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Osteoporose: Verformungen der Wirbelsäule haben schwere Folgen

Alarmzeichen Rundrücken  

Warum der Rücken im Alter krumm wird

Von Andrea Goesch

16.02.2020, 12:59 Uhr
Osteoporose: Verformungen der Wirbelsäule haben schwere Folgen. Hinter Verkrümmungen der Wirbelsäule kann Osteoporose stecken. Besonders gefährdet sind Frauen in der Postmenopause.  (Quelle: Getty Images/spukkato)

Hinter Verkrümmungen der Wirbelsäule kann Osteoporose stecken. Besonders gefährdet sind Frauen in der Postmenopause. (Quelle: spukkato/Getty Images)

Als älterer Mensch mit gebeugtem Oberkörper am Stock zu gehen, ist keine schöne Vorstellung. Die Verformung der Wirbelsäule ist meist ein schleichender Prozess, der unauffällig beginnt. Mehrere Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Lesen Sie hier, bei welchen Veränderungen Sie hellhörig werden sollten und wie Sie Ihren Rücken stärken können.

Ursachen für einen Rundrücken

"Es sind hauptsächlich drei Gründe, die dazu führen, dass mit zunehmendem Alter der Rücken krumm wird", sagt Professor Andreas Kurth, Chefarzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Gemeinschaftskrankenhaus Mittelrhein in Koblenz und Vorsitzender des Dachverbandes Osteologie (DVO).

Der erste Grund betrifft den altersbedingten Knochen- und Muskelabbau. "Bereits ab dem 40. Lebensjahr verliert der Körper etwa ein Prozent Knochen- und Muskelmasse pro Jahr. Mit 65 sind das bereits 25 Prozent weniger", sagt Kurth. Der aufrechte Gang werde dadurch schwieriger und der Körper neige sich nach vorn. Mit dem Verlust der Rückenmuskulatur nehme auch die Anfälligkeit für Wirbelknochenbrüche zu. Die Wirbelsäule verliere an Stützkraft und verforme sich.

Der zweite Grund für eine Kyphose (Rückenverkrümmung) betrifft die Bandscheiben. "Ihre Elastizität nimmt im Alter ab", sagt Kurth. Die dadurch bedingte Überlastung der Wirbelknochen wirke sich ebenfalls negativ auf die Stabilität der Wirbelsäule aus. Als dritte Ursache für eine Verformung der Wirbelsäule nennt der Experte Wirbelkörperfrakturen in Folge einer Osteoporose.

Osteoporose verändert die Skelettstruktur

Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Alter. Gefährdet sind vor allem Frauen ab 60, bei Männern dagegen steigt das Risiko für Knochenschwund ab dem 70. Lebensjahr. Bedingt durch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren, in denen das knochenschützende Hormon Östrogen abnimmt, wird der natürliche Abbau der Knochenmasse bei Frauen beschleunigt.

Gut zu wissen: Häufig bleiben die ersten Wirbelkörperbrüche unentdeckt. Die Schmerzen werden als "normale" Rückenschmerzen gedeutet. Die Folgen sind gravierend: Denn das Risiko für weitere Wirbeleinbrüche steigt schon nach dem ersten Wirbeleinbruch um ein Vielfaches. 

Langsames Einsacken der Wirbelkörper

Osteoporose beginnt oft schleichend, die Patienten bemerken zunächst nichts von der Erkrankung. Folgen mehrere Frakturen aufeinander, sacken die Wirbelkörper keilförmig in sich zusammen und die Wirbelsäule verliert ihre ursprüngliche Form. Es kommt zu einer Höhenverkürzung und der Rücken entwickelt eine konvexe Krümmung. Dieser Zustand verschlimmert sich, je mehr Wirbel betroffen sind.

Die Grafik zeigt, wie sich die Wirbelsäule mit zunehmendem Alter verformt. (Quelle: Getty Images/urfinguss)Die Grafik zeigt den Prozess, wie sich die Wirbelsäule mit zunehmendem Alter verformt. (Quelle: urfinguss/Getty Images)

"Witwenbuckel" und "Osteoporosebäuchlein" 

Im Verlauf einer Osteoporose können bereits geringe Anstrengungen wie das Heben einer Tasche oder ein Niesen Auslöser für Wirbeleinbrüche sein. Die Betroffenen merken oft kaum etwas davon und ordnen mögliche Rückenschmerzen falsch ein. "Viele dieser 'schleichenden Frakturen' werden deshalb nicht erkannt und bleiben unbehandelt", sagt Kurth. Dadurch steige das Risiko für weitere Frakturen enorm an.

Die Grafik zeigt eine Wirbelkörperfraktur. Derartige Brüche sind typisch für eine fortgeschrittene Osteoporose.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Die Grafik zeigt eine Wirbelkörperfraktur. Derartige Brüche sind typisch für eine fortgeschrittene Osteoporose. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Unbehandelt führen Wirbeleinbrüche zu erheblichen Behinderungen. Durch die Verkrümmung des Rückgrats verlagert sich der Körperschwerpunkt nach vorne und ein sogenannter "Witwenbuckel" entsteht. "Er ist im Grunde genommen nichts anderes als ein ausgeprägter Rundrücken, eine Kyphose", erklärt Kurth.

Infolge der Skelettkrümmung wölbt sich meist auch der Bauch stärker heraus. Dieses Phänomen wird umgangssprachlich als "Osteoporosebäuchlein" bezeichnet. Die Deformationen führen schließlich auch dazu, dass sich die Körperhaltung ändert und der Gang langsamer und unsicherer wird. 

Größenverlust und "Tannenbaumphänomen"

Das Zusammensacken der Wirbelsäule kann auch zu einer Reduktion der Körpergröße um bis zu zehn Zentimeter führen. Am Rücken wird das Schrumpfen durch überflüssige Haut sichtbar. Sie hängt zu beiden Seiten der Wirbelsäule in Hautfalten schlaff herunter, weshalb man auch vom "Tannenbaumphänomen" spricht.

Bei Osteoporose wird die Wirbelsäule kürzer, die Haut aber bleibt. Das führt zu charakteristischen Hautfalten, dem Tannenbaumphänomen. (Quelle: Google Earth/ Colin Hawkins)Bei Osteoporose wird die Wirbelsäule kürzer, die Haut aber bleibt. Das führt zu charakteristischen Hautfalten, dem Tannenbaumphänomen. (Quelle: Colin Hawkins/Google Earth)

Oftmals wird die Erkrankung erst erkannt, wenn die Deformationen der Wirbelsäule optisch deutlich erkennbar sind. In diesem Stadium haben bereits mehrere Wirbelkörperbrüche stattgefunden und die Knochenstabilität hat stark nachgelassen. 

Behandlung von Wirbelbrüchen: Hilfsmittel, OP und Medikamente

"Die Behandlung von Wirbelkörperbrüchen sollte als Gesamtkonzept betrachtet werden, um den Rumpf wieder aufzurichten", sagt Kurth. Mehrere Maßnahmen kommen hierbei infrage. Zum einen kann mithilfe einer Orthese in Form eines Stützmieders die Wirbelsäule entlastet werden. Das orthopädische Hilfsmittel gibt es in verschiedenen Ausführungen, die an den Schweregrad der Osteoporose angepasst sind.

Bei akuten, schmerzhaften Frakturen dagegen sollte über eine Operation nachgedacht werden, um die Wirbel wieder aufzurichten. "Die Knochenwirbel werden mit Knochenzement aufgefüllt und stabilisiert", sagt Kurth. Das Ergebnis des kleinen, minimalinvasiven Eingriffs sei erfolgversprechend. "Die meisten Patienten sind schon einen Tag nach der OP schmerzfrei." 

Begleitend zu den genannten Maßnahmen kann eine gezielte Physiotherapie helfen, die Muskulatur im Rücken- und Bauchbereich zu kräftigen. Das entlastet die Wirbelsäule und beugt weiteren Frakturen vor.

Ein weiteres, wichtiges Therapieelement bei osteoporosebedingten Wirbelbrüchen ist die Behandlung mit Medikamenten. "Sie bremsen nicht nur den Verlauf der Krankheit, sondern können sogar helfen, den Knochen wieder aufzubauen", sagt Kurth.

Vorbeugen: Muskeltraining und Ernährung

Auch wenn der Verlust an Knochensubstanz und die Veränderungen des Rückens Teil eines normalen Alterungsprozesses sind: Es lässt sich einiges tun, um vorzubeugen und möglichst lange beschwerdefrei zu bleiben. Kurth empfiehlt hierzu vor allem "körperliche Aktivität sowie regelmäßiges Training der Bauch- und Rückenmuskulatur".  

Neben der sportlichen Aktivität spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle, damit die Knochen gesund bleiben. Vor allem der Mineralstoff Kalzium ist wichtig, da er den Knochen härtet und widerstandsfähig macht. Doch auch Eiweiß ist notwendig, da es der Körper für den Muskelaufbau benötigt.

Ein ebenso wichtiger Mineralstoff für den Knochenschutz ist Vitamin D. Es wird allerdings nur in geringem Maße über die Ernährung aufgenommen. Der Körper kann es auch selbst produzieren, allerdings benötigt er hierfür Sonnenlicht. In der dunklen Jahreszeit kann das jedoch zum Problem werden.

Kurth warnt daher: "Im Winter ist das Vitamin D nicht ausreichend.“ Um eine Unterversorgung zu verhindern, hält es der Experte für sinnvoll, Vitamin-D-Präparate mit einer Dosierung von 1000 internationalen Einheiten (IE)  pro Tag zu sich zu nehmen. Die Empfehlung gelte auch für gesunde Menschen, bei denen keine Osteoporose vorliegt.

Verwendete Quellen:
  • DVO Dachverband Osteologie e.V.
  • Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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