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Diese Vorteile hat eine Demenz-WG

Betreuungsmodell der Zukunft  

Diese Chancen bieten Demenz-WGs

12.03.2020, 10:28 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Diese Vorteile hat eine Demenz-WG. Eine Frau hält die Hand einer älteren Dame: In Demenz-WGs herrscht das Prinzip der gegenseitigen Solidarität.  (Quelle: Getty Images/ PIKSEL)

Eine Frau hält die Hand einer älteren Dame: In Demenz-WGs herrscht das Prinzip der gegenseitigen Solidarität. (Quelle: PIKSEL/Getty Images)

Der Gedanke, langsam das Gedächtnis zu verlieren und den letzten Lebensabschnitt in einem Pflegeheim zu verbringen, bereitet vielen Angst.  Demenz-WGs bieten Erkranken die Möglichkeit, ein möglichst "normales" Leben in einem häuslichen Umfeld zu führen. Lesen Sie hier, welche Vorteile solche Einrichtungen sonst noch haben und was Angehörige wissen sollten.

Was genau ist eine Demenz-WG?

Wohngemeinschaften für Demenzkranke sind im Trend. Sie sind eine Alternative zur ambulanten Versorgung Pflegebedürftiger zuhause oder der Betreuung in einem Altenpflegeheim. Das Ziel von Demenz-WGs ist eine Rund-um-die-Uhr-Begleitung mit einem gleichzeitig freien und häuslichen Rahmen, in dem die WG-Mitglieder in alle Alltagsaktivitäten einbezogen sind. Es gibt zwei Formen der Demenz-WG:

  • trägerverantwortete Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz
  • Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz mit geteilter Verantwortung

Trägerverantwortete WGs und WGs mit geteilter Verantwortung: die Unterschiede

Bei den trägerverantworteten Demenz-WGs ist eine Institution für Wohnraum und Versorgung der Erkrankten zuständig, beispielsweise das Rote Kreuz. Dieses ist dann sowohl Vermieter der Demenzkranken als auch der Verantwortliche für den Pflegedienst. Diese Form ist für Angehörige geeignet, die weniger Zeit haben, sich zu kümmern. Allerdings können Angehörige in dieser Form der Demenz-WG deutlich weniger mitentscheiden als bei den Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz mit geteilter Verantwortung.

Bei den Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz mit geteilter Verantwortung schließen sich die Angehörigen demenzkranker Menschen zusammen und gründen die Demenz-WG. Sie suchen nach einem Gebäude mit entsprechenden Wohnkapazitäten und wählen den Pflegedienst aus, der sich um Essen, medizinische Versorgung, Pflege und Nachtdienst kümmert. Wer nicht selbst aktiv eine WG gründen möchte, kann nach bereits bestehenden WGs in geteilter Verantwortung schauen und sich auf einen freien Platz bewerben.

Die Angehörigen sind in das WG-Leben mit eingebunden und unterstützen. Sie kümmern sich beispielsweise um gemeinsame Anschaffungen, Renovierungen und andere Themen der Alltagsgestaltung. Sie vertreten die Interessen der Erkrankten, die diese aufgrund ihrer Einschränkungen nicht mehr selbst wahrnehmen können.

Demenz-WGs: Wohnform der Zukunft

Demenz-WGs sind ein immer häufiger angefragtes Wohnmodell für Menschen mit Demenz. "In Berlin beispielsweise gibt es etwa 650 ambulant betreute WGs – etwa 80 Prozent sind Demenz-WGs, teils selbstverantwortet, teils trägerverantwortet", sagt Laura Mey, die das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. betreut und Angehörige zu allem Themen rund um Demenz berät. "Es ist davon auszugehen, dass das Interesse an dieser Wohnform in Zukunft noch weiter wächst. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, sind meist positiv."

Welche Form der Demenz-WG ist für wen geeignet?

Demenz-WGs sind laut der Expertin entstanden, weil sich Angehörige eine Alternative zur ambulanten Betreuung Demenzkranker zuhause sowie zum klassischen Altenpflegeheim gewünscht haben. "Der große Wunsch war, eine Wohnform zu schaffen, in der sich Demenzbetroffene zuhause fühlen können, ein möglichst normales Leben führen und zugleich umfassend betreut sind. Das ist für die Angehörigen eine große emotionale Entlastung und für die Demenzkranken die Möglichkeit, mit anderen Betroffenen in Austausch zu sein und aktiv zu bleiben", erklärt Mey.

Was bieten Demenz-WGs?

In einer Demenz-WG leben sechs bis zwölf Demenzkranke zusammen. Jeder hat sein eigenes Zimmer und seinen Rückzugsort – kann aber auch die Gesellschaft der anderen suchen. Das Ziel ist, die Betroffenen möglichst viel in alltägliche Tätigkeiten einzubinden – in dem Maße, wie es ihre Erkrankung zulässt. Demenz-WGs bieten ein häusliches Umfeld und haben deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als das Wohnen in klassischen Pflegeeinrichtungen. Individuelle Wünsche und Tagesrhythmen sollen gelebt werden können und die Bewohner in ihren Fähigkeiten gefördert und bei der Gestaltung des Alltags unterstützt werden.

"Menschen mit Demenz können, auch wenn der Pflegebedarf stark zunimmt, in der Regel bis zu ihrem Tod in der WG leben", sagt Mey. „Das hat den großen Vorteil, dass sie nicht noch einmal umziehen und sich nicht nochmal an ein neues Umfeld gewöhnen müssen.“

Wie hoch sind die Kosten einer Demenz-WG?

Laut der Expertin betragen die monatlichen Kosten zwischen 2.500 bis 4.000 Euro. Abhängig sind die Kosten von vielen Faktoren: von Pflege und Betreuung, von den Mietkosten, der Verpflegung, von Anschaffungen und so weiter. Hier gibt es große regionale Preisunterschiede. "Egal ob sich Angehörige für eine trägerverantwortete Wohngemeinschaft oder eine Wohngemeinschaft mit geteilter Verantwortung interessieren: Wichtig ist, sich im Vorfeld ausreichend zu informieren. Auch in Hinblick auf mögliche finanzielle Hilfen wie Leistungen der Pflegeversicherung oder Unterstützungen von Seiten des Sozialamtes", sagt Mey.

Ist die Demenz-WG für den Erkrankten die richtige Wohnform?

Außerdem ist es wichtig, folgende Fragen zu klären:

  • Ist das Leben in einer Demenz-WG für den Kranken geeignet? Fühlt er sich in Gesellschaft wohl oder ist er gerne alleine?
  • Zeigt er aufgrund seines Erkrankungsverlaufs möglicherweise herausfordernde Tendenzen, die das WG-Leben erschweren könnten?
  • Läuft er gerne viel und fühlt sich in langen Gängen eines Altenpflegeheims möglicherweise wohler als in einer kleineren Wohnung?
  • In welchem Maß können Angehörige unterstützen? Welche Vor- und Nachteile bieten andere Wohnformen?

Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht immer leicht und hängt in starkem Maße von individuellen Kriterien ab. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass sich auch wenn sich der Krankheitsverlauf des Betroffenen verändern kann und somit eine neue Betreuungssituation entsteht.

Verwendete Quellen:


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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