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Wenn Hämorrhoiden bluten: Ursachen und Behandlung

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Geplatzte Gefäße  

Was zu tun ist, wenn Hämorrhoiden bluten

Von Lydia Klöckner, Medizinredakteurin

12.11.2021, 10:32 Uhr
Wenn Hämorrhoiden bluten: Ursachen und Behandlung . Beschwerden beim Stuhlgang: Blut in der Toilette ist ein häufiges Hämorrhoiden-Symptom. (Quelle: Getty Images/ YakobchukOlena)

Beschwerden beim Stuhlgang: Blut in der Toilette ist ein häufiges Hämorrhoiden-Symptom. (Quelle: YakobchukOlena/Getty Images)

Blut in der Toilettenschüssel ist ein beunruhigender Anblick. Sind vergrößerte Hämorrhoiden die Ursache, ist die Blutung aber nicht gefährlich. Wir erklären, wie viel Blutverlust dabei normal ist, und wann Sie bei stark blutenden Hämorrhoiden zum Arzt gehen sollten.

Hämorrhoiden sind Schwellkörper über dem Afterkanal, die von Blutgefäßen durchzogen sind. Wenn sich die Hämorrhoiden dauerhaft vergrößern, entwickelt sich ein Hämorrhoidalleiden. Blutungen aus dem After sind das häufigste Symptom dieser Erkrankung. Meist treten sie beim oder kurz nach dem Stuhlgang auf: Presst die oder der Betroffene dabei zu stark, geraten die Blutgefäße in den Hämorrhoiden plötzlich stark unter Druck und können verletzt werden, wenn sie in den Analkanal oder nach außen treten.

Hämorrhoiden geplatzt: Ist das gefährlich?

Von "geplatzten Hämorrhoiden" ist in der Umgangssprache die Rede, wenn verletzte Hämorrhoiden bluten. Solche Blutungen sind nicht gefährlich und klingen von selbst wieder ab. Dennoch ist es wichtig, mit dem Problem zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen. Zum einen, um unangenehme Folgen zu vermeiden: Bluten die Hämorrhoiden täglich über viele Wochen hinweg, kann die Haut im äußeren Afterbereich so stark gereizt werden, dass sie sich entzündet. Selten führt der Blutverlust auch zu einer leichten Blutarmut (Anämie).

Zum anderen erfordert die Ursache der Blutung – das Hämorrhoidalleiden – eine gezielte Therapie. Vergrößerte Hämorrhoiden bilden sich nämlich normalerweise nicht von selbst wieder zurück. Unbehandelt können sie immer wieder Blutungen und andere Beschwerden auslösen.

Ob und wie häufig sie Probleme verursachen, lässt sich zu Beginn der Erkrankung nicht absehen. Bei manchen Betroffenen treten nur selten oder nie wieder Symptome auf. Andere werden über Wochen bis Monate täglich von Juckreiz im Analbereich und Blutungen nach dem Stuhlgang geplagt.

"Was die Häufigkeit und Intensität der Beschwerden angeht, gibt es keine feste Regel. Alle Variationen sind möglich, auch beim einzelnen Patienten: Es gibt Patienten, die phasenweise täglich Blutungen haben und dann wieder monatelang Ruhe", sagt Dr. Andreas Joos vom Deutschen End- und Dickdarm-Zentrum Mannheim.

Dr. Andreas Joos ist Facharzt für Chirurgie und Koloproktologie am Deutschen End- und Dickdarm-Zentrum Mannheim. Er hat die medizinische Leitlinie zum Hämorrhoidalleiden entworfen.
Unser Experte
Dr. Andreas Joos

Dr. Andreas Joos ist Facharzt für Chirurgie und Koloproktologie am Deutschen End- und Dickdarm-Zentrum Mannheim. Er hat die medizinische Leitlinie zum Hämorrhoidalleiden entworfen.

Wer Blut auf dem Stuhl, in der Toilette oder auf dem Klopapier bemerkt, sollte sich in jedem Fall bei der Ärztin oder dem Arzt melden. Denn nicht immer sind verletzte Hämorrhoiden der Grund. Blutungen aus dem After können auch auf andere Ursachen hindeuten – etwa Risse am After (Analfissuren), chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Darmpolypen bzw. gar Darmkrebs. Die Ärztin oder der Arzt kann die genaue Ursache klären und eine entsprechende Behandlung einleiten.

Übrigens: Sehr dunkles, fast schwarzes Blut (Teerstuhl) im oder auf dem Stuhl ist beim Hämorrhoidalleiden sehr ungewöhnlich und spricht eher für eine Erkrankung im Magen, in der Speiseröhre oder in oberen Darmabschnitten. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre.

Hämorrhoiden-Blut ist meistens frisch und somit eher hellrot. Allerdings sind hellrote Blutungen aus dem After keineswegs immer ein Zeichen für Hämorrhoiden, sondern können auch auf Afterrisse oder Darmerkrankungen hindeuten.

Wie lange können Hämorrhoiden bluten?

Ein Hämorrhoidalleiden kann in Phasen verlaufen: Mal bluten die Hämorrhoiden täglich bei jedem Stuhlgang, mal haben die Betroffenen wochen- oder sogar monatelang Ruhe. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn Hämorrhoiden über Tage hinweg immer wieder bluten. Auch kräftige Blutungen, bei denen das Blut in die Toilette spritzt oder tropft, sind dabei möglich und meist kein Grund zur Panik.

"Normalerweise klingt die Blutung innerhalb von wenigen Minuten nach dem Stuhlgang wieder ab", sagt Dr. Joos.

Bei der Ärztin oder dem Arzt anrufen sollten die Betroffenen aber trotzdem. Denn auch wenn die Symptome in vielen Fällen von selbst wieder abklingen und dann sogar über längere Zeiträume hinweg nicht mehr auftreten, sollten Hämorrhoiden so früh wie möglich behandelt werden. Nur so lassen sich erneute Beschwerden – und unangenehme Folgen wie Entzündungen im Afterbereich – vermeiden.

Stark blutende Hämorrhoiden: Was tun?

Verletzte Hämorrhoiden können kräftige Blutungen verursachen, die aber nach kurzer Zeit von selbst nachlassen. Eine starke Blutung aus dem Darm, die deutlich länger andauert als ein paar Minuten, ist eher ein Hinweis auf:

  • einen entzündlichen Darminfekt,
  • Blutungen aus Ausstülpungen im Darm (Divertikelblutungen) sowie
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

In jedem Fall ist ein Anruf bei der Ärztin oder dem Arzt empfehlenswert – am besten direkt bei einer Proktologin oder einem Proktologen. Diese sind auf Hämorrhoidalleiden und andere Beschwerden im Bereich des Enddarms spezialisiert und können schnell weiterhelfen. Eine Überweisung ist nicht notwendig.

Erste Hilfe bei stark blutenden Hämorrhoiden

Gegen die Blutung können und müssen Sie nichts tun – sie lässt von selbst wieder nach. Es gibt aber einiges, was Sie tun können, um den Juckreiz und die anderen Beschwerden zu lindern und erneuten Blutungen vorzubeugen:

1. Sorgen Sie für eine gesunde Stuhlkonsistenz, und zwar durch eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Trinkmengen und eventuell die Einnahme von Flohsamenschalen.

"Der Stuhl sollte wie eine gut geformte Bratwurst sein – nicht zu weich und auch nicht steinhart", erklärt Dr. Joos. "Viele Patienten glauben, dass der Stuhl möglichst weich sein sollte, aber das stimmt nicht. Es ist richtig, dass zu harter Stuhl auch ein Hämorrhoidalleiden begünstigen kann. Zu dünner Stuhl führt aber dazu, dass man zum einen den After häufiger abwischen muss und zum anderen auch die Hämorrhoiden strapaziert werden."

2. Meiden Sie alles, was den Enddarm belastet – vor allem Übergewicht, starkes Pressen beim Stuhlgang sowie langes Sitzen.

3. Spülen Sie den Afterbereich nach dem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser ab und tupfen Sie ihn anschließend vorsichtig mit einem weichen Tuch trocken (nicht reiben). Verzichten Sie auf Seifen, feuchte Toilettentücher oder sonstige Reinigungsprodukte, weil diese meist Parfums und andere Inhaltsstoffe enthalten, die die empfindliche Haut zusätzlich reizen können.

4. Nach der Reinigung können Sie eine parfumfreie Salbe auf die betroffene Stelle auftragen, etwa Panthenolsalbe oder Zinksalbe. Diese beseitigt nicht das eigentliche Problem – das Hämorrhoidalleiden – und kann auch die Blutungen nicht verhindern oder stillen. Sie wirkt aber dem Juckreiz und Brennen entgegen.

Verwendete Quellen:
  • Online-Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 7.5.2021)
  • Online-Informationen des Arzneiverzeichnisses Gelbe Liste Pharmaindex: www.gelbe-liste.de (Abrufdatum: 7.5.2021)
  • Häufige Fragen (FAQ) in der Kolo-Proktologie. Online-Informationen des Berufsverbandes der Coloproktologen Deutschland e. V.: www.coloproktologen.de
  • Hämorrhoiden. Online-Informationen der Stiftung Warentest: www.test.de (Stand: 1.5.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie: S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden (PDF). AMWF-Register-Nr.: 081/007 (Stand: April 2019)
  • Herold, A., Schiedeck, T.: Manual der Koloproktologie, Band 1, De Gruyter, Berlin/Boston 2019
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Gastrointestinale Blutung. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 021/028 (Stand: Mai 2017)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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