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Coronavirus im Supermarkt: Können Lebensmittel die Covid-19-Infektion übertragen?

SARS-CoV-2 im Supermarkt  

Können Lebensmittel das Coronavirus übertragen?

16.05.2020, 18:06 Uhr
Wie das Coronavirus menschliche Zellen infiziert

Forscher haben herausgefunden, wie das Coronavirus im menschlichen Körper wirkt. Eine Videoanimation zeigt, was das Virus ansteckender als den SARS-Erreger macht. (Quelle: t-online.de)

Coronavirus: So wird der Erreger auf den Menschen übertragen. (Quelle: t-online.de)


Desinfektion im Supermarkt, Handschuhpflicht am Obstregal und eine Diskussion um Mundschutz sorgen für Unsicherheit: Können Sie sich an einem Apfel, Brot oder der Milchtüte mit dem Coronavirus infizieren? 

Durch Homeoffice und die Kontaktbeschränkungen ist der regelmäßige Einkauf für viele zum letzten großen Infektionsrisiko mit dem Coronavirus geworden. Der Kontakt zu anderen Menschen kann im Supermarkt nur schwer ganz vermieden werden. Aber wie sieht es mit den eingekauften Lebensmitteln aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten:  

Können Sie sich über Lebensmittel anstecken?

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Covid-19 über Lebensmittel übertragen wird. Das größte Risiko bei der Krankheit und Lebensmitteln besteht darin, dass Sie beim Einkaufen mit anderen Personen im Lebensmittelgeschäft zusammen sind, die das Virus beispielsweise in die Luft oder auch auf Gegenständen wie Einkaufswagen oder Körben abgeben können. Das Robert Koch-Institut erklärt dazu: "Bei Coronaviren, die Atemwegserkrankungen verursachen können, erfolgt die Übertragung primär über Sekrete des Respirationstraktes. Gelangen diese infektiösen Sekrete an die Hände, die dann beispielsweise das Gesicht berühren, ist es möglich, dass auch auf diese Weise eine Übertragung stattfindet."

Der französischen Lebensmittelsicherheitsbehörde Anses zufolge ist nach derzeitigem Kenntnisstand eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus über den Verdauungstrakt ohnehin nicht möglich. Eine Infektion der Atemwege beim Kauen kontaminierter Lebensmittel könne jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. 

Bisher ist allerdings kein Fall bekannt, bei dem sich ein Mensch direkt über Lebensmittel mit Corona angesteckt hat: Nicht über den Verzehr und auch nicht über Oberflächenkontakt.

Was ist mit Lebensmitteln, die aus dem Ausland kommen?

Auch hier ist bisher kein Fall bekannt. Es ist insgesamt unwahrscheinlich, dass auf Waren, die aus dem Ausland kommen, das Coronavirus weitergegeben wird.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt: "Aufgrund der bisher ermittelten Übertragungswege und der relativ geringen Umweltstabilität
von Coronaviren ist es nach derzeitigem Wissensstand unwahrscheinlich, dass importierte Waren wie Lebensmittel oder Bedarfsgegenstände und Spielwaren, Werkzeuge, Computer, Kleidung oder Schuhe Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten." 

Welches Risiko besteht bei tierischen Produkten?

Bisher gibt es laut der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) keine Hinweise darauf, dass Tierprodukte eine Rolle bei der weltweiten Verbreitung des Coronavirus spielen. "Fleisch von gesundem Vieh, das gründlich gekocht wird, bleibt ein sicheres Lebensmittel", heißt es von der Organisation. Auch Fisch und Meeresfrüchte, die den nationalen und internationalen Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit entsprechen, stellen weiterhin kein Problem dar. 

Jederzeit, auch ohne das Coronavirus, sei es hingegen gefährlich, tierische Produkte zu verzehren, bei denen die Herkunft unbekannt ist oder Fleisch von Tieren zu essen, die aus unbekannten Gründen gestorben sind. Auch rohes Wildfleisch oder ungekochte Gerichte aus Wildtierbestandteilen sollten nicht verzehrt werden. Dabei können eine Menge Infektionen auftreten, die unabhängig vom Coronavirus gefährlich sein können. 

Obst und Gemüse: Viele haben Sorge, sich über Lebensmittel mit dem Coronavirus infizieren zu können.  (Quelle: imago images/Emmanuele Contini)Obst und Gemüse: Viele haben Sorge, sich über Lebensmittel mit dem Coronavirus infizieren zu können. (Quelle: Emmanuele Contini/imago images)

Was sollten Sie im Umgang mit Lebensmitteln dennoch beachten?

Auch, wenn eine Übertragung über kontaminierte Lebensmittel unwahrscheinlich ist, sollten Sie die allgemeinen Regeln der Hygiene wie regelmäßiges Händewaschen beachten. 

  • Waschen Sie sich nach jedem Kontakt mit rohen Lebensmitteln oder Verpackungen die Hände gründlich und vermeiden Sie es, sich ins Gesicht zu fassen.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse vor dem Verzehr stets gründlich und nach Möglichkeit mit fließendem Wasser ab.
  • Verarbeiten Sie rohe und gegarte Lebensmittel stets getrennt voneinander und verwenden Sie nicht dieselben Küchenutensilien.
  • Und, nicht zuletzt, erhitzen Sie warme Speisen über mehrere Minuten bei mindestens 70 Grad. Das sollten Sie sicherheitshalber auch für Tiefkühlware befolgen, denn die bisher bekannten Coronaviren SARS und MERS können im gefrorenen Stadium theoretisch bis zu zwei Jahre infektiös bleiben.

Sollten Sie Obst und Gemüse mit Seife waschen oder desinfizieren?

Auch, wenn Seife Viren auf Ihrer Haut beim Händewaschen zerstört, sollten Sie auf keinen Fall Seife zum Waschen frischer Lebensmittel verwenden. Auch Desinfektionsmittel mag für die Hände sinnvoll sein, nicht aber für Lebensmittel. 

Es genügt, frisches Obst und Gemüse unter kaltem, fließendem Wasser zu waschen, das Verschlucken von Seife oder Desinfektionsmittel kann hingegen zu Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.  

Ist es noch sicher, in einer Kantine zu essen?

Auch, wenn die teilweise bereits geöffneten Restaurants strenge Hygieneregeln einhalten müssen, sollten Sie beachten, dass sich Coronaviren länger an Gegenständen halten, als beispielsweise Grippeviren.

Kantinenessen: Wenn Ihre Kantine während der Corona-Krise weiterhin geöffnet ist, sollten Sie besonders auf die Hygiene bei Tablett, Geschirr und Besteck achten.  (Quelle: imago images/epd)Kantinenessen: Wenn Ihre Kantine während der Corona-Krise weiterhin geöffnet ist, sollten Sie besonders auf die Hygiene bei Tablett, Geschirr und Besteck achten. (Quelle: epd/imago images)

Daher sollten Sie besonders beim Essen in der Kantine einiges beachten, denn hier können Sie sich vor allem an Tabletts oder Besteckkästen infizieren. Deshalb sollten Sie darauf achten, sich Ihr Besteck selbst zu nehmen und nach dem Kontakt mit Tablett und Besteck die Hände zu waschen. Zudem sollten Sie bargeldlos zahlen und ausreichend Abstand zu anderen Gästen halten. Wer eine Kantine betreibt, sollte darauf achten, dass Gewürze wie Salz- oder Zuckerstreuer, Tabletts, aber auch Tische, Stühle und Türklinken regelmäßig desinfiziert oder ausgetauscht werden.  

Können Sie weiterhin Essen beim Lieferdienst bestellen?

Viele Restaurants und Imbisse bieten derzeit Lieferdienste an, auch die bisherigen Bringdienste arbeiten größtenteils normal weiter. Wenn Sie Essen bestellen, sollten Sie vor allem darauf achten, dass ein Kontakt zum Lieferanten verringert wird. Sie können beispielsweise online zahlen und sich das Essen vor die Tür stellen lassen. 

Ähnlich wie bei Kantinen gilt bei Lieferservices, dass auch ohne Coronavirus bei der Zubereitung auf besondere Hygiene geachtet werden muss, damit die Speisen einwandfrei beim Kunden landen. 

Wie gefährlich sind Backshops und Backautomaten? 

In vielen Backshops können sich Kunden selbst bedienen und benutzen dabei nacheinander dieselben Zangen oder öffnen die Klappen zu den Waren. Dabei können Viren auf Zangen, Griffen oder Tabletts haften bleiben. 

Viele Backshops haben deshalb Einweg-Handschuhe eingeführt, um Kunden zu schützen. 

Können Nahrungsergänzungsmittel vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen?

Es gibt einige Angebote von Nahrungsergänzungsmitteln, die mit speziellem "Corona-Bezug" werben. Das ist allerdings unzulässig. Denn für Nahrungsergänzungsmittel und alle anderen Lebensmittel gilt: Ihnen dürfen nur dann gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben werden, wenn diese Aussagen nach positiv ausgefallener wissenschaftlicher Prüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit von der EU-Kommission zugelassen worden sind.

Sollten Sie Lebensmittel zur Sicherheit draußen lagern?

Diese Überlegung ist laut Donald Schaffner, Experte für Lebensmittelsicherheit der Rutgers University of Microbiology, "offensichtlich lächerlich". Milch, Eis oder auch Fleisch tagelang draußen zu lagern, sei im Gegenteil eher schädlich für die Lebensmittel. Bei Raumtemperatur werde das Virus zwar nach einiger Zeit inaktiv, trotzdem sei dieses Vorgehen nur dann ratsam, wenn sicher sei, dass die Lebensmittel kontaminiert seien und Sie sich mittels Berührung anstecken könnten. 

Müssen Sie Kartons und Tüten desinfizieren?

Auch diese Idee kann Schaffner nicht unterstützen. Viel wichtiger sei es, die Hände vor dem Essen gründlich zu waschen, auch dann, wenn Sie glauben, dass die Verpackung der Lebensmittel kontaminiert sein könnte. 

Was können Sie tun, um das Risiko beim Einkauf zu reduzieren?

Mittlerweile bieten viele Geschäfte Desinfektionsmittel an, um Einkaufswagen und Hände zu desinfizieren. Dieses Angebot sollten Sie annehmen und eventuell die Desinfektion auch bei Zangen oder Griffen am Backshop oder der Gemüse- und Obsttheke nutzen. 

Eine Einkaufsliste kann Ihnen zudem helfen, zügig einzukaufen und so unnötigen Kontakt mit anderen Menschen zu reduzieren. Halten Sie sich zudem an die Abstands- und Hygieneregeln. Versuchen Sie, sich nicht ins Gesicht zu greifen und waschen Sie sich zurück zuhause gründlich die Hände. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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