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Innerliches Zittern: Warum innere Unruhe krank macht

Zittern, Herzklopfen, innerliches Kribbeln  

Warum innere Unruhe krank macht

Von Lydia Klöckner

30.05.2021, 13:51 Uhr
Innerliches Zittern: Warum innere Unruhe krank macht. Eine junge Frau lehnt erschöpft an einem Fenster: Innere Unruhe versetzt Körper und Psyche in Dauerstress. (Quelle: Getty Images/ Cecilie_Arcurs)

Eine junge Frau lehnt erschöpft an einem Fenster: Innere Unruhe versetzt Körper und Psyche in Dauerstress. (Quelle: Cecilie_Arcurs/Getty Images)

Nervös, aufgeregt, angespannt, irgendwie kribbelig: Es gibt viele Worte, um innere Unruhe zu beschreiben. Aber wie entsteht dieser Zustand – und was steckt dahinter? Die wichtigsten Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten im Überblick.

Kaum ein Gefühl macht die Einheit von Körper und Psyche so deutlich spürbar wie innere Unruhe. Zum einen gehen seelische Zustände wie Angst, Aufregung und Beklommenheit einher mit körperlichen Regungen wie Schwitzen, Zittern oder Herzrasen. Zum anderen sind auch die möglichen Ursachen innerer Unruhe sowohl körperlicher als auch psychischer Natur: Prüfungsangst, Zeitdruck im Job, Streit in der Familie kommen ebenso als Auslöser infrage wie Schilddrüsen- und Stoffwechselkrankheiten.

Der Zustand innerer Unruhe lässt sich somit kaum eindeutig auf körperlicher oder psychischer Ebene verorten. Entsprechend schwierig ist der Umgang damit: Steckt eine körperliche Erkrankung dahinter, mit der man zum Arzt sollte? Oder sind die Beschwerden ein Zeichen für ein psychisches Problem und somit ein Fall für die Psychotherapeutin? Wir erklären, was innere Unruhe bedeuten kann und was zu tun ist, wenn das Gefühl immer wieder aufkommt – oder gar zum ständigen Begleiter wird.

Definition: Wie fühlt sich innere Unruhe an?

Eine offizielle medizinische Definition innerer Unruhe gibt es nicht. In der Fachliteratur wird sie häufig als Zustand beschrieben, der typischerweise mit Anspannung, Aufregung, Bewegungsdrang, Angst und/oder Erwartung einhergeht und zugleich mit einer Vielzahl weiterer Symptome verbunden sein kann – etwa Herzrasen, Zittern und Schwitzen. Mitunter wird innere Unruhe als Synonym (also anderer Begriff) für Nervosität verwendet.

Unter Ärztinnen und Ärzten gilt innere Unruhe als "unspezifisches" Symptom. Das bedeutet: Sie ist kein typisches Anzeichen für eine bestimmte Erkrankung. Vielmehr können viele verschiedene Krankheiten mit innerer Unruhe verbunden sein. Auch gibt es zahlreiche Auslöser für innere Unruhe, die nicht auf eine Erkrankung zurückzuführen sind.

Symptome: Anzeichen für innere Unruhe 

Innere Unruhe geht meist mit verschiedenen körperlichen Symptomen einher, wie etwa:

All das können normale Reaktionen des Körpers auf Stress sein. Selbst, wenn das Ereignis objektiv betrachtet nicht bedrohlich war: Hat die oder der Betroffene es als belastend, beängstigend oder bedrückend empfunden, kann das als Auslöser für eine Stressreaktion reichen.

In Gang gesetzt wird diese von einem Teil des Nervensystems, der sich nicht willkürlich steuern lässt, dem Sympathikus. Dieser sorgt unter anderem dafür, dass sich Herzschlag, Blutdruck und Atmung beschleunigen und man ins Schwitzen gerät, was sich durch die genannten Symptome bemerkbar machen kann. Der Körper steigert auf diese Weise seine Leistungsfähigkeit, um besser für eine Flucht oder einen Kampf gewappnet zu sein.

Der Zustand innerer Unruhe erfüllt in Notsituationen also einen wichtigen Zweck, er sollte aber nicht dauerhaft bestehen bleiben. Der Körper kann nicht immerzu in erhöhter Leistungsbereitschaft verharren. Schließlich geht jede Gefahr irgendwann vorüber, sodass auf jede Anspannung normalerweise die Entspannung folgt. So ist es zumindest in der freien Natur. In der modernen Welt hingegen herrschen oftmals Bedingungen, die viele Menschen in Dauerstress versetzen. Dieser kann sich durch ständige innere Unruhe äußern – mitsamt den erwähnten Symptomen.

Stress ist allerdings nicht die einzige mögliche Ursache für ein Gefühl innerer Unruhe und die damit verbundenen Symptome wie Herzklopfen, Zittern, Schweißausbrüche und erhöhten Blutdruck. Es gibt auch Krankheiten, die sich durch derlei Beschwerden äußern können. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel "Ursachen".

Kribbeln im Körper durch innere Unruhe?

Die körperlichen Gefühle, die mit innerer Unruhe verbunden sind, lassen sich mit unterschiedlichen Worten beschreiben. Was die einen als Nervosität, Bewegungsdrang, Aufgekratztheit oder ein Gefühl des Getriebenseins wahrnehmen und benennen, kommt anderen womöglich eher wie ein innerliches Kribbeln vor. Wieder andere sprechen von Zappeligkeit oder innerlicher Zittrigkeit.

Wer diese Begriffe beim Arztbesuch verwendet, sollte wissen: Die Ärztin oder der Arzt versteht unter "Kribbeln" und "Zittern" womöglich etwas ganz anderes als man selbst. Zittern (fachsprachlich Tremor) steht in der Medizin für unwillkürliche rhythmische Bewegungen einer oder mehrerer Körperteile. "Kribbeln" gilt unter Fachleuten als umgangssprachlicher Begriff für Taubheitsgefühle und Missempfindungen – meist in den Händen, Armen, Beinen und/oder Füßen. Diese Symptome sind vor allem für Nervenschäden und -erkrankungen typisch. Ein Beispiel ist die Polyneuropathie, die etwa als langfristige Folge von Diabetes mellitus entstehen kann.

Um Missverständnisse zu verhindern, kann es helfen, sich vor dem Arztbesuch noch eine genauere Beschreibung des "Unruhe-Kribbeln" zu überlegen, und genau in sich hineinzuhorchen: Wo genau befindet sich das Gefühl? Breitet es sich aus? Wie lange hält es an? Und in welchen Situationen tritt es auf? Je präziser die Beschreibung, umso leichter wird die Suche nach der Ursache.

Aber keine Sorge: Ärztinnen und Ärzte sind es normalerweise gewöhnt, selbst ungewöhnliche Symptombeschreibungen nachzuvollziehen und sich durch gezieltes Fragen ein möglichst stimmiges Bild von den geschilderten Beschwerden zu machen.

Ursachen: Was löst innere Unruhe aus?

Häufige Gründe für innere Unruhe sind:

  • Belastungen und Sorgen, etwa im Job oder in der Familie
  • vorübergehender oder langfristiger Überschuss oder Mangel an bestimmten Botenstoffen (Hormonen) im Körper (z. B. bei Schilddrüsenerkrankungen oder in den Wechseljahren)
  • Kaffeekonsum
  • Konsum oder Entzug von Drogen wie Nikotin oder Kokain
  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, zum Beispiel Neuroleptika
  • psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen

Auslöser Stress

Steckt Stress dahinter, merken die Betroffenen das für gewöhnlich noch an weiteren Anzeichen – vor allem an ihrer allgemeinen Stimmung und ihren Gedanken: Übermäßig gestresste Menschen fühlen sich typischerweise gereizt, gehetzt, ängstlich und unter Druck, bei manchen dominieren auch Gefühle der Erschöpfung, Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit. Viele Menschen, die unter dauerhafter Überforderung leiden, schlafen schlecht, grübeln viel und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Andere Ursachen für die Symptome innerer Unruhe

Der Zustand innerer Unruhe lässt sich meist auf eine Kombination verschiedener Gefühlsregungen zurückführen, unter anderem auf gesteigerten Bewegungsdrang, Herzklopfen, Schwitzen und Zittern. All diese Symptome können eine normale körperliche Reaktion auf körperlichen oder emotionalen Stress sein – ausgelöst durch belastende, bedrohliche oder überfordernde Ereignisse oder Situationen. Mitunter deuten sie aber auch auf Erkrankungen oder ganz andere Ursachen hin.

Ein Beispiel ist die Schilddrüsenüberfunktion, bei der die Schilddrüse zu große Mengen bestimmter Hormone bildet. Diese machen den Körper empfindlicher gegenüber den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin. Die Folgen: Zittern, Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen

Zittern kann aber auch Symptom eines zu niedrigen Blutzuckers (Unterzuckerung) sein oder als Entzugserscheinung nach dem Absetzen bestimmter Medikamente oder Suchtmittel auftreten. Darüber hinaus kommen als Auslöser ein Mangel an Vitamin B12, eine Nierenschwäche oder Nervenerkrankungen infrage.

Für Herzklopfen kann es ebenfalls verschiedenste Gründe geben – von einem Übermaß an Kaffee oder Alkohol bis hin zu Herzerkrankungen wie einer Herzschwäche. Ähnlich verhält es sich bei Schwitzen und hohem Blutdruck: Zahllose Auslöser sind denkbar – sowohl harmlose als auch krankhafte.

Es gibt also gute Gründe, die körperlichen Symptome innerer Unruhe im Blick zu behalten. Steckt eine Erkrankung dahinter, sollte diese rechtzeitig behandelt werden. Ist es wirklich "einfach nur der Stress", bedeutet das nicht, dass man die Symptome aushalten muss oder sollte: Dauerstress kann krank machen.

Innere Unruhe: Sind die Wechseljahre schuld?

In den Wechseljahren bilden die Eierstöcke immer geringere Mengen des Botenstoffes Östrogen. Das führt einerseits dazu, dass die Fruchtbarkeit in den Wechseljahren abnimmt. Darum können Frauen nach den Wechseljahren nicht mehr schwanger werden und bekommen keine Regelblutung mehr. Andererseits kann sich der sinkende Östrogenspiegel auf den gesamten Organismus auswirken. Bei manchen Frauen führt die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren zu verschiedenen körperlichen und psychischen Beschwerden – auch innere Unruhe, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen sind mögliche Begleiterscheinungen.

Oft geht die Unruhe mit weiteren Beschwerden einher, die ebenfalls Folge der hormonellen Veränderung sein können. Typisch sind etwa

  • Schweißausbrüche,
  • Herzrasen,
  • Schwindel,
  • Kopfweh,
  • Schlafstörungen sowie
  • Niedergeschlagenheit.

Wenn eine Frau in den Wechseljahren zum ersten Mal oder ungewöhnlich häufig mit innerer Unruhe oder anderen Beschwerden zu kämpfen hat, sollte sie diese ärztlich abklären lassen. Denn unter Umständen steckt eine andere Ursache als die Hormone dahinter und es ist Zufall, dass die Symptome in den Wechseljahren einsetzen. Ist eine Erkrankung der Auslöser, sollte diese frühzeitig behandelt werden.

Und auch wenn es sich dabei tatsächlich um Wechseljahresbeschwerden handelt, ist ein Arztbesuch empfehlenswert. Bis sich der Körper auf ein neues hormonelles Gleichgewicht eingestellt hat, kann es nämlich einige Jahre dauern. Bei vielen Frauen treten die Beschwerden nur gelegentlich auf. Es gibt auch Frauen, die in dieser Zeit so gut wie keine Probleme verspüren.

Für einige können Wechseljahresbeschwerden jedoch zur massiven Belastung werden, für deren Bewältigung sie Unterstützung benötigen. Eine Hormontherapie birgt in vielen Fällen mehr Risiken als Nutzen. Viele Beschwerden lassen sich aber zum Beispiel mit psychotherapeutischer Hilfe besser ertragen und bewältigen.

Innere Unruhe nachts

Zu viel Kaffee getrunken, ein aufwühlender Streit beim Abendessen oder auch eine Erkrankung: Vieles kann dazu führen, dass eine Person nachts nicht zur Ruhe kommt, länger wach liegt als üblich oder immer wieder aufwacht. Zu den häufigsten Ursachen für nächtliche Unruhe bis hin zu Schlafstörungen gehören:

  • Fernsehen, Computerspiel und andere Formen der Mediennutzung am Abend (insbesondere bei blauem Bildschirmlicht)
  • Bewegungsmangel am Tag
  • Alkohol und Kaffee
  • seelische Belastungen bis hin zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen

Manchmal erledigt sich das Problem von selbst – etwa, wenn eine belastende Phase im Joballtag bewältigt ist oder es der oder dem Betroffenen gelingt, vor dem Zubettgehen achtsamer mit Medien umzugehen. In vielen Fällen hilft es, auf Kaffee und Alkohol zu verzichten. Dass Kaffee wach hält, ist den meisten bewusst – weniger bekannt ist indessen, dass auch Alkohol der nächtlichen Erholung abträglich sein kann. Er erleichtert zwar mitunter das Einschlafen, führt aber zu einem unruhigeren Schlaf.

Lässt sich die Unruhe in der Nacht nicht durch einfache Maßnahmen in den Griff bekommen, ist ärztlicher Rat gefragt. Schlafstörungen sind auf Dauer nicht nur nervig und belastend, sondern sie können auch ungesunde Konsequenzen nach sich ziehen – zum Beispiel Übergewicht, Stoffwechselkrankheiten oder psychische Störungen wie Depressionen.

Schwächegefühl und innere Unruhe: Was kann dahinterstecken?

Wer sich innerlich unruhig fühlt, verspürt häufig verstärkten Bewegungsdrang. Die typischen Symptome innerer Unruhe können aber auch in Kombination mit einem Schwächegefühl oder Müdigkeit vorkommen. Dafür kann es ebenfalls zahlreiche Erklärungen geben.

Eine mögliche Ursache ist die Unterzuckerung: Die Betroffenen haben erst typische Unruhe-Symptome wie Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, fühlen sich jedoch zugleich schwach und werden immer müder – bis hin zur Bewusstlosigkeit. Eine derart ausgeprägte Unterzuckerung ist bei gesunden Menschen eher ungewöhnlich. Das Risiko dafür besteht vor allem bei bestimmten Erkrankungen wie etwa Diabetes mellitus. 

Innere Unruhe bei Kindern: Ist mein Kind hyperaktiv?

Wenn ein Kind ständig unruhig ist, kommt bei den Eltern schnell die Sorge vor ADHS auf. ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Die betroffenen Kinder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, verhalten sich impulsiv und haben einen starken Bewegungsdrang – daher der Begriff "hyperaktiv". Unruhe ist also tatsächlich ein möglicher Hinweis auf ADHS – allerdings ist diese für Außenstehende deutlich zu sehen. Nicht ohne Grund spricht man auch vom "Zappelphilipp-Syndrom".

Wenn ein Kind über innere Unruhe klagt, sich aber generell nicht übermäßig aktiv verhält, spricht das hingegen eher nicht für ADHS. Das Gefühl von Unruhe hat dann vermutlich andere Ursachen, denen die Eltern gemeinsam mit dem Kind – und eventuell professioneller Hilfe – auf den Grund gehen sollten.

Manchmal gibt es einen konkreten Grund für die Unruhe. Im besten Fall ist das Kind nur vorübergehend ein wenig aufgekratzt – etwa aus Vorfreude auf ein bestimmtes Ereignis oder, weil es zuvor vielen Reizen ausgesetzt war, wie zum Beispiel nach einer Geburtstagsfeier. In diesem Fall legt sich die Aufgeregtheit normalerweise von selbst wieder.

Wenn die Nervosität über Tage hinweg bestehen bleibt, hat das Kind womöglich mit ernsteren seelischen Belastungen zu kämpfen. Auch Kinder können unter Zukunftsängsten, Stress und Sorgen leiden: Leistungsdruck in der Schule, Konflikte innerhalb der Familie, Ärger mit Freunden oder Mitschülern bis hin zum Mobbing – all dies kann die kindliche Psyche belasten und das Kind dauerhaft beunruhigen. Häufig lassen sich die zugrundeliegenden Probleme durch Gespräche lösen. Unterstützen können dabei psychologisch oder pädagogisch geschulte Beraterinnen und Berater. Erreichbar sind diese zum Beispiel bei städtischen Familienberatungsstellen.

Fällt dem Kind kein Grund für sein Unruhegefühl ein oder kann es die Gründe nicht so recht benennen, hilft möglicherweise ein Besuch bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten weiter. Es gibt Therapeutinnen und Therapeuten, die auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind. Sie können es dem Kind erleichtern, über seine seelischen Belange zu sprechen – zum Beispiel durch bestimmte Gesprächstechniken oder mithilfe spielerischer Methoden.

Behandlung & Medikamente: Was hilft bei innerer Unruhe und Angst?

Zur Behandlung von innerer Unruhe und Angstzuständen stehen verschiedene Arten von Beruhigungsmitteln zur Verfügung. Sie lassen sich grob unterteilen in

  • verschreibungspflichtige Medikamente und
  • pflanzliche Mittel, die es ohne Rezept in Drogerien oder Apotheken zu kaufen gibt.

Allerdings schaffen solche Mittel nicht oder nur vorübergehend Abhilfe. Viele – vor allem die freiverkäuflichen – bringen die erwünschte Wirkung nicht. Andere lindern zwar die Unruhe, bergen aber das Risiko unangenehmer Nebenwirkungen und können abhängig machen.

In vielen Fällen ist es ohnehin weder nötig noch hilfreich, unangenehme Gefühlszustände gleich mit einem Mittel zu bekämpfen. Werden die Gefühle zum ständigen Begleiter, ist es sinnvoll, ärztlichen oder psychologischen Rat einzuholen.

Wenn die Unruhezustände oder Schlafstörungen als Symptome einer psychischen Erkrankung auftreten, kann die Ärztin oder der Arzt – in bestimmten Fällen – vorübergehend Medikamente mit Benzodiazepinen verschreiben.

Dazu zählen verschiedene Arzneistoffe, die auf das zentrale Nervensystem wirken und Unruhe und Angst schnell und unmittelbar lindern können. Die Wirkung setzt schon nach etwa einer halben Stunde ein. Sie eignen sich aber nicht zur längerfristigen Behandlung, weil sie abhängig machen können. Normalerweise sollte die Einnahme spätestens nach drei bis vier Wochen beendet sein.

Hausmittel & pflanzliche Mittel

In Drogerien und Apotheken gibt es eine große Auswahl von pflanzlichen Tees, Tabletten oder Tropfen, die Unruhe und Nervosität sanft und natürlich bekämpfen sollen. Die meisten dieser Präparate enthalten Extrakte aus

Ob und inwieweit pflanzliche Beruhigungsmittel helfen, lässt sich bisher nicht mit Gewissheit sagen. Zwar wurden bereits Studien zu Mitteln mit den genannten Pflanzenextrakten durchgeführt. Ein Großteil dieser Untersuchungen ist aber nicht von ausreichender wissenschaftlicher Qualität, um daraus sichere Aussagen ableiten zu können.
Recht gut belegt ist die beruhigende Wirkung von

  • Baldrian und
  • Lavendelöl.

Baldrian gibt es in Form von Tropfen, Tees und Tabletten zu kaufen. Empfehlenswert sind reine Baldrian-Präparate in Tablettenform, die mindestens 450 Milligramm Baldrianwurzel-Trockenextrakt enthalten. Studien deuten darauf hin, dass diese möglicherweise Nervosität und Unruhe entgegenwirken können.

Die Stiftung Warentest bewertet Präparate mit solchen Baldrianextrakten daher als "mit Einschränkung geeignet", weist aber darauf hin, dass die Wirksamkeit noch weiter untersucht werden muss.

Wichtig: Bei Baldrian-Präparaten lohnt sich der Blick auf die Zusammensetzung. Viele Produkte sind nämlich zu niedrig dosiert. Das gilt besonders für Tees sowie für Kombinationspräparate, die neben Baldrian noch weitere Pflanzenextrakte wie Hopfen enthalten.

Lavendelöl gibt es in Form von Weichkapseln zu kaufen. Auch deren Wirkung ist noch nicht ausreichend erforscht, um sie uneingeschränkt empfehlen zu können. Bisherige Studien legen aber nahe, dass die Präparate tatsächlich gegen Angst und Schlafstörungen helfen könnten. Die Wirkung zeigt sich aber erst nach längerfristiger Einnahme über mehrere Wochen.

Helfen Bachblüten und Globuli bei innerer Unruhe?

Bachblüten und Globuli sind zur Behandlung innerer Unruhe nicht zu empfehlen. Studien haben ergeben, dass sie bei Nervosität und Angst nicht helfen – zumindest nicht besser als Placebos, also sogenannte Scheinmedikamente, die keinen Wirkstoff enthalten.

Das ist nicht verwunderlich: Globuli sind nichts anderes als winzige Zuckerkügelchen, die praktisch keinen Wirkstoff enthalten. Dieser wird bei der Herstellung so stark verdünnt, dass in den Kügelchen letztlich kaum noch ein Molekül davon nachweisbar ist.

Bei den Bachblüten verhält es sich ähnlich: Sie bestehen hauptsächlich aus Wasser und Alkohol und nur äußerst geringen Mengen pflanzlicher Extrakte. Diese stammen nicht etwa aus bekannten Heilpflanzen, für deren beruhigende Wirkung es bereits Belege gibt (wie etwa die Baldrianwurzel). Sondern es handelt sich um Auszüge aus Blüten von 38 verschiedenen Pflanzen, für deren Wirkung es keinerlei wissenschaftliche Anhaltspunkte gibt.

Innere Unruhe: Was tun?

Innere Unruhe ist nicht unbedingt ein Krankheitssymptom, sondern gehört zum Menschsein dazu. So gut wie jeder fühlt sich gelegentlich unruhig, gestresst und nervös. Grund zur Sorge besteht nur, wenn dieser Zustand nicht mehr nachlässt oder allzu oft auftritt.

Wer sich über Wochen hinweg permanent oder immer wieder innerlich unruhig fühlt und darunter leidet, sollte daher in jedem Fall einen Arzttermin vereinbaren. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann dabei helfen, den Ursachen auf den Grund zu gehen und einschätzen, welche weiteren Maßnahmen zur Diagnose und Behandlung nötig sind.

Wer seelische Probleme hinter der Unruhe wähnt, kann auch direkt einen Termin bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten machen. Das Erstgespräch ist unverbindlich und dient erst einmal nur der Beratung und Orientierung. Eine Überweisung ist nicht notwendig.

Bis dahin – und auch begleitend zur weiteren Behandlung – können verschiedene Selbsthilfemaßnahmen dazu beitragen, das Problem in den Griff zu bekommen. Ein gesundes und schnell wirksames Mittel zum Stressabbau ist Bewegung, am besten in der Natur.

Bewährt haben sich zudem Entspannungstechniken wie

  • progressive Muskelentspannung (auch progressive Muskelrelaxation genannt) und
  • autogenes Training.

Bei der progressiven Muskelentspannung geht es darum, angespannte Muskeln gezielt zu lockern, um den gesamten Körper zu entspannen. Dazu werden alle Muskeln nach und nach erst bewusst angespannt und dann wieder entspannt.

Beim autogenen Training spürt man gezielt und aufmerksam in sich hinein und stellt sich vor, wie sich ein Gefühl der Schwere, Wärme und Entspannung im Körper ausbreitet.
Beide Techniken lassen sich binnen weniger Wochen in Kursen oder mithilfe von Büchern, Apps oder CDs erlernen.

Verwendete Quellen:
  • Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Abrufdatum: 25.5.2021)
  • Online-Informationen von Deximed: www.deximed.de (Abrufdatum: 25.5.2021)
  • Online-Informationen des Pschyrembels: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 25.5.2021)
  • Online-Informationen des öffentlichen Gesundheitsportals Österreichs: www.gesundheit.gv.at (Abrufdatum: 25.5.2021)
  • Online-Informationen des Departments für evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität Krems sowie von Cochrane Österreich: www.medizin-transparent.at (Abrufdatum: 25.5.2021)
  • Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 25.5.2021)
  • Nervosität und Unruhe. Online-Informationen der Stiftung Warentest: www.test.de (Stand: 15.5.2021)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM) und des Deutsches Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM): Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 051-001 (Stand: Juli 2018)
  • Payk, T., et al.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2017
  • Behrends, J. C., et al.: Duale Reihe Physiologie. Thieme, Stuttgart 2016
  • Klimm, H., et al.: Allgemeinmedizin. Thieme, Stuttgart 2016
  • Baenkler, W.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Tremor. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/011 (Stand: 30.09.2012)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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