersuchungen (Kernspintomografie)
  4. Laboruntersuchungen (Untersuchung des Nervenwassers, Blutuntersuchungen)

Erste Stufe: Die Anamnese

In einem ausführlichen Anamnese-Gespräch informiert sich der Arzt zunächst über die Krankengeschichte des Patienten und mögliche Vorerkrankungen. Die Schilderungen helfen, die möglichen Ursachen der Beschwerden einzugrenzen und den Verdacht auf MS zu erhärten. Wichtig ist dabei auch die Information, ob der Patient oder seine Angehörigen an einer Autoimmunerkrankung leiden.

Zweite Stufe: Körperliche Untersuchungen 

Im Anschluss an das Vorgespräch überprüft der Arzt unter anderem die Funktion der Augen und der Hirnnerven, die Sensibilität auf Berührungen und Temperaturunterschiede, Muskelkraft und Muskelspannung, Reflexe sowie die Bewegungskoordination.

Ein Test besteht zum Beispiel darin, dass der Patient mit geschlossenen Augen den Zeigefinger vom ausgestreckten Arm zur Nasenspitze führt. Mit dieser motorischen Übung haben viele MS-Patienten massive Probleme. Ergänzend hierzu können auch neurologische Untersuchungen durchgeführt werden. Diese prüfen verschiedene geistige Funktionen wie Lernfähigkeit, Gedächtnis und Sprachverarbeitung.

Multiple Sklerose hat auf vielfältige Weise Folgen für Erkrankte.Multiple Sklerose hat auf vielfältige Weise Folgen für Erkrankte.

Hat sich ein erster Verdacht bestätigt, versucht der Arzt, sogenannte evozierte Potentiale aufzuzeichnen. Das sind elektrische Spannungen, die in den Nerven- und Muskelzellen des menschlichen Körpers auftreten, wenn von außen ein Reiz einwirkt. Damit kann die Leitgeschwindigkeit bei verschiedenen Sinnessystemen gemessen werden.

Dabei werden zum Beispiel die Nerven des Auges durch ein Schachbrettmuster gereizt. Der Sehnerv leitet daraufhin den visuellen Reiz zur Hirnrinde weiter. Gemessen wird anhand von Elektroden, wie schnell der Impuls im Gehirn ankommt. Auf diese Weise kann festgestellt werden, ob die Nervenbahnen intakt sind. Eine verlangsamte Leitgeschwindigkeit ist ein Hinweis auf Multiple Sklerose.

Dritte Stufe: Magnetresonanztomografie 

Im dritten Schritt wird eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomographie, MRT) vom Gehirn und Rückenmark gemacht. Mögliche Entzündungsherde oder Plaques finden sich häufig neben den seitlichen Nervenwasserräumen des Organs. Mit Hilfe von Kontrastmittel kann auch zwischen frischen und älteren MS-Herden unterschieden werden. 

Leidet der Patient unter Funktionsstörungen der Blase, kann der Arzt ein Miktionsprotokoll empfehlen und eine Restharnbestimmung durchführen. Der Patient dokumentiert, wie häufig er Wasser lässt. Außerdem bestimmt der Arzt die Urinmenge, die nach dem Wasserlassen in der Blase bleibt.

Vierte Stufe: Lumbalpunktion und Blutuntersuchungen

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Diagnose ist die sogenannte Lumbalpunktion (Liquordiagnostik). Bei dieser Untersuchung wird aus dem Rückenmark Nervenwasser entnommen. Dies geschieht im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Der Eingriff wird mit einer dünnen Hohlnadel durchgeführt und dauert nur wenige Minuten. 

Die Auswertung der Nervenwasser-Probe kann die Entzündung des Gehirns und Rückenmarks erkennbar machen: Hat der Patient Multiple Sklerose, ist die Zahl bestimmter Abwehrzellen im Nervenwasser erhöht und es lassen sich Antikörper nachweisen.

Ebenso wichtig sind Blutuntersuchungen und Urinuntersuchungen. Sie dienen vor allem dazu, andere Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Beschwerden wie bei MS haben. Die meisten Laborwerte sind bei Patienten mit Multipler Sklerose normal. 

Prognose: MS ist bislang unheilbar

Bei einer schwer verlaufenden MS bleibt es häufig nicht bei den unsichtbaren Symptomen. Ein Schub hat dann die Folge, dass Betroffene schlagartig Arme oder Beine nicht mehr bewegen können. Auch ist es möglich, dass die Funktion der Beine dauerhaft beeinträchtigt bleibt und der Patient einen Rollstuhl braucht.

experten gehen davon aus, dass eine Fehlfunktion vom Immunsystem für das Auftreten von MS verantwortlich ist. Doch auch genetische Ursachen werden vermutet und von Forschern untersucht. Bis heute gibt es keine Medikamente, die Multiple Sklerose heilen können.

Allerdings können bestimmte Präparate die Häufigkeit und Schwere von Schüben mindern und den Verlauf der Erkrankung verlangsamen. Bei einem akuten Schub werden häufig Kortikosteroide, zu denen auch Cortison zählt, verabreicht. Auch eine Immuntherapie kann die Symptome lindern. Die oben beschriebenen Symptome wie Spastiken oder Depressionen können ebenfalls behandelt werden. Allerdings können die hier angewendeten Medikamente erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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