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Essstörung "Chewing and Spitting" endet im Kontrollverlust


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Kauen und Ausspucken: Was Sie über die Essstörung wissen sollten

t-online, Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 25.05.2018Lesedauer: 3 Min.
Frau beißt von Schokolade ab.
Keine harmlose Angewohnheit – mit der Essstörung kommt der Kontrollverlust. (Quelle: Oliver Berg/dpa-bilder)
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Essstörungen wie Magersucht (Anorexie) und Ess-Brech-Sucht (Bulimie) sind bekannt. Weniger bekannt sind die Unterformen, darunter das sogenannte "Chewing and Spitting", im Deutschen Kauen-Ausspucken-Syndrom genannt. Die Betroffenen kauen ihr Essen, schlucken es aber nicht hinunter.

Oft steckt der Wunsch abzunehmen hinter dem Verhalten. Doch was harmlos beginnt, kann zu einem echten Risiko für die Gesundheit werden.

Es habe im Zuge einer Diät begonnen, berichtet eine Frau in einem Forum für Essstörungen. Sie habe Lust auf Schokolade gehabt, wollte aber die Kalorien umgehen. Also habe sie die Schokolade gekaut – und anschließend in einen Beutel gespuckt. Was harmlos begann, wurde für sie zu einer Sucht: Sie kann nicht mehr damit aufhören. Die Mengen an Süßigkeiten, die sie täglich kaut und ausspuckt, sind zu einer beachtlichen Menge herangewachsen. Sie fühle sich schlecht, schäme sich und habe das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Mittlerweile spucke sie auch einen Teil ihrer Hauptmahlzeiten wieder aus, wenn sie alleine ist, gibt sie zu. Sie wolle damit aufhören, schaffe es aber nicht.

Dabei leidet auch der Körper. Was oft mit einem ausgespuckten Schokoriegel beginnt, kann sich auf ganze Mahlzeiten ausdehnen. Es drohen gravierende Nährstoffmängel, da der Körper nicht mehr ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt wird.

Chewing and Spitting: Vor allem Frauen sind betroffen

Vor allem bei Frauen ist Chewing and Spitting zu finden, weiß Andreas Schnebel vom Bundesfachverband Essstörungen (BFE) und Therapeutischer Leiter von ANAD e. V., einem Versorgungszentrum für Essstörungen. Nicht nur, weil Frauen stärker auf ihre Figur achten, sondern auch weil Frauen Emotionen häufiger über das Essen verarbeiten. "Es ist davon auszugehen, dass es viele Frauen gibt, die diese Begleitform einer Essstörung zeigen. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein – die meisten schämen sich, darüber zu sprechen", erklärt Schnebel.

Kontrollverlust bei Essstörungen kommt schleichend

Was mit dem Ziel beginnt, das Essen zu kontrollieren, endet mit dem Kontrollverlust. "Zu Beginn denken die Betroffenen, sich etwas Gutes zu tun, Kalorien einzusparen und den Körper vor ungesundem Essen zu schützen. Der Kontrollverlust kommt dann schleichend", so der Therapeut. "Was sich zuerst noch gut anfühlt, endet in Gefühlen aus Scham, Schwäche und Ängsten. Durch den Suchtcharakter fällt der Ausstieg aus diesem Essverhalten sehr schwer."

Geringes Selbstvertrauen erhöht Risiko für Kauen und Ausspucken

Laut dem Experten schwingt in diesem Verhalten eine tiefe seelische Verunsicherung mit. Kontrolle haben zu wollen, sei immer der Versuch, Unsicherheiten und Ängste zu bekämpfen. "Personen mit Selbstzweifeln und einem geringen Selbstwertgefühl sind häufig betroffen. Doch auch bei Perfektionisten, erfolgsorientierte Menschen und solchen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind, ist dieses Verhalten zu finden", sagt Schnebel. "Das Gefühl, das eigene Essverhalten zu kontrollieren gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Stärke."

Kauen und Ausspucken: Bis zur Hilfe vergehen viele Jahre

Der Absprung von Chewing and Spitting zu schaffen, ist nicht nur aufgrund des zwanghaften Kontrollgedankens schwer. Auch die Scham ist eine bedeutende Bremse, wenn es darum geht, Hilfe zu suchen. Dem Experten zufolge dauert es bis zu sieben Jahre, bis Betroffene mit dem Kauen-Ausspucken-Syndrom eine Beratungsstelle besuchen. "Die lange Zeitspanne ist nicht verwunderlich. Zuerst geht es der Person mit diesem Verhalten lange gut. Erst später wird es zum Zwang. Die Mengen des gekauten und ausgespuckten Essens nehmen zu, die Häufigkeit ebenfalls. Die Gedanken und der Alltag drehen sich nur noch um das Essen", so der Therapeut.

Der Körper wird ausgezehrt

Ohne fachliche Unterstützung schaffen die Betroffenen den Absprung in der Regel nicht. Zu stark ist das Verhalten mit Emotionen, Kontrollsucht, Zwängen und Gewohnheit verknüpft. Sogar körperliche Schäden werden in Kauf genommen. "Die Folgen sind ähnlich wie bei einer Magersucht. Der Körper wird ausgezehrt. Das kann gefährlich werden", sagt Schnebel und wünscht sich, dass mehr Betroffene den Mut haben, eine Beratungsstelle aufzusuchen. "Dort kann ihnen geholfen werden. Je länger sie warten, desto schwieriger ist die Therapie."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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