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Ja, die Redaktion hat f├╝r diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

K├╝nstliche H├╝fte: Experte erkl├Ąrt, was Patienten wissen sollten

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 15.09.2021Lesedauer: 5 Min.
Schmerzen im H├╝ftgelenk: Die Entscheidung f├╝r die H├╝ftoperation treffen die meisten Betroffenen dann, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht den gew├╝nschten Erfolg zeigen.
Schmerzen im H├╝ftgelenk: Die Entscheidung f├╝r die H├╝ftoperation treffen die meisten Betroffenen dann, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht den gew├╝nschten Erfolg zeigen. (Quelle: stockdevil/getty-images-bilder)
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├ťber 200.000 H├╝ftoperationen werden in Deutschland jedes Jahr durchgef├╝hrt ÔÇô drei Viertel aufgrund von Abnutzungserscheinungen von Knorpel und Knochen (Arthrose). Doch das Einsetzen einer H├╝ftprothese ist kein Eingriff "nebenbei". Was Patienten ├╝ber die k├╝nstliche H├╝fte wissen sollten.

Das Wichtigste im ├ťberblick


Wann wird eine H├╝ftoperation durchgef├╝hrt?

In Deutschland werden j├Ąhrlich mehr als 200.000 k├╝nstliche H├╝ftgelenke implantiert ÔÇô Tendenz steigend. Bei drei Viertel der Operierten sind Abnutzungserscheinungen der Grund f├╝r die H├╝ftoperation. Bei einem Viertel sind Ausl├Âser wie rheumatisch-entz├╝ndliche Erkrankungen, ein besch├Ądigter H├╝ftkopf oder ein durch Tumoren zerst├Ârter Knochen der Grund f├╝r die Operation an der H├╝fte.

"Meist sind die ausgepr├Ągten Schmerzen, die Bewegungseinschr├Ąnkungen und vor allem der Verlust an Lebensqualit├Ąt der Grund, warum sich Patienten f├╝r eine H├╝ftoperation entscheiden", sagt Professor Dr. med. Diethard M. Usinger, Chefarzt der Fachklinik f├╝r Orthop├Ądie in der Kurpark-Klinik Bad Nauheim. "Die H├╝ftoperation ist grunds├Ątzlich ein sogenannter "elektiver" Eingriff, eine Wahl-Operation und kein Notfalleingriff. Das hei├čt, es besteht in der Regel medizinisch betrachtet keine Notwendigkeit f├╝r einen umgehenden Eingriff. Doch der Leidensdruck der meisten Patienten ist irgendwann zu gro├č. Sie m├Âchten nicht l├Ąnger mit st├Ąndigen Schmerzen leben."

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Ursachen, Symptome und Behandlung von Arthrose

Der Begriff Arthrose (Gelenkverschlei├č) beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem sich die Knorpelschicht eines Gelenks nach und nach abnutzt. Der Verschlei├č f├╝hrt zu einer schrittweisen Zerst├Ârung des Gelenkknorpels, der im schlimmsten Fall dazu f├╝hrt, dass der Knorpel komplett aufgel├Âst wird und das Gelenk nicht mehr reibungslos bewegt werden kann. Erfahren Sie im Folgenden alles zu Ursachen, Behandlungsmethoden und zu Ma├čnahmen, die Arthrose vorbeugen helfen.
R├Ântgenaufnahme eines Kniegelenks
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Vor der H├╝ftoperation: konservative Ma├čnahmen probieren

Die Entscheidung f├╝r die H├╝ftoperation treffen die meisten Betroffenen dann, wenn konservative Behandlungsmethoden wie Medikamente, Spritzen, Physiotherapie und ├Ąhnliches nicht den gew├╝nschten Erfolg zeigen. "Bei H├╝ftproblemen sollte zun├Ąchst vor der H├╝ftoperation immer drei bis sechs Monate versucht werden, die Beschwerden ohne Operation zu lindern. Gelingt das nicht, kann gemeinsam mit dem Patienten ├╝ber die M├Âglichkeiten einer Operation gesprochen werden", r├Ąt der Facharzt f├╝r Orthop├Ądie.

Aufkl├Ąrungsgespr├Ąch braucht Zeit

Die H├╝ftoperation ist eine h├Ąufige Operation und viele Krankenh├Ąuser haben sich auf k├╝nstliche H├╝ftgelenke spezialisiert. Trotzdem ist der Eingriff an der H├╝fte nicht "mal eben nebenbei" gemacht. Die H├╝ft-OP ist ein gro├čer Eingriff, der gut ├╝berlegt und gut geplant sein muss. Laut Usinger muss das Aufkl├Ąrungsgespr├Ąch ohne zeitliche Bedr├Ąngnis und umfassend erfolgen. "Eine H├╝ftoperation kann viele Chancen bieten, aber es k├Ânnen, wie bei jeder Operation, auch Komplikationen auftreten. Diese sollte der Patient kennen, bevor er sich f├╝r die H├╝ftprothese entscheidet."

M├Âgliche Komplikationen der H├╝ftoperation

Zu den m├Âglichen Komplikationen geh├Âren Thrombosen und Lungenembolien. Daher sollten Operierte laut dem Experten mindestens f├╝nf Wochen nach dem Eingriff Thrombosespritzen verabreicht bekommen oder Tabletten einnehmen, die Blutgerinnseln vorbeugen. Infektionen geh├Âren ebenfalls zu den OP-Risiken. Deshalb erfolgt bereits w├Ąhrend der Operation eine Antibiotika-Therapie. Die Entz├╝ndungswerte im Blut werden durch regelm├Ą├čige Blutentnahmen ├╝berpr├╝ft.

Weitere Folgen der H├╝ftoperation k├Ânnen Nervensch├Ądigungen, Gef├Ą├čverletzungen, Prothesenfehllagen, Beinl├Ąngenunterschiede, ein Bruch oder Riss im Oberschenkelknochen, Besch├Ądigungen und Lockerungen der H├╝ftprothese, materialbedingte Allergien sowie Verkn├Âcherungen im umliegenden Gewebe sein. "Das Risiko f├╝r Komplikationen ist bei der H├╝ftoperation relativ gering. Dennoch ist es wichtig, dass die Patienten aufgekl├Ąrt sind ÔÇô und wissen, dass bei Komplikationen m├Âglicherweise eine Folgeoperation notwendig sein kann", sagt Usinger.

H├╝ftoperation: Risikofaktoren, die Patienten mitbringen

Der Erfolg der H├╝ftoperation ist von vielen Faktoren abh├Ąngig: dem Operateur, der angewendeten Operationstechnik, dem verwendeten Material und dem Gesundheitszustand des Patienten. Die Gefahr f├╝r Komplikationen steigt, wenn der Patient Risikofaktoren mitbringt, wie:

  • ein hohes Alter
  • ├ťbergewicht
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • ein geschw├Ąchtes Immunsystem
  • Autoimmunerkrankungen
  • Osteoporose

Es ist nicht nur wichtig, dass der Patient die Risiken kennt, welche die H├╝ftoperation f├╝r ihn mitbringen kann. Auch das Vertrauen in die Klinik, den Operateur und die Operationsmethode muss stimmen. Vertrauen sei die Basis, so Usinger. Habe der Patient das Gef├╝hl, nicht gut aufgehoben zu sein, sei eine Operation mit diesen Voraussetzungen dann dort nicht die richtige Entscheidung.

Beschwerdefrei nach der H├╝ftoperation?

Laut Usinger, der seinen jetzigen beruflichen Schwerpunkt in der Rehabilitation hat, ist ein Gro├čteil der Patienten mit dem Operationsergebnis zufrieden: etwa 90 Prozent. F├╝nf Prozent seien teilweise zufrieden, f├╝nf Prozent nicht zufrieden. "Diese Einsch├Ątzung ist auch immer abh├Ąngig von der Erwartungshaltung und dem subjektiven Empfinden. Eine komplette Beschwerdefreiheit zu erwarten, ist ein hoher Anspruch, der leider nicht immer erf├╝llt werden kann. Der K├Ârper hat eine schwere Operation hinter sich und ein k├╝nstliches Gelenk implantiert bekommen. Das m├╝ssen sich Patienten bewusst machen", so der Experte.

Wann nach der H├╝ftoperation wieder belastbar?

Wie rasch der Patient nach der H├╝ftoperation wieder auf den Beinen ist, ist ebenfalls abh├Ąngig von der angewendeten Operationsmethode und dem Gesundheitszustand des Patienten. Wird die H├╝fte beispielsweise zementiert, was besonders bei ├Ąlteren Patienten oft der Fall ist, ist der Patient beim St├╝tz- und Bewegungsapparat sofort wieder voll belastbar. Wird nicht zementiert, was bei j├╝ngeren Patienten oft das Mittel der Wahl ist, kann die H├╝fte oft zun├Ąchst zwischen 14 Tagen und drei Wochen mit bis zu halbem K├Ârpergewicht nur teilbelastet werden. Manche Operateure erlauben aber auch hier direkt nach der Operation eine Vollbelastung.

"Was die langfristige Haltbarkeit und Belastbarkeit der beiden Verfahren angeht, sind beide gleich gut. Bei ├älteren wird ├Âfter zementiert, weil Zement bei bestehendem Knochenschwund den por├Âsen Knochen zus├Ątzlich stabilisiert", erkl├Ąrt Usinger. Bei j├╝ngeren Patienten hingegen werde auf die Zementierung verzichtet, da nach einem Zeitraum von 20 bis 25 Jahren ein Austausch der H├╝fte notwendig sein kann. Dann m├╝sse der Zement entfernt werden, was zu Sch├Ąden am Knochen f├╝hren und sich negativ auf die Stabilit├Ąt der neuen H├╝fte auswirken k├Ânne.

Wann Reha nach der H├╝ft-OP?

Wann Patienten nach der H├╝ftoperation in Reha kommen, ist unterschiedlich. Usinger empfiehlt aus der Erfahrung mit seinen Patienten, die Reha im Durchschnitt etwa zehn bis 14 Tage nach dem Eingriff zu beginnen: "Knochen und Gewebe sind direkt nach der Operation noch empfindlich und sollten zun├Ąchst nicht ├╝berbelastet werden. Ist die Wunde gut abgeheilt, lassen sich Rehama├čnahmen wie Wassergymnastik besser und zielgerichteter umsetzen."

Die Knochen brauchen etwa sechs Wochen, die Weichteile bis zu drei Monate, bis die Heilung soweit abgeschlossen ist. Diese Zeit solle man dem K├Ârper geben und es nicht ├╝bertreiben ÔÇô nach einer klassischen Operation ebenso wie nach einem minimalinvasiven Eingriff, so der Rat des Experten. Die Rehabilitation, die auch Gangschulungen und Sturzprophylaxe beinhaltet, dauert in der Regel drei Wochen. Dann d├╝rfen die Patienten nach Hause.

Wie lange Kr├╝cken nach der H├╝ft-OP?

Zu Hause sollten die Patienten ebenfalls sorgsam mit sich umgehen. Bewegung ist wichtig f├╝r Muskeln und Gelenke, aber in Ma├čen. Der Orthop├Ąde empfiehlt, etwa sechs Wochen nach der H├╝ft-OP Unterarmst├╝tzen (Kr├╝cken) zu verwenden. Der Grund: Die durchtrennten und rekonstruierten Muskeln beziehungsweise das Weichgewebe k├Ânnen im Laufe des Heilungsprozesses kurzzeitig an Spannung verlieren. Das ist mit einem erh├Âhten Sturzrisiko verbunden.

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Mit k├╝nstlichem H├╝ftgelenk zuhause: Das m├╝ssen Patienten beachten

Auch sonst gibt es einige Einschr├Ąnkungen nach der H├╝ftoperation je nach Operationsmethode. So sollten Patienten die ersten drei Monate nach dem Eingriff Drehbewegungen mit Beugung in der H├╝fte nach innen oder au├čen vermeiden. Auch sollte die H├╝fte nicht ├╝ber 90 Grad gebeugt werden. Erh├Âhte Sitzkissen und eine Toilettensitzerh├Âhung sind hier eine gute Unterst├╝tzung. Auch darf das operierte Bein nicht ├╝ber das gesunde Bein ├╝bergeschlagen werden. Wie sich Patienten am h├╝ftschonendsten hinsetzen und hinlegen, lernen sie w├Ąhrend der Rehabilitation.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Andrea Goesch
Deutschland

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