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Bluthhochdruck-Therapie senkt das Risiko für Demenz

Unterschätzter Risikofaktor  

Mit dem Blutdruck steigt das Demenzrisiko

Von Andrea Goesch

05.03.2020, 15:06 Uhr
Bluthhochdruck-Therapie senkt das Risiko für Demenz. Bluthochdruck sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Er schadet nicht nur dem Herzen und den Gefäßen, sondern auch dem Gehirn.  (Quelle: Getty Images/LordHenriVoton)

Bluthochdruck sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Er schadet nicht nur dem Herzen und den Gefäßen, sondern auch dem Gehirn. (Quelle: LordHenriVoton/Getty Images)

Zu hoher Blutdruck schädigt nicht nur die Blutgefäße, sondern auch das Gehirn. Studien weisen darauf hin, dass bereits geringfügig erhöhte Werte in jungen Jahren gravierende Folgen haben können. Experten plädieren daher für eine konsequente Blutdrucktherapie als wichtige vorbeugende Maßnahme

Studie: Bluthochdruck schädigt das Gehirn

Laut einer Studie am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in München können Veränderungen im Hirnvolumen stattfinden, wenn der  Blutdruck bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren leicht erhöht über dem Normalwert liegt. Ein gesunder Blutdruck liegt unter 120/80 Millimeter Quecksilber (mmHg), ein erhöhter über 140/90 mmHg.

Blutdruck von 140/90 bereits problematisch

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am MPI CBS in Leipzig herausfanden, hatten Menschen mit Blutdruckwerten über 140/90 mmHg öfter in bestimmten Bereichen des Gehirns eine geringere graue Substanz als Personen mit normalen Blutdruckwerten. Die graue Substanz besteht aus den Nervenzellkörpern, aber auch aus zahlreichen Verbindungen der Nervenzellen untereinander und reguliert die kognitiven Funktionen des Gehirns.

Entwicklung beginnt in jungem Erwachsenenalter

"Unsere Studie legt nahe, dass schon geringfügige Veränderungen in der grauen Substanz des Gehirns bei jungen Erwachsenen beobachtet werden können, bei denen noch nie ein Bluthochdruck (Hypertonie) diagnostiziert wurde", sagt Studienautor Arno Villringer. Es müsse weiter erforscht werden, in welchem Maße sich dadurch das Risiko für Schlaganfall und Demenz im fortschreitenden Alter erhöhe. 

Die Studie basiert auf Daten von 423 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren, bei denen mindestens ein MRT-Gehirnscan und eine Blutdruckmessung durchgeführt wurde. 41 Prozent der Teilnehmer hatten einen normalen Blutdruck, 29 Prozent hatten einen Blutdruck zwischen 120/80 und 129/84, 19 Prozent zwischen 130/85 und 139/89. Und 11 Prozent hatten einen zu hohen Blutdruck.

Zusammenhänge zwischen Blutdruck und Gehirnmasse 

Nach Auswertung der Daten stellten die Wissenschaftler fest: Die Teilnehmer mit einem Blutdruck über dem Normalwert hatten ein geringeres Volumen an grauer Substanz in Bereichen ihres Gehirns, die für das Gedächtnis zuständig sind. Je höher der Blutdruck war, desto geringer war die Gehirnmasse.

Villringer räumt ein, dass die Studie allein noch kein ausreichender Beweis sei, dass allein der über dem Normwert liegende Blutdruck für die Veränderungen der grauen Substanz im Gehirn verantwortlich sei. Der Experte ist jedoch überzeugt, dass eine frühe Behandlung von Bluthochdruck den "stillen Gehirnveränderungen" entgegenwirken könne. 

Metastudie untersucht Wirkung der Blutdrucktherapie 

Dass eine medikamentöse Blutdrucktherapie positiven Einfluss auf die Funktionsfähigkeit des Gehirns hat, bestätigt eine Metastudie, zu der die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) eine Pressemitteilung herausgegeben hat.

Die Auswertung der Untersuchung basiert auf den Daten von sechs Kohortenstudien mit insgesamt  31.000 Menschen ohne Demenzerkrankung im Alter von über 55 Jahren. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine umfasste Personen mit normalen Blutdruckwerten (unter 140/90 mm Hg), die andere Personen mit erhöhten Blutdruckwerten. Innerhalb der zweiten Gruppe erhielt nur ein Teil der Probanden blutdrucksenkende Mittel zur Behandlung ihrer Hypertonie.

Blutdrucksenker zeigen Anti-Demenz-Effekt 

Während des Beobachtungszeitraums erkrankten insgesamt 3.728 Studienteilnehmer an einer Demenz, bei 1.741 Patienten handelte es sich um eine Alzheimer-Demenz.

Vergleicht man die Demenzrate der Hypertoniker, die medikamentöse Blutdrucksenker einnahmen, mit denjenigen, die keine Medikamente nahmen, zeigt sich: Bei den behandelten Patienten konnte das Demenz-Risiko um zwölf Prozent und das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 16 Prozent gesenkt werden. 

"Wir Neurologen können gar nicht oft genug daran appellieren, dass Menschen mit Bluthochdruck konsequent behandelt werden und die Blutdrucksenker wie verschrieben regelmäßig einnehmen", kommentiert Professor Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN, das Studienergebnis. Eine frühzeitige Behandlung könnte Patienten gleich vor "zwei neurologischen Volkskrankheiten" schützen: Schlaganfall und Demenz.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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