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Das Gefühl der Panikattacke verstehen und behandeln

"Die Angst kam über mich wie eine riesige Welle"  

Nicht mehr denken, nur noch fühlen: Panikattacken verstehen und behandeln

11.07.2018, 10:50 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Das Gefühl der Panikattacke verstehen und behandeln. Gestresste Frau: Die Ursache für Panikattacken ist häufig aufgestauter Stress zum Beispiel am Arbeitsplatz. (Quelle: Getty Images/kieferpix)

Gestresste Frau: Die Ursache für Panikattacken ist häufig aufgestauter Stress zum Beispiel am Arbeitsplatz. (Quelle: kieferpix/Getty Images)

Als Miriam ihre erste Panikattacke erlebt, ist sie gerade im Keller und möchte Kartoffeln für das Abendessen holen. Die Wucht der Attacke trifft sie völlig unvorbereitet. "Die Angst ist wie eine Welle über mich geschwappt", erinnert sie sich. "Ich konnte nichts mehr denken und nichts mehr tun. Ich hatte nur noch diese Panik in mir." Was bei einer Panikattacke im Körper passiert.

Miriam kauert sich auf dem Boden zusammen. Ihr Herz rast, Schweiß steht ihr auf der Stirn, sie zittert. Viele Minuten liegt sie auf dem kalten Kellerboden. "Ich fühlte mich total hilflos. Alles in mir war Angst. Es war schlimm." Von da an befallen die 48-Jährige immer wieder Panikattacken. Irgendwann hält sie es nicht mehr aus und sucht Hilfe.

Ständiger Stress im Beruf kann Panikattacke auslösen

Miriam geht zu einem Neurologen und zu einer Psychotherapeutin. Bald ist klar: Miriam leidet unter einer Angststörung – ausgelöst durch permanenten Dauerstress und Überforderung im Beruf. "Ich war viele Wochen krankgeschrieben. Es war eine schwere Zeit. Aber die Gespräche mit meiner Psychotherapeutin waren eine wichtige Stütze und haben mir sehr geholfen", sagt sie.

Als es ihr langsam besser geht, orientiert sie sich beruflich um. Seitdem geht es ihr gut. Panikattacken hat sie keine mehr. "Die letzte Attacke ist jetzt gut vier Jahre her. Und ich hoffe sehr, dass ich sie nie wieder erleben muss."

Was Miriam erlebt hat, ist keine Seltenheit. "Es ist durchaus häufig, dass extrem stressige Phasen, etwa im Beruf, eine Panikattacke auslösen. Die Panikattacke ist dann unter anderem die Folge einer emotionalen Überforderung", erklärt Dr. Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater. "Hinzu kommt, dass die Schwelle für psychische Symptome sinkt, wenn wir lange schwer gestresst sind. Ängste verstärken sich dann oft."

Panikattacke: Der Körper wechselt in den Fluchtmodus

Aber warum sendet der Körper so extreme Stresssignale aus, dass viele Betroffene glauben, einen Herzinfarkt zu erleiden oder sterben zu müssen? "Bei einer Panikattacke spult der Körper sein genetisch verankertes 'Überlebensprogramm' ab. Der Körper stellt sich auf Flucht beziehungsweise Kampf ein und schüttet die Stresshormone Kortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus", so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Nicht nur Blutdruck und Herzfrequenz steigen, sondern auch der Blutzucker, um der zu erwartenden Muskelarbeit die nötige Energiegrundlage zu liefern. Gleichzeitig nimmt die Durchblutung der Muskeln zu. Die Atmung wird flacher und die Darmtätigkeit gedrosselt.

Schätzungsweise elf Prozent der Bevölkerung erleben ein Mal im Leben im Zuge einer Angststörung eine Panikattacke. Wie häufig die Attacken auftreten, ist laut der Expertin schwer zu sagen, da viele Menschen, etwa aus Scham, keine Hilfe suchen. Bis zu einer halben Stunde kann eine Attacke andauern.

Panikattacken sind ursprünglich das andauernde Gefühl von Bedrohung

Während normale Angst und Panik genetisch verankerte und evolutionsbiologisch erworbene Überlebensinstinkte sind, die bei real gefährlichen oder bedrohlichen Situationen auftreten, zeigt sich die krankhafte Panikattacke hingegen auch dann, wenn gar keine Gefahr besteht.

"Panikattacken können ganz ohne Auslöser auftreten oder sie zeigen sich in eigentlich harmlosen Situationen, die von den Betroffenen aus verschiedenen Gründen als bedrohlich wahrgenommen werden", erklärt Roth-Sackenheim. "Während sich ein Gesunder, der eine Situation fälschlicherweise als bedrohlich einschätzt, schnell wieder beruhigt, hält das Bedrohungsgefühl bei einem Angstkranken an und kann jederzeit zu einer Panikattacke führen."

Häufig gibt es biographische Auslöser. Manche Betroffene etwa haben starke Krankheitsängste entwickelt, weil sie zum Beispiel miterlebt haben, wie ein naher Angehöriger bei einer Familienfeier plötzlich gestorben ist. Andere sind in einem Fahrstuhl stecken geblieben und haben diesen Moment als extrem beängstigend wahrgenommen. Dann können enge Räume Panikattacken auslösen.

Es ist sogar möglich, dass allein die Angst vor der Panikattacke zu dieser führt. Die Veranlagung für eine generalisierte Angststörung kann zudem vererbt werden.

Panikattacken gehen mit dem Gefühl von Kontrollverlust einher

"Die Betroffenen beschreiben die Panikattacke immer als ein Gefühl von Kontrollverlust", weiß Roth-Sackenheim. Manche sind überzeugt, dass sie gleich tot umfallen, weil ihr Herz so stark schlägt und ihnen gefühlt die Luft wegbleibt. Andere fühlen sich hilflos und ausgeliefert.

Die meisten verspüren den starken Wunsch nach Flucht aus dieser beklemmenden Situation. "Der Moment der Attacke wird immer als sehr bedrohlich wahrgenommen", sagt die Psychiaterin und rät Betroffenen Hilfe zu suchen, wenn die Panikattacken häufiger auftreten und die Lebensqualität einschränken.

Verwendete Quellen:
  • eigene Recherchen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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